Kapitel 25

Denn ganzen Weg bis zum Eingang des Hauses sieht er mich immer wieder grinsend und verwundert an. Daraufhin muss ihn dann auch immer wieder anlächeln. Ich fühle mich trotz der ganzen Vorkommnisse irgendwie frei. Und so blöd es auch für mich klingen mag, irgendetwas an Alex ist anders. Oder bin ich es die anders ist? Ich habe keine Ahnung, aber irgendwie habe ich wieder ein Kribbeln im Bauch wenn ich in Alex's Augen sehe.

„Anna, irgendetwas ist anders an dir? Was ist los?“

Ich grinse ihn an und meine Frage ob ich etwa anders bin, hat sich mit seiner Frage geklärt.

„Ich fühle mich einfach nur freier und glücklicher als heute Morgen. Vielleicht liegt es daran, das Luna mir meine Emotionen was Nathan betrifft genommen hat.“

Erst einige Sekunden später, bemerke ich, dass ich den Namen Nathan ohne Gefühle über meine Lippen gebracht habe. Auch Alex scheint dies bemerkt zu haben und hält an um mich nochmals zu mustern. Die Überraschung in seinen Augen ist nicht zu übersehen. Ein kleines Lächeln zeigt sich wieder auf seinen schönen Lippen.

„Und du denkst es hat funktioniert?“

Ich halte ebenfalls an und sehe in seine Augen. Seit langem bemerke ich wieder einmal, wie schön seine Augen sind. Was ist los mit mir? Wie kann ich jetzt wieder so empfinden? Ich dachte ich wäre über Alex hinweg, aber irgendwie habe ich wieder dieses Gefühl. Dieses Gefühl ihn hier und jetzt küssen zu wollen. Ich weiß nicht was in mir vorgeht, aber mein Herz macht gerade einen Luftsprung. Ich bin so glücklich in seiner Nähe. Doch sofort springt mein Verstand wieder ein und sagt mir, dass ich mich nicht in zwei Männer verlieben kann. Doch wenn ich daran denke....ich liebe Nathan nicht. Dass sagt mir gerade mein Gefühl. Ich weiß, es ist irgendwie total verrückt und abgefahren, aber ich kann mich nicht erinnern, jemals etwas für Nathan empfunden zu haben. Ich kann mich zwar an alles erinnern was ich mit Nathan erlebt habe, aber wenn ich daran denke habe ich kein Gefühl dabei. Es ist irgendwie so, als wäre das eine Ewigkeit her. Doch genug an Nathan gedacht. Ich bin hier mit Alex und ich bin glücklich mit ihm hier zu sein.

„Glaubst du etwa nicht an Magie?“

Lächelnd schüttelt er seinen Kopf, bevor wir weitergehen. Seine Hände sind in seinen Hosentaschen und sein Haar sieht irgendwie noch wilder aus als sonst. Aber genau dass macht mich noch nervöser. Er sieht heute irgendwie dunkler aus. Nicht böser, aber dunkler als sonst. Ich meine damit seine Art. Seine Gesten und sein Aussehen machen mich einfach verrückt. Und jedes mal, wenn er mit mir spricht und mir dabei in die Augen sieht, dann ist es als wäre alles um uns herum völlig gleichgültig. Es fällt mir so schwer, mich zurückzuhalten, um ihm nicht gleich um den Hals zu fallen. Ich weiß ich kann es nicht tun. Aber irgend etwas in mir sagt einfach ich soll es machen. Und es kostet mich solche Kraft und soviel Verstand wie nur möglich, es doch nicht zu tun.
„Ich fühle mich nicht anders als sonst. Also nicht wirklich. Ich bin einfach nur viel freier und muss nicht mehr an Nathan denken. Und irgendwie habe ich bei Luna ein wirklich gutes Gefühl. Wenn mir Jemand etwas lernen kann dann sie.“

Wir gehen beide ins Haus und als wir in der Küche stehen und er sich zu mir umdreht um mich anzugrinsen, merke ich, dass ich ihm gedankenlos gefolgt bin.

„Also so wie ich deinen Bauch hören kann, hast du ein ausgeprägtes Hungergefühl.“

Er lacht und ich bin etwas überrascht und greife mir auf meinen Bauch. Ich habe wirklich einen Bärenhunger, aber irgendwie habe ich das Gefühl verdrängt. Aber jetzt wo er davon redet könnte ich alles Essen was er mir vor meine Nase stellt. Ich nicke ihm zu und muss dabei auch lachen.

„Ähm ja. Irgendwie schon.“

Alex lächelt mich verstohlen an, geht zu dem riesigen Kühlschrank und öffnet die Tür. Er steht davor und sein Kopf bewegt sich zu seiner rechten Seite. Mit einem ratlosen Blick wendet er sich wieder mir zu.

„Also das Einzige, was ich dir anbieten kann, ist eine exakt auf den Punkt gekühlte, tiefgekühlte Fertigpizza, die ich natürlich für dich als ein drei Gänge Menü servieren kann. Wenn das für den Gast in Ordnung ist.“

Bis jetzt habe ich eigentlich nicht wirklich bemerkt das Alex auch wirklich witzig sein kann. Doch jetzt scheine ich eine Seite an ihm zu entdecken, die mir vorher noch nie aufgefallen ist.
Er sieht mich an und nimmt die Pizza aus dem Gefrierfach.

„Gerne, würde ich eine Pizza, natürlich nur tiefgekühlt, als drei Gänge Menü genießen.“

Während Alex die Pizza aus der Verpackung nimmt und sie in das Backrohr schiebt, albern wir noch ein wenig herum. Ich muss soviel lachen, dass ich irgendwie meine anderen Sorgen vergesse. Ich bin gerade so frei und so überglücklich. So frei habe ich mich schon ewig nicht mehr gefühlt. Vielleicht mit Nathan? Oder auch nicht? Ich fühle einfach nichts außer Erinnerungen, wenn ich an Nathan denke und irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass ich wirklich etwas für Nathan empfunden habe. Er ist mir irgendwie so fremd.
Der Duft der Pizza erfüllt den Raum. Alex reicht mir zwei Weingläser und eine Weinflasche, bevor er dass Teller mit der Pizza nimmt. Grinsend folge ich ihm, durch die Glastür auf eine wunderschöne mit HOlzdielen verkleidete Terasse. Der Himmel ist so wunderschön und klar. Es ist zwar noch nicht ganz dunkel, aber die Sonne ist schon lange untergegangen, sodass man schon einige klitzernde Sterne sehen kann.
Wir setzen uns auf die Holzstühle und Alex stellt die Pizza auf einen großen Holztisch ab. Er nimmt mir die Weingläser und die Weinflasche ab und befüllt sie.
Als er sein Glas hebt um mit mir anzustoßen, kann ich nicht anders als auch mein Glas zu nehmen. Ich denke ein Glas wird mir schon nicht schaden.

Leider ist es nicht bei diesem Glas geblieben. Einige Gläser später, sitzen wir beide auf der Terrasse und lachen uns über irgendeine Geschichte von meiner Schulzeit schlapp, die ich ihm gerade erzählt habe. Ich spüre bereits die paar Gläser Wein. Aber es ist noch in einem Bereich, wo mir nicht übel wird und ich mich nur noch schlapp lachen kann. Ich bin gerade so glücklich. Glücklich hier zu sitzen. Glücklich zu wissen, dass meine Familie in Sicherheit ist. Glücklich, dass ich in Alex's Augen sehen kann.
Unser Lachen verstummt. Unsere Blicke treffen sich und die Zeit um uns herum scheint still zu stehen. Ich bin gefesselt von diesen stahlblauen Augen und den weichen Lippen, die ich gerade nur allzu gerne Berühren möchte.
Doch gerade als mein Herz einen kleinen Sprung macht und ich erwarte, dass sich jeden Moment unsere Lippen berühren, wendet er seinen Blick von mir ab. Seine Augen verdunkeln sich und blicken in die Dunkelheit des Waldes. Seine Reißzähne kommen zum Vorschein und ich würde lügen, wenn es mir nicht Angst machen würde.
So schnell ich kann, folge ich Alex`s Blick in die Dunkelheit des Waldes. Aber ich kann nichts erkennen. Wenn er jetzt nicht bald etwas zu mir sagt, werde ich noch panischer.
Sein Blick, den er nun wieder auf mich richtet, wirkt ernst und die Geste eines Fingers auf seinen Lippen, um mir klar zu mache, dass ich leise sein soll, jagen mir noch mehr Angst ein, als ich ohnehin schon habe.
Ich habe keine Ahnung wie ich mich verhalten soll. Was soll ich machen? Doch bevor ich noch mehr in Panik gerate, spüre ich seine Finger die nach meiner Hand greifen. Er umgreift sanft meine Hand und zieht mich vorsichtig hoch, sodass ich vor ihm stehe. Er bewegt sich sehr langsam und ich bekomme das beklemmende Gefühl, dass es etwas Schlimmes ist, was er gesehen hat. Er stellt sich vor mich, mit dem Rücken zu mir und legt seine Hand beschützend an meine Hüfte. Langsam und vorsichtig drängt er mich zurück zur Tür, durch die wir gekommen sind.
Ich bin noch nicht ganz durch die Tür hindurch, da hält mich Alex fest. Er flüstert, dass ich ruhig stehen bleiben soll. Meine Aufregung ist so schlimm, das ich es kaum ertragen kann, nicht zu wissen was auf uns zu kommt. Doch nur wenige Sekunden darauf, verwandelt sich meine Aufregung in Angst. Wir stehen beide wie angewurzelt dort und bewegen uns nicht. Was sich als schwierig herausstellt, mit einigen Gläsern Wein intus. Doch zum Glück, hält mich Alex noch immer fest und stützt mich mit seinem Griff.
Als ich plötzlich ein Rascheln höre, blicke ich an ihm vorbei. Zuerst sehe ich es nicht. Doch dann erkenne ich im Dickicht eine dunkle Gestalt. Und je näher diese Gestalt dem Licht der Veranda kommt, desto mehr Angst bekomme ich. Denn es ist Nathan und seine Augen sind schwarz und blutunterlaufen. Seine Lippen sind bedeckt mit Blut und seine Zähne drücken sich an seine Unterlippe. Ich bekomme Panik und will weglaufen, jedoch hält mich Alex an meinem Arm und sieht mich mit einem strengen Blick an. Also nehme ich all meine Mut zusammen und versuche, so ruhig als möglich, stehen zu bleiben. Er drückt mich wieder fest an sich und ohne groß darüber nachzudenken, schließe ich meine Arme um ihn und verschränke diese vor seinem Bauch. Seine Reaktion darauf ist, dass er mich noch fester an sich drückt. Am liebsten würde ich jetzt meine Augen schließen um nicht sehen zu müssen was gleich passiert.
Ohne mir wirklich darüber bewusst zu sein, halte ich die Luft an, als Nathan immer näher kommt. Jeden Moment wird er zuschlagen. Er wird uns beide umbringen. Er sieht einfach zu böse aus und ich habe Angst vor ihm. Und als seine Schritte auf dem Holz zu hören sind und er auf die Treppen der Veranda steigt und direkt auf uns zukommt, habe ich das Gefühl weglaufen zu müssen. Doch ich beherrsche mich und versuche darauf zu hoffen, dass Alex uns verteidigen kann. Nathan kommt immer näher und das Geräusch dass seine Schritte auf den Holzdielen verursachen, fühlt sich an, als würde man langsam auf eine Klippe zulaufen und wissen dass man jeden Moment fallen wird. Ich kann mich wirklich nicht mehr beherrschen als er noch näher auf uns zukommt und schließe meine Augen. Ich will nicht mitansehen was jetzt passiert. Ich warte darauf, dass sich wieder einmal, Zähne in meinen Nacken bohren.
Doch als es plötzlich ruhig wird, spüre ich einen kalten Atem auf meinen Lippen. Ich kann nicht anders als meine Augen zu öffnen und sterbe fast vor Schreck, bei dem Blick in Nathans kalte Augen, die mich aus wenigen Zentimetern Entfernung anstarren. Mein Körper verkrampft sich vollkommen und würde ich es nicht besser wissen, fühlt es sich auch so an als würde mein Herz aufhören zu schlagen. Alex ist so ruhig, hält mich immer noch fest und bewegt sich nicht. Ich verstehe ihn nicht. Warum tun die beiden nichts? Was ist hier los?
Nathan`s Augen sind so dunkel. Ich kann nichts Gutes mehr in ihnen erkennen. Und kurz bevor ich wieder durchatmen muss, dreht er sich um und verschwindet innerhalb einer Sekunde mit einer irrsinnigen Geschwindigkeit wieder ins Dickicht. Ich kann nicht länger die Luft anhalten und atme viel zu schnell ein. Mir wird schwarz vor Augen und ich kann mich kaum auf meinen Beinen halten. Alex packt mich und bringt mich zu einem Stuhl im Inneren des Hauses. In der Hoffnung mich wieder beruhigen zu können, setze ich mich Widerstandslos auf den Stuhl. Besorgt kniet er sich vor mich. Seine Handfläche legt sich auf meine Knie.

„Alex, was war das eben? Wieso konnte er uns nicht sehen?“

Alex lächelt mich an und er wirkt irgendwie so ruhig. Wie kann er jetzt so ruhig sein? Ich bin gerade völlig am durchdrehen und er lächelt mich so unbesorgt an. Es ist einfach alles so verrückt und gerade als ich denke, verrückter kann es nicht mehr werden, kommt noch eine Portion dazu.

„Also, dass, war Luna's und dein Werk. Ich bin beeindruckt. Ich dachte nicht, das Luna diesen Zauber auswählt. Er lässt uns unsichtbar werden für ihn. Meine Angst war eben, dass er gegen mich läuft und er dann durchgedreht wäre. Aber es ist alles gut gegangen. Zum Glück.“

Er lächelt noch immer und nimmt meine Hand.

„Also jetzt bin ich wirklich verwirrt. Ich dachte nicht einmal im Traum daran dass es so etwas gibt und es auch funktioniert. Ich wusste nicht einmal welchen Zauber wir gesprochen haben.“

„Es wird noch so Vieles auf dich zukommen, dass du noch nicht kennst. Aber ich finde genau dass, macht diese Welt so spannend. Aber ich denke für heute hast du genug Neues kennengelernt. Komm ich zeige dir dein Zimmer. Du hast heute viel Energie verbraucht und du musst dich ausruhen.“

Mit seiner Hilfe stehe ich wieder. Diesesmal seine Hände beide an meiner Hüfte. Dabei kann ich nicht anders, als meinen Blick zwischen seinen Lippen und seinen Augen hin und her schweifen zu lassen. Ein leises Räuspern reißt mich jedoch wieder aus meinen Gedanken und lässt mich aufatmen. Was mache ich hier nur? Was macht er mit mir? Er hat mich benutzt um an Marius zu gelangen. Doch jetzt werde ich jedes Mal schwach wenn ich in diese Augen blicke. Vielleicht ist es einfach nur dieser Zauber. Vielleicht sind meine Gefühle einfach zu verwirrt und kommen mit dieser ganzen Magie nicht klar.
Er wendet sich von mir ab und dabei spüre ich einen Verlust, als würde mir jemand meine Decke genommen haben und die Kälte kann sich ohne sie um meinen Körper legen.
Mein Herz und meine Hormone versuchen mir gerade zu erklären, dass es nicht falsch ist. Aber mein Verstand muss gewinnen und ich lasse ihn auch. Ich kann ihn nicht küssen und ich darf mich nicht in ihn verlieben, obwohl ich dass schon einmal getan habe. Aber es ist falsch. Es ist einfach falsch. Obwohl ich keine Gefühle für Nathan habe, sagt mir mein Verstand, dass ich nicht innerhalb weniger Tage mit zwei Männern rummachen kann.
Erst als sich meine Körpertemperatur wieder gesenkt hat, folge ich ihm zur Treppe, durch einen langen Gang, der gesäumt ist von so Vielen Türen, dass ich den Überblick verloren habe. Alex öffnet eine davon, macht das Licht an und mein Blick fällt sofort auf dass dunkle, riesige Holzbett in der Mitte des Raumes. Ein großes Fenster mit hellen Vorhängen säumt fast eine ganze Wand. Er geht durch das Zimmer und öffnet eine weitere Tür.

„Hier ist das Badezimmer. Ich habe John in die Stadt geschickt um dir die nötigsten Sachen zu besorgen. Falls dir etwas nicht gefällt, musst du dich bei John beschweren.“
Er lacht und kommt mit raubtierhaften Schritten auf mich zu. Ich bin völlig überfordert mit der Tatsache, das John für mich Sachen besorgt hat. Oder besser gesagt, dass Alex an das gedacht hat. Ein etwas überraschtes „Okey“ lässt nicht lange auf sich warten.

„Anna, solltest du noch irgendetwas brauchen oder sollte irgendetwas sein, dann rufe einfach nach mir. Ich schlafe direkt im Zimmer gegenüber.“

Mit dem Gedanken, dass er direkt gegenüber schläft, kann ich mich anfreunden. Damit fühle ich mich etwas sicherer und nicht so unwohl.

„Danke für Alles.“

„Nicht's zu danken Anna. Schlaf gut und ruh dich aus. Morgen wird dein Training mit Luna sicherlich anstrengender als heute.“

Er schenkt mir noch ein letztes Lächeln und verschwindet durch die Tür.
Ich flüstere noch ein „Gute Nacht Alex“ bevor ich mir klar werde, dass ich nun komplett alleine in diesem riesigen Zimmer stehe.
Irgendwie habe ich gerade das Gefühl, als müsste ich Alex nachlaufen und ihn bitten hier zu bleiben. Doch es beruhigt mich auch, wenn ich weiß, dass er in der Nähe ist.

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