Kapitel 1

Der Wind streicht über die Felder, und die Sonne strahlt mir ins Gesicht. In der Ferne sehe ich die Berge, und neben mir breitet sich eine große Fläche von mächtigen Nadelbäumen aus. Ab und zu löst sich ein Tannenzapfen von einem der Äste, und fällt auf den bemoosten Waldboden. Einige Pilze wurden von den Tieren des Waldes angeknabbert, und alle paar Sekunden huscht eines von ihnen durch die Büsche, um auf Nahrungssuche zu gehen. Kann es etwas besseres geben, als hier im Gras zu liegen, und den Geräuschen der Natur zu lauschen? Ich glaube wohl kaum!

Mein Notizblock liegt auf meinem Bauch, und ich entscheide mich dazu, diesen Moment in einer Zeichnung festzuhalten. Zuerst skizziere ich die groben Umrisse, der Landschaft. Danach folgen die etwas kleineren Details wie zum Beispiel Sträucher, Blumen, Tannenzapfen..

Völlig vertieft ins Zeichnen, werde ich wie aus dem Nichts durch ein Geräusch abgelenkt. Es klang wie ein Jaulen, oder heulen eines Wolfes. Immer und immer wieder ertönt dieser Laut. Ohne mir weiter Gedanken zu machen, was ihm wohl geschehen ist, mache ich mich zielstrebig auf der Suche nach dem Ort.

Ich musste einen steilen Hang hinaufklettern, um dort hin zu gelangen. Ein wenig angstvollzogen, blicke ich hinter einem Baum hervor. Da sah ich ihn, das wunderschönste Wesen, welches mir je begegnet ist. Ich bemerkte, dass er Angst hatte, aber nicht vor mir, sondern vor dem, was ihm angetan wurde. Ein Stacheldraht hatte sich um sein Hinterbein gewickelt, und Blut lief aus der Wunde heraus.

Ich duckte mich, damit er mich nicht als Bedrohung wahrnimmt. Langsam, zitternd streckte ich ihm meine, zu einer Faust geballten Hand, entgegen. Die warme Luft, welche aus seiner Nase kam, gab mir ein Zeichen, dass er es mir erlaubt, ihm zu helfen.

Ich flüsterte ihm meine Schritte zu, welche ich anwandt, während ich ihm half. Zuerst durchtrennte ich den Draht, dass er seinen Fuß wieder freibewegen konnte. Danach streckte er ihn durch, damit ich besser an das Metall herankam. Es waren sicherlich grauenvolle Schmerzen, die der Wolf ertragen musste, dennoch schaffte ich es ihn nach etwa einer halben Stunde, ihn zu befreien.

Da ich einen roten Schal um meinen Hals trug, wickelte ich ihn um die Verletzung, damit die Blutung gestoppt wird.

Erleichtert lehnte ich mich an einen Baumstamm, und atmete erst einmal tief durch. Für kurze Zeit schloss ich die Augen, und bemerkte, dass mein Handy klingelte. Es war meine Mutter, sie meinte, dass ich nach Hause kommen sollte. Ich streichelte dem Wolf zur Verabschiedung über den Kopf, und lief dann nach Hause. Dummerweise ließ ich mein Notizbuch liegen, und fragte mich Zuhause, wo ich es hingelegt habe.

Ich suchte es überall, und erinnerte mich dann, wo ich den Tag über gewesen bin. Mitten in meinem Gedankengang, klopfte es an der Holztür meines Zimmers. “Kommst du zum Essen herunter, Charlie?” fragte mich meine Mutter glücklich “Ich muss dir jemanden vorstellen, also beeil dich bitte.” Nickend zog ich mir eine Strickjacke über, und band mir die Haare schnell zu einem Pferdeschwanz zusammen. Ich hörte eine tiefe Männerstimme, als ich die Treppen herunterstieg. Freundliche Blicke, und gelächter schellten in meinen Ohren. Ein Mann mit schwarzen Haaren, drei-Tage-Bart, und weißen Hemd saß an unserem Küchentisch. Meine Mutti war am Tischdecken, und der Kerl grinste mich unverschämt nett an. “Und Sie sind?” fragte ich direkt, und verzog keine Miene. Er nahm meine Hand, und schüttelte sie “Ich bin Frank, der neue Freund deiner Mutter. Freut mich, dich kennenzulernen, Charlie.” antwortete er gelassen. Innerhalb weniger Sekunden wurde ich sauer, und zog meine Hand zurück. “Ich muss nochmal weg, wartet nicht auf mich.” zickte ich herum “Charlie!!”

Ohne Jacke rannte ich die Straße herunter. Ich rannte ohne Ziel. Meine Lunge brannte, mein Herz raste, und meine Beine zitterten. Alle möglichen Gefühle überkamen mich, sowie die ganzen Erinnerungen. Alles spielte sich vor meinen Augen ab, wie er abgeführt wurde. Wie sie zusammenbrach, wie ich nichts verstand.

Als ich mich wieder sammeln konnte, war ich im Wald. Mein Geist wusste wohl einfach, dass ich mich hier am Wohlsten fühle. Das idyllische Gefühl, des Einklangs der Natur erfüllt mich. Die ganze Nacht über, verbrachte ich damit, im Wald zu spazieren, und nachzudenken.

Zum Glück war es am Wochenende, sodass ich selbst entscheiden konnte, wann ich wieder zurück nach Hause kehre.

Ich lief zu einem Wasserfall, um zu sehen, ob irgendwelche wilden Tiere dort sind. Was ich fand, verwunderte mich wirklich. Es war ein Jugendlicher, mit einem gut gebauten Körper. Ich konnte meine Augen gar nicht von ihm ab lassen, so schön war er. Als er in meine Richtung sah, versteckte ich mich hinter einem Busch, in der Hoffnung, dass er mich nicht gesehen hatte. Gerade als ich wieder hinsehen wollte, war er verschwunden. Seufzend drehte ich mich um, und sah ihn vor mir stehen. “Du musst wissen, dass ich nur ganz zufällig hier vorbei gekommen bin. Ich hab' dich noch nie zuvor gesehen, also mach' dir bitte keine Gedanken um mich. Werde so schnell gehen, wie ich gekommen bin..” ich rechtfertigte mich, und stand gerade auf, da blickte er mich an. Für einige Sekunden sah es so aus, als würde er sich an Etwas erinnern, aber das war wohlmöglich nur Einbildung. “Darf ich dir was zeigen bevor du gehst?” verwundert, aber auch neugierig antwortete ich ihm “Na klar, ich hab' sowieso nichts zu tun. Trifft sich also ganz gut.”

Der Fremde nahm mich bei der Hand, und führte mich einen steilen Berg herauf. Was für eine Aussicht: Baumwipfel, so weit das Auge reichte. Die Morgendämmerung gestaltete den Augenblick noch schöner. Wunderschöne Grüntöne färbten die Bäume, und ich fühlte mich für einen kleinen Moment frei von allen Sorgen. Ich vergaß sogar für einige Sekunden meine Höhenangst, und trat unbemerkt einen Schritt nach vorn. Als ich wieder bei Sinnen war, sah ich zum Boden herunter, und machte kleine Tapsen nach hinten zurück. “Geht's dir gut?” erkundigte sich der Braunhaarige “Du sahst gerade echt schockiert aus.” Mit leicht zittriger Stimme entgegnete ich ihm “Ach, halb so wild..ich hab' einfach nur ein bisschen Höhenangst, das ist Alles. Darf ich fragen, warum du unter 'nem Wasserfall geduscht hast?” Mein Gesicht lief rot an, und ich wurde nervös “N-nicht dass ich dich beobachtet hätte oder so..!” Er stellte ich vor mich, und sah mich mit einem ernsten Gesichtsausdruck an “Du musst hier unbedingt weg. Sie dürfen nicht wissen, dass du hier bei mir bist, sonst werden schlimme Dinge geschehen. Wir werden uns schon sehr bald wiedersehen, vertrau mir. Und jetzt: lauf!” ich erschrak “Wie meinst du das, ich soll laufen?” ich hörte lautes Knurren, das übernatürlich klang. Ähnlich, wie das eines Wolfes, aber auch ein wenig anders. Ich tat, wie er mir es befahl, und rannte weg. Als ich mich noch einmal umdrehte, erblickte ich zwei leuchtende goldbraune Augen, die mich sehnsüchtig anstrahlten.

Wie konnte es auch anders sein, es begann zu regnen. Da ich nun wieder allein war, und mich unsicher fühlte, schrie ich. Meine Stimmbänder würden bald zu reißen beginnen, wenn ich nicht aufhören würde. So sehr mich dieser Schmerz auch belastet, ich wollte nicht aufhören. Meine Schreie wurden von Sirenen unterbrochen. Besorgte Stimmen riefen nach mir, und ich kniete am Boden nieder, in der Hoffnung, dass mich irgendjemand finden würde. Nach wenigen Minuten kamen zwei Polizisten auf mich zu, und riefen, dass sie mich entdeckt haben. Durchnässt wurde ich in den Streifenwagen gesetzt, und traurige Blicke wurden mir entgegen geworfen. Sie stellen mir unzählige Fragen, doch ich vernahm keine von ihnen. Alles klang wie, wenn man im Wasser taucht, und die Geräusche auf der Wasseroberfläche abprallen.

Der Motor des Autos verstummte, und ich fühlte eine vertraute Umgebung. Eine weibliche Stimme klang niedergeschlagen, und es öffnete sich die Autotür. Benommen öffnete ich die Augenlider, und sah meine Mutter “Zum Glück ist dir nichts passiert! Komm erstmal rein, ich kümmere mich um dich.” brachte sie heraus. Ich räusperte mich, und sah ihren Dreckskerl schon in der Tür stehen. Sie stützte mich, und wir gingen in die Küche. Völlig fertig, rieb ich mir die Augen, und sah zu meiner Mama hinüber. Sie erkannte wohlmöglich, dass ich gar keine Lust dazu hatte, hier zu sitzen, und zu reden. Erklären, warum ich abgehauen bin, der ganze Kram eben. Ist es denn nicht offensichtlich, dass ich absolut nicht gewillt bin, mit diesem Typen unter einem Dach zu leben? Reicht es denn nicht, dass die Trennung meiner Eltern gerade einmal drei Monate her ist, und ich das Alles erst mal verarbeiten muss? Bist du wirklich so blind vor Liebe, Mama? Mit verschränkten Armen, saß ich nun da, und es herrschte eine unangenehme Stille. Irgendwann meinte der Mann mit sprechen anfangen zu müssen. “Du hast deiner Mutter einen großen Schrecken eingejagt, weißt du das eigentlich? Mach sowas nie wieder, Charlie.” ich war wieder bei klaren Gedanken, und stemmte meine Handflächen auf den Tisch “Du hast mir gar nichts zu sagen, du bist nicht mein Vater, geschweige denn mein Erzieher! Es ist nicht das erste Mal, dass sie sowas erlebt. Seid wenigstens froh, dass ich überhaupt freiwillig wieder hier her gekommen bin. Wenn ihr mich entschuldigt, ich bin müde, und würde gerne schlafen gehen.” presste ich durch meine Lippen hervor. Seufzend sahen mich beide an, und ich stieg die Treppen nach oben.

Ich ließ mich auf mein Bett fallen, und schlug gegen mein Kissen. Die ganze Zeit über versuchte ich zu schlafen, aber es klappte nicht. Also setzte ich mich an meinen Schreibtisch, und kritzelte ein wenig auf meinem Block herum. Immer wieder schoss mir das Bild eines Wolfes in den Kopf. Was sollte das? Vielleicht hatte es etwas mit meiner Begegnung mit dem Wolf im Wald zu tun? Das muss ich rausfinden, aber zuerst ist morgen Schule. Selbst wenn ich so rebellisch bin – zumindest Zuhause – darf ich meine Zukunft nicht vermasseln.

Am nächsten Morgen zog ich mir eine schwarze Highwaist-Hose an, und einen weinroten Pullover. Meine orangenen Haare ließ ich locker herunterhängen, und ich verschönerte mein Gesicht ein wenig. Da ich nicht wirklich ein Fan von Schminke bin, benutze ich nur Wimperntusche, und Augenbrauenpuder. Da ich mich zum Schminken immer ins Bad begab, putzte ich direkt meine Zähne nebenbei. Endlich bereit, um loszugehen fiel mir ein, dass ich noch eine Hausarbeit abgeben musste. Mir wird schon irgendetwas einfallen, um mich da herauszureden.

Entspannt, aber müde schnappte ich mir meinen einfachen schwarzen Rucksack, und ging die Treppen herab. Ich wunderte mich, dass das Licht ausgeschalten war, aber meine Mutter schlief wahrscheinlich noch. Kein Grund sich zu sorgen. Also schnappte ich mir ein bisschen Geld, und lief ruhig zur Bushaltestelle.

Im Bus spielte sich ein Szenario ab, bei welchem ich sonst immer weggesehen hatte. Mobbing. Ich kenne das Gefühl, gemobbt zu werden, und genau deshalb, werde ich jetzt etwas dagegen tun. Einem Fünftklässler wurde die Brieftasche von Siebtklässlern abgenommen. Da sich keiner dazu bereit erklärt hat, ihm zu helfen, tue ich das. Ich entfernte mich von meinem Sitzplatz, und stellte mich dem Mobber gegenüber. “Hey, solltest du dich nicht lieber mit jemandem in deiner Größe anlegen, anstatt von Kleineren? Klar sind sie leichte Ziele, aber fehlt dir da nicht die Herausforderung? Das Adrenalin, der richtige Kick?” stichelte ich ihn an, und als ich meinen Satz beendete, lachten seine Freunde. Der Kleine hatte sich wieder aufgerichtet, und hinter mich gestellt. “Was weißt du schon? Du bist doch nur ein Mädchen, und mit Mädchen legt man sich nicht an.” rümpfte er die Nase, und zog die Brauen zusammen. “Was soll das denn heißen? Hast du etwa Schiss, dass dir ein Mädchen deine Ehre stielt? Du armer Kerl, tust mir ja fast schon ein bisschen Leid, haha.” lachte ich ihm zu. Ich merkte, wie die Wut in ihm hochkam, und er über meine Worte nachdachte. “Nächstes Mal bist du dran.” er drehte sich gerade zur Hälfte um, doch da geschah es mit mir. Ich packte ihn am Kragen seiner Markenjacke, und zog ihn zu mir hoch. “Und du dafür dieses Mal! Pass besser auf, wie du mit den Leuten umgehst.” drohte ich ihm. Der hätte sich fast eingeschissen, so eingeschüchtert war der von meinen Worten. “Dein sogenanntes Mädchen, wird sich sicherlich nicht die Finger schmutzig an 'ner Witzfigur wie dir machen. Denk' über meine Worte nach.” und damit hatte ich ihm den Rest gegeben. Alle Augen waren auf mich gerichtet, und die Leute klatschten. Der Fünftklässler wandte sich mir zu, und bedankte sich für meine Hilfe. Ganz verlegen versicherte ich ihm, dass wenn nochmal soetwas ist, dass er zu mir kommen soll. Er lächelte, und stieg dann aus, genau wie die anderen.

Am Klassenzimmer angekommen, begrüßte mich auch schon meine Freundin Alice. Sie umarmte mich, und setzte sich vor mich hin. “Hast du's schon mitbekommen, Charlie? Wird bekommen einen Neuen in die Klasse! Ich hab' gehört, dass er unheimlich gut aussehen soll, und aus Schweden kommen soll.” verkündete sie ganz aufgeregt. “Oh wow, aus Schweden? Ist ja interessant, was weißt du noch so über ihn?” fragte ich sie desinteressiert. “Also, er soll angeblich allein hierher gekommen sein. Ohne Familie, ohne alles.” Die Tür zum Klassenraum öffnete sich, und weitere Mitschüler trudelten genervt ins Zimmer. Es wurde ein wenig lauter, weshalb ich aus dem Fenster sah, und versuchte mich auf etwas anderes zu konzentrieren. “Ich hab' völlig vergessen, dass du mit Lärm nicht klarkommst.” simste sie mir per WhatsApp.

Der Lehrer betrat den Raum, und begann mit dem Unterricht. Innerhalb der ersten Halbenstunde passierte nichts Spannendes, doch ab der Hälfte der zweiten Stunde kam unser neuer Schüler ins Zimmer. Der Schulleiter begleitete ihn nur bis zum Zimmer, und ging dann wahrscheinlich wieder in sein Büro zurück. Als er nun die ganzen der Klasse auf sich gerichtet hatte, sah er zu mir nach hinten, und ich erkannte diese Augen wieder. Goldbraune Augen, so wie die aus dem Wald. Meine Miene verzog sich ein wenig, und ich wurde skeptisch.

Er stellte sich der Klasse vor “Ich bin Alex, und aus Stockholm hier her gezogen. Freut mich, dass ich in eurer Klasse sein darf.” sein selbstbewusstes Auftreten hinterließ Eindruck. Herr Klemens wies ihn auf den Platz neben mir hin. Der Unterricht wurde fortgeführt, und Alex stieß mich mit dem Zeigefinger an. Ich schrieb auf meinen Block, und er antwortete. “Was ist?” “Ach, nichts. Will nur dein Blatt verunstalten.” “Dein Ernst? Nein jetzt mal im Ernst, was willst du?” “Ich geh' zur Schule, und will dich ein bisschen ärgern, mehr nicht.” Ich knurrte ihn an, und räusperte mich dann. Verwundert sah ich auf meine Hände, und versuchte dem Unterricht weiterzufolgen.

Nachdem es zur Pause geklingelt hatte, kam Alice auf Alex zu “Hey, ich bin Alice. Du kennst dich hier doch noch gar nicht aus, oder? Sollen wir dir die Schule zeigen?” “Ohne mich.” dankte ich höflich ab. Enttäuscht sah mich Alice an, und nahm mich zur Seite “Entschuldige uns mal kurz, ja?” lächelte sie ihm zu. Die Blondine legte ihre Arme um meine Schulter, und fing an zu predigen “Charlie, das kannst du doch nicht tun. Siehst du denn nicht, was ich hier versuche? Du musst mich ein wenig unterstützen, als meine beste Freundin, bitte. Nur dieses eine Mal, es ist wichtig.” flehte sie mich an. Nett wie ich war, lief ich den beiden wie ein Schoßhund hinterher. Da mein kleines Blondchen es nicht mitbekam, wie ihre Flirtversuche kläglich scheiterten, erinnerte ich sie daran, dass sie noch etwas für den Schulleiter erledigen sollte.

Wir beide waren nun allein im Kunstraum, und ich konnte ihn endlich zur Rede stellen. Ich schnaufte, und setzte mich auf die Fensterbank. “Also, der Grund, weshalb du hier bist ist..?” verwundert blickt er mich an “Wie meinst du das? Ich gehe ganz normal zur Schule, wie du auch.” War er nicht der Typ im Wald? Verarscht er mich gerade? Ich sprang vom Fensterbrett herunter, und zog die Brauen zusammen. “Du verarscht mich hier gerade oder? Du warst doch der Typ im Wald neulich..Du hast mir gesagt, dass ich weglaufen soll!” zischte ich ihn an. Alex zuckte nur mit den Schultern, und sah desinteressiert weg. Er lief ein wenig im Raum herum, und kritzelte ein wenig an der Tafel herum. Genervt sah ich ihn an, und knurrte leise. “Ich hab's so satt, dass mich keiner Ernst nimmt!” schrie ich, und trat gegen einen Stuhl. Gereizt stand ich am anderen Ende des Raumes, er lief vorsichtig auf mich zu, und versuchte mich zu beruhigen, doch das verschlimmerte alles nur. “Hey, ist ja schon gut. Du kannst wieder runterkommen. Du hattest Recht, ich wollte dich nur ein wenig ärgern..” rechtfertigte er sich. Meine Augen begannen sich golden zu verfärben, und ich rutschte an der Wand auf den Boden herunter. Seine Augen verfärbten sich ebenfalls, und ich entspannte mich ein wenig.

Es klopfte an der Tür, und Alice sprang fröhlich in den Raum. “Naaa ihr? Ich hab' meine Aufgaben erledigt, ihr hatten hoffentlich nicht zu viel Spaß ohne mich! Weiter geht's.” pfeifte sie. Alex stand auf, und half mir hoch. Unsere Augen waren wieder normal, und ich steckte die Hände in die Hosentaschen “Nichts Interessantes ist passiert. Lass uns weitergehen.”

Alex lief neben Alice her, und ich fühlte mich ein wenig wie das dritte Rad am Wagen. Zum Glück waren wir vom Unterricht freigestellt worden, um ihn durch die Schule zu führen. Der Rundgang dauerte ins Gesamt noch weitere 45-Minuten, und endete in der Schulkantine.

Ich streckte meine Arme aus, und freute mich darüber, dass wir endlich fertig sind. “Na da ist aber jemand glücklich. Endlich essen, was?” neckte das Wolfsblut mich. Zielsicher holte ich mir ein Tablett, und stellte mich gemeinsam mit den anderen an. Ein einfaches Sandwich mit Salami, und eine Flasche Obstsaft genügten mir heute. Alex hingegen kaufte sich zwei Sandwiches, und eine Flasche Sprudelwasser. Wir setzten uns gemeinsam an einen Tisch, und ich fing an zu essen. Alex wollte nicht aufhören mich anzustarren, also trat ich leicht mit meinem Fuß gegen sein Bein. “Wofür war der denn?!” “Fürs unerlaubte Anstarren.” ermahnte ich ihn. Als wir fast fertig mit dem Essen waren, hatte sich jemand auf einen Tisch gestellt, und um Ruhe gebeten. Aus der Ferne konnte ich erkennen, dass es Gabriel war, ein Bonzenkind. “Wie ihr sicher wisst, haben wir einen Neuen in der Schule. Wieso hat er sich denn nicht vorgestellt? Ach ja, er ist ja ganz alleine hier. Ohne Familie, ohne irgendwen. Vielleicht macht man das so in Stockholm?” lachte er und versuchte Alex zu provozieren. Alex sah in die Richtung von Gabriel, und er sah entschlossener denn je aus. Ich nahm seine Hand, doch er war schneller als ich, und lief auf den Reichen zu. “Oho, er traut sich ja doch?” schrie er. Alex plusterte sich auf, und stand nun vor ihm auf dem Tisch. Man sah einen deutlichen Größenunterschied: Alex war einen Kopf größer. Er hatte seine Fäuste geballt, und seine Adern waren zu sehen. Schwarzes Blut floss durch sie hindurch. Ohne die Situation richtig zu überdenken rannte ich nach vorne, und stellte mich zwischen die beiden. “Das bringt doch nichts. Lasst euch einfach in Frieden, und geht getrennte Wege.” befahl ich den beiden. Sie gehorchten, und aus dem wilden Alex wurde mein Schoßhündchen – zumindest für einen kurzen Moment.

Kommentare

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    fesselnd, beeindruckend, spannend! Ich konnte nicht aufhören zu lesen. Ich war sehr neugierig wie es weitergeht. Vielleicht ein bisschen zu viele Zufälle für meinen Geschmack. Ich bin gespannt wie sich die Beziehung zu ihrem Vater entpuppt und die zu dem neuen Freund ihrer Mutter entwickelt. Schreibstil wie immer sehr gelungen :)

  • Author Portrait

    Awesome! Vor allem die Landschafts/Stimmungsbeschreibung sind zutiefst gelungen. Der Anfang lässt einen gleich in die Story eintauchen :)

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