Kapitel 21: Die erste Folter

Als er wieder zu sich kam, war er nackt und hing, Arme und Beine weit von sich gestreckt, gehalten von vier schweren Ketten, die an seinen Hand- und Fußgelenken befestigt waren, knapp einen Meter über dem Boden, das Gesicht nach unten. Er drehte den Kopf, so gut es ging, hin und her und bemerkte, dass die Ketten an vier Steinsäulen befestigt waren, die im Viereck um ihn herum standen. Die Ketten waren straff gespannt, seine Arme und Beine schmerzhaft gedehnt. Als er sich genauer umsah, soweit es sein geringer Bewegungsspielraum zuließ, erkannte er, dass er sich in einer Höhle befand. An den Wänden waren in regelmäßigen Abständen Halterungen befestigt, in denen Fackeln brannten. Das Flackern der Flammen warf unheimliche Schatten. Überall tropfte es von der Decke, riesige Stalakmiten ragten vom Höhlenboden empor und ebenso große Stalaktiten hingen von der Decke herab.
"Direkt über deinem Rücken hängt auch einer."
Dominicus trat in Luzifers Blickwinkel. 
"Und", fragte dieser, "fällt der jeden Augenblick auf mich runter und durchbohrt mich?"
"Das könnte ich dir erzählen und mich an deiner ständigen Angst erfreuen, aber die Wahrheit ist viel interessanter. Nein, dieser Stalaktit sitzt da oben bombenfest und ist aus reinem Silber."
"Sieht sicher hübsch aus."
"Ja, in der Tat. Aber das Beste kommt erst noch. Alle paar Minuten tropft von diesem Stalaktiten ein Tropfen reinen Königswassers auf dich herunter. Du weißt doch, was das ist?"
"Champagner?", riet Luzifer, obwohl er Schlimmes befürchtete.
"Hahahaha, der war gut. Wusste ja gar nicht, dass SIE dir bei deiner Erschaffung auch Sinn für Humor verpasst hat! Nein. mein Lieber. Königswasser ist eine Mischung aus Salz- und Salpetersäure und bewirkt..."
In diesem Augenblick fiel ein Tropfen der Säure auf Luzifers Rücken.

Sein Kreischen wurde von den Höhlenwänden zurückgeworfen, in Echos aufgespalten und verstärkt und hallte schmerzhaft in seinen eigenen Ohren. Er hatte das Gefühl, als würde sein gesamter Körper in Flammen stehen, als würde seine brennende Haut ihm bei lebendigem Leibe vom Körper gerissen werden. Verzweifelt wand er sich hin und her, um dem Schmerz zu entkommen. Seine Schultern sprangen aus ihren Gelenken, ein zusätzlicher Schmerz, der ihn beinahe um den Verstand brachte. Schließlich rissen auch Muskeln und Sehnen und Luzifer wünschte sich nichts mehr als den Tod. Aber nicht einmal eine kurze Bewusstlosigkeit wollte sich einstellen, um ihm eine kurze Erholung zu gönnen. Immer und immer wieder hallten seine Schreie durch die Höhle, bis endlich - endlich! - seine Selbstheilungskräfte einsetzten. Das Brennen seiner verätzten Haut ließ nach, Muskeln und Sehnen wuchsen wieder zusammen, Knochen sprangen in ihre Gelenke zurück. Auch dieses ein ausgesprochen schmerzvoller Vorgang. Doch endlich war die Heilung abgeschlossen. Luzifer keuchte, sein Hals brannte vom Schreien und er war schweißgebadet. 

"...genau das!", fuhr Dominicus ungerührt fort.
"Du mieser Schweinehund!" Luzifers Kehle war wund, seine Stimme nur ein heiseres Flüstern.
"Aber, aber, wer wird denn fluchen? Schickt sich das etwa für einen Engel? Na, wir können ja in ein paar Stunden darüber diskutieren. 
So, jetzt lasse ich dich aber allein. Genug Unterhaltung wirst du ja haben, keine Sorge also, dass du dich langweilen könntest. Machs gut."

Dominicus ging, begleitet von Luzifers Verwünschungen. 

Als er alleine war, ließ Luzifer den Tränen freien Lauf. Wie sollte er das hier nur überstehen? Verzweifelt versuchte er den Kopf so zu drehen, dass er den silbernen Stalaktiten sehen konnte, um abschätzen zu können, wann der nächste Tropfen Säure fallen würde, aber umsonst. Ihm blieb nichts weiter übrig, als hilflos abzuwarten. 





Kommentare

  • Author Portrait

    Wie feige! Ihn so zu verletzen anstatt mit ihm zu kämpfen... Ein tolles Kapitel so wie immer! Ich freue mich schon mega auf das Nächste! LG, Wolfslady

beta
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