Kapitel 24

                                                              24


Die Zeit scheint wie in Zeitlupe an mir vorbeizufliegen, wärend ich meine Arme um Alex`s Hüfte schlinge und wir der Landstraße an Driftwood vorbei folgen. Jede Sekunde versuche ich in meinem Kopf, das Durcheinander zu verstehen. Ich mache mir Sorgen um Nathan, obwohl ich nicht einmal weiß ob es den Nathan, um den ich mir Sorgen mache, wirklich gibt. Oder ob alles nur eine Illusion war. Hervorgerufen durch Salivana`s Zauber. Ein kleiner Teil von mir, macht sich auch Sorgen um Melina. Auch wenn unsere erste Begegnung einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat, hat sie mir doch heute dass Leben gerettet. Auch aufgrund dieser Vision, die ich von ihr hatte, kann ich für sie keinen Hass mehr empfinden. Ich denke, tief im Inneren hat sie ein gutes Herz, dass ihr jedoch gebrochen wurde. So wie meines.
Dann schweifen meine Gedanken an dass was ich mit Nathan heute getan habe. Ich habe mit ihm geschlafen. Ich habe ihm vollkommen vertraut. Ich will es wirklich bereuen, dass gemacht zu haben. Doch irgendwo in meinem Inneren, kann ich es nicht. Ich möchte es nicht rückgängig machen. Auch wenn es meinem Herzen einen weiteren Sprung versetzt.

Die Maschine wird langsamer und wir halten vor einem großen Eisentor, dass zu Beiden Seiten von einer hohen Steinmauer eingeschlossen ist, die kein Ende zu haben scheint.
Dass Quietschen als sich das Tor, wie von Zauberhand öffnet, lässt mich hochschrecken. Alex`s Finger legen sich auf meinen Unterarm und beruhigen mich.
Seine Finger lösen sich wieder von mir, als das Tor halb geöffnet ist und wir auf einen Schotterweg einbiegen. Was immer dass hier ist, es ist so weitläufig, dass ich kein Ende erkennen kann.
Nach einigen Minuten tauchen ein paar kleine Häuser vor uns auf. Alles hier wirkt so, als wären wir in einer anderen Welt. Einer anderen Zeit. Die Sonne lässt einige ihrer Strahlen auf die kleine Ansammlung von Häuser niederfallen und taucht somit alles in ein traumhaftes Licht.
Zuerst denke ich, dass wir unser Ziel hiermit erreicht haben, doch er lenkt die Maschine den schmalen Weg entlang, der zwischen den Häusern hindurchführt.
Eine Frau mit langen blonden Haaren bringt gerade die Wäsche nach draussen und neben ihr, kniet ein kleiner Junge, der am Boden mit seinen Steinen spielt. Sie hebt die Hand und winkt Alex zu, der diesen Gruß mit einer Handbewegung erwidert. Keine Ahnung wo wir hier sind, aber es scheint so erfüllt von Frieden zu sein, dass sich meine Anspannung verflüchtigt.

Erst als wir an dem letzten Häuschen vorbeigefahren sind, erblicke ich vor uns ein riesiges Haus, dass eher aussieht wie ein kleines Schloss. Die große dunkle Eingangstür wird zu Beiden Seiten von Treppen eingerahmt. Alles wirkt gepflegt. Sogar Blumentöpfe sind am Geländer, der Treppen angebracht und strahlen in hellen Gelb und Blautönen.
Wir halten vor dem Treppenansatz an, was ich zuerst nicht bemerke, da mein Blick von diesem Gebäude noch immer gefangen ist. Durch sein Räuspern, reagiert mein Körper und mit etwas Verzögerung steige ich von der Maschine. Mein Blick hängt aber nach wie vor auf diesem Gebäude und der Umgebung.

Alex geht bereits vor und als er merkt das ich mich nicht bewege, sieht er zu mir und gibt mir mit einem Kopfnicken zu vestehen, dass ich ihm folgen soll. Ich blicke noch einmal auf das atemberaubende Haus oder wohl eher riesige Anwesen, dann folge ich ihm langsam über die Treppen, hinauf zu der, noch protzigeren Eingangstür. Er dreht sich lächelnd um und beobachtet mich dabei, wie ich ihm folge. Seine Augen leuchten wieder in diesem Blau und fast stolpere ich als ich mich darauf konzentriere. Wie schafft er das trotz allem noch? Er scheint zu merken was in meinem Kopf vorgeht und sein Lächeln wird breiter. Meine Lippen scheinen bei diesem Anblick nicht anders zu können, als ebenfalls ein kleines Lächeln aufzusetzen. Kein glückliches Lächeln. Eher ein Dankbares Lächeln. Ich bin froh, dass er hier ist. Dass ich hier bei ihm bin. Obwohl Nathan noch immer mit einem Hammer auf mein Herz einschlägt.
Ein Mann mit schwarzen Haaren öffnet uns die Tür und scheint sich über den Besuch sehr zu freuen. Er umarmt Alex freudig und reicht mir die Hand um mich mit einem Lächeln auf den Lippen zu begrüßen.
Alex stellt mir den Mann, den ich ungefähr auf etwa vierzig Jahren schätze, als John vor. Wir folgen ihm und plötzlich stehe ich in einem riesengroßen Raum. Es führt eine Treppe rechts von uns in einem runden Bogen nach oben, deren Geländer ist aus rot schimmernden Holz ist.
Unter meinen Füßen blicke ich auf einen, auf Hochglanz polierten Holzboden.
Noch immer beschäftigt, diese Eindrücke in mich aufzusaugen, bemerke ich nur nebenbei, dass die Beiden in einem anderen Raum gegangen sind. Etwas blind folge ich ihnen und kann hören, dass sich John sehr freut, Alex zu sehen. Erst als das Wort Hexe fällt, ist meine Aufmerksamkeit wieder voll und ganz auf die Beiden gerichtet. Höflichkeit hält mich jedoch etwas auf Abstand. Vielleicht wollen die Beiden lieber alleine sein?
Alex scheint meine plötzliches Interesse und meine Unsicherheit zu bemerken und winkt mich zu sich. Dies lässt mich vermuten, dass er nichts vor mir zu verheimlichen hat. John lächelt mich an und gibt mir ebenfalls zu verstehen, dass es in Ordnung ist, näher zu ihnen zu kommen und bei dem Gespräch teilzunehmen. Also folge ich ihnen in den Raum der wohl oder übel die Küche sein muss. Ein riesiger Esstisch erstreckt sich an meiner linken Seite und zu meiner rechten ist eine ländliche Küchenzeile mit einer Kücheninsel davor. Es ist ebenfalls liebevoll eingerichtet und wirkt im Ganzen sehr gemütlich.
Als ich bei Ihnen stehe, lächeln mich beide an und fahren mit ihrem Gespräch fort. Es geht um Salivana und Marius. Es geht um die Erweckung von Elisabeths Kräften. Salivana und Marius haben nur noch wenige Dinge die sie benötigen um das Ritual durchführen zu können. Und als der nächste Satz über John's Lippen kommt erstarre ich.

„Wir haben einige Männer auf Salivana angesetzt. Diejenigen die durch einen Zauber geschützt sind, damit sie nicht bemerkt, das wir sie verfolgen. Sie haben gesehen wie sie Nathaniel im Wald abgefangen hat und ihn, in so eine Art Hypnose versetzt hat. Luna vermutet dass es sich dabei um einen Kontroll-Zauber handelt. Also wenn er Anna's Blut getrunken hat, dann kann Salivana sich durch sein Blut auch Anna's Blut nehmen. Laut unseren Nachforschungen und den Dokumenten, kann es sein, dass Bathory Blut die Gruft öffnen kann. Ob sie aber mit dieser kleinen Menge an Blut, das Ritual durchführen können ist fragwürdig. Ich glaube nach wie vor, dass sie das Blut der Fünf direkt abzapfen müssen. Dass werden wir wohl oder übel früher oder später herausfinden. Aber es ist definitiv klar, dass Salivana jetzt Zugang zur Gruft hat.“

Ich mache mir gerade die schlimmsten Vorwürfe. Ich habe es zugelassen das dies passiert. Ich war so naiv und habe gedacht, dass das zwischen mir und Nathan, keiner zerstören kann. Auch wenn im Nachinein alles vielleicht nur eine Lüge war. Jedoch ist eines Klar. Ich habe dazu beigetragen, dass Salivana ihn jetzt wahrscheinlich unter Kontrolle hat und deswegen die Gruft öffnen kann. Immer wenn ich glaube, dass es nicht mehr Schlimmer werden kann, kommt wieder ein Tiefschlag.

„Es ist alles meine Schuld. Ich war so naiv.“

Noch bevor ich überlege, kommen diese Wort aus meinen Mund. Ich drehe mich um und schlage die Hände über meinen Kopf zusammen. Ich kann mir kaum vorstellen was passieren wird, wenn beide an diese Macht kommen. Ein Wesen von dieser Stärke wird alles zerstören. Alex folgt mir. Ich denke er spürt meine Verzweiflung, denn er nimmt meine Hand und sieht mich an.

„Anna, dich trifft keine Schuld. Keiner hat dich auf diese Welt vorbereitet.“

Alex versucht mich zu beruhigen und irgendwie hilft es ein klein wenig. Aber ich fühle mich trotz allem noch schuldig. Auch John kommt näher und blickt mit einem sanften Lächeln auf seinen Zügen zu mir herab. Wie kann er nur so freundlich zu mir sein? Es ist meine Schuld, wenn sie alles zerstören, was Salivana und Marius in den Weg kommt. Alex dreht sich um und sieht wieder zu John als er mit ihm spricht.

„John, du musst folgendes für mich erledigen. Ich möchte dass ihr für Anna's Vater und ihre Schwester genügend Schutz organisiert. Lass Luna dafür sorgen, das sie ausreichend geschützt sind. Ich möchte auch das Luna den Schutz für das Dorf erhöht. Wir wissen nicht was Salivana noch alles im Schilde führt. Außerdem wird Nathan versuchen, Anna zu finden und ihr Geruch wird ihn hier her führen.“

John nickt mit dem Kopf und verabschiedet sich dann von mir. Bei dem Gedanken an meine Familie dreht sich mir noch immer der Magen um. Ich könnte es mir niemals verzeihen, wenn ihnen wegen mir etwas zustößt.

„Anna, du musst deinen Vater nochmals anrufen. Du musst dich die nächsten zwei Wochen aus deinem Leben ausklinken. Wir müssen versuchen deine Kräfte in den nächsten Wochen soweit aufzubauen, dass wir eine Chance gegen Salivana haben. Und dass wird nicht einfach werden. Du musst in dieser Zeit lernen, was andere ihr ganzen Leben lernen. Für Charly habe ich bereits eine Lösung. Ich werde ihm einen Ersatz für dich anbieten. Ihm sagen, dass ich dich gerne mit einer Reise überraschen möchte. Damit wird er hoffentlich einverstanden sein.“

Wieder einmal Sprachlos, stehe ich nun vor Alex. Es schwirren einige Fragen in meinem Kopf hin und her. Charly wird sicher alles andere als erfreut sein und mit Sicherheit wird er glauben, dass Alex mein Freund ist. Aber was solls? Salivana aufzuhalten ist wohl wichtiger als irgendwelche Lügen. Dass Alex an den Schutz meiner Familie denkt, ist für mich wichtiger. Es bedeutet mir mehr, als irgenwelche Reaktionen über eine Scheinbeziehung.
Aber es gibt da eine Sache, die ich wissen muss um mich überzeugen zu können das meine Familie in Sicherheit ist.

„Okey, das kommt jetzt etwas schnell und überraschend für mich. Aber wenn jemand für meine Familie den Schutz übernimmt. Möchte ich gerne wissen ob ich diesem Jemand vertrauen kann. Also wer ist Luna? Und was ist das hier eigentlich?“

Meine Hände wirbeln etwas unkoordiniert in der Luft herum, als ich dass -Das Hier- unterstreichen will. Ein amüsiertes Lächeln umspielt seine Lippen, bevor er selbst den Blick durch den Raum schweifen lässt.

„Wir nennen Das Hier, unser zu Hause. Jetzt gerade stehst du in meinem Haus und dass was du vorhin gesehen hast, als wir hier her gefahren sind, das sind alles Werwölfe aus meinem Rudel. Und keine Angst ich werde dir Luna vorstellen.“

Nach seinen Worten, greift er nach seinem Telefon und reicht es mir.
Nachdem ich meinen Vater schweren Herzens eine Lüge aufgetischt habe, von wegen, dass mich Charly als Ersatz auf eine Weiterbildung geschickt hat, reiche ich Alex sein Telefon wieder.

„Es war hart. Aber er hat`s mir abgekauft.“

Ein Lächeln erscheint auf seinem Gesicht und ich frage mich, weswegen.

„Ich glaube, dass ich noch nie so eine beschissene Lügnerin wie dich gesehen habe. Wärst du deinem Vater gegenübergestanden, hätte er sicher Verdacht geschöpft.“

Ohne nachzudenken verpasse ich ihm einen spielerischen Boxer gegen seine Schulter, wobei sein Lächeln noch breiter wird.
Er reicht mir trotzdem seine Hand und ohne zu zögern lege ich die meine in seine. Zuerst gehen wir zu der riesigen Tür, durch die wir gekommen sind, dann weiter die Treppen hinab und in die Richtung der kleinen Häuser. Bei dem Weg dorthin fällt mir auf, dass Nathan`s Maschine nicht mehr hier ist und ich wundere mich, wer sich darum gekümmert hat.
Alles hier wirkt so friedvoll und doch so lebendig. Die Vögel zwitschern und die Sonne wirft einen seidigen Schatten über die Baumkronen des angrenzenden Waldes. Wir gehen weiter den Weg entlang bevor wir an einem kleinen gelben Häuschen halten. Wieder Erwarten gehen wir jedoch nicht durch die kleine weiße Tür, sondern gehen rechts an dem Häuschen vorbei und halten an einem, mit Efeu überwachsenen Zaun. In der Mitte befindet sich ein riesiger Rosenbogen überwuchert mit Gelben und Roten Blüten. Darunter befindet sich ein kleines Türchen, durch dass ich Alex folge. Obwohl es sehr verwachsen und wild aussieht, erscheint es mir dennoch perfekt so wie es ist.
Als wir weiter über den, mit Steinen gesäumten Weg gehen, sehe ich vor uns auf dem Boden kniend eine Frau. Ich kann die Frau leider nur von hinten erkennen. Ihre langen schwarzen Haare glänzen im Licht und als wir näher kommen, steht die Frau auf und dreht sich zu Alex und mir. Überrascht blicke ich nun in das freundliche Gesicht das mich lächelnd betrachtet. Überrascht deßhalb, weil ich dachte, dass Nathan der Einzige ist, der solche seltenen Augen hat. Doch nun stehe ich vor einer Frau die mich ebenso mit einem blauen und einem grünen Auge betrachtet und an deren Gesicht sich eine Narbe von ihrem linken Auge bis zu ihrem Kinn erstreckt. Vielleicht ist es genau diese Narbe, die sie so wunderschön aussehen lässt. Oder vielleicht ist es auch ihre Austrahlung, die einem förmlich die Freundlichkeit fühlen lässt.
Sie umarmt zuerst Alex und danach stellt sie sich vor mich und lässt ihren Blick über mein Gesicht schweifen. Es ist ein Blick als würde sie mich kennen. Aber es ist nicht nur ihr Blick, auch ich habe das Gefühl das ich sie kenne. Sie kommt mir so vertraut vor. Mit einen Lächeln auf den Lippen sieht sie wieder zu Alex.

„Na, endlich bringst du Jemanden mit, der so ist wie ich.“

Alex lächelt und stellt sie mir vor. Es ist Luna. Ich fühle mich so vertraut in ihrer Nähe. Es ist fast schon so unheimlich wie bei Nathan. Als würde ich sie kennen.

„Alex, du kannst uns jetzt alleine lassen. Es ist in Ordnung.“

Sie sieht Alex an und er nickt etwas widerwillig, bevor er sich umdreht und den Garten verlässt. Bevor er durch den Rosenbogen verschwindet, wendet er sich nochmals mir zu.

„Anna ich hole dich noch vor Sonnenuntergang wieder hier ab.“

Ich nicke und hoffe das ich mich in Luna nicht so täusche wie in Salivana.
Luna gibt mir eine Andeutung ihr zu folgen. Langsam schlendern wir gemeinsam durch den riesengroßen wunderschönen Garten ohne dass wir ein Wort miteinander wechseln. Dieser Garten scheint fast endlos zu sein. Fast alles blüht hier in den schönsten Farben und es duftet so wunderbar, dass ich fast meine Sorgen vergessen kann. Hier scheint die Welt still zu stehen und alles ist so friedlich. Das Gefühl das mich durchflutet, ist einfach einzigartig. Ich fühle mich hier sicher.
Wir halten erst, als wir vor einer riesigen Weide stehen, an deren Baumstamm eine Holzbank steht, auf der sich Luna niederlässt und mir mit einer Handbewegung zu verstehen gibt, dass ich mich ebenfalls setzen soll.

„Ich habe gehofft, dich endlich zu treffen. Ich habe schon soviel von dir gehört und dich in meinen Visionen gesehen.“

„Du hast Visionen? Von der Zukunft? Ich habe auch welche, aber ich denke meine sind im Vergangenen.“

Ich bin zu nervös um nur eine Frage zu stellen. Ich habe so viele Fragen und ich will endlich lernen meine Kräfte richtig einsetzen zu können. Sie scheint meine Nervosität zu bemerken und schenkt mir wieder eines ihrer beruhigenden Lächeln.

„Ja ich habe Visionen. Und deine Visionen sind noch unkontrolliert und deswegen ist es dir nur erlaubt das Vergangene zu sehen. Denn nicht immer ist man bereit die Zukunft zu sehen. Aber keine Sorge Anna. Alles kommt dann, wenn es für dich Zeit ist. Aber nun zu unserer größten Aufgabe. Wir müssen noch vor Sonnenuntergang einen Zauber sprechen, damit Nathaniel dich nicht finden kann. Ich möchte, dass du nun ganz bestimmt an Nathan denkst. Lass ruhig alle Gefühle, die du für ihn hast zu.“

Ich denke Luna weiß mehr über mich als ich geahnt habe. Sie reicht mir ihre Hand und legt die andere auf die Rinde des Baumes. Ohne ein Wort zu sprechen tue ich es ihr gleich. Ich lege meine Hand in ihre und meine andere Hand berührt die raue Rinde der Weide. Sie lächelt mich an und schließt danach ihre Augen, so wie auch ich. Schmerzhaft versuche ich an Nathan zu denken und ihn mir vor meinen Augen vorzustellen. Als ich das Bild in meinen Kopf habe und ihn vor mir sehe, möchte ich am liebsten in Tränen ausbrechen. Alle Schönen und auch schlimmen Augenblicke mit ihm, kommen mir in den Sinn. Ich vermisse ihn. Und es schmerzt wenn ich daran denke das er mich nicht liebt und alles ein falsches Spiel von Salivana war.
Doch plötzlich verschwinden diese Bilder und ich sehe nur noch wie Nathan in Licht gehüllt wird und langsam vor meinen Augen verschwindet. Es ist irgendwie ein komisches Gefühl. Als würde ich mich von ihm verabschieden. Als das Bild vor meinen Augen nur noch aus Licht besteht und Nathan verschwunden ist, lässt Luna meine Hand wieder los und ich öffne langsam meine Augen.

„Was war das eben?“

Neugierig und erwartungsvoll sitze ich vor Luna. Bis sie mir mit ruhiger Stimme antwortet.

„Das eben, war ein Zauber. Ich möchte mich schon vorab entschuldigen dir diese Entscheidung genommen zu haben. Aber es musste sein. Ich habe die Verknüpfung zwischen Nathan's und deiner Seele unterbrochen. Damit du es besser verstehst möchte ich es dir erklären.“

Luna macht eine lange Pause und ich verstehe gerade nicht was sie damit meint. Mit fragendem Blick starre ich sie an und bringe kein Wort über meine Lippen. Das waren einfach so viele Informationen und ich fühle mich gerade irgendwie anders. Ich kann es aber nicht wirklich erklären.

„Jede Seele hat verschiedenste Verknüpfungen zu anderen Seelen. Die einen sind von dunkler Natur die anderen aus dem Licht und wiederum andere haben etwas Ungeklärtes, dass sie verbindet. Nathan und du, ihr seit Seelen mit einer sehr starken Verknüpfung. Mehr kann ich dir dazu noch nicht sagen, denn ansonsten verändere ich euren Seelenplan. Sagen wir so. Ich habe dafür gesorgt, das dich Nathaniel nicht finden kann. Deine Verbindung zu ihm ist sozusagen auf Eis gelegt. Deine Gefühle, die dich mit ihm in diesem Leben verbinden, sind ebenfalls unterbrochen. Es tut mir leid, dir deine Gefühle für ihn genommen zu haben. Aber mit dieser Ablenkung würden wir es noch weniger schaffen, dich in dieser kurzen Zeit bereit für deine Kräfte zu machen.“

Es ist irgendwie surreal was Luna mir da erzählt. Dennoch höhre ich ihr aufmerksam zu. Jedoch scheint sich bei dem Namen Nathan, kein Gefühl in mir zu regen. Es sind lediglich nur Erinnerungen an das Erlebte mit Nathaniel. Ich fühle mich im Gegensatz zu vorhin, irgendwie befreiter. Und noch bevor ich Luna erklären möchte, das es für mich in Ordnung ist, kommt sie mir zuvor.

„Anna. Ich weiß, du denkst es ist in Ordnung, aber die Gefühle werden nicht auf Dauer verschwunden sein. Ich kann sie immer nur eine Mondphase lang unterbrechen. Also beim nächsten Vollmond, wenn Salivana und Marius dieses Ritual planen, wirst du alles wieder fühlen können was dich mit Nathan verbindet. Umso schneller musst du lernen wie du deine Kräfte unter Kontrolle bekommst. Denn jede Ablenkung hält uns nur noch mehr davon ab, Marius und Salivana zu stoppen.“

Die Zeit vergeht wie im Flug. Luna und ich haben den ganzen Tag über noch einen Schutzzauber für meinen Vater und Mikaela gesprochen und sehr viel an meiner Kontrolle gearbeitet. Es war wirklich atemberaubend und anstrengend zugleich. Es war alles so neu und faszinierend, dass ich noch viel mehr darüber erfahren möchte. Ohne es wirklich zu realisieren bin ich glücklich über meine Kräfte. Es bereitet mir Freude, mehr über meine Kräfte zu erfahren.

Erst als Alex vor uns steht, merke ich, dass die Sonne bereits hinter den Bäumen verschwunden ist.

„Sieht so aus, als könntet ihr noch die Ganze Nacht weitermachen.“

Ein Lächeln breitet sich auf seinen Gesicht aus. Ebenso auf unserem.

„Anna ist eine fleißige Schülerin. Wir sehen uns morgen wieder. Es hat mich sehr gefreut.“

Ich verabschiede mich von Luna mit einer Umarmung und wundere mich noch immer, wieso ich so ein Gefühl von Leichtigkeit verspüre. Erst als ich mich Alex zuwende und auf ihn zugehe, bemerke ich so eine Art Leuchten um ihn herum. So eine Art Aura. Ich habe dass noch nie bei Jemandem gesehen und bin deswegen noch verwunderter. Beim Anblick des Lichtes um ihn herum spüre ich ein Gefühl der Reinheit. Keine Ahnung wie man Reinheit beschreiben würde, aber es ist dass Erste was mir dabei einfällt. Bei diesem Gedanken breitet sich unwillkürlich ein Lächeln auf meinen Lippen aus.

„Was ist los mit dir? Habt ihr euch hier eingeraucht?“

Ich kann dass etwas lautere Lachen nicht aufhalten, dass mir jetzt über die Lippen gleitet. Auch deßhalb, weil Alex nun auch lauthals lacht und ich finde, dass ich schon lange nicht mehr, so etwas Schönes gesehen habe. Sein Lächeln ist wunderschön und ich fühle mich plötzlich so frei. Auch wenn die Situation vor wenigen Stunden noch so aussichtslos war, trage ich jetzt Hoffnung in mir. Ich versuche dieser Hoffnung zu vertrauen. Versuche mich darauf einzulassen, obwohl meine Schutzmauer, dies eigentlich gar nicht zulassen dürfte. Aber ich mache es trotzdem. Weil ich dieses Vertrauen in die Hoffnung mehr als nur brauche.

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