Kapitel 2

 Die Sonne kitzelte mich auch jetzt. Warm und angenehm drang sie in mich. Berührte mich. Gab mir Kraft und ich wusste, ich hatte es geschafft. Doch was war ich jetzt. Ich war mir nicht mehr sicher. Ich war rein technisch gesehen immer noch ein Elf. Das Sonnenlicht durchflutete meinen Körper doch die Finsternis floss in meinen Adern. Ich war ein Kind der Sonne, verdammt dazu im ewigen Schatten zu leben. Ich war zu dem geworden, was ich immer gefürchtet und mich zu gleich magisch angezogen hatte. Ich war ein Vampir.

Arik neben mir stand auf und ich sah ihn an. Er lächelte. Er lächelte, nein strahlte mich an.Und dann fing er an zu lachen. Er lachte aus vollem Halse als hätte er es schon immer getan. Dann packte er mich und drückte mich an sich. Presste mich an seine Brust. Er umschlang mich mit seinen starken Armen und ich spürte deutlich wie erleichtert er war, dass er mich nicht verlieren würde. Dass ich es geschafft hatte. Ich wusste nicht wieso, aber es machte mich glücklich. In meinem Magen kribbelte es und ich hatte das Gefühl eintausend Schmetterlinge würden hindurch fliegen. Nach all dem was ich dank diesem Mann durchgemacht hatte fühlte ich mich trotzdem wohl in seinen Armen. Ich atmete seinen Geruch ein und entspannte mich. Ich wusste nicht warum, aber nach all den Jahren in denen ich nirgendwo hingehörte und mein einzigster Freund mein Kater war,fühlte ich mich wirklich angekommen in dieser Welt. Trotz der Kälte die Arik sonst immer ausstrahlte, war ich mir sicher, dieser Mann würde mich beschützen und bei mir bleiben. Widerstrebend löste ich mich von ihm und sah ihn an. "Was wird jetzt geschehen?" fragte ich neugierig. Er zuckte mit den Schultern. "Erstmal gar nichts." sagte er. "Du kannst tun und lassen was dir beliebt, mein Kind der Nachtschatten. Ich würde vorschlagen du bleibst einfach hier bei mir. Das Haus ist groß und es ist auch noch eine Wohnung für dich frei. Die Anderen werden dich sicher gerne kennenlernen und wenn du mich brauchst bin ich für dich da. Ich habe die Wohnung im Erdgeschoss als meinen Zweitwohnsitz und bin regelmäßig hier." Ich war verwirrt. Die Anderen? Wohnten hier viele Vampire? Arik schien mir meine Verwirrtheit an zu sehen. Er lachte und legte einen Arm um mich. "Komm." sagte er. "Lass mich dir das Haus Zeigen. Wenn wir Glück haben sind noch ein paar ältere Bewohner wach und können dir ein wenig von ihrem Leben hier erzählen." Mit diesen Worten führte er mich von der Dachterrasse und begann seinen Rundgang.

 

Das Haus kam mir wirklich riesig vor. Es war ein großer Wohnkomplex mit neun Stockwerken und vielen kleinen Wohnungen. Am Ende der Führung klingelten wir sinnloserweise an einer Wohnungstür, die bereits offen stand. Wir traten ein und uns kam eine junge Frau entgegen. Sie sah aus wie Mitte Zwanzig, doch als sie lächelte und ihre strahlend weißen Zähne sehen ließ, war mir klar, dass auch sie ein Vampir war und somit sehr wahrscheinlich viel älter. Sie streckte mir die Hand zum Gruß entgegen und sprach: "Arik, wen hast du mir denn hier mitgebracht? Mein Abendessen?" Ich wollte grade zum Sprechen ansetzten um den offensichtlichen Irrtum auf zu klären, da sprach sie auch schon weiter. "Das war ein Witz, Kleiner. Denkst du ich sehe nicht, dass du einer von uns bist? Außerdem würde ich Sterbliche schon auf zwanzig Meter Entfernung riechen." Ich wusste nicht, ob mich das beruhigen sollte. Sie winkte uns hinter sich her in die kleine Küche. Arik ging vor und setzte sich, als wäre er es gewohnt, auf einen der Küchenstühle, die mit blauem Stoff bespannt waren. Auch ich setzte mich. Unsere Gastgeberin drehte sich zur Arbeitsfläche um und begann ein paar Tassen aus dem Küchenschrank zu holen. Dann drehte sie sich um. "Ich bin Darla, und du musst Rune sein. Arik hat schon viel von dir erzählt. Ich war in deiner Wohnung. Ich hoffe du bist mir nicht böse. Aber du kannst dich jetzt in deiner alten Wohngegend nicht mehr sehen lassen. Zu gefährlich. Wenn deine Nachbarn dich als einen von unserer Art enttarnen hetzen sie dir gleich die Jägerengel auf den Hals. Die Situation hat sich zugespitzt." "Und genau da kommst du ins Spiel" Äußerte sich jetzt mein vampirischer Vater. "Ich will ehrlich zu dir sein, Rune. Es steht ein Krieg bevor. Und ich meine nicht den üblichen Krieg zwischen Engeln und Dämonen. Du bist schon eine Weile hier und hast es vermutlich nicht wirklich mitbekommen, aber Es wissen immer mehr Menschen von uns Vampiren und die, die schon immer zu den Engeln Kontakt hatten, wurden von eben diesen himmlischen Wesen in ein paar Dinge eingeweiht. Wir wissen nicht wie viele von der Gemeinschaft der Engel der Jagd wissen, oder wie viel sie wissen, aber eins ist klar. Sie könnten überall sein." Ich schluckte. Das musste er erst einmal verdauen. Das bedeutete ja, dass die Menschen, die bisher nur wenig von der Existenz übernatürlicher Wesen wussten, bald wissen würden, was alles mit ihnen in dieser Welt lebt. Die Engel hatten einige von Ihnen ja schon vor einigen Jahrzehnten ins Vertrauen gezogen, warum wusste keiner. Jetzt schien es als würde die komplette Menschheit eingeweiht werden. Nur warum so plötzlich? Das alles ergab in meinem Kopf so gar keinen Sinn. Und die viel größere Frage war; "Was hat das alles mit mir zu tun?" Arik lächelte. "Du bist unser Trumpf. Unsere größte und geheime Waffe gegen alle die sich gegen uns stellen. Besser gesagt du wirst es." “Und warum soll ich dazu werden?” Arik schien mit dieser Frage gerechnet zu haben. Er nahm die Tasse entgegen, die ihm soeben gereicht wurde und trank einen Schluck des erwärmten Blutes. “Ich weiß es nicht Rune. Ich bin auch nur ein unwissender Untergebener von... Nun ja jemand mächtigerem als ich es bin.” Ich stutzte. “Wer ist er? Ist er älter als du?” Mein Meister räusperte sich. “Ich darf dir nicht mehr verraten. So gern ich es auch tun würde. Du verdienst es alles zu erfahren. Aber ich kann dir nur so viel sagen: Er ist der Älteste und er ist an einem großen Ziel interessiert. Mehr weiß ich nicht. Nicht einmal was dieses Ziel ist. Ich hab dir eigentlich schon zu viel verraten.” Das wollte ich ihm nicht so recht glauben. Ich hakte nach. “Das glaub ich dir nicht. Du musst mehr wissen. Du hast mich immerhin erschaffen! Bitte erzähl es mir!” Arik stand auf. Seine Augen funkelten wütend und wurden schlagartig dunkler. “Du glaubst ich erzähl dir nicht alles?! Gut! Glaub was du willst. Ich habe dir alles gesagt.” Mit diesen Worten verließ er die Wohnung. Ich fühlte mich plötzlich richtig schlecht. Er hatte mir erzählt was er wusste. Er hatte mir alles gesagt und gezeigt, was wichtig war und ich warf ihm vor, dass er mir etwas verheimlichte. Das war wirklich mies. “Bin ich zu weit gegangen?” Fragte ich Darla. Diese setzte sich mir gegenüber und seufzte. “Ja, bist du.” Sagte sie schließlich. Dann nahm sie meine Hände in ihre eigenen und sah mir in die Augen. “Hör zu. Arik ist ein sehr einsamer und verschlossener Mann. Er hat keine Freunde. Er hat Niemanden. Ich kenne ihn wohl noch am besten und trotzdem würde ich nie behaupten ihn wirklich zu kennen. Und dennoch, kann ich eins mit Sicherheit sagen. Er hat dir grade, entgegen jeder Regel und Vernunft, alles gesagt was er wusste und war so offen und ehrlich zu dir wie zu sonst Niemandem. Dein Verhalten hat ihn grade sicherlich verletzt und das wirst du wieder gut machen müssen.” Sie ließ meine Hände los und ich fragte: “Und wie?” Als Antwort erhielt ich nur ein Schulterzucken. “Nun gut.” Sagte Darla schließlich. “Komm ich zeige dir deine Wohnung.” Ich stand auf und folgte ihr. Ich bekam eine eigene Wohnung? Warum? Ich hatte doch schon eine. “Warum kann ich nicht in meine alte Wohnung zurück?” Fragte ich deshalb. “Na weil, du jetzt ein neugeborener Vampir bist. Dein Hunger könnte dich jederzeit übermannen und dann sterben Unschuldige. Du wirst also erst mal hier wohnen.” Das erschien mir irgendwie logisch. Ich hatte immer noch Hunger, obwohl ich grade getrunken hatte. “Was ist mit meinem Kater?” Fiel mir plötzlich ein. Darla drehte sich im Treppenhaus zu mir um. “Auch wenn Tierblut lange nicht so verführerisch wie das von Menschen oder Elfen ist, solltest du auf Haustiere verzichten. Zumindest das erste Jahr deines neuen Lebens. Dem Fellknäuel geht es gut. Er wohnt jetzt bei einem Freund von mir. Du bekommst ihn in einem Jahr wieder und kannst ihn solange jederzeit besuchen.” Ich war furchtbar erleichtert zu hören dass, es meinem Süßem gut ging und ich ihn wieder in meine Arme schließen konnte. Aber ich war auch neugierig auf die Person, die auf ihn aufpasste. Also erkundigte ich mich wer er war. Ich erfuhr, dass er Marvin hieß und schon länger hier wohnte. Allerdings war er kein Vampir. Er war ein Mensch, der als freiwillige Nahrungsquelle hier war. Er hatte regelmäßig Blutabnahmen und ab und an war er auch bereit jemanden direkt von ihm trinken zu lassen. Ich konnte mir das kaum vorstellen, weshalb ich fragte, wann ich ihn denn kennenlernen durfte. Darla lachte. “Du bist neugierig, hmm? Ich bring dich nachher zu ihm, dann kannst du ihn ausquetschen. Aber zuerst zeig ich dir dein neues Reich und die Blutbank.” Gespannt ging ich ihr hinter her, zu meiner Wohnung im 3ten Stock. Sie drückte mir den Schlüssel in die Hand und sagte: “Hier. Der gehört jetzt dir. Übrigens haben unsere Leute sich die Freiheit genommen und dein Zeug aus deiner alten Bude geholt. Deine Möbel und dein Kram ist also schon in der Wohnung. Nur die Kartons auspacken musst du selber. Aber du schaffst das schon.” “Danke.” Sagte ich. “Dann weiß ich ja jetzt wo ich wohne. Ich würde das mit der Blutbank gerne hinter mich bringen.” Darla lachte wieder ihr mittlerweile vertrautes Lachen und führte mich hinunter in das Kellergeschoss.

Der Raum, den wir als erstes betraten roch nach Krankenhaus. Er war groß. Die Wände waren weiß gestrichen und an ihnen standen große Kühlschränke. Ich konnte mir denken was sich darin befand. Dennoch fragte ich nach. “Was denkst du denn?” War Darlas Antwort. “Blut natürlich. Wenn du Hunger bekommst greif zu. Allerdings hat hier jeder seinen eigenen Vorrat. Dein Kühlschrank steht da hinten. Er wird regelmäßig aufgefüllt. Am besten wärmst du dein Essen auf bevor du es trinkst. Und falls du doch mal von der Quelle trinken willst, dann kannst du einen unserer Menschlichen Spender fragen ob sie dich ran lassen. Die meisten lassen dich.” „Einfach so? Warum machen die das?“ Fragte ich verwundert. Darla zuckte mit den Schultern. „Kein Plan. Ehrlich. Aber du kannst Fynn gleich fragen. Ich bring dich zu Ihm.“ Sie ging in den Hausflur und ich folgte ihr. „Ach ja!“ Sie drehte sich zu mir um und hielt mir einen kleinen Schlüssel entgegen. Er sah aus wie von einem Vorhängeschloss. „Der ist für deinen Kühlschrank. Vertraue niemandem außer dir selbst, lautet die Regel, wenn es ums Essen geht. Vampire sind Raubtiere und schrecken sicher nicht vor Diebstahl zurück wenn sie hungrig sind.“ Sie drehte mir, nach Abnahme des Schlüssels wieder den Rücken zu und ging die nächste Treppe hinaus, wieder hinauf in den 3ten Stock. „Mundraub, hä?“ lachte ich und folgte ihr. Darla lachte und brachte mich vor eine weitere Wohnungstür. „So, da wären wir.“ Meinte sie. „Hier wohnt Fynn. Ich lass dich dann jetzt allein. Wenn du was brauchst, oder Fragen hast weißt du ja wo du mich findest.“ Sie wollte grade gehen, da hielt ich sie zurück. „Was ist mit Arik? Wo finde ich ihn?“ Sie blieb kurz stehen. Dann drehte sie sich noch einmal um. „Er wohnt in der Dachgeschosswohnung. Aber ich will ehrlich zu dir sein, Rune. Schlag ihn dir aus dem Kopf. Den Mann umgeben zu viele Geheimnisse. Mehr jedenfalls als gut für ihn ist. Ich hab gesehen wie du ihn ansiehst. Aber ich würde dir raten dir jemand anderen zu suchen. Es gibt viele schöne Männer hier. Er ist nicht der Richtige, glaub mir. Der bricht dir nur das Herz und bringt dich in Schwierigkeiten. So wie uns alle.“ Sie lächelte mitleidig und ließ mich allein.

Ich stand da, mit hängenden Schultern und fragte mich, was Darla mir damit nur sagen wollte. Klar, ich sollte die Finger von ihm lassen, aber die Erklärung warum reichte mir nicht aus. Ich wollte wissen wer Arik eigentlich war. Und das, dass schwor ich mir, würde ich noch herausfinden.

 

Schon nach dem ersten Klingeln an der fremden Wohnungstür öffnete mir Fynn. Ich straffte die Schultern und streckte die Hand aus. „Hey! Ich bin Rune. Ich wollte mich nur mal eben vorstellen.“ Sagte ich. Der blonde Mann vor mir musterte mich skeptisch. Meine Hand wollte er mir offensichtlich nicht schütteln, weshalb ich sie sinken ließ. Fynn drehte sich um, um wieder ins Innere der Wohnung zu verschwinden und bat mich ihm zu folgen. Unsicher folgte ich ihm in einen großen Raum mit abgetrennter Essecke und offener Küche. Scheinbar gab es nur dieses eine Zimmer, denn in einer Ecke stand ein großes Doppelbett. Die Garnitur verriet mir, dass er allein wohnte und vermutlich selten Übernachtungsbesuch bekam. Fynn deutete auf ein kleines Sofa. Ich verstand die Geste und setzte mich. Fynn setzte sich neben mich. Mit einigem Abstand allerdings. Ich nahm dies gelassen. Ich war ein junger Vampir und mein Hunger war unberechenbar. Das wusste er scheinbar nur all zu gut. „Also.“ Begann er das Gespräch. „Du bist also Rune. Ich habe schon viel von dir gehört. Und dein kleines Fellkneul durfte ich auch schon kennenlernen. Ihm geht es übrigens prächtig. Er ist draußen unterwegs. Also. Was kann ich für dich tun? Du hast sicherlich Fragen.“ Ich schaute kurz zu meinen Füßen. Dann sagte ich: „Ja. Die habe ich. Zu viele ehrlich gesagt.“ Ich seufzte. Verlegen senkte ich den Kopf. Ich konnte ihn nicht einfach ausfragen. Ich kannte ihn schließlich kaum. Eigentlich sogar gar nicht. „Du kannst mit mir reden. Über alles. Vertrau mir. Ich werde nichts davon weiter erzählen.“ Ich schaute ihn an. Schaute ihm in seine blauen Augen und versank in ihnen. Fynn strahlte so viel Vertrauen aus. Und so viel Ehrlichkeit. Aber in seinen Zügen lag auch noch so viel Anderes. Traurigkeit, Leid und Schmerz. Er musste schon viel durchgemacht, viel erlebt haben. Ich wollte ihm nicht noch mehr Last aufbürden, als die, die er sowieso schon trug. Er griff nach meinen Händen und nahm sie in seine. „Hey.“ Sagte er ruhig. „Alles wird gut. Egal was du jetzt denkst. Du wirst dich schnell an alles gewöhnen und dich hier wohl fühlen. Aber wenn du alles in dich hinein Frisst, gehst du daran zu Grunde. Also sprich mit mir. Sag mir was dich beschäftigt.“ Ich schaute ihn eine Weile an bevor ich ihn Fragte warum er mir das anbot. Er lächelte leicht. „Es ist irgendwie zu meiner Aufgabe geworden mich um die Neuen zu kümmern. Außerdem... . Nun, sagen wir einfach, du bist anders als die Anderen. Du interessierst mich einfach. Nicht nur weil du ein Elf bist.“ Ich wurde rot. Das klang irgendwie seltsam. Also gut. Dann mal los. „Ich glaube ich fange am Anfang an. Also. Ich bin Rune und ich bin 700 Jahre alt. Von diesen habe ich etwa 300 geschlafen. Ich habe mich vor etwa 100 Jahren von meinem Volk abgewandt. Die Gründe sind jetzt nicht weiter von Belang. Ich erzähle dir später davon, wenn du möchtest. Seitdem wohne ich.. Nein wohnte ich in verschiedenen Wohnungen bei den Menschen. Ich studierte Psychologie, Naturwissenschaften, Geschichte und Soziologie. Ich führte ein schönes Leben. Bis vor ein paar Tagen.“ Ich atmete tief durch bevor ich weiter sprach. „Ich wurde von Arik fast getötet. Und dann...“ Ich wurde rot beim Gedanken an die Wandlung. Ich konnte nicht weiter sprechen. „Er hat dich verwandelt. Ich weiß wie das funktioniert. Und ich kann mir vorstellen wie unangenehm es seien muss, wenn man nicht an Männern interessiert ist. Du musst nicht darüber sprechen, wenn du nicht willst.“ Wollte ich darüber sprechen? Ja Es war mir unangenehm, aber ich wusste, dass es mir ewig im Kopf umher gehen würde, wenn ich jetzt nicht darüber sprach. Also tat ich es. „Ich bin hetero. Und dennoch. Es war unglaublich. Einfach Atemberaubend. Es war der beste Sex den ich je hatte,” sprudelte es aus mir heraus. “Vielleicht ist es das, was mir all die Jahrhunderte gefehlt hat. Aber es macht mir auch Angst. Die Gefühle die ich dabei empfand machen mir Angst. Ich weiß einfach nicht was mit mir los ist.“ Jetzt war es ausgesprochen. Und es tat gut darüber zu sprechen. Ich hatte Fynn alles darüber erzählt. Alles bis auf eine Sachen. Dass, ich mich in Arik verliebt hatte. Denn das, konnte ich ihm unmöglich sagen. Was sollte er denn dann über mich denken? Ich fand es ja selbst absurd. Nach so kurzer Zeit, sollte man sich nicht verlieben. Und außerdem, hatte ich die Hoffnung, dass meine Verliebtheit nur von kurzer Dauer sein würde. Und ich hatte das Gefühl, meine Hoffnung war nicht vergebens. Irgendetwas in mir sagte mir das.

„Weißt du...,“ sagte Fynn und strich mir mit dem Daumen über den Handrücken. „Ich weiß zwar nicht, wie es ist verwandelt zu werden, aber ich weiß wie es sich anfühlt gebissen zu werden. Und damit weiß ich ja schon mal einen Teil von dem Gefühl, dass du bei der Wandlung hattest. Ich kann also nachempfinden was für Gefühle und Empfindungen das in einem auslösen kann. Und ich denke, dass sie beim Akt an sich schon mal stärker sind. Es ist also nur logisch, dass du so empfunden hast. Mach dir also darüber keine all zu großen Gedanken. Nur weil du einmal Sex mit einem Mann hattest und es dir gefallen hat, heißt es nicht, dass du gleich schwul bist. Und nur mal so ne Frage: Wäre es so schlimm?“ Er sah ihn eindringlich an. Immer noch streichelte er mir den Handrücken. Das beruhigte mich irgendwie. „Ich denke nicht, dass das schlimm wäre. Ich meine, ich bin nicht so verstaubt in meinem Denken wie die meisten anderen Elfen. Und überhaupt, bin ich so gar nicht wie sie. Wie könnte ich auch! Sie haben mich quasi verstoßen.“ Antwortete ich energisch. Fynn hörte auf mich zu streicheln. „Wie darf ich das denn verstehen?“ fragte er. Sein Blick war eine Mischung aus Entsetzung und Mitleid. Ich seufzte. „Das ist eine lange Geschichte und ich bin zu Müde um sie dir zu erzählen.“ Mein Gastgeber nickte verständnisvoll. „Ich werde dich zur Tür begleiten.“

 

Als ich spät am Abend erschöpft in mein Bett kroch war ich unglaublich erschöpft. Ich fühlte mich matt und völlig ausgelaugt. Außerdem war mir alles um mich herum fremd. Ich mochte es nicht, wenn alles noch neu war. Eine neue Umgebung, eine neue Wohnung, neue Möbel. Schlicht weg, eine neue Heimat. Es war zwar nicht ungewöhnlich für mich, mich an eine neue Heimat zu gewöhnen, da ich alle paar Jahre in eine neue Stadt zog, doch dennoch, fühlte sich dieses Mal alles anders an. Und es war nicht nur die Fremde Umgebung, sondern auch die Fremden Personen. Und sogar die Gerüche, die ich jetzt so deutlich wie nie zu vor wahrnahm. Es war einfach alles so anders. Und ich wusste nicht, ob anders in diesem Falle besser oder schlechter war. Ich musste mich erst einmal an alles gewöhnen und hatte das Gefühl, es würde dieses Mal sehr viel länger dauern als die vielen Male davor. Lange noch wälzte ich mich in meinem, viel zu großem Bett von einer Seite auf die Andere. Bis ich schließlich gegen 4 Uhr am Morgen endlich einschlief.

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