Kapitel 24: Die erste Schlacht

Während Luzifer noch nachdachte, blitzte plötzlich ein helles Licht auf. Er hob den Kopf und sah Michael, der mit seinem Flammenschwert in der Hand dastand. Luzifer wusste, dass dieses Schwert in der Lage war, einen Engel zu vernichten. Mit einer Stimme wie Donnerhall rief der Erzengel:
"Es genügt, Kleines Licht, Kleines Feuer. Füge dich deinem Schicksal, das dir auferlegt wurde, um dessen Willen du erschaffen wurdest. Tu deine Pflicht, die SIE von dir verlangt!!!"
"Oder was sonst?", fragte Luzifer.
"Oder ich bin gezwungen, mein Schwert gegen dich einzusetzen und dich zu vernichten. Zwinge mich nicht dazu. Gib deinen Irrglauben auf, werde einer von uns. Sei der, der du sein sollst: unser Retter."
"Euer Retter? EUER Retter? Und was ist mit den Menschen? Den Seelen? Den unschuldigen Kinderseelen, die bis in alle Ewigkeit dazu verdammt sind, in der Hölle zu schmoren? Du tickst wohl nicht ganz sauber, wenn du auch nur ansatzweise annimmst, dass ich mich euch jemals anschließen werde!", schrie Luzifer.
"Dann lässt du mir keine Wahl", sagte Michael und hob sein Schwert. Ein kräftiger Flügelschlag brachte ihn in Luzifers Reichweite. Michael holte weit aus mit dem Schwert und ...
bekam im selben Moment einen Tritt in die Weichteile. Er schrie vor Schmerz und ging in die Knie. Luzifer trat erneut zu, diesmal gegen den Kopf des Erzengels. Michael kippte nach hinten, machte eine blitzschnell Rolle rückwärts und stand nur Sekundenbruchteile später wieder auf den Füßen.
"Hast du wirklich geglaubt, es wäre so einfach, mich zu besiegen? Ich bin ein ERZENGEL!"
"Und ich bin das LICHT!", konterte Luzifer. Inzwischen hatte auch er seine Waffen gezogen. Er entfaltete seine Flügel und ging auf Michael los. Klirrend trafen die Schwerter aufeinander. Schlag folgte auf Schlag, Funken stoben von den Klingen. Schließlich führte Michael einen gewaltigen Hieb gegen Luzifer aus. Dieser nahm sein Schwert gerade noch rechtzeitig hoch, um den Hieb zu parieren. Ihm wurde klar, dass der Erzengel weitaus besser im Umgang mit dem Schwert war als er selbst. Und Michael war schnell. Sehr schnell sogar. Luzifer sah ein, dass er den Kampf nur überstehen konnte, wenn es ihm gelang, Michaels Bewegungen vorherzuahnen. Nur so würde es ihm gelingen, den Hieben des Erzengels auszuweichen. Doch Michael war nicht nur ein verdammt guter Krieger und schnell, sondern auch ein guter Stratege. 
Er ließ Luzifer in dem Glauben, dass dieser eine Chance gegen ihn hatte, tat sogar manchmal so, als würde Luzifer ihn wirklich in Bedrängnis bringen, aber all das diente nur dazu, ihn in Sicherheit zu wiegen und ihn unvorsichtig werden zu lassen. Und er hatte Erfolg mit dieser Taktik...
Luzifer drang mit einem tief geführten Hieb auf Michael ein, doch anstatt die Klinge abzublocken, wich dieser mit einem Sprung nach oben aus und griff Luzifer von hier aus an. Luzifer versuchte auszuweichen, stolperte über ein Grasbüschel und stürzte. Er knallte mit der Schulter auf den Boden - und spürte gleichzeitig eine Schwertspitze an seiner Kehle.
"Das wars dann wohl, Kleines Licht, Kleines Feuer!", sagte Michael. 
Luzifer blickte an ihm hoch und zerbrach sich den Kopf nach ein paar eindrucksvollen letzten Worten, als Michaels Gesichtsausdruck sich urplötzlich änderte, von Triumph zu Überraschung. Er drehte langsam den Kopf und sah über seine Schulter. Luzifer nutzte die Gelegenheit, um das Schwert zur Seite zu schieben und auf zu stehen. Michael bemerkte es nicht einmal. Er drehte sich langsam um und senkte den Kopf, betrachtete zwei Gegenstände, die nun vor ihm auf dem Boden lagen.
Luzifer presste sich eine Hand gegen den Mund. Seine Augen weiteten sich vor Entsetzen - und Mitgefühl. Denn was da vor dem Erzengel auf dem Boden lag, waren seine Flügel... 

"Du?", hauchte Michael, "ausgerechnet du?"
Dann war er verschwunden. Durch den Verlust seiner Flügel sterblich geworden, war er nun dazu verdammt, auf der Erde unter den Menschen zu leben, als einer der ihren...
Luzifer wandte den Blick von den abgetrennten Flügeln ab und sah auf. Vor ihm stand, mit einem Schwert in der Hand - Dominicus!
Die Stimme GOTTES und Luzifer sahen sich eine Weile schweigend an.
"Warum hast du das getan? Warum hast du mir geholfen?", fragte Luzifer dann. Dominicus schüttelte verwirrt den Kopf.
"Ich weiß es nicht. Aber du musst jetzt fort."
"Fort? Wohin denn?"
"Irgendwohin. Aber du musst den Himmel sofort verlassen. Und du darfst niemals zurück kehren. Es wäre dein sicheres Ende. Geh jetzt. GEH! SOLANGE ICH DICH NOCH GEHEN LASSEN KANN!"
Die letzten Worte schrie Dominicus Luzifer entgegen. Langsam hob er das Schwert. Es zitterte in seiner Hand und Luzifer begriff, dass Dominicus mit all seiner Willenskraft versuchte, ihn nicht anzugreifen.
Luzifer drehte sich um und floh.

Kommentare

  • Author Portrait

    Du bist eine Maschine, wenn es ums Schreiben geht. Das Kapitel ist super, so wie immer ;-)

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Feenstaub

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