Kapitel 18: Die erste Idee

Luzifer stand auf und entfernte sich einige Meter von den anderen. Sein Gang war der eines alten Mannes. Er hob den Kopf und sah lange hoch zum Himmel. Dann sank er in die Knie, schlug die Hände vors Gesicht und begann zu weinen. 
Engel und Dämonen sahen sich betreten an, einige scharrten verlegen mit den Füßen im Sand. Asmodeus verdrehte die Augen, musterte die anderen und schüttelte unzufrieden den Kopf. Dann ging sie zu Luzifer, nahm ihn in die Arme und tröstete ihn mit ihrer Anwesenheit. Sie wusste, dass Worte manchmal keine Hilfe waren. Luzifer klammerte sich an sie wie ein Ertrinkender an eine Planke. Er presste seinen Kopf gegen ihre Schulter und schluchzte wie ein kleines Kind. Asmodeus wiegte ihn leicht hin und her und streichelte seinen Kopf und Rücken.
Es dauerte lange, bis Luzifer sich allmählich beruhigte. Endlich wurde sein Weinen leiser und die Abstände zwischen den Schluchzern länger. Erst jetzt begann Asmodeus zu sprechen, leise, zärtlich.
"Ist ja gut, ist ja alles gut. Wir schaffen das schon, alles wird gut. Ich bin ja bei dir, Liebster."
Bei diesem Wort hob Luzifer den Kopf von ihrer Schulter und sah sie fragend an. Asmodeus zuckte mit den Schultern und lächelte.
"Naja, was soll ich sagen, es ist halt, wie es ist."
Da lächelte auch Luzifer, unter Tränen, beugte sich vor und küsste sie. Asmodeus erwiderte seinen Kuss. So lange dauerte er, dass die anderen ungeduldig wurden.
"Ähem, Leute, ich störe euch ja nur ungern, aber ewig wird SIE nicht in Eden bleiben. Wir müssen uns langsam mal was einfallen lassen, wie es denn jetzt weiter gehen soll", meinte Belphegor. Luzifer und Asmodeus lösten sich widerwillig von einander und gingen Hand in Hand zu den anderen zurück. Luzifer warf Eleazar einen prüfenden Blick zu, aber in dessen Augen lag weder Schmerz noch Eifersucht. Als er Luzifers Blick bemerkte, grinste Eleazar verständnisvoll und schüttelte den Kopf. Luzifer atmete erleichtert auf. Asmodeus sah von einem zum anderen, verstand, musterte Eleazar und sagte ein einziges Wort:
"Würg!"
Das löste die Spannung und sowohl Engel als auch Dämonen brachen in Gelächter aus. 
Leviathan klatschte schließlich in die Hände und sorgte für Ruhe.
"Also, wie gehts jetzt weiter? Schließt du dich uns an, Luzifer oder müssen wir dich als Feind betrachten?"
Luzifer sah sie an und drückte ganz fest Asmodeus Hand. 
"Ich bin nicht euer Feind, aber ich werde mich euch nicht anschließen. Ich werde euch führen!  Und ich hab auch schon eine Idee, wie wir IHR den Himmel zur Hölle machen können."
Alle sahen ihn neugierig an, aber Luzifer sprach nicht weiter, sondern lächelte nur leicht. 
"Und wie sollen wir das machen?", fragte Eleazar endlich. Luzifers Lächeln wurde breiter, als er sagte:
"Wir zerstören Eden!"

Engel und Dämonen starrten ihn ungläubig an.
"Hast du den Verstand verloren???", fragte der Engel Avidar schließlich stellvertretend für alle. Luzifer schüttelte den Kopf, immer noch dieses seltsame Lächeln auf den Lippen.
"War nie klarer im Kopf. Also, was ist? Seid ihr dabei?"
Einen Augenblick lang herrschte Schweigen, dann sagte Satan:
"Auf mich kannst du zählen, Luzifer. Und ich bin sicher, auf die anderen Dämonen auch."
"Ja, ich bin dabei!"
"Ich auch!"
"Ich ebenso!"
"Wir alle - und die ganze Hölle noch dazu!!!"
Die Engel wurden von der Begeisterung der Dämonen angesteckt.
"Wir folgen dir, Luzifer! Machen wir Eden platt. Zeigen wir IHR, wo der Hammer hängt!"
Engel wie Dämonen stießen Jubellaute aus und klatschten in die Hände.
Luzifer sah jeden einzelnen eine Weile an. Asmodeus, Belphegor, Satan, Mammon, Leviathan, Beelzebub, Eleazar, Avidar, Debora, Mahala, Gamaliel, Michaja, Jordan - seine Freunde. Seine Verbündeten.

Seine Armee!

Kommentare

  • Author Portrait

    Das wird jetzt aber richtig spannend! Hoffentlich schaffen sie es!

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Feenstaub

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