Kapitel 22

 „Du hast ihn gefunden? Du hast den zwei Welten Engel gefunden?“ hauchte Rose neben mir ungläubig und starrte dabei immer noch auf den Neuankömmling als wäre er ein Hologram. „Wo hast du ihn gefunden?“ Sie wandte sich skeptisch an Ryder.

Dieser seufzte und rollte mit den Augen. „Ich sagte doch, ich bin die letzten drei Jahre viel rumgekommen. Irgendwann beschloss ich diese Welt zu verlassen und landete in der Menschenwelt,“ begann er zu erzählen. „Immer im Hinterkopf die rätselhafte Prophezeiung mit dem zwei Welten Engel. Anders als dir war mir klar, dass es sich dabei nicht um einen halben Todesengel handelt.“

„Die Bezeichnung würde nicht zutreffen,“ murmelte der Neuankömmling der sich nun auf meiner anderen Seite hinsetzte, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen.

„Warum?“ wollte Rose stirnrunzelnd wissen.

„Nun, es würde nicht zutreffen da die Obere- und die Unterwelt in der selben Dimension sind, sprich es ist eine Welt geteilt in zwei Hälften,“ erklärte der Fremde Mann lässig.

„Wie sollen wir dir glauben das du nicht ein Todesengel bist? Was sagt uns, dass du dieser geheimnisvolle Engel aus der Prophezeiung bist? Was ist die Macht des Adlers?“ räusperte ich mich und wandte mich an den Fremden. „Wie heißt du überhaupt.“

Der Fremde wandte sich zu mir. „Mein Name ist Samuel. Wie dein Freund vorhin schon sagte haben Halbsterbliche wie ich keine Flügel. Du ziehst deine Macht des Raben aus dem Mond über deine Flügel. Die meiste Macht hast du daher in der Zeit um Vollmond. Ich ziehe meine Macht aus der Sonne. Das ist ein Aspekt der Macht des Adlers sowie die Schnelligkeit im Kampf.“

„Woher weißt du das alles?“ fragte ich erstaunt.

Samuel lachte. „Die Prophezeiung ist auch meinem Volk bekannt. Hierbei geht es nicht nur um eure Welt, auch die Welt der Sterblichen ist von diesem Krieg betroffen.“

Kurz dachte ich über seine Worte nach. Es klang logisch: Das Ungleichgewicht in dieser Welt musste auch Spuren in der Menschlichen Welt hinterlassen. Ich wandte mich zu Ryder.

„Wo habt ihr euch kennengelernt?“

„In einer Menschenstadt namens Rom,“ berichtete er nachdenklich. „In ‚urbanus obscurus‘, der Dunklen Stadt, habe ich aufgeschnappt wie zwei Dämonen darüber diskutierten das in einer Stadt namens Rom die Zahl der ‚homoangelus‘, wie sie die Halbsterblichen nennen, gestiegen ist. Das rief mich auf den Plan und ich stahl mich durch das nächste Portal, das dieser Stadt am nächsten war, in die Menschenwelt. Und sie hatten Recht: Ich stieß schon bald auf Samuel und seine Gefährten.“

„Du bist also nicht alleine?“ stellte ich fest.

„Alleine ist es sogar in der Menschenwelt gefährlich.“ Samuel zuckte lässig mit seinen Schultern.

„Ich hatte wirklich Glück ihn und seine Gruppe zu treffen. In dieser Nacht war ein ganzes Rudel Werwölfe hinter mir her,“ nickte Ryder dankbar zu Samuel der es mit einem kurzen Kopfnicken quittierte. Kurz beobachtete ich die beiden Männer. Es schien als hätten sie einiges zusammen erlebt.

„Das heißt es gibt ein Portal zur Menschenwelt in Luzifers Reich?“ sprach ich meinen Gedanken aus.

Die beiden Männer nickten zustimmend.

„Weiß mein Vater davon?“

Ryder lachte kalt. „Als würde Luzifer zu deinem Daddy gehen und sagen: Du, Michael, alter Kumpel. Ich weiß wir hatten in der Vergangenheit unsere Probleme, aber ich wollte dir nur sagen das ich so ca. fünfzehn Portale in die Menschenwelt erschaffen habe. Du hast doch nichts dagegen oder? Du kannst sie gerne benutzen falls du mal Lust auf eine Menschen Frau hast oder ein Bier in der Menschenwelt trinken gehen willst nach Feierabend. Ein Erzengel muss ja auch mal entspannen, das verstehe ich vollkommen.“

Rose begann schallend zu lachen. „Das war gut wie du Luzifer nachgemacht hast,“ keuchte sie atemlos. „Ich konnte es mir wirklich bildlich vorstellen.“

Genervt rollte ich mit den Augen. „Ich weiß das sie ihre Reibereien haben, aber fünfzehn Portale sind gefährlich. Durch diese Portale kommt alles Mögliche in die Menschenwelt, nicht nur Todesengel.“

„Dämonen, Vampire, Irrlichter, Werwölfe, Hexen und so weiter. Ja wir wissen das, wir haben sie nämlich höchstpersönlich gesehen und bekämpft in der Menschenwelt,“ stellte Samuel schulterzuckend fest. „Allerdings bin ich mir nicht sicher ob Luzifer derjenige war der die Portale erschaffen hat. Ich glaube sogar er weiß erst seit kurzen von der Existenz.“

Schockiert riss ich die Augen auf. „Wie kommst du darauf? Das wäre Hochverrat.“

„Das wäre ein Verbrechen. Lucifer ist der Herrscher der Unterwelt. Niemand darf ohne seine Zustimmung ein Portal erschaffen. Noch dazu fünfzehn Portale die alle aus sein Reich rausführen,“ stimmte Ryder zu. „Aber wir haben die Befürchtung das es wirklich so ist und jemand diese Portale erschaffen hat ohne den Herrscher darüber in Kenntnis zu setzten,“ seufzte er.

Ich starrte von Ryder zu einer zu tiefst schockierten Rose.

„Also hatte Mr. Weston Recht,“ stammelte Rose.

„Womit hat der Direktor Recht? Welchen Geistesblitz hatte er dieses Mal?“ frug Ryder neugierig.

Ich räusperte mich. „Nun, heute nachdem wir in die Akademie zurückgekommen sind, hat Mr. Weston mich, Taylor und Aiden abgefangen um uns darüber in Kenntnis zu setzten das er Jaxsons Tun nicht guthieß. Als Taylor und Aiden den Raum verließen, bin ich zurückgeblieben. Wir haben geredet und da hat er mir anvertraut das bei Tristans verschwinden ein Portal entdeckt wurde das vorher nicht in der Akademie war. Das Portal war das selbe durch das ich mit den anderen nach Fallen City gelangt bin.“

„Dieser Mr. Weston denkt also das dieses Portal von jemand außenstehenden in die Schule gebracht oder sogar erschaffen wurde,“ schloss Samuel aus meiner Erzählung. „Einem Todesengel oder sogar Halberzengel, wenn es derjenige erschaffen hat.“

Ich nickte. „Genau.“

Ryder und Samuel starrten sich kurz an. Es kam mir vor als würden sie Gedanken austauschen.

„Was wisst ihr?“ wollte ich nach einigen qualvollen Minuten der Stille.

Samuel wandte sich wieder zu mir. Für einen Moment viel das Licht der Kerze auf sein Gesicht und ich erhaschte einen Blick auf einen Dreitagebart, hohe Wangenknochen und leuchtend eisblaue Augen. Als unsere Blicke sich kurz trafen kribbelte es in meinem Körper. Schnell senkte Samuel seinen Kopf und räusperte sich.

„In der Dunklen Stadt belauschten wir weitere Dämonen. Diese brüsteten sich damit das sie im Dienste eines hohen Engels stehen: Eines Halberzengels mit unglaublichen Kräften,“ erklärte er.

„Wie ist das möglich? Ein Halberzengel in der Unterwelt? Soll das heißen Luzifer hat ein Kind?“ stammelte Rose betroffen.

„Jetzt kommt das Beste: Sie sprachen von einer Sie,“ fügte Ryder hinzu.

„Er hat eine Tochter,“ rief Rose erstaunt aus und lehnte sich dabei fassungslos über den Tisch zu Ryder.

„Psst,“ fauchten wir drei schnell als sich einige der Pubbesucher von ihrem Ausruf gestört zu uns drehten.

„‘tschuldigung,“ murmelte Rose zerknirscht.

„Man Rose, was ist daran so schwer vorzustellen?“ witzelte Ryder. „Glaubst du er sitzt den ganzen Tag in der Unterwelt und dreht Däumchen?“

„Schwer vorzustellen bei dem alten Hippie,“ lachte Samuel.

„Diese Sie ist also nicht nur ein Halberzengel, sondern auch ein halber Todesengel. Vermute ich richtig?“ sprach ich einen Gedanken aus, der mir durch den Kopf schoss.

„Ich Vermute es,“ stimmte mir Ryder zu.

Samuel nickte. „In der Unterwelt triffst du eher selten einen Engel. Noch dazu Weiblich.“

„Aber…“ begann Rose, dann schloß sie den Mund.

„Du fragst dich ob sie Flügel hat?“ Samuel seufzte. „Wir wissen es nicht.“

„Weil ihr nicht wisst wer sie ist,“ vermutete ich.

„Exakt,“ stimmte mir Samuel zu der sich mein Glas ohne zu fragen schnappte und das Glas in einem Zug leerte.

„Sie ist nicht in der Unterwelt,“ ging ich weiter meinem Gedanken nach. Es war wie ein Puzzle mit tausenden von Teilen. Nach und nach fand ich nun die Teile, Doch die wichtigen, die dem ganzen ein Gesicht gaben fehlten mir.

„Ich glaube wir können dem Direktor Recht geben, das erste Mal in meinem Leben das ich das sage, und Annehmen das sie in der Akademie ist.“ Ryder verzog angeekelt das Gesicht.

„Das wird dich nun wirklich nicht umbringen Ryder.“ Rose verzog belustigt das Gesicht.

„Doch. Ich spür schon wie es mit mir zu Ende geht.“ Gespielt faste sich Ryder an die Brust als würde er höllische Schmerzen aushalten während Rose neben ihm kicherte. Ich seufzte.

„Wenn das wirklich stimmt, schweben die Schüler in großer Gefahr,“ gab ich zu bedenken.

Samuel wandte sich zu mir. „Nicht unbedingt.“

„Sie ist Luzifers Spitzel.“

„Bist du dir sicher?“

„Was willst du mir damit sagen?“ fragte ich ihn und versuchte seinen Blick unter der tief heruntergezogenen Kapuze zu erhaschen.

„Ich denke sie handelt selbstständig,“ erklärte er mir und starrte dabei auf seine Hände.

„Wie kommst du auf diese Idee?“

„Ganz einfach: Die Dämonen sagten sie würden im Dienste eines Halberzengels stehen. Sie sagten nicht in Luzifers Dienst.“

„Als wären Dämon so intelligent und würden den Unterschied verstehen,“ lachte ich.

„Du täuschst dich, Raven: Dämonen sind zwar plump, aber so was wissen sie,“ schellte mich Samuel.

„Woher weißt du das?“ wollte ich wissen.

Er seufzte. „Ich war oft in der Unterwelt und hatte mit Dämonen zu tun.“

„Was wolltest du in der Unterwelt?“ fragte Rose angeekelt.

„Waffen. In der Unterwelt gibt es die besten Schmiede und die günstigsten Preise, wenn man sich auskennt,“ lachte Samuel.

„Dämonenschmiede meinst du. Aber diese Waffen sind voller schwarzer Magie.“ Geschockt starrte ich auf meinem Gegenüber.

„Beim Kampf gegen einen Dämon sind sie aber am wirkungsvollsten. Sie haben mir mehr als einmal das Leben gerettet.“

„Es ist ein Delikt damit angetroffen zu werden,“ stellte Rose zischend klar und sah sich ängstlich um.

Samuel lachte schallend. „Keine Angst: Ich lasse mich nicht erwischen.“

Rose rollte mit den Augen. Trotzdem erwischte ich sie dabei sich immer wieder nervös umzusehen.

„Nun wissen wir wenigstens das wir es mit einem Gesetzesbrecher und Waffenschieber zu tun haben,“ stellte ich nüchtern fest.

„Ich handle nicht mit Waffen, ich benutze sie alle selbst. Zu meiner eigenen Sicherheit,“ verteidigte er sich.

„Wie du meinst,“ murmelte ich und zuckte mit den Achseln. „Nun ich denke es wird Zeit mit Tristan zu sprechen,“ wechselte ich schnell das Thema und schaute vielsagend zu Rose, die mich aus großen Augen anstarrte.

„Warum denn das?“

Ich atmete tief ein und aus. Wie sollte ich ihr das erklären? Ich hatte das Gefühl das Tristan mehr wusste als er zugab.

„Mein Gefühl sagt mir das Tristan denjenigen gesehen oder sogar erkannt hat der ihn in das Portal gelockt hat.“

Ryder sah mich nachdenklich an. Dann nickte er zustimmend. „Das könnte sogar sein. Vielleicht hat er ihr sogar Vertraut.“

„Habe ich das richtig verstanden: Sie hat vorsätzlich einen Schüler in ein Portal gelockt?“ fragte nun Samuel.

Ich nickte. „Vor zwei Jahren verschwand Tristan. Wir haben ihn heute in Fallen City gefunden.“

„Dem Jungen geht es gut?“

Rose biss sich auf die Unterlippe. „Er hat einige Blessuren, aber sonst geht es ihm körperlich ganz gut. Er scheint nur ein wenig mitgenommen zu sein. Psychisch meine ich.“

Samuel nickte abwesend. „Wir müssen zu den Jungen.“

„Also glaubst du auch, dass er etwas weiß?“ fragte ich ihn. Er nickte nur und erhob sich.

„Und dieses Wissen könnte uns helfen das Schwert und diesen halben Erzengel zu finden.“

 

 

 

 

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