Kapitel 12

Als Hilley mich herannahen sieht, kommt sie aus dem Haus und stellt sich auf die Veranda. Anscheinend sagt ihr mein Anblick, dass irgendwas geschehen sein muss. Und das obwohl ich nicht einmal nass bin. Wahrscheinlich sagt mein Blick sowieso schon alles.

"Was ist passiert?", fragt sie sofort. Ich laufe einfach weiter auf sie zu, bis ich an der Veranda ankommen. Als ich dort angekommen bin, lasse ich mich auf die kleine weiße Bank neben der Haustür fallen und vergrabe mein Gesicht in den Händen.

Ich höre wie Hilley sich neben mich setzt. Sie legt ihre Hand auf meine Schulter:"Erzähl mir bitte, was passiert ist, Stella." Ich hebe den Kopf wieder:"Als ich allein war, habe ich es erneut versucht." "Was hast du erneut versucht?", fragt sie ein wenig durcheinander. "Ich habe versucht meine Kräfte zu benutzen", erkläre ich. Sie schaut mich überrascht an:"Und? Hat es geklappt?" Ich zucke mit den Schultern:"Ich weiß nicht, ob man das so sagen kann. Plötzlich sind Wassertentakel aus dem See geschossen und haben mich mit sich runter gezogen. Dann bin ich irgendwie ohnmächtig geworden oder bin in eine Trance gefallen."

Hilley starrt mich geschockt an, doch ich bin noch nicht fertig:"In Trance hatte ich dann einen merkwürdigen Traum von einem kämpfenden Mädchen und danach ein Bild von einem See." "Ein kämpfendes Mädchen? Kannst du sie bitte genauer beschreiben?", fragt sie aufgeregt.

Ich überlege kurz und nicke dann:"Sie hatte ungewaschenes braunes Haar und graue Augen glaube ich. In ihren Augen war so ein wilder Ausdruck." Sie legt den Kopf schief. Anscheinend analysiert sie alles, was ich jetzt gerade von mir gebe:"Sie wird irgendwo gefangen gehalten, hat es aber geschafft sich von ihren Bewachern zu befreien. Im zweiten Teil der Vision wurde sie dann aber wieder gefangen genommen." "Konntest du erkennen wo?" "Nicht richtig. Ich konnte nur erkennen, dass es in irgendeinem alten Gemäuer war. Mehr nicht" "Ein altes Gemäuer? Ich weiß vielleicht wo sie sich aufhält", teilt sie mir nachdenklich mit. "Weißt du auch wer diese schwarz gekleideten Leute waren, vor denen sie im zweiten Teil meines Traumes so viel Angst hatte", frage ich weiter. Nun wurde auch mein Interesse geweckt. Ich bemerke wie sie nachdenklich auf ihrer Lippe herum kaut:"Ich habe eine Befürchtung, die aber lieber nicht wahr sein sollte." "Welche?" "Es könnten die Nexus gewesen sein", flüstert sie so als solle niemand hören, dass sie diesen Namen gerade wirklich gesagt hat. "Was sind die Nexus?", frage ich verwundert.

Von den Nexus habe ich ja noch nie gehört. Dieser Name ist für mich komplett neu.

"Böse Seraphinen. Es gibt sie schon seit Jahrhunderten. Sie suchen fieberhaft nach den Erben, um ihnen die Kräfte weg zu nehmen und sie auf sich selbst zu übertragen", sagt sie und blickt zu Boden.

Irgendwie wirkt sie schuldbewusst. Wieso? Hat sie etwa Schuld? Hat sie etwas damit zu tun? Wenn ja, ist sie auch ein Nexus und sammelt und hier nur, um uns dann aus zu liefern?

Plötzlich geht die Tür neben uns auf und Ruby tritt heraus. Ihre Augen sind rot. Hat sie etwa geweint?

Schnell wende ich den Blick von ihr ab, damit sie mich nicht wieder doof anmachen kann.

Hilley wendet sich Ruby zu:"Was ist los, Ruby?" Sie kaut auf ihrer Lippe herum. "Ich habe euch belauscht", gibt sie zu:"Und ich wollte auch was dazu sagen." Hilley und ich runzeln gleichzeitig die Stirn:"Was ist passiert?" Sie wendet sich an mich: "Ich hatte genauso einen Traum wie du Stella." "Echt?", frage ich geschockt:"Was genau hast du gesehen?" "Erst auch dieses Mädchen, aber dann war ich plötzlich im Inneren eines Vulkans und dort lang ein roter Stein. Es war genauso ein Kristall wie der an meiner Kette und um ihn herum befand sich schwarze Kohle."

Hilley saugt scharf die Luft ein und steht dann auf. Als sie vor mir steht, zieht sie Ruby zur Bank und bittet sie mit einem Blick sich hin zu setzen. Ruby ich sehen uns verwirrt an. Oh Gott, was kommt denn jetzt? Es wirkt als wolle sie uns nun eine Ansprache halten. "Diese Sachen, die ihr gesehen habt, waren keine Träume. Es waren Visionen und das Mädchen, das ihr gesehen habt, ist wie ihr beide eine Erbin. Ihr könnt sie aber nur sehen, weil sie in Gefahr ist."

Sie ist also wirklich in Gefahr?! Sowas hatte ich mir schon gedacht, aber Hilley Bestätigung macht es offiziell. Hilley ist meine Vertrauensperson und wenn sie es mir bestätigt, vertraue ich ihn. Jedenfalls tue ich das mittlerweile. Anfangs war es aber etwas schwer. Jetzt fällt es mir viel leichter.

Hilley ist aber noch nicht fertig:"Und ich will, dass ihr morgen früh fertig im Flur auf mich wartet." Mit diesen Worten verschwindet sie ins Haus hinein.

Ruby und ich schauen uns fragend an. "Und welche Sehenswürdigkeit a la Elementarier besuchen wir dann morgen wieder", fragt Ruby. Wow, sie hat ja richtige Stimmungsschwankungen. Ich schaue sie erst irritiert an, doch dann muss ich lachen. "Vielleicht gehen wir ja auf Rettungsmission", schlage ich spaßeshalber vor. Sie lacht ebenfalls. Dieses Geräusch hätte ich nie aus ihrem Mund erwartet. "Sicher", sagt sie sarkastisch. "Man kann ja nie wissen", grinse ich geheimnisvoll.

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