Kapitel 2 - Gemeinsamer Weg

„Die Luft im rechten Gang ist frischer.“, zischte sie ihm zu, als sie dicht an die Wand gepresst standen. Er blickte sich flüchtig um, huschte nach vorn und machte sich am Boden zu schaffen.
Mit einem breiten Grinsen sah er zu ihr auf, „Der Gang ist egal. Wir gehen nach unten, Süße!“ Er zog kräftig an einem Ring im Boden und eine Luke öffnete sich, gab den Blick auf einen unterirdischen Fluss frei. Nicht einmal Zeit für einen Einwand ließ er ihr, schon sprang er todesmutig hinunter.
Lads Augenbrauen wanderten nach oben. Süße? Das würde er ihr noch büßen. Sie schluckte ihren Groll hinunter und sprang ihm nach, als sie nahende Schritte näherkommen hörte und Stimmen vernahm. Ihre Flucht aus den Zellen war aufgeflogen und Eile war geboten.

Das Wasser schlug über ihrem Kopf zusammen. Es war finster und das Wasser schwarz wie die Nacht. Die Fluten des Stromes waren schnell und so dauerte ihre unterirdische Reise nicht lange. Lad versuchte in den Wassermassen nicht unterzugehen, doch hatte sie ihre Augen fest zusammengekniffen und umklammerte ihre Waffen fest, damit sie nicht verloren gingen.
Sie hatte das Gefühl zu fallen und tatsächlich fielen sie beide einige Meter tief, ehe sie in einem Brachwassersee landete, dessen Wasser so trüb war, dass sie die Orientierung verloren.
Furias tauchte prustend auf und sein helles Haar wurde vom Mondlicht gestreift. Er sah sich nach ihr um, nur um seine Neugierde zu stillen, ob sie noch da war und tatsächlich tauchte sie, nach Luft schnappend, in einiger Entfernung von ihm auf und schwamm zum Ufer.
„Alle Achtung“, höhnte er, als er ans Ufer kam und sein Oberteil abstreifte, um es auszuwringen, „Ihr Blasshäute habt mehr zu bieten, als ich dachte.“
Sie stapfte neben ihm durchs stumpfe Gras des Ufers, warf ihre Waffen zu Boden und fuhr herum, um ihm etwas entgegen zu werfen, doch blieb sie still.
Das fahle Mondlicht beleuchtet ihn gut genug, als das sie seinen muskulösen, dennoch nicht bulligen, Körper sehen konnte. Er wirkte agil mit schlanken Gliedmaßen. Sein weißes Haar klebte nass an seinem Kopf und seine roten Augen funkelten sie herausfordernd an.
Lad dankte der Nacht, dass es zu dunkel war und er nicht sehen konnte, wie eine leichte Röte ihre Wangen erglühen ließ.
„Ich habe bereits erwähnt, dass ich keine Blasshaut bin.“, murrte sie jedoch nur und wandte sich um, um ihrerseits ihr Gewand auszuwringen und ihr langes Haar, das sich ein wenig kräuselte. „Ich gehöre nicht zu den Feinden Eures Volkes.“
„Mein Volk?“, seine Stimme klang verächtlich, „Falls es Euch nicht aufgefallen ist, ich gehöre sicherlich nicht mehr dazu.“
„Dann seid Ihr wohl eine stumpfe Klinge, die man nicht mehr brauchen kann.“, spottete sie verärgert und presste das Wasser aus ihrer Leinenbluse.
Stumpfe Klinge?, seine Augen verengten sich wütend. Damit war sie nun wirklich zu weit gegangen. Zwei Schritte und er stand hinter ihr, packte ihre Schultern und riss sie zu sich herum. Erschrocken japste sie auf und ihre grauen Augen trafen seine.
„Ich werd Euch zeigen, was diese stumpfe Klinge kann. Staunt nur, aber ich führ uns von hier weg und in Sicherheit, auch wenn ich nicht unglücklich darüber wäre, Euch hier zu lassen.“, zischte er. Seine Finger bohrten sich schmerzhaft in ihre nackte Haut und sie schluckte, bevor sie ihre Fassung wiederfand und sich ihm entwand.
„Beweist es doch“, erwiderte sie mit gespielter Gelassenheit, nur um ihn noch wütender zu machen, „Beweist, dass Ihr keine stumpfe Klinge seit und dass Ihr den Anstand habt, dass ich mich noch anziehen darf, bevor wir gehen.“
„Aber sicher dürft Ihr das.“, er ballte die Hände zu Fäusten und erstarrte innerlich. Anziehen? Erst jetzt fiel ihm auf, dass sie nur in Hosen da stand. Sogar ihre Stiefel hatte sie ausgezogen, um das Wasser auszuleeren.
Abrupt wandte er sich um und klaubte seine eigene Habe auf, um sich marschbereit zu machen.
Sie linste über die Schulter, um ihm nachzusehen und befestigte ihr neues Schwert an ihrem Gürtel. Band ihre feuchten Haare zurück in den Nacken und machte sich auf in Richtung des nahen Waldes.
Hinter sich hörte sie sogleich fluchen und hastige Schritte, denn der Dunkelelf war nicht darauf gefasst gewesen, dass sie einfach so ging.
„Wartet! Halt!“, er holte auf und schob sich vor sie, um die Führung zu übernehmen, „Ihr habt doch keine Ahnung wohin wir gehen müssen. Gut, ich auch nicht, aber der Wald wird mich führen. Wir müssen nur genug Abstand zwischen uns und hier bringen.“
Sie nickte und konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, „Also dann lauft los und ich folge Euch, oh großer Waldläufer.“
So begann ihr Weg in den nächtlichen Wald hinein. Nicht der erste Wald in ihrem Leben und sicher auch nicht in seinem. Es herrschte eine merkwürdige Stille vor, als würde kein Tier an diesem Ort leben.
Furias führte sie nicht auf geradem Wege, sondern auf verschlungenen Pfaden voran. Er hatte ihr erklärt, so verwirre man mögliche Verfolger und tatsächlich hatten sie sich einige Male eng an einen dicken Baumstamm gedrückt und gelauscht, ob hinter ihnen jemand war.
Nur einmal hatte Lad das Geräusch einer Stimme vernommen und hatte ihn am Kragen gepackt und ins Dickicht gezogen, wo sie verharrten, bis es wieder ganz ruhig war.
Er bewegte sich beinahe geräuschlos voran. Schien es gewohnt zu sein, mit den Schatten zu verschwimmen und machte keinen Hehl daraus, dass er nachts gut sehen konnte, doch auch sie stand ihm darin um nichts nach, gab es nur nicht so offen zu wie er. Sie grinste in sich hinein und hängte sich während des Großteils der Strecke an seine Fersen.
Irgendwann wusste sie nicht mehr, wie lange oder wie weit sie schon gelaufen waren. Sein zuerst hastiger Schritt war jedoch irgendwann ruhiger geworden.
Lad blickte hinauf und konnte durch die Baumkronen sehen, dass der Morgen graute und sich der Himmel erhellte, doch blieb es relativ düster, denn Wolken waren aufgezogen und der Wald war meistens sehr dicht.
Dieser kurze Moment an Unachtsamkeit blieb nicht ohne Folgen.
Furias blieb unvermittelt stehen, als sie eine kleine erhabene Stelle erreicht hatten, von der aus sie alles im Überblick hatten.
„Ah!“, stieß er hervor, als er sich umdrehte und zu spät bemerkte, dass sie gar nicht sah, wo sie hinging und ihn praktisch überrannte.
Ihr Körper prallte ungebremst auf seinen und sie landeten beide schmerzhaft am Boden, besonders er, denn sie wurde durch ihn abgefedert.
Lad stöhnte auf und linste durch ihre Haare, die ihr die Sicht genommen hatten. Ihr Blick ging genau auf seinen Hals und seine Schulter, die unter ihr waren. Schlagartig wurde sie ihrer Lage gewahr und stützte sich mit den Armen auf.
„Entschuldige bitte.“, ihre Stimme klang verlegen und eine Röte lag in ihrem Gesicht.
Er sah in ihr Gesicht hoch, musterte sie einen Moment lang und feixte, „Normalerweise mag ich temperamentvolle Frauen, aber das ist doch ein wenig plötzlich.“
Ihre Miene, gerade noch auf Entschuldigen eingestellt, veränderte sich in Sekundenschnelle zu missmutig. Sie grummelte etwas Unverständliches und rappelte sich auf, klopfte den Dreck von ihrer Hose, nur um einen klaren Gedanken zu fassen.
Furias blieb am Boden liegen, stützte sich mit den Unterarmen auf, um sie zu betrachten. „Hm“, dachte er, „Daran könnte ich mich gewöhnen.“
Laut sagte er: „Wir sollten hier eine Weile rasten. Bald erreichen wir das Gebirge und sobald wir über den Pass sind, sind wir aus diesem verfluchten Land raus und können getrennte Wege gehen. Ihr solltet etwas schlafen, um Kräfte zu sammeln.“
Sie ließ sich das nicht zweimal sagen, sondern setzte sich, mit dem Rücken an einen Baum gelehnt, nieder. Eine bleierne Müdigkeit überkam sie und ließ ihre schweren Glieder Ruhe suchen.
„Dafür, dass Ihr mich im Kerker so beschimpft habt, seid Ihr ein relativ angenehmer Weggefährte“, gähnte sie und streckte ihre erschöpften Glieder.
„Ich brauche eben meine Zeit, um mit anderen warm zu werden“, scherzte er ein wenig und richtete sich ein, Wache zu halten, "Bei einer Blasshaut tu ich mir nur noch schwerer, aber Ihr seid bisher sogar ganz brauchbar."
Sie schloss schon die Augen und erwiderte schläfrig: „Beruhigend, zu wissen, dass Ihr jeden vorher beleidigt und beschimpft.“
Wenig später war sie in einen leichten Schlaf gesunken, darauf vertrauend, dass er nicht ohne sie weiterziehen würde und dass, selbst wenn, sie irgendwie allein hinausfinden würde.
„Nicht jeden“, flüsterte er und seine Züge erweichten sich kurz zu einem sanften Lächeln, als er sie ansah, was nicht oft vorkam, jedenfalls nicht, in seinem bisherigen Leben, „Nur die, die mir sympathisch sind.“

Kommentare

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    wie süß!

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    Super! Mehr davon und das möglichst rasch ;-) 5/5

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    Ich habe mir jetzt beide Kapitel durchgelesen und will umbedingt MEHR. MEHR, Kathy, ich will ganz viel MEHR davon. ^-^

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    "nur die, die ich mag" awwww :) süß! gefällt mir gut. meeehr!

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