Kapitel 1

Dad und ich sitzen auf der Couch und trinken Kakao mit Marshmallows. Das ist mein absolutes Lieblingsgetränk. Ich trage eine weiße Strickjacke und habe meine Beine mit einer Wolldecke zu gedeckt. Mein Dad sitzt neben mir und zappt durch das Programm. Wir haben uns darauf geeinigt heute einen Weihnachtsfilm zu schauen. Zwar ist heue erst der erste Dezember, doch das ist bei meinem Dad und mir so Tradition. Jedes Jahr am ersten Dezember schauen wir irgendeinen Weihnachtsfilm. Ich wackele mit den Zehen. Ich trage bunte Kuschelsocken. Wieso ich so viele Sachen anhabe? Naja, ich friere schnell und bin auch schlecht durchblutet, außerdem finde ich es so ziemlich gemütlich.

Ich werfe kurz einen Blick nach draußen. Der Schnee fällt in dicken, weißen Flocken vom Himmel und bleibt auf dem Boden liegen. Es scheint schon seit ich heute Morgen mit meinem Fahrrad zur Schule gefahren bin.

Mom musste schon früh zur Arbeit und ist, wie üblich, noch nicht zurück, um Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. Durch ihren Job lässt sich das aber nicht ändern. Schließlich kann man als Ärztin nicht entscheiden, ob man der Person jetzt das Leben retten will oder nicht. Sie muss nun mal ins Krankenhaus fahren, wenn sie angerufen wird. So ist es halt.

Dad reist mich aus meinen Gedanken:"Trink schnell deinen Kakao, sonst wird er noch kalt!" Ich nicke und nippe an meiner Tasse. Die heiße Flüssigkeit rinnt langsam meine Kehle hinunter und wärmt mich von innen.

Dad deutet auf den flackernden Bildschirm des Fernsehers:"Wie wäre es damit?" Ich nicke zustimmend. Den Film kenne ich zwar schon, doch was soll's. So einen guten Film kann man auch mehrmals anschauen.

Als ich ausgetrunken habe und alle Marshmallows verputzt habe, klingelt es plötzlich an der Tür. Wir werfen uns einen verwirrten Blick zu. Wer kann das nur sein? "Ist das Mom?", frage ich verwundert. Dad schüttelt den Kopf:"Unmöglich! Sie hat heute Morgen ihren Schlüssel mitgenommen." Ich runzele die Stirn. Dann erhebe ich mich vom Sofa und gehe zur Tür.

Ich schaue nicht erst durch den Türspion, sondern öffne sofort.

Vor der, nun geöffneten, Tür stehen zwei Männer in Uniformen. Polizeiuniformen! Ich mustere die Beiden kurz, bevor ich den Blick auf ihre Gesichter hefte und nervös frage:"W-Was kann ich für sie tun, Officers?" "Wohnt hier Familie Peters?", fragt einer der Beiden. Ich nicke wortlos. "Ist Greg Peters, denn ebenfalls zuhause?", fragt nun der Andere. Ich drehe mich in Richtung des Wohnzimmers und rufe mit zitternder Stimme:"Dad! Kannst du mal bitte kommen? Du hast...Besuch!"

Ich höre das knarzende Geräusch der Couch, als mein Vater sich erhebt und zu mir heran getrabt kommt.

Als er die Polizisten entdeckt, weiten sich seine Augen. Er beginnt zu stottern:"Ähm, Hallo Officers! Wie kann ich ihnen behilflich sein?" "Sind sie Greg Peters?", fragt der Polizist, als wolle er ganz sicher gehen, dass er auch wirklich mit meinem Vater redet. Er nickt:"Was bringt sie zu uns?" "Ein Haftbefehl!", sagt der Polizist kühl. Mir fällt die Kinnlade herab und mein Dad starrt die beiden Männer fassungslos an:"Was?" "Wir müssen sie leider mit auf die Wache nehmen. Dort werden wir ihnen die Einzelheiten mitteilen", sagt Einer und ich bemerke, dass er beruhigend zu klingen versucht. Das kann er sich aber auch sparen. Wer bleibt bitte ruhig, wenn die Polizei vor der Tür steht und einen mitnehmen will? Ich fasse mir ein Herz und sage bestimmt:"Nein, das können sie vergessen! Ich will wissen, was passiert ist."Ich muss es einfach wissen schließlich muss es ziemlich schlimm sein, wenn sie ihn sofort mit nehmen müssen. Einer der beiden Männer beugt sich zu mir hinunter und beginnt mir, wie einem trotzigen Kleinkind, zu erklären, was hier eigentlich los ist:"In der Nacht vom dreißigsten November auf den ersten Dezember, also gestern Nacht, wurde in dieser Stadt ein Mann in seiner Wohnung tot aufgefunden. Er was über und über mir Blut bedeckt. Neben ihm wurde eine Axt gefunden. Auf der Axt steht der Name deines Vaters und es wurden noch einige weiter Indizien gefunden, die deinen Vater ganz klar zum Hauptverdächtigen machen." Der Mann verstummt. Ich erinnere mich daran, dass mein Vater eine Axt besitzt. Sie war eine Spezialanfertigung für ihn. Der Polizist fährt fort:"Alles spricht gegen ihn, also haben wir den Befehl bekommen ihn mit auf die Wache zu nehmen. Es tut mir leid." Mir steigen Tränen in die Augen. Das muss ein schrecklicher Albtraum sein. Das hier, das alles, kann nicht echt sein. Es muss ein Missverständnis sein.

Der Polizist nickt meinem Vater zu und gibt mir einen Kuss auf die Stirn. Was? Wieso geht er einfach mit ihnen mit? Er ist doch unschuldig, oder?

Ich schaue ihn fragen an. Er antwortet auf meine unausgesprochene Frage:"Alles wird gut! Sag deiner Mutter, was passiert ist! Vertrau mir. Sei stark, okay?" Ich nicke still und schaue mit Tränen in den Augen zu wie mein Vater in den Einsatzwagen steigt und von den Polizisten zur Wache gefahren wird. Der Abend lief nicht so wie ich es mir gewünscht hatte!

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