Kapitel 1

Ich öffne meinen Spind. Darin liegen ein Apfel, eine Wasserflasche und meine Alltagskleidung. Ich nehme die Kleidung heraus und lege sie auf eine Bank. Das war mal wieder ein sehr anstrengender Arbeitstag. Eine zehn Stunden OP ist echt kein Spaß, doch dieser Herzklappenersatz war es mir wert. In unsere Gesellschaft kommt das nämlich nicht allzu oft vor.

Ich ziehe meine Krankenhauskleidung und meinen Doktorkittel aus. Den Kittel falte ich und hänge ihn an einen Haken, während ich meine Krankenhauskleidung in meine Handtasche packe. Auch die Wasserflasche packe ich ein. Ich ziehe meine Alltagskleidung an. Ein schwarzes Kleid, hohe schwarze Schuhe und mein Wintermantel. Es ist kalt draußen, fast winterlich. Ich löse den Zopf und meine Haare fallen in Locken über meine Schulter.

Dann schließe ich meinen Spind wieder und beiße in den Apfel hinein. Das Krankenhaus ist fast leer und es ist dunkel draußen. Ich knipse das Licht aus und laufe durch das Krankenhaus. Ich komme an den Zimmern meiner Patienten in der Unfallchirurgie vorbei und schaue noch einmal ob es ihnen gut geht. Ja, alles sieht gut aus. Heute Nacht kamen viele Opfer rein. Unter ihnen war auch ein kleines Mädchen.

Ich bleibe an ihrem Zimmer stehen. Sie liegt in ihrem Bett alle viere von sich gestreckt. Ihr Körper liegt schlaff herum und sie wirkt kraftlos. Ihr langes blondes Haar ist zerzaust und ihre Augen sind geschlossen. Sie schläft, doch ich sehe, dass sie schmerzen hat. Ich gehe leise in ihr Zimmer und klicke auf die Glaswand. Darauf erscheint die Akte des Mädchens. Sie heißt Grace McMillan. Ich nehme ein Messgerät aus einer Glasnische in der Wand und gehe mit ihm in der Hand zu dem Mädchen. Ich nehme vorsichtige ihren Arm immer darauf bedacht, dass sie nicht aufwecke. Das Gerät piept leise und ich drücke das Gerät in ihren Arm. Es gräbt sich in ihre Haut ein und ein wenig dunkelrotes Blut rinnt ihren Arm hinab. Ich wische es mit einem Tuch weg. Das Mädchen regt sich leicht, schläft aber weiter. Nach wenigen Sekunden erscheint ein Bild auf der Glaswand. Sie ist Teil einer von uns Unnaturals entwickelten Technik. Wir können nun Daten in Glasplatten speichern und sie jederzeit abruft. Mittlerweile gibt es auch Technik mit Hilfe derer man durch eine Glasplatte in den Körper gucken kann. Es funktioniert in etwa so wie röntgen.

Ich ziehe das Gerät wieder aus ihrem Arm und stecke es zurück in die Glasröhre. Dann wende ich mich der Glaswand zu. Darauf sind nun neue Informationen zu lesen. Ich lese laut:"100% Unnatural DNA, sieben Lungenlappen, drei Nieren." Dann lese ich mir noch einmal durch weshalb sie hier ist:"Sie hatte einen Autounfall. Ihre Eltern waren Schuld. Beide sind tot." Wie kann das sein? So etwas passiert nicht einfach. Autounfälle werde immer seltener, kommen jedoch trotzdem vor. Ich schiebe Graces Akte ein Stück zur Seite und öffne die ihrer toten Eltern. Wir haben sie kurz vor ihrem Tod noch ins Krankenhaus auf genommen. Dann checke ich ihre DNA. Sie liegt ebenfalls bei 100%. Wie können sie dann Schuld gewesen sein? Hätten sie nur ein 1% menschliche DNA hätte ich den Unfall nachvollziehen können, doch so bleibt es für mich ein Rätsel. Ich ruft das Blutbild der Eltern, sowie Graces auf. Ich schrecke zurück. Auf den Blutbildern ist etwas Schreckliches zu sehen. Die Werte sind unterdurchschnittlich Schlecht und es gibt ein Video, welches ich betrachte. Es ist die Aufnahme des Blutes wie es in den Adern fließt. Auch das ist nun möglich. Wir können nun auch das Blut in den Adern sehen und auch Viren und Krankheitserreger vergrößern ohne ein Mikroskop zu benutzen. Das Blut der Eltern ist silbrig und wirkt metallisch. Zudem sind merkwürdige Klumpen in den Adern zu erkennen. Ich zoome ran.

Nun ist ein Krankheiterreger zu erkennen. Er ist silberfarben und hat lange Ende, die er weit von sich streckt. An manchen Stellen haben sich mehrere von ihnen zusammengeschlossen und bilden ein Netz, welches die Adern verlumpen und das Blut langsamer fließen lassen. Das muss es sein. Wenn weniger Blut fließt, funktioniert unser Hirn nicht richtig und wir bewegen uns wie benebelt.

Ich schreibe einen Kommentar dazu und schließe die Akten wieder. Die Glaswand erlischt und ist wieder nur Glas. Heute kann ich für das Mädchen nichts mehr tun. Ich verlasse das Zimmer und schließe die Glastür hinter mir.

Ich trete aus dem Krankenhaus hinaus auf die belebten Straßen von Padre unserer Hautstadt. Es ist kalt und ein wenig Schnee fällt auf mich herab. Ich schaue mich um und atme die kalte Luft ein. Um mich herum ragen die Hochhäuser Padres auf. Sie haben Glasfassaden und die Straßen sind mit schwarzem Stein gepflastert. Ich winke ein Taxi herbei. Es fährt zu mir heran und ich steige an. "Wohin?", fragt der Taxifahrer unfreundlich. Ich antworte freundlich und gebe ihm das Geld für die Fahrt:"Zur Washington Street 15 bitte." Er nickt und fährt mich zu dem von mir angegebenen Ort.

Wir müssen an einigen Ampeln halten, bis wir an meiner Wohnung angekommen sind. Ich steige aus und verabschiede mich:"Danke schön. Schönen Tag noch." Er nickt nur kalt und fährt weg. Ich gehe zu dem Gebäude, in dem sich meine Wohnung befindet. Aus meiner Handtasche krame ich den Wohnungsschlüssel und schließe die Tür auf.

Im Treppenhaus angekommen, steige ich in den Fahrstuhl. Er besteht fast komplett aus Glas. Nur der Boden ist aus Marmor. Ich drücke auf den Knopf mit der Stockwerknummer 44. Nach wenigen Minuten ist der Fahrstuhl in Stockwerk 44 angekommen und ich verlasse den Fahrstuhl.

An meiner Wohnungstürangekommen, halte ich meinen Finger an den Fingersensor und die Wohnungstür schwingt auf. Jede Tür in diesem Haus hat so einen Sensor. Ich trete hinein und schließe die Tür hinter mir. Dann streife ich die Schuhe ab und hänge den Mantel an den Kleiderständer. "Hallo M.O.R.T.I.", begrüße ich meine künstliche Intelligenz freundlich. M.O.R.T.I. antwortet mir ebenso freundlich:"Guten Abend, Ms. Harris. Wie war ihr Tag?" Ich muss lächeln. Ich rede gerne mit M.O.R.T.I. er ist permanent freundlich und war mir steht's ein treuer Freund. Ich habe ihn in meiner Zeit auf der Universität selbst entwickelt und bin sehr zufrieden mit ihm. Er hat immer mehr gelernt und ist nun sogar noch schlauer als ich. Ich gehe in die Küche und wähle auf einem Touchpad ein Gericht. Ich entschiede mich für ein Schokoladeneis. Meine Lieblingssorte. Das Eis erscheint im Kühlschrank und ich nehme es und einen Löffel heraus:"Mein Tag war spitze. Ich hatte eine super OP." Ich klatsche in die Hände und das Licht im Wohnzimmer geht an. Dann setze ich mich aufs Sofa und beginne mein Eis zu essen:"Was ist heute so in der Welt passiert?" "In Agrava gab es heute eine unerlaubte Zeitreise", berichtet M.O.R.T.I.

Das ist nichts ungewöhnliches immer wieder versuchen Unnaturals mit einer menschlichen DNA von über 75% in der Zeit zurück zu reisen, um die Auslöschung der Menschheit zu fernhindern. Es klappt jedoch nie. Die SSG 34 hält diese Unnaturals immer auf und dann werden sie hart bestraft. Es ist uns nämlich verboten zurück zu reisen, da die Technik einerseits noch nicht so ausgereift ist und andererseits verboten ist.

"Und? Wurde er geschnappt?", frage ich Eis essend. "Ja. Er wurde um exakt 13.42 Uhr in Agrava geschnappt. Nun wartet eine Gerichtsverhandlung auf ihn", erklärt er sachlich. Ich nicke. Als ich mein Eis aufgegessen habe, werfe ich den Becher in den Müllschacht und gehe ins Bad um zu duschen. Die Dusche hat eine Glaswand auf die ich, genau wie im Krankenhaus zuvor klicke. Ich ziehe meine Kleidung aus und stelle mich unter die Dusche. Auf der Wand erscheint ein Feld mit dem ich die Wärme und die Menge des Wassers, welches aus der Dusche kommt, regulieren kann. Ich stelle das Wasser auf 48 Grad und mache die Dusche an. In Sekundenschnelle bin ich nass und das Wasser tropft an meinem Körper hinab.

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