Kapitel 14

                                                                      14


Kurz bevor ich die Eingangstür erreiche und ein weiteres Mal gähnen muss, kommt mir plötzlich Sandra in den Sinn. Wie konnte ich nur auf sie vergessen? Während diesem Gedanken laufe ich schon los. Ich laufe so schnell mich meine Füße tragen können und nach wenigen Minuten stehe ich vor ihrem Haus. Die Müdigkeit ist plötzlich auf einmal wie weggeblasen. Zu sehr beschäftigt mich die Frage ob es ihr gut geht. Es muss ihr gut gehen. Alex sagte, dass sich Jemand darum kümmern wird. Ich bin völlig außer Atem als ich erst einmal einen klaren Gedanken fassen muss. Ich könnte Sie anrufen, doch ich habe noch immer nicht mein Telefon. Es liegt noch immer in meinem Schlafzimmer wo ich es liegen gelassen habe. Ich dachte wirklich ich brauche es nicht, wenn ich nur laufen gehe. Aber wie immer hat mich das Leben eines Besseren belehrt. Beim nächsten Mal werde ich es sicher nicht vergessen. Ich kann auch nicht einfach anklingeln, dann wecke ich auch noch ihre Eltern. Es ist schon verrückt genug wenn ich Sandra um diese Uhrzeit wecke. Nach ein paar Sekunden Denkpause weiß ich was ich tun werde. Unser kleiner Trick von früher, ich gehe hinter das Haus und sammle kleine Steine von dem schmalen Weg ein. Ich versuche mich wirklich zu konzentrieren als ich vor ihrem Fenster stehe und den ersten Stein werfe. Doch er prallt an der Wand neben dem Fenster ab. Ich fluche leise vor mich hin. Ich hab es nicht mehr so drauf wie früher, da haben wir das ständig gemacht. Aber der zweite, ein Treffer. Noch einen dritten zur Sicherheit. Und jetzt heißt es warten, doch nach einigen Sekunden Wartezeit werde ich ungeduldig und als ich gerade den vierten Stein nach oben befördere, höre ich wie sich ein Fenster öffnet. Ich zucke kurz zurück, denn dieser Stein war sicher auch ein Treffer, nur nicht an der Fensterscheibe.
„Bist du verrückt, du hättest mich fast erschlagen.“
Sie beugt sich über das Fensterbrett und sieht zu mir herab. Sie sieht etwas überrascht aus. Der Stein ist knapp an Sandras Gesicht vorbeigeflogen. Ich kann nicht anders, als leise zu lachen. Mir geht es sofort besser als ich ihren Gesichtsausdruck sehe und dass es ihr gut geht.
„Tut mir leid, Sorry.“
„Was machst du hier um diese Uhrzeit, spinnst du?“
Wir flüstern beide. Jedoch ist es eher ein lautes Flüstern. Denn ansonsten würden wir uns nicht verstehen.
„Ich wollte nur sehen ob es dir gut geht. Also geht’s dir gut?“
Ich grinse nach oben und Sandra sieht etwas verwirrt aus als ich ihr diese Frage stelle.
„Warte kurz, ich komme raus.“
Als ich schon kurz vor der Haustüre bin sehe ich an meinen Händen das Blut von vorhin. Panisch überlege ich was ich jetzt machen soll. Fast schon hätte ich sie so begrüßt. Auch mein Shirt ist voller Blut und an meinem Nacken ist sicherlich noch eine Wunde zu erkennen. Zu meinem Glück habe ich noch meine Jacke dabei. Ich ziehe sie mir schnell an und wasche mir die Hände in der kleinen Regenwassertonne hinter dem Haus. Ich schaffe es gerade noch zur Haustüre. Und zum Glück ist sie noch nicht da, als ich meinen Kragen nach oben biege um damit die Wunde an meinem Hals zu verdecken. Ich kann es kaum erwarten sie in die Arme zu nehmen, ich hab mir solche Sorgen um sie gemacht. Langsam öffnet sie die Tür und schließt sie so leise als möglich hinter sich wieder.
„Was suchst du hier mitten in der Nacht? Besser gesagt so früh am Morgen?“
Ich überrasche sie mit einer festen Umarmung, sie scheint nicht sehr erfreut darüber zu sein, aber egal. Ich bin einfach froh dass es ihr gut geht.
„Dir geht’s gut.“
„Du bist echt ein wenig verrückt. Weißt du dass eigentlich?“
Sandra grinst mich an und dann wirkt ihr Gesichtsausdruck wieder trauriger. Oh, Nein. Es ist doch etwas passiert. Ich wusste es.
„Was ist los?“
Ich bin besorgt um sie, was hat ihr dieses miese Schwein angetan.
„Nichts Schlimmes. Es ist nur so, dass Marius heute mit mir Schluss gemacht hat. Ich weiß, wir waren nur kurz zusammen. Sehr kurz. Aber trotzdem hab ich ihn sehr gemocht, ich dachte es würde länger halten.“
Ich bin verwundert, wieso hat er jetzt mit ihr Schluss gemacht? Es wird doch nicht wohl etwas mit Nathan zu tun haben und was er ihm angetan hat? Gleichzeitig bin ich aber auch froh darüber, dass dieser Mistkerl sie in Ruhe lässt. Aber jetzt muss ich wohl ein wenig Mitgefühl zeigen, obwohl ich eigentlich froh bin. Ich weiß, dass hört sich wirklich herzlos an. Aber ich kann es nicht ändern.
„Sandra, das tut mir leid. Aber er war einfach nicht der Richtige. Du wirst schon wieder Jemanden finden. Einen Traumtypen.“
„Na dass hoffe ich auch. Wäre viel zu schade um mich.“
Sie lächelt und ich weiß sie wird sich schneller wieder erholen als sie glaubt. Sie umarmt mich nochmal. Es ist so schön dass es ihr gut geht.
Wie sitzen beide auf der Treppe vor dem Haus und plötzlich sehen wir den ersten Sonnenstrahl. Die Sonne geht auf und es ist einfach wunderschön. Ich hoffe nur Nathan hat es rechtzeitig nach Hause geschafft. Aber bei seiner zügigen Fahrweise, bin ich davon überzeugt.
„Wunderschön. Ich liebe es Sonnenaufgänge mit dir anzusehen meine Teuerste.“
Sie versucht witzig zu sein und es gelingt ihr.. Ich bin so froh dass ich sie habe. Und ich bin noch glücklicher darüber, dass ihr nichts passiert ist. Wir sitzen noch einige Zeit zusammen auf der Treppe bis die Sonne eine vollständige Kugel ist. Doch bald spüre ich die Folgen dieser Nacht. Mein Körper schmerzt und ich bin völlig geschafft von dieser Nacht. Ich sehe zu ihr und gerade muss sie gähnen.
„Also ich denke wir haben beide noch etwas Schlaf nötig. Ich werde mich jetzt wieder auf den Weg machen.“
Sie lächelt und nickt mir zu. Wir stehen beide von den Treppen auf und sie umarmt mich nochmals zum Abschied. Und gerade als ich mich umdrehen will greift sie nochmals nach meiner Hand.
„Anna, du hast gefragt wie es mir geht. Doch wie geht es dir? Irgendetwas stimmt doch nicht? Das letzte Mal wo wir Steine auf die Fensterscheiben geworfen haben ist jetzt schon lange her. Also was ist los?“
Ihr Blick wirkt besorgt und ich würde ihr am liebsten sofort antworten und ihr alles erzählen. Das mit Alex und Nathan. Das ich mich in zwei Typen gleichzeitig verliebt habe. Oder auch nicht. Ich weiß nicht einmal was ich fühlen soll. Außer die Wut wenn ich an Alex's Lüge denke und an die Verwirrung die ich jedes mal habe wenn Nathan in meiner Nähe ist. Sandra könnte mir sicherlich mit meinem Gefühlschaos helfen. Aber ich kann ihr nichts sagen. Sie würde es nicht verstehen und mich für verrückt halten. Ich halte mich ja auch selbst für verrückt.
„Es ist nichts. Mir geht es gut. Ich habe nur schlecht geträumt und mir dann Sorgen um dich gemacht. Es ist alles gut.“
Ich versuche ihr ein kleines Lächeln zu schenken und ich sehe es ihr an, dass sie mir meine Geschichte nicht abkauft. Sie kennt mich besser als jeder andere und deswegen fragt sie auch nicht mehr nach. Also wird sie mich erst wieder bei unserem nächsten Treffen darauf ansprechen und ich bin froh darüber. Somit habe ich noch ein wenig Zeit um mir eine Tatsachen-ähnliche Geschichte auszudenken. Also verabschiede ich mich von ihr und gehe mit langsamen und müden Schritten nach Hause.
Dort angekommen, schaffe ich es nicht mal mehr mich zu duschen. Ich falle einfach nur in mein Bett und wenige Minuten später schlafe ich ein.

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