Kapitel 1

Ich werde auf einer Liege durch das Krankenhaus gefahren. Meine Mutter geht an meiner Seite. Mein Vater ist nicht an meiner Seite, da er noch auf Geschäftsreise ist. Zwei Schwestern schieben meine Liege und meine Mutter drückt meine Hand sanft. Ich streichle währenddessen meinen dicken Schwangerschaftsbauch. Die Wehen haben vor etwa einer halben Stunde angefangen und meine Mutter hat mich ins Krankenhaus gebracht. Immer wieder habe ich Wehen. Es tut höllisch weh, aber ich weiß, dass es bald vorbei sein wird.

Ich werde in den Kreissaal gebracht und muss kurz warten. "Hast du dir schon Namen überlegt, Skye?", fragt meine Mutter mich. Ich nicke:"Ja, aber die verrate ich dir jetzt noch nicht, Mum. Lass dich überraschen." "Eigentlich liebe ich ja Überraschungen, aber die hier ist doof", sagt meine Mutter etwas beleidigt. Sie tut mir ein bisschen leid:"Tut mir leid, aber du erfährst es sobald ich die Kinder in meinen Armen halten." Sie schmollt etwas.

In diesem Moment öffnet sich die Tür des Kreissaals und eine Ärztin und einige Schwestern kommen herein. Unter den Schwestern ist auch eine Hebamme. Die Ärztin hat rote Haare und grüne Augen. Sie trägt einen weißen Arztkittel und auf ihrem Namensschild steht 'Dr. Montgomery'. Sie stellt mich erst einmal den Schwestern und der Hebamme vor:"Skye Carter. 16 Jahre alt. Schwanger im neunten Monat. Vor einer drei viertel Stunde wurde sie von ihrer Mutter hergebracht. Sie erwartet Zwillinge. Die Geschlechter wollte sie noch nicht wissen." Also bis jetzt stimmt alles. Sie scheint meine Akte echt gut zu kennen. Das Geschlecht meiner Zwillinge wollte ich wirklich noch nicht wissen, denn im Gegensatz zu den meisten meiner Freundinnen, liebe ich Überraschungen.

Die Schwestern beobachten jede meiner Bewegungen. Ich weiß, dass ich erst 16 bin, aber die Schwangerschaft war ja auch nicht geplant. Ich hätte zwar abtreiben können, aber ich hätte es nicht übers Herz gebracht meine eigenen Kinder zu töten. Und eine Adoption kommt auch nicht in Frage, da ich es eines Tages bereuen würde.

"Ok, Miss Carter. Ich würde jetzt mal gerne einen Blick auf deinen Muttermund werfen, ist das ok?", fragt die Ärztin. Ich fühle mich überrumpelt und werfe meiner Mutter einen fragenden Blick zu. Sie nickt mir auf munternd zu. Ich bin so froh, dass sie bei mir ist. "Ja, ist ok", sage ich tapfer. Doktor Montgomery setzt sich auf einen Hocker und nimmt meinen Muttermund unter die Lupe. Es ist mir sehr unangenehm und ihre Hände sind kalt. Ich beiße mir auf die Lippe und meine Mutter nimmt wieder meine Hand. "Das erste Kind liegt mit dem Kopf nach vorn. Wir müssen einen Kaiserschnitt machen", verkündet die Ärztin. "Was?", frage ich geschockt. Die Ärztin beginnt zu erklären:"Wenn wir keinen Kaiserschnitt machen, kann das Kind bei der Geburt sterben." Ich nicke:"Na gut. Dann machen sie einen Kaiserschnitt." Sie nickt und klappt das Geländer meines Bettes hoch. Doktor Montgomery und zwei Schwestern schieben mich im Bett in den OP. Meine Mutter läuft bis zur roten Linie neben mir her. Weiter darf sie nicht.

Im OP bekomme ich eine Haube aufgesetzt und werde auf den OP-Tisch gelegt. Davor muss ich mich ausziehen, damit die Chirurgen ungehindert operieren können. Dann werde ich von einem Anästhesisten betäubt, sodass ich keinen Schmerz mehr spüre. Die Ärztin schmiert meinen großen Schwangerschaftsbauch mit einem braun-orangenen Öl ein. Dann gibt eine Schwester der Ärztin ein Skalpell. Die Ärztin macht einen großen Schnitt in meinen Bauch. Kurz kneife ich die Augen zusammen und warte auf den Schmerz, doch der tritt nicht ein. Ich öffne meine Augen wieder und schaue überrascht. Die Narkose funktioniert wirklich.

Nach einer halben Stunde ist es soweit und Doktor Montgomery holt meine beiden Kinder. Beide schreien laut. Das ist ein gutes Zeichen. Ich kann die Kinder zwar nicht sehen, bin mir aber sicher, dass sie süß sein werden. Ich hatte mir bereits Namen überlegt, kannte damals das Geschlecht aber noch nicht.

Ich bin vor Erschöpfung noch auf dem OP-Tisch eingeschlafen und als ich wieder meine Augen öffne, bin ich nicht mehr im OP. Ich befinde mich in einem weißen Krankenhauszimmer und liege in einem Krankenhausbett. Neben mir sitzt meine Mutter und in einem kleinen Kinderbett auf der anderen Seite von mir liegen meinen beiden Kinder.

Als meine Mutter bemerkt, dass ich wach bin, beginnt sie sofort mich voll zu texten:"Super Skye. Du bist wach. Willst du zu deinen Kindern? Hast du sie schon gesehen?" Ich strecke mich:"Nein, ich habe sie noch nicht gesehen, ich bin während der OP eingeschlafen. Und ja ich würde sie gerne nehmen." Sie schaut mich entschuldigend an:"Tut mir echt leid, aber ich bin noch so aufgeregt. Wie heißen sie denn jetzt?" Ich überlege kurz:"Gib sie mir. Wenn ich sie ansehen weiß ich sofort wie ich sie nennen will." Meine Mutter nickt und erhebt sich, um mir meine Kinder zu geben. Sie hebt das Erste aus dem Bettchen und legt sie mir vorsichtig in den Arm. "Es sind zwei Mädchen", erklärt meine Mutter mir. Ich nehme das erste Kind auf den Arm. Das kleine Mädchen hat dunkelbraunen Haarflaum auf dem Kopf und funkelnde braune Knopfaugen. Sie streckt ihre Hand nach mir auf und ich gebe ihr meinen Finger:"Hallo meine Kleine. Ich bin deine Mama. Skye." Sie lächelt süß und ich tue es ihr gleich. Nach einigen Sekunden habe ich für einen Namen entschieden:"Du bist meine kleine Diana!" Sie sieht mich fragend an. Wahrscheinlich hat sie nicht einmal verstanden, was ich gesagt habe, aber das ist ja auch normal. Sie ist ein Neugeborenes. Mein Neugeborenes. Meine Mutter meldet sich zu Wort:"Das ist ein wunderschöner Name, Skye. Ich wusste auch sofort, wie ich dich nennen wollte, nachdem ich deine himmelblauen Augen zum ersten Mal gesehen hatte." Ich lächele. Ja, da hat sie mal wieder Recht. Meine Augen sind wirklich so blau wie der Himmel. Die dunklen Haare hat Diana also von ihrem Vater.

Ich weiß eigentlich nicht viel über ihn. Als ich vor neun Monaten schwanger wurde, war das ja schließlich auch nicht geplant. Wir hatten uns in einer Bar getroffen und er hat mich mit zu sich genommen. Dann bin ich halt schwanger geworden. Ich weiß eigentlich so gut wie gar nichts über ihn. Nur wie er aussieht und wie er heißt. Wo er wohnt weiß ich nur noch wage. Ich hatte ihn nachdem ich von meiner Schwangerschaft erfahren hatte, in einer Bar wieder getroffen und habe ihm davon erzählt. Er wollte jedoch nichts davon wissen und hat sich auch nicht mehr gemeldet. Sein Name ist Liam Brown und ich glaube er ging in die 12. Klasse. Jetzt wo meine Eltern mich von der Schule abgemeldet haben, damit ich mich um die Kinder kümmern kann, habe ich meine Freunde und auch Liam schon länger nicht mehr zu Gesicht bekommen. Natürlich gehe ich noch zur Schule, aber nicht auf einen richtige. Meine Eltern haben mich auf einer teuren Internetschule angemeldet, dessen Schülerinnen und Schüler, die übers Internet zu Schule gehen, sich fünfmal im Schuljahr in der Schule treffen müssen, um mit Betreuern zu lernen. Wenn die Kinder größer sind, hat meine Mutter mir versprochen, dass ich diese Schule auch im richtigen Leben besuchen darf, da die Schule nicht nur lernen übers Internet, sondern auch echten Unterricht an bietet. Es ist schon schade, dass ich meine Freunde nicht mehr so oft sehen kann, aber nach dem ich ihnen von der Schwangerschaft erzählt habe, haben sich sowieso die Meisten von mir abgewendet. Die Einzige, die mir eigentlich noch geblieben ist, ist Charly. Wir kennen uns seit wir klein sind und sie hat mir auch während der Schwangerschaft immer beigestanden, was wohl auch ein bisschen daran liegt, dass sie kleine Kinder liebt und ich bin mir zu fast hundert Prozent sicher, dass sie auch meine kleinen Kinder lieben wird. Meine Mutter legt Diana zurück in ihr Kinderbettchen und nimmt nun auch das andere Neugeborene in auf den Arm. Dann gibt sie sie mir.

Meine zweite Tochter hat kurz blonde Haare auf dem Kopf und genau so himmelblaue Augen, wie ich sie habe. Ihre Augen wecken in mir ein gewisses Vertrauen und ich bin mir sicher, dass sie immer der Zwilling sein wird, auf den ich mich stets verlassen kann. Sie schaut mich lieb an und gluckst süß. Ich sehe sie an und kitzele sie sanft. "Du bist eine richtige Cara", sage ich zu ihr. Sie kichert. "Wieso Cara?", fragt meine Mutter interessiert. Ich sehe sie an:"Cara bedeutet lieb und treu. Genau so wirkt sie auf mich." Meine Mutter nickt verständnisvoll:"Ja, der Name ist wunderschön und passt wirklich gut zu dir." Ich lächele:"Ich musste die Beiden nur ansehen und wusste sofort, welche Namen zu ihnen passen." Ich meine Mutter nickt:"Ja, so ist das bei den eigenen Kinder. Eine Mutter hat ein Gespür für sowas, egal wie alt sie ist."Ich setze ein dankbares Lächeln auf. Meine Mutter ist einfach die Beste."

Plötzlich klingelt ein Wecker auf ihrem Handy und sie springt auf. Ich sehe sie fragend an. "Ich muss zur Arbeit, Schatz. Tut mir echt leid", sagt sie entschuldigend. Ich nicke tapfer:"Ist zwar doof, aber was sein muss, muss halt sein." Sie gibt mir einen Kuss auf die Wange:"Ich komme heute Abend wieder. Versprochen." "Schon ok, Mum. Wirklich", sage ich und streichle Caras Kopf. Meine Mutter nimmt ihre Tasche und stürmt aus dem Zimmer.

Nun bin ich ganz alleine mit den Kleinen. Ich stehe auf und lege Cara zurück in das Kinderbett, in dem auch schon Diana liegt. Ich lege Caras Köpfchen sanft aufs Kissen und decke sie mit einer kleinen weißen Decke zu. Genau das Gleiche tue ich auch bei Diana.

Dann lege ich mich wieder ins Bett und falle erneut in einen tiefen Schlaf. Dieser Tag war mehr als anstrengend. Schön war er trotzdem.

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