Kapitel 17

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Langsam wandert die Kälte wieder zurück auf meine Haut, als sich Nathan von mir löst und dabei seine Wange noch einmal sanft mein Kinn streift. Er bewegt sich nur soweit von mir weg um mir in die Augen blicken zu können. Ein klein wenig eingeschüchtert zögere ich, bis sich mein Körper wieder konzentrieren kann und meine Augen ebenfalls seine finden, die nun wieder vollkommen normal wirken.

„Wenn Marius es wieder aufbauen lässt. Es, so wie du gesagt hast, originalgetreu auferstehen lässt, dann ist die Möglichkeit zu groß, dass er die Hinweise findet, die ihm den Zugang zu der Gruft ermöglichen. Ich muss ihn aufhalten.“

Nun bin ich es, die auf ihn zugeht. Ich habe nur eine wage Vermutung, was seine Worte betrifft. Aber ich habe keinen Einzigen Zweifel daran, dass ich ebenfalls alles dafür un werde, damit Marius nicht gewinnt und noch weitere Leben nimmt.

„Wir müssen ihn aufhalten. Ich werde nicht zulassen, dass er noch jemanden verletzt. Nicht auszumahlen, was er anrichten kann, sollte sich dieser Mythos wirklich als war beweisen. Also was haben wir für einen Plan?“

„Komm mit.“

Seine Hand legt sich um meine und schon werde ich durch ein leichtes Ziehen gezwungen ihm zu folgen. Mittlerweile ist die Dunkelheit um uns und lässt mich kaum etwas erkennen, auf dem Weg zur Scheune. Vor dem Tor der Scheune lässt er meine Hand los. Da ich keine Ahnung habe, was er jetzt vorhat, verharre ich auf der Stelle und warte bis er das Tor öffnet, dass ein leises knarren von sich gibt. Die Silhouette seines Motorrads lässt mich schon vermuten, dass er eine kleine Spritztour im Sinn hat. Er bewegt sich auf die Ducati zu und kommt mit seiner schwarzen Lederjacke auf mich zu. Seine Arme breiten sich hinter meinen Rücken aus und die Jacke legt sich über meine Schultern.

„Zieh sie an.“

Ich tue was er sagt. Auch als er mir den Helm reicht, ziehe ich ihn über meinen Kopf und warte auf sein Komando um aufzusteigen.
Elegant schwingt er sich über das Bike und gibt mir mit einem Kopfnicken zu verstehen, dass ich ihm folgen soll. Auch wenn ich versuche, ebenfalls elegant dabei auszusehen, wirkt es eher, als hätte ich schwere Probleme mit meiner Motorik. Dabei kann ich das Schmunzeln von Nathan wahrnehmen und kann selbst nicht anders, als über meine Fähigkeit mich zum Idioten zu machen, zu lächeln.
Meine Knie streifen seine Oberschenkel, aber dennoch bleibe ich noch auf Abstand. Was sich allerdings als schwierig erweist, als Nathan`s Hände nach meinen greifen und er mich mit einem Ruck zu sich zieht und meine Hände auf seinen Bauch legt, was mir wiederrum einen schnelleren Puls beschert. Er startet den Motor und mit einem lauten Brummen fahren wir aus der alten Scheune.

Ich genieße dass Gefühl der Freiheit und der damit verbundenen Nähe zu Nathan. Der Mond legt sich über die Spitzen der Bäume und lässt ein wenig von der Landschaft erkennen, die uns neben der Straße begleitet. Die Geschwindigtkeit scheint immer wieder ein wenig höher zu werden. Auch wenn ich Angst haben sollte, spüre ich keine. Ich spüre nur Nathan´s Atemzüge und die harten Muskeln unter meinen Handflächen, die sich bei jeder Kurve anzuspannen scheinen.
Ich kann mich nicht erinnern diese Strecke schon jemals gefahren zu sein, weiß aber nicht ob es daran liegt, dass es mir die Dunkelheit schwer macht. Wir fahren noch einige Zeit, als Nathan die Ducati abbremst und wir links in ein Waldstück einbiegen. Er stellt die Ducati, gleich nachdem wir in den schmalen Weg der in den Wald führt einbiegen, ab. Ich bin etwas verwirrt. Ich weiß zwar nicht was wir suchen, aber hier ist definitiv nichts, außer den Bäumen und Dunkelheit.
Ich nehme meinen Helm ab und steige vom Motorrad. Nathan folgt mir und kommt auf mich zu. Ich denke er erkennt, dass ich mir sehr unsicher bin, und keine Ahnung habe was er hier vorhat. Er greift nach meiner Hand und schiebt seine Finger in meine. Ich sehe es als Aufforderung an ihm zu folgen und dadurch tiefer in die Dunkelheit des Waldes zu gehen. Auch wenn dieser Wald hier etwas Unheimliches an sich hat, fühle ich mit Nathan an meiner Seite keine Angst.
Nach einigen Minuten, die wir durch den Wald gestapft sind bleibt Nathan plötzlich vor einem Baum stehen. Ich sehe nur sehr schwer die Umrisse, denn es ist wirklich sehr dunkel hier. Er dreht sich zu mir und sieht mich an. Doch sein Blick lässt mich nichts Gutes erahnen.

„Anna, ich muss jetzt etwas tun und es wird dir definitv nicht gefallen. Aber ich kann dich nicht zurücklassen und du musst mit mir durch das Portal.“

Ich bin verwirrt, was redet er da? Portal? Zurücklassen? Also eines ist Klar. Auf keinen Fall will ich hier alleine zurück bleiben.

„Was wird mir nicht gefallen?“

„Ich brauche dein Blut. Ich kann es dir nicht genauer erklären, du musst mir einfach vertrauen.“

Es nervt mich, dass wirklich jeder an meinem Blut interessiert zu sein scheint. Ein Wunder dass ich überhaupt noch etwas Blut in mir habe. Aber ich vertraue ihm. Versuche es wenigstens und strecke ihm ohne ein weiteres Wort mein Handgelenk vor sein Gesicht. Nach einem überaschtem Blick legt er seine Finger um mein Gelenk und zieht es näher zu seinen Lippen. Seine Augen färben sich nun wieder schwarz und seine Fänge drücken sich gegen seine Lippen. Sein Atem scheint sich ebenso zu beschleunigen wie meiner. Erst als mir die Tatsache bewusst wird, dass er vorhat seine Zähne in meiner Haut zu versenken, versteife ich mich für eine Sekunde. Er scheint es bemerkt zu haben und die Intensivität seiner Gestalt, legt sich etwas.

„Es ist in Ordnung wenn du es nicht willst.“

Verständniss liegt in seiner Stimme und ich weiß, dass er es so meint wie er sagt. Doch auch ich will ihm keine falschen Gefühle auftischen und so lasse ich meine Bedenken über meine Lippen.

„Ich weiß du denkst vielleicht nicht daran. Aber du sagtest doch vorhin, dass es dich eine Überwindung kostet wenn du mein Blut riechst. Was ist, wenn du nicht mehr aufhören kannst?“

Er nimmt meine Hand und umgreift diese mit beiden Händen. Sein Blick fesselt mich und ich kann nicht anders als ihm in die Augen zu starren.

„Ich werde mich kontrollieren können und ich werde dich, nicht mehr, als notwendig verletzen. Ich verspreche es dir. Versuch mir zu vertrauen.“

Nun blickt er wieder mit diesen Pechschwarzen Augen auf mich herab und in meinem Inneren treffe ich die Entscheidung ihm, für diesen einen Moment mein Vertrauen zu schenken. Ich weiß selbst, dass es idiotisch ist. Denn wem sollte man schon vertrauen, wenn es um Blut geht. Aber seine Berührung, seine Worte und sein bedachter Blick, lassen mich schwach werden. Also nicke ich mit meinem Kopf und halte ihm mein Handgelenk entgegen.
Als die Zähne meine Haut durchbrechen und dann auf mein Fleisch und der Quelle meines Blutes treffen, spüre ich ein Brennen. Doch ich kneife meine Augen zusammen und versuche ruhig zu bleiben. Doch bevor ich an den Punkt komme, wo ich es nicht mehr aushalte, hört Nathan auf. Er sieht mich an, seine Mundwinkel sind blutverschmiert. Er nimmt mein Handgelenk und legt es auf den alten Baum vor ihm. Ich kann die raue Rinde auf meiner Haut spüren. Und die Schmerzen durch den Druck der Rinde werden nicht gerade besser dadurch.
Plötzlich fängt Nathan an, etwas vor sich hin zu sprechen und ich verstehe nichts von dem was er sagt. Als Laie würde ich sagen, es hört sich an wie eine ziehmlich alte Sprache und wie ein Zauberspruch, der einem Film entsprungen ist.
Und plötzlich, wie aus dem Nichts, erscheint vor Nathan und mir, zwischen den beiden Bäumen, vor uns ein altes kleines Holzhaus. Es ist mit Efeu überwachsen und durch ein kleines Fenster kann man darin Licht erkennen. Nathan hält jetzt meine Hand und will mich nach sich ziehen. Doch ich kann mich nicht bewegen. Mein menschlicher Verstand scheint dem nicht folgen zu können. Ich kann es mir nicht erklären. Aber ich weiß auch, dass Alex gesagt hat, dass es noch so Vieles gibt, das ich nicht weiß und noch nie gesehen habe. Dennoch habe ich etwas Angst. Irgendwie sagt meine Innere Stimme, dass ich lieber umdrehen sollte und nicht länger hier sein dürfte.

„Keine Angst, Anna, hier bist du sicher.“

Nathan ist bei mir und er sieht mir tief in meine Augen. Seine Augen wirken freundlicher als vorhin und er sieht so aus, als würde er keine Angst empfinden und wissen, was jetzt auf uns wartet. Ich weiß er würde mich nicht in Gefahr bringen und schon setze ich einen Fuß vor den anderen. Nathan und ich gehen zur Eingangstür des kleinen Häuschens. Von Nahmen wirkt es gemütlicher und freundlicher.
Wir stoppen vor der Tür und Nathan legt seine Finger um den messingfarbenen Ring und schlägt in zwei Mal auf dass darunter liegende Messingstück, sodass ein lautes klopfendes Geräusch entsteht, dass die alte Holztür erbeben lässt.
Er sieht aus, als würde er sich freuen hier zu sein. Sein Gesicht sieht aus als würde er seine Großmutter besuchen. Jetzt verstehe ich noch weniger als vorhin. Es fühlt sich alles so unreal an. Wie in einem Traum, der einfach nicht zu Ende geht. Nathan scheint zu spüren dass ich nervöser als vorhin bin, denn er drückt meine Hand und sieht mich mit seinen wunderschönen Augen an. Keine Ahnung was es zu bedeuten hat, aber jedes mal wenn er mich so ansieht, weiß ich, dass ich mich sicher fühlen kann.
Nach einigen Sekunden höre ich Schritte und die Türklinge bewegt sich nach unten. Die Tür öffnet sich mit einem leisen Knarren und vor uns steht eine etwas ältere Dame. Sie sieht eigentlich ganz nett aus auf den ersten Blick. Sie ist etwas kleiner als ich und ihre grauen Haare sind großteils unter einem Kopftuch versteckt.
Sie begrüßt uns mit einem Lächeln im Gesicht. Nathan stellt sie mir als Salivana vor, die uns sogleich weiter hinein führt und uns einen Plaz auf einer Holzbank anbietet, die sich mitten in dem großen Raum befindet. Sie hingegen fängt an das Feuer mit einem Eisenhaken zu schürren, was die Atmosphäre hier noch surealer wirken lässt. Es ist gemütlich hier. Doch ich bin noch immer etwas skeptisch was wir hier machen und vor allem wie genau wir hier gelandet sind. Ich sehe mich um, es sieht alles so aus, als wären wir zweihundert Jahre zurück in der Vergangenheit gelandet. Ich kann nicht ein Einziges Ding entdecken das hier mit Elektrizität funktioniert. Das Licht in diesem Zimmer entsteht einzig und alleine von mindestens zwanzig Kerzen und dem Feuer des offenen Kamins. In einer Ecke des Zimmers stehen unzählige Gläser in einem Regal. Vor dem Regal hängen viele gebündelte Kräuter oder Gräser. Keine Ahnung für was dieses Zeug ist, aber es hat irgendwie alles hier den Eindruck, als wären wir nicht mehr in meiner gewohnten Welt.
Bis jetzt hat noch keiner der Beiden, weder Salivana noch Nathan ein Wort gesprochen. Ich bin etwas verwirrt, denn ich rede normalerweise wie ein Wasserfall. Doch gerade als ich den Gedanken hege etwas zu sagen, dreht sich Salivana zu uns um und sieht mir tief in die Augen. Ich bekomme ein komisches Gefühl. Ich kann es nicht erklären, aber es ist so, als würde sie alles von mir wissen. Als würde sie mich mit ihrem Blick durchschauen. Und kurz bevor ich es kaum mehr aushalte, stoppt Salivana. Sie sieht mit großen Augen Nathan an und scheint etwas überrascht zu sein.

„Nathan, wenn sie hier ist, dann kann es nur einen Grund geben, warum du mich aufsuchst. Was ist passiert?“

Salivana zeigt mit ihrem Finger auf mich und klingt überrascht und aufgebracht zugeleich.

„Salivana, es wird passieren. Marius ist auf der Suche nach Elisabeths Überresten und er weiß schon wo sie sich befinden. Das Einzige, dass er noch nicht wissen kann ist , wie man den Zauber rückgängig macht, der die Gruft verriegelt. Du musst uns helfen, ihn aufzuhalten. Er darf dieses Ritual auf keinen Fall vollenden.“

„Ich verstehe deine Angst Nathan. Aber du weist ja, alles hat seinen Grund. Ich muss zuerst die Meister befragen, ob es mir erlaubt ist dir zu helfen. Oder ob es Bestimmung ist, dass Marius seine Kräfte verstärkt.“

Die Verwirrung dürfte mir ins Gesicht geschrieben sein, denn Salivana sieht mich mit einem Lächeln an und kommt auf mich zu. Nathan hingegen scheint nicht so erfreut über ihre Antwort zu sein. Er steht auf und läuft vor dem offenen Feuer hin und her. Doch Salivana nimmt ihre Hand und legt sie auf meine Schulter.

„Anna, hab keine Angst. Du wirst noch früh genug herausfinden, was ich hier mache. Ich werde dich auf deinem Weg begleiten. Und dein Weg wird noch lange sein. Doch zuerst will ich, dass du mit mir mitkommst. Ich brauche deine Hilfe.“

Ich weiß zwar nicht, was Salivana mir damit näher bringen will, jedoch hört es sich irgendwie so an, als wüsste sie viel mehr über mich, als ich selbst. Sie reicht mir ihre Hand und nach kurzem Zögern und einem Blick zu Nathan, ergreife ich ihre Hand und folge ihr. Sie sieht zu Nathan und mit bestimmter und ruhiger Stimme sagt sie ihm, er soll hier warten. Zu meiner Überraschung tut er was sie sagt und setzt sich, wenn auch ein wenig wiederstrebend, auf die Bank.
Ich folge ihr durch eine weiter Tür, die sich in diesem Raum befindet. Doch ich bin nicht gewappnet für dieses Bild dass sich hinter dieser Tür meinen Augen bietet. Es lässt mich erstarren. Lässt mich die Luft anhalten und in diesem Moment scheinen auch keine Worte über meine Lippen kommen zu wollen.
Das Fluoszierende Licht der Blüten um mich herum erleuchet die Nacht in den unterschiedlichsten Farben. Es taucht den Boden in schimmerndes Licht, dass sich im Himmer wieder spiegeln zu scheint. Es ist atemberaubend schön. Noch nie habe ich so etwas gesehen. Leuchtende Pflanzen. Dazu ein zirpendes Geräusch von Insekten. Die Fackeln an deren Enden sich die Flammen in der leichten Brise bewegen, geben zusätzliches warmes Licht ab, dass alles noch weiter in angenehmes Licht taucht. Dass Alles ist nur ein weiteres unglaubliches Bild, dass sich mir heute bietet.
Wir gehen auf einen Brunnen zu und stoppen vor Diesem. Salivana dreht sich zu mir und sieht mir in die Augen.
„Anna, du wirst genau das gleiche wie ich machen. Sprich mir nach wenn ich etwas sage und konzentriere dich nur auf das Geräusch des fließendem Wassers.“

Ihre Hand umfasst meine und die Fingerspitzen der anderen berühren die Oberfläche des Wassers, dass durch diese Berührung in kleinen Wellen an den Rand des Brunnens trifft. Mit eine Lächeln und einem Nicken gibt sie mir zu verstehen, dass ich ihr es nachmachen soll. Und lasse ich auch meine Fingerspitzen in das, zu meiner Überraschung, warme Wasser. Und gerade als ich mich noch daran gewöhne, mit Salivana hier zu stehen, fängt sie an, etwas vor sich hin zu flüstern. Nach kurzer Verwunderung darüber, versuche ich es ihr gleich zu machen. Ich schließe also meine Augen und versuche, so exakt wie möglich, die Wörter nachzusprechen. Jedoch ist es nicht unsere Sprache und ich verstehe kein Wort von dem was Salivana hier über ihre Lippen bringt. Aber ich versuche es mit voller Konzentration weiter, auch wenn ich mir sicher bin, dass ich nicht einmal eines der Worte richtig ausspreche.
Nach einer Weile, beginne ich etwas zu fühlen. Etwas dass sich zuerst als kleines Kribbeln an meiner Haut bemerkbar macht. Doch nach weiteren Sekunden scheint sich dieses Gefühl über mich zu legen und alle Gedanken, all die Fragen in meinem Kopf verschwinden. Werden wie von einem Wind weggetragen. Doch dann höre ich eine leise Stimme. Sie scheint nicht real zu sein, denn ich höre sie zuerst nur wie ein Flüstern im Wind.

„Höre genau hin und lasse dich fallen, dann wirst du verstehen was sie sagen.“

Salivana`s Stimme sollte mich eigentlich wieder aus meinem Zustand herausreissen, doch es hilft mir dabei, mich weiter fallen zu lassen und mich auf die Stimmen konzentrieren zu können.
Ich versuche es und je leichter ich atme und je weniger ich daran denke, umso deutlicher wird die Stimme. Ich höre wieder nur lateinisch, aber ich weiß was diese Worte zu bedeuten haben und plötzlich spricht die Stimme in meiner Sprache.Ich kann nicht erklären wieso oder warum, aber ich fühle mich so frei in diesem Moment. So als würde ich den Boden unter den Füßen hinter mir lassen und mich irgendwo in der Luft befinden. Als würde mich der Wind in seinen Armen halten und mich nicht mehr loslassen.

„Du hast die Gabe Anna, du alleine kannst es aufhalten. Dies ist die Aufgabe deiner Seele, für die du dich in diesem Leben entschieden hast. Finde deine Kräfte wieder und vereine Sie. Du hast die Gabe Anna, du alleine.“

Langsam aber doch verstummen die Stimmen in meinem Kopf. Ich kann fühlen wie mein Geist meinen Körper wieder findet. Als dies passiert fühle ich mich plötzlich so schwach und muss mich an dem Brunnen festhalten, als ich die Augen öffne. Alles dreht sich und ich kann nicht klar sehen. Ich spüre Salivanas Hand die mich stützt. Es vergehen gefühlte Minuten, bis ich wieder vollkommen klar in meinem Kopf bin. Es hat sich so unreal angefühlt, als würde ich träumen und aber jederzeit meine Augen öffnen können. Als würde ich in einer Art meditativen Zustand sein, wo ich jederzeit selbst entscheiden kann, ob ich es will oder nicht. Jedoch weiß ich auch, dass mir das eben sehr viel Kraft gekostet hat.
Ich verstehe aber noch immer nicht was hier gerade mit mir passiert ist. Ich sehe zu Salivana, die noch immer neben mir steht und meine Hand hält. Sie lächelt und dennoch scheint sie ein wenig besorgt zu sein.

„Anna, ich weiß du hast jetzt unendlich viele Fragen. Aber ich kann dir sagen, dass du die meisten davon selbst beantworten kannst. Denn du hast besondere Kräfte. Du hast diese Gabe immer schon in dir gehabt.“

Und plötzlich als ich darüber nachzudenken beginne, öffnet sich die Tür und Nathan kommt mit besorgtem Gesichtsausdruck aus dem Haus.

„Was hast du mit ihr gemacht Salivana?“

Er kommt auf mich zu und packt mich an den Schultern, um mir in meine Augen sehen zu können.

„Geht es dir gut? Ich konnte spüren, dass etwas nicht in Ordnung ist.“

„Mir geht es gut Nathan. Salivana hat mir nichts getan.“

Mit einem Mal lässt er seine Handflächen von meinen Schultern gleiten und sein Gesichtsausdruck verfinstert sich, bevor er sich ruckartig umdreht und mit einer drohenden Körperhaltung auf sie zugeht.

„Sie ist noch nicht bereit. Wieso hast du nicht gewartet? Es ist noch nicht ihre Zeit.“

Die Worte brennen in meinen Gedanken und lassen Besorgniss in mir aufkeimen. Was hat Salivana gemacht? Hat sie mich etwa reingelegt? Wütend versuche ich auf mich aufmerksam zu machen und gehe auf die Beiden zu um mit meiner Hand nun zwischen Nathan`s und Salivana“ Gesicht hin und her zu wackeln.

„Ich bin noch hier, falls ihr es vergessen habt. Für was bin ich nicht bereit? Was hast du mit mir gemacht Salivana?“

Verärgert über meine Dummheit, nicht vorher nachzufragen, was Salivana hier mit mir gemacht hat, werfe ich den Beiden abwechselnd einen Vorwurfsvollen Blick zu.
Da wird es noch ärgerlicher als Salivana den Blick wieder von mir abwendet und auf Nathan richtet.

„Nathan, sie ist bereit. Bereits ab dem Tag an dem Daria gegangen ist. Aber keiner hat es für nötig gehalten, sie ihren Kräften vorzustellen. Sie braucht es. Es ist ein Teil von ihr. Ohne diesen Teil wird sie nicht überleben. Nicht für die Seelenaufgabe, die sie sich selbst gestellt hat.“

Der Name den Salivana über ihre Lippen gebracht hat, verursacht einen Schmerzenden Qualvollen Stich in meinem Herzen. Zu lange schon habe ich ihn nicht gehört. Habe ihn nicht ausgesprochen. Und dann treffe ich, eine mir fremde Person, lasse mich von ihr zu etwas verleiten, von dem ich nicht einmal weiß was es zu bedeuten hat und sie spricht den Namen aus, als würde sie nicht ahnen welchen Schmerz sie damit auslöst. Schmerzhaft Erinnerungen an den Abschied meiner Mutter. Des Menschen, der mich auf diese Welt gesetzt hat.
Mir wird heiß, ich beginne schwer zu atmen und ich spüre wie plötzlich der Schweiß über meine Stirn läuft. Die Hitze sie wird immer schlimmer. Ich fühle einen Schmerz. Zuerst nur ein klein wenig. Doch von Sekunde zu Sekunde wird es schlimmer. Ich brenne. Ich habe das Gefühl dass ich brenne. Keiner hiflt mir. Ich beginne aus Leibeskräften laut zu Schreien. Doch niemand hört mich. Nathan und Salivana streiten weiter und ignorieren mich. Ich kann nicht mehr. Es tut so höllisch weh. Noch nie habe ich solche Schmerzen gespürt. Meine Schreie werden noch lauter, in der Hoffnung sie würden mich hören. Ich kann mich nicht mehr auf den Beinen halten und spüre wie ich zu Boden sinke. Ich werde bei lebendigem Leib verbrannt und keiner kann mir helfen.
Dumpf nehme ich Nathan`s Stimme wahr. Oder etwa doch nicht? Denn plötzlich sehe ich ihn vor mir. Aber es wirkt so als würde ich Träumen. Als würde ich plötzlich Jahrhunderte zurück versetzt worden sein. Der Wände des Raumes der mich umgibt, ist von Steinen bedeckt. Dazwischen sind alte Holzbalken eingearbeitet, an denen mehrere Kerzenhalter befestigt sind. Das Wachs der Kerzen hat sich in der Auffangschale darunter gesammelt und lässt nur erahnen, dass sie schon eine Weile brennen. Bei einen Blick hinter mich, sehe ich ein riesiges Bett, dass den halben Raum einnimmt.
Auch wenn ich mich unwohl fühlen sollte, tue ich es nicht. Das Licht ist warm und der Anblick von Nathan lässt mich noch mehr Wärme fühlen.
Mit nacktem Oberkörper und bedeckt mit einer Hose, die aussieht als wäre sie aus Leder und schon sehr abgenutzt, steht er vor mir. Mit einer kleinen Kerze in seiner Hand, scheint er eine weitere an der Wandbefestigung anzünden zu wollen. Sein Lächeln erwärmt mich. Lässt mich nervös mit meinen Händen über meine Seite gleiten. Doch was ich da spüre ist nicht dass was ich erwartet hätte. Es fühlt sich ebenfalls an wie Leder. Was sich auch bestätigt, als ich an mir hinab sehe. Ich trage ein dunkelbraunes Kleid, dass sich am Boden weitläufig ausbreitet. Darüber ein Korsett aus Leder, dass mit sovielen Nieten verziert ist, dass ich Tage brauchen würde um die Anzahl bestimmen zu können. Darunter wiederrum legt sich eine weiße Bluse, die meine Schultern nicht bedeckt.
Noch immer scheint es ein Traum zu sein. Ein Traum der sich so verdammt real anfühlt.
Er löscht nun die Flamme und sein Körper bewegt sich auf meinen zu.
Mein Herz klopft wie wild und es fühlt sich so anders an. Das zwischen mir und Nathan. Ich fühle eine Vertrauheit und eine Verbindung zu ihm, wie ich sie noch nie gespürt habe.

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