Kapitel 2

Ich höre wie sich die unsere Wohnungstür leise öffne. "Mom?", frage ich leise. Meine Stimme klingt kratzig und verweint. "Ja? Zoe? Bist du das?", fragt meine Mom verwundert und ich kann hören wie sie die Tür hinter sich schließt. "Ja Mom. Ich bin es", schniefe ich. Moms Absätze klackern auf dem hölzernen Boden und ich schaue auf als meine Mutter ins Wohnzimmer tritt. Als sie mein verweintes Gesicht sieht, setzt sie sich schnell zu mir aufs Sofa und nimmt mich in den Arm.

"Was ist denn los, Schatz? Und wo ist eigentlich dein Vater?", fragt sie besorgt. Ich wische mir mit dem Handrücken die Tränen weg:"S-Sie haben ihr mitgenommen!"

"Mitgenommen? Wer hat deinen Vater mitgenommen und wieso?", Mom runzelt misstrauisch die Stirn. Ich schmiege mich an meine Mutter:"Die Polizei war hier-" Sie unterbricht mich:"Was? Die Polizei?" Ich nicke und fahre dann fort:"-und sie haben Dad mitgenommen." Sie schaut mich geschockt an und fragt weiter:"Was? Wieso? Was hat er denn getan?" "Sie haben ihn beschuldigt des Mordes bezichtigt", bringe ich hervor. "Mord?", wiederholt sie. Sie scheint genau so entrüstet zu sein, wie ich als ich es erfahren habe. "Mord an wem?" "Das haben sie gar nicht gesagt", erwidere ich verwundert:"Sie sagten nur, dass Dads Axt das Mordwerkzeug war und dass die Leiche männlich ist. Mehr weiß ich leider auch nicht." "Welche Axt?" "Ich denke, die die er sich vor zwei Jahren hat extra anfertigen lassen", bei meinen Worten vergräbt sie ihr Gesicht in den Händen und seufzt verzweifelt. Nun nehme ich sie in den Arm:"Mom? Er war das nicht. Das weiß ich ganz sicher. Wir müssen nur den wahren Schuldigen finden-" "Und wie sollen wir das machen?", fragt Mom verzweifelt:"Wir können uns ja nicht auf den Marktplatz stellen und nach fragen wer diesen Mann getötet hat." Ich zucke mit den Schultern:"Ich weiß es nicht, aber wir schaffen das schon irgendwie. Wir müssen nur daran glauben." Mom sieht mich aus ihren freundlichen blauen Augen an und versucht ruhig zu klingen:"Mach dir keine Sorgen, Schatz. Geh jetzt schlafen. Morgen musst du wieder in die Schule und ich will nicht, dass du zu lange wach bleibst. Ich werde das klaren." Ich weiß, dass sie versucht für mich stark zu sein und mich zu trösten, doch hinter der Maske ist ihre Angst klar zu erkennen.

Mir läuft ein Schauer über den Rücken. Wie kann das sein? Meine Mutter hat nie Angst. Sie stellt sich der Aufgabe und meistert sie dann bravurös. Ich bin da ganz anders. Ich drücke mich gerne vor unangenehmen Situationen und schiebe Aufgaben oft unheimlich lange vor mir her, bis ich nicht mehr viel Zeit habe. So unterschiedlich können Familienmitglieder eben sein.

Um es Mom nicht noch schwerer zu machen als er schon ist, erhebe ich mich vom Sofa und schlurfe die Treppe hinauf. Als ich oben angekommen bin, bemerke ich, dass ich doch ziemlich müde bin und mache mich auf in mein Zimmer.

Dort angekommen falle ich müde in die weichen Lacken und schlafe wenige Sekunden später ein.

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