Kapitel 22: Der erste Entschluss

Luzifer wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, bis endlich Wächter erschienen, ihn losbanden und aus der Höhle schleiften. Es war ihm auch egal. Jegliches Denken und Fühlen war aus ihm verbannt, vollkommen lethargisch ließ er sich von den Wächtern wegschleppen. Zum Gehen fehlte ihm die Kraft, er zitterte am ganzen Körper. Die Wächter schleppten ihn bis zu seinem Haus, ließen ihn achtlos kurz vor der Tür fallen und gingen, ohne ein Wort zu sagen. Luzifer war zu schwach um aufzustehen. Zitternd lag er da und es dauerte Stunden, bis er endlich in einen erschöpften Schlaf fiel.

Als er erwachte, saß Eleazar neben ihm. Luzifer brauchte nur einen kurzen Blick in sein Gesicht zu werfen, um zu begreifen, dass die Kacke so richtig am Dampfen war. 
"Erzähl!", forderte er Eleazar auf.
Eleazar schluckte schwer, bevor er leise sagte:
"Debora existiert nicht mehr."
"Was meinst du damit, sie existiert nicht mehr?" Luzifer setzte sich auf und stöhnte leise, da ihm jeder einzelne Muskel weh tat.
"Man kann einen Engel nicht töten, aber man kann ihn ... auslöschen. Besser gesagt, SIE kann es. Ein kleines Fingerschnipsen nur, und..."
Luzifer schloss für einen Augenblick die brennenden Augen. Als er sie wieder öffnete, waren sie hart und kalt. Er sah Eleazar an.
"So, jetzt reichts! Das war zuviel. Von nun an ist Schluss mit lustig, jetzt soll SIE mich kennen lernen!"
Eleazar nickte.
"Wir sind jetzt sowieso aufgeflogen, jetzt spielt es keine Rolle mehr... Luzifer, wir haben dir das bisher nicht gesagt, aber... es gibt noch eine Möglichkeit, Eden zu zerstören."
"Und die wäre? Jetzt red schon!", forderte Luzifer ihn auf. Aber Eleazar schüttelte den Kopf.
"Vielleicht sollten wir erstmal rein gehen. Du siehst aus wie durch den Fleischwolf gedreht. Du brauchst ne Dusche und vor allem Klamotten am Arsch."
Luzifer sah an sich herunter und stellte fest, dass sein Freund Recht hatte.
Eleazar half ihm hoch und die beiden gingen ins Haus.

Nach einer heißen Dusche und einem reichhaltigen Frühstück fühlte Luzifer sich allmählich wieder wie er selbst. Über den Küchentisch hinweg sah er Eleazar an.
"So, jetzt erzähl."
"Luzifer... Kleines Licht, Kleines Feuer... Träger des Lichts... Hast du dich nie gefragt, warum man dich so nennt?"
Luzifer schüttelte den Kopf.
"Weil du der Träger des Lichts BIST. Tief in dir verborgen liegt das Allerheiligste. Das Licht des ersten Schöpfungstages. Das Licht, mit dem SIE die ewige Finsternis vertrieben hat, auf dass alles Leben entstehen konnte. Dieses Licht ist mächtiger als alles andere. Wenn du es herauf beschwörst, verfügst du über eine schier endlose Macht. Ich denke, es war geplant, dass du das Licht gegen die Hölle einsetzt, um sie zu zerstören. Aber ich denke, du müsstest damit auch Eden vernichten können. Denn dort geschieht Böses und das Licht wird es wissen. Es gibt da nur einen kleinen Haken..."
Luzifer seufzte.
"Wär ja sonst auch zu schön gewesen. Was für ein Haken ist es den? Und warum hat mir das bisher niemand gesagt? Ich meine, ist doch schon irgendwie wichtig. Wenn ich die Hölle vernichten soll, sollte ich schon auch wissen, wie. Also, warum verschweigt man mir meine wahre Macht?"
"Ich denke mal, damit du sie nicht vorzeitig benutzt. Denn du kannst das Licht nur ein einziges Mal einsetzten."
"Warum?"

"Weil das Licht dich ebenfalls auslöschen würde. Du wurdest geschaffen, um die Hölle zu zerstören und ebenfalls zerstört zu werden. Du bist das Opferlamm. Der Märtyrer, der sich selbst opfert, um das Böse zu vernichten."

Luzifer atmete tief durch.
"Na schön, wenn es so sein soll, dann soll es auch geschehen. Aber nicht gegen die Hölle, sondern gegen Eden will ich das Licht einsetzen."
Dann fiel ihm etwas ein.
"Sag mal, wie mache ich das überhaupt?"
"Keine Ahnung. Aber bist du sicher, dass du das wirklich tun willst?"
"Ja. Es wird Zeit, dass sich die Dinge ändern. Heute Nacht gehe ich nach Eden!"



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