Kapitel 1

Die kalte Luft pustet durch unser kleines Dorf und lässt mich er schaudern. Ich stapfe durch den eisigen Schnee. Für einen Moment schließe ich die Augen und genieße den Geruch von Salzwasser und Fisch. Dann öffne ich meine Augen wieder und stapfe weiter. Der Schnee liegt Knie hoch. Auf einmal vernehme ich ein lautes Schnauben und hebe den Kopf. Dort, einige Meter von mir steht meine Pferd Deventer. Es hat dunkelbraunes Fell und treue dunkelbraune Augen. "Hallo Kumpel

", begrüße ich meinen besten Freund. Das Pferd wiehert freudig und kommt auf mich zu getrabt. Ich lache und streichele seine Nüstern. Dann laufe ich um Dev herum und fahre mit der Hand über seinen Rücken. Plötzlich öffnet sich die Tür unseres kleinen Blockhauses und Emily streckt ihren Kopf hinaus. Ich ignoriere sie vorerst und schwinge mich auf Deventers Rücken. Den Sattel lasse ich weg, da ich weiß, dass mein Freund mich nie mit Absicht hinunter werfen würde. Trotzdem greife ich bei langen Ausritten oder Reisen in andere Städte immer auf den Sattel und das Zaumzeug zurück. Ich spüre Deventers warmen Körper an meinen Beinen und schmiege mich an ihn. Doch dann vernehme ich auch schon Emilys Rufe:"Ethan. Komm mal. Ethan." Ich verdrehe die Augen. Wieso kann SIE nicht einfach zu her kommen. Sie ruft weiter und als es anfängt zu nerven, reite ich zu ihr. Kurz vor der Veranda stoppe ich das Pferd und frage:"Was ist los?" "Mama will, dass du dich kurz um Gracie kümmerst, damit sie sich um kochen und sich um Flocke kümmern kann." Ich schnaufe und springe von meinem Pferd, um zu meiner kleinen Schwester zu gehen.

Gracie sitzt auf dem Küchenboden und sieht meiner Mutter beim Kochen zu, die gerade einen Topf auf den heißen Herd stellt. Ich lasse meinen Blick durch den Raum wandern. Der Kamin knackt und einige Funken fliegen. Ich hebe Gracie hoch und sie lacht. Ich habe die Kleine echt gern und kümmere mich gerne um sie, schließlich haben meine Eltern ja nicht ständig Zeit für sie. Mein Vater ist schließlich ständig beim Fischen, um Geld für uns zu verdienen und meine Mutter muss sich dadurch fast alleine um vier Kinder und den Haushalt kümmern.

Ich gehe mit Gracie im Arm in ihr Zimmer. Dort stehen ihr Kinderbett und ein notdürftig aus Ästen zusammengebauter Laufstall für das Kleinkind. Ich setze sich hinein und gebe ihr ein Spielzeug. Sie lacht:"Pielst du mit mir Ethan?" Ich muss lachen:"Natürlich meine Kleine."Wir spielen eine Weile bis meine Mutter zum Essen ruft. Ich nehme Gracie wieder aus dem Laufstalle und nehme sie mit nach unten.

Schon auf der knarrenden Holztreppe rieche ich was es zu essen gibt. In diesem Moment stellt meine Mutter den Topf auf den Tisch. Die ganze Familie, abgesehen von meinem Vater, setzt sich an den Tisch und beginnt zu essen.

Auf einmal klopft jemand an der Tür und wir sehen uns fragend an. Wer kann das wohl sein. "Geh mal bitte gucken, wer da ist", bitter meine Mutter Emily. Sie erhebe sich seufzend und öffnet die Tür. Ich lehne mich auf meinem Stuhl zurück, um nach zu sehen, wer vor der Tür steht. Es ist der Postbote. Er redet kurz mit meiner Schwester, doch ich kann nicht verstehen, was sie sagen. Dann gibt er Emily einen Brief und sie schließt die Tür wieder. Der Postbote kommt sonst immer sonntags. Dabei ist heute aber gerademal Dienstag. Emily kommt an den Tisch zurück und wirft mir den Brief zu:"Für dich." Ich fange ihn und öffne ihn blitzschnell mit einem Finger. Dann nehme ich das Briefpapier heraus und beginne laut vor zu lesen, was auf dem Papier steht.

Sehr geehrter Mr Silver,
wir freuen uns ihnen mit zu teilen zu dürfen, dass wir sie in unsere Militärausbildung am königlichen Hofe von Caídos aufnehmen werden. In einer Woche beginnt ihre Ausbildung dort. Es ist ihnen erlaubt ein Haustier mit zu bringen.
Wir wünschen ihnen eine gute Reise nach Caídos.
Der königliche Militäroffizier

Ich springe von meinem Stuhl auf und hebe den Blick vom Papier:"Leute. Wisst ihr was das heißt? Ich werde Ritter am Palast von Caídos." Ich kann es nicht glauben. Ich habe aber nur noch eine Woche. Alle starren mich fassungslos an. Dann durchbricht meine Mutter die Stille:"D-Das ist schon, Schatz." Ich lege den Kopf schief:"Was ist los, Mama?" "Na ja, du verlässt uns. Die Vorstellung, dass du einfach nicht mehr da bist ist einfach merkwürdig", sagt Emily nun. Ich nicke. Sie hat Recht. Auch für mich ist die Vorstellung, dass meine Familie nicht mehr immer an meiner Seite ist merkwürdig, doch ich werde das schon schaffen. "Wir schaffen das aber schon irgendwie Ethan. Wir wollen doch nur, dass du glücklich bist. Jetzt pack deine Sachen verschwinde endlich. Das ist deine Chance. Ergreife sie", sagt mein Bruder überraschender Weise. Ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal etwas so freundliches hören von ihm hören würde. Dann drehe ich um und laufe die Treppen hoch. Bevor ich jedoch ganz verschwunden bin, rufe ich noch:"Danke Berry."


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