Kapitel 27

Sie hatten Haven in ihrer Gewalt. Immer wieder erschienen die Bilder des Monitors vor meinen Augen. Sollte Haven etwas geschehen würde ich es mir nie verzeihen. Sie wollten mich. Dieser Gedanke raste stetig durch meinen Kopf während wir eilends über die Treppen huschten und dem Mann mit dem Ziegenbärtchen folgten, der sich uns als Andy vorgestellt hatte. Er huschte wie ein Schatten durch die Gänge des Sicherheitstraktes, lautlos wie ein Geist.  Andy, stellte sich heraus, war ein Wächter und hatte vor zwei Jahren die Prüfung an der Akademie mit Auszeichnung abgeschossen. Dies alles erzählte er uns mit seiner unbeschwerten Stimme als wäre er gerade nicht Zeuge von einem Überfall auf die Akademie geworden, sondern würde uns gerade eine Führung durch sein Haus machen.

„So da wären wir nun: Der westliche Raum der Portale den niemand außer uns kennt“ Mit diesen Worten blieb er vor einer Tür stehen und nestelte an einem übergroßen Schlüsselbund rum an dem mindesten hundert Schlüssel hingen.

„Heißt das diese Portale werden nie benutzt?“ fragte ich nachdenklich.

Andy probierte einen Schlüssel und lies ihn seufzend wieder sinken um einen anderen erfolglos zu probieren. „Nein, das soll heißen das diese Portale nur von hochrangigen Offizieren und Wächtern benutzt werden dürfen“

„Oder den Erzengeln“ schloss ich daraus.

Endlich klickte das Schloss und Andy öffnete die Tür. „Da sind wir: Der Raum der Portale“

Langsam folgten wir ihm in den schwach beleuchteten Raum. Als sich meine Augen an das spärliche Licht gewöhnt hatten erkannte ich das der Raum in dem wir uns befanden ein großer Saal war in dem sich unzählige Türen nebeneinander reiten. Meine Schritte hallten von der hohen Decke als ich langsam durch die Reihen von Türen ging. Keine Tür war wie die andere stellte ich verwundert fest. Auf meiner linken Seite war eine schwere alte Holztür aus Wetter gegerbten Nussholz. Ihre Türklinke war abgegriffen und beschlagen. Vorsichtig fuhr ich über das kunstvoll gebogene kalte Eisen. Als ich mich nach rechts wandte, ragte vor mir eine smaragdgrün lackierte Tür auf. Ihre Türklinke war aus schwarzem Matten Eisen und schlicht gebogen. Ihr Anblick erweckte in mir ein seltsam beklemmendes Gefühl.

„Welche Tür ist nun die richtige?“ hörte ich Hope fragen. Ich sah wie sie nachdenklich die unzähligen Türen betrachtete.

„Es kommt immer darauf an wo du hinmöchtest“ hörte ich Magnus antworten.

„Also führen nicht alle in die selbe Richtung und du suchst dir nur aus welche Tür dir am besten gefällt?“ fragte sie neugierig.

Taylor lachte. „Leider ist das nicht der Fall“

„Jedes Portal wurde von seinem Meister auf ein bestimmtes Ziel gerichtet. Sie führen als immer nur zu einem Ziel“ erklärte der schlaksige dunkelhaarige Junge. „Zudem unterscheidet man Portale die nur einmal verwendet werden und geschlossen werden und diese hier die immer offen sind und deshalb auch ein Gegenstück an einem anderen Ort haben“

„Wohin führen diese Portale?“ wollte ich von dem dunkelhaarigen wissen. Für einen Moment schaute er mich nachdenklich an.

„Quer durch das ganze Engelsreich“

„Also auch in Luzifersreich?“ Es war mehr eine Feststellung als eine Frage und doch wollte ich es hören. Er nickte bloß.

Ich wandte mich zu Taylor. „Wohin sollen wir nun gehen?“

„In die Dunkle Stadt“ gab er lässig zur Antwort.

Ich nickte. Das hatte ich mir schon gedacht. „Wir brauchen Waffen“ stellte ich nüchtern fest.

Andy hob sofort seinen Schlüsselbund und lies die filigranen Schlüssel durch seine Finger gleiten während er zu einer Tür am Ende des Raumes ging. Nach wenigen Minuten klickte es triumphierend im Schloss und die Tür öffnete sich. Eine nackte Glühbirne erhellte sich und lies ihr Licht auf einen unordentlichen Waffenschrank fallen. Schnell schnappte ich mir zwei kleine Messer, Bogen und Köcher. Während ich die Pfeile im Köcher inspizierte sah ich zu wie sich die anderen an den Waffen bedienten. Hope gesellte sich schon bald zu mir sie hatte sich für vier scharfe Dolche entschieden.

Sie neigte sich zu mir und flüsterte mir ins Ohr. „Bleib in meiner Nähe“

Verdutzt sah ich sie an und nickte nur. Hinter mir bemerkte ich den dunkelhaarigen Wächter der mir kurz zunickte.

„Nun: Welche Tür führt uns ins dunkle Reich?“ wollte nun Samuel wissen.

„Kommt darauf an wo du raus möchtest. Es sind insgesamt vier Türen die in die tote Stadt führen“ Er zeigte auf vier Türen, alle samt schwarze Holztüren die eine düsteres Licht umhüllte. „Sie führen in das Zentrum der Stadt. Und dann ist noch dieser hier“ Er zeigte auf die smaragdgrüne Holztür vor der ich vorhin gestanden war. „Sie führt in den Palast von Luzifer“

Ein kalter Schauer überfiel mich.

„Wer sollte eine Tür brauchen die ihn direkt zu Luzifer persönlich führt?“ hörte ich Hope fragen.

Andy schenkte ihr ein lächeln. „Nun, Luzifer war einst einer der Herrscher über das Engelsreich. Die Tür stammt zweifelsohne noch aus dieser Zeit“

„Ist sie noch aktiv?“ wollte plötzlich Samuel wissen. Er trat mit leuchtenden Augen auf die Tür zu.

„Sie wurde seit Jahren nicht mehr benutzt“ fügte Andy vorsichtig hinzu während er Samuel mit den Augen folgte.

„Ich denke wir sollten diese Tür benutzen“ hörte ich plötzlich Taylor sagen.

Verwirrt öffnete ich den Mund, doch ein schmerzhafter Tritt an mein Schienbein lies mich leise aufstöhnen. Ich hob den Kopf um Hope zu fragen was ihr einfiel doch sie schüttelte nur langsam den Kopf und bedeutete mir langsam mit ihr mitzukommen. Sie drängte mich vorsichtig an den Rand hinaus und ich frug mich immer noch was sie mir sagen wollte.

„Ich denke das Luzifer kaum damit rechnen wird das wir in seinem Haus auftauchen. Er wird damit rechnen das wir irgendwo in der Stadt auftauchen so ist es sicherer diese hier zu benutzen“ erklärte er seine Beweggründe weiterhin, während ich mir Gedanken über Taylors Geisteszustand machte. Doch Hope wies mich weiterhin darauf hin still zu sein und ihr langsam zu folgen.

„Ihr habt euch also für diese Tür entschieden?“ wollte Andy nochmal wissen. Samuel nickte eifrig. In seinen Augen lag ein wildes leuchten. Andy wandte sich nun zu Taylor. Auch dieser nickte doch in seinem Blick lag Berechnung. Kurz wanderten seine Augen zu Hope und dann zu mir. Er zwinkerte mir kaum merklich zu dann drehte er sich zur Tür.

„Lasst es uns hinter uns bringen“ murmelte er. Tristan, Magnus und Ryder stimmten ihm zu.

Andy trat zur Tür und berührte sie mit seiner Handfläche. Sie begann zu leuchten und Rauch stieg aus den Türspalten auf.

„Efficere ut hic ego petere!“ rief Andy und die Tür spring knackend auf. Der Wächter trat vor und öffnete das Portal. Hinter dem Rauch erkannte ich einen dunklen Raum der aussah wie der Saal in dem wir uns befanden.

Plötzlich schlossen sich zwei Hände um meine und zogen mich nach unten. Geduckt schlichen Hope, der dunkelhaarige Wächter und ich uns zwischen die Portale. Aus den Augenwinkeln sah ich wie Samuel als erstes durch das Portal trat, dicht gefolgt von Taylor und Ryder.

„Hier. Das ist es“ flüsterte der Wächter als wir vor einer der schwarzen Türen hockten.

„“Beeil dich Manu, bevor er es merkt“ flüsterte Hope nervös.

Der Wächter mit nahmen Manu legte geduckt seine Hand auf das schwarze Holz und wisperte: „Efficere ut hic ego petere!“ Mit lautem zischen öffnete sich die Tür

„Los, rein mit euch“ Hope zerrte mich zur Tür und wir quetschten uns durch einen kleinen Spalt durch das Portal und landeten auf der anderen Seite auf dem harten Betonboden. Schnell rappelten wir uns auf als uns auch schon der junge Wächter auf uns prallte.

„Tut mir leid. Es ist ein wenig schwer auf diese Weise zu reisen“ entschuldigte er sich.

Schnell sprang ich auf die Füße zog meine Messer.

„Du“ ich zeigte mit einer Messerspitze auf den Wächter. „Und du“ mit dem anderen zielte ich auf Hope. „Wer seid ihr und was sollte das werden? Was machen wir hier?“

Der Wächter räusperte sich. „Mein Name ist Emanuel und ich bin halb Erzengel und halb Mensch“ erklärte er ruhig.

„Und woher kennst du sie?“ wollte ich wissen.

Nun räusperte sich Hope. „Er ist mein Bruder“

„Und woher kanntet ihr Samuel?“ frug ich weiter.

Die Geschwister wechselten vorsichtige Blicke.

„Nun ich bin bei meiner Tante aufgewachsen, hier in der Dunklen Stadt und da habe ich auch Samuel kennengelernt“ Hope räusperte sich. „Er ist vollkommen besäßen von Luzifer. Er möchte die Erzengel stürzen und eine neue Ordnung errichten.“

Ich ließ mein Messer sinken. „Aber nach Prophezeiung ist doch er der Adler der mir helfen soll das Schwert zu finden?“

Manu sah fragend zu seiner Schwester. „Nein, Raven. Das ist er bestimmt nicht“ lachte Hope.

„Wenn er es nicht ist wer dann?“

Hope zeigte auf ihren Bruder.

Ungläubig sah ich auf den schlaksigen Jungen. „Er?“

Hope nickte. „Darum bin ich Samuel gefolgt. Ich hatte mich vor einem Jahr seiner Gruppe und Ryder angeschlossen um dich zu finden und heute Nacht habe ich die Chance genützt und bin hierher“

Ein dunkler Gedanke kam mir. „Und Ryder?“

Hope winkte ab. „Er weiß alles. Sie haben ihn geradewegs zu deinem Vater gebracht“

„Das Portal führt zum Palast der Erzengel?“

„Genau“

Der Gedanke daran lies mich schmunzeln. Er würde sein blaues Wunder erleben. Dann kam mir ein neuer Gedanke.

„Wo sind wir hier?“

Ich sah mich neugierig um. Spärliches Licht lies erahnen das wir in einer Gasse standen. In einer sehr schmutzigen heruntergekommenen.

„Willkommen in der Dunklen Stadt“ begrüßte mich Hope grinsend.

Ungläubig sah ich mich in der verschmutzten Gosse um. Das soll Luzifersstadt sein?

„Bisschen schmutzig“ stellte ich fest.

„Tja dieses Portal ist leider ein wenig abgelegen aber es ist das Naheste am Haus unserer Tante Mathilde“ gab Hope entschuldigend zu.

Ich senkte meine Messer. „Wie lautet nun der Plan?“

„Zuerst gehen wir zu unserer Tante sagte Hope und trat zu mir.

„Und dann?“

„Dann machen wir uns auf die Suche nach dem Schwert“ sagte Manu und drehte sich dem gehen.

Seufzend steckte ich meine Messer weg.

„War doch ein guter Plan“ lachte Hope.

„Mich zu entführen meinst du? Nicht wirklich“

Hope sah mich verwirrt an. „Wir haben dich nicht entführt. Du wusstest es doch schon vorher“

„Wir haben dich gerettet“ stellte Manu fest während er uns durch schmale Gassen führte.

„Ich habe geahnt das etwas mit Samuel nicht stimmte“ gab ich zu. „Wer wusste noch alles Bescheid?“

„Alle außer du und Tristan aber dem hat Magnus alles gesagt“ erklärte Emanuel.

„Seine Rettung aus dem Exil war nicht Teil unseres Plans“ lachte Hope.

„Auch nicht meines“ stimmte ich lachend zu.

„Nun ich kenne Magnus schon lange und so habe ich auch Taylor in unseren Plan eingeweiht“ fuhr Emanuel seine Erklärung weiter.

Ein Gedanke lies mich nicht los. „Und Rose?“

Hope schüttelte traurig den Kopf. „Sie war auch nicht teil des Plans“

„Sie hat den Plan erst durcheinander gebracht“ schloss Er seine Erzählung als er leise an eine Tür klopfte. Wir standen im mitten eines heruntergekommenen Viertels. Am Horizont sah ich die Sonne aufgehen. Ihr Licht wanderte über schmutzige Mauern, kaputte Fenster und Türen.

„Wir wollten wirklich nicht das so was passiert“ entschuldigte sich Hope und nahm meine Hand.

„Es tut mir so leid. Sie war ein guter Mensch“ murmelte sie als sich die Tür öffnete und sie eilends in das baufällige schmutzige Haus trat.

 

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