Kapitel 27

                                                                    Alex

Ich habe es getan? Ich habe meine verdammte Selbstbeherrschung verloren. Ich hatte mir doch fest vorgenommen niemals mit einer Hexe zu schlafen. Doch ein Blick auf den dunkelbraunen Haarschopf neben mir, sagt mir, dass sich meine Selbstbeherrschung zum Teufel scheren kann. Ihre gebräunte Haut und dieser Duft, es ist als würden alle Gerüche des Frühlings von ihr kommen. Ich kann diesem Geruch einfach nicht widerstehen. Ich hatte noch niemals solche Gefühle in mir. Sie hat mich vom ersten Moment an verrückt gemacht. Diese verdammten grünen Augen. Einen Blick in diese Augen und sie hat mich gefangen. Ursprünglich wollte ich sie einfach in meiner Nähe haben. Auch wenn die Gefahr bestand, dass sie sich in mich verlieben würde. Mein Plan, mein Rudel zu beschützen, war wichtiger als ein verletztes Herz, dass mit der Zeit wieder heilen würde.
Wie sehr ich mich dafür hasse, ihr solche Schmerzen zugefügt zu haben. Ich weiß nicht wieso sie mich so verrückt macht. Wieso dieser Sex gerade mit Abstand der Beste war, den ich je gehabt habe. Und ich kann wirklich von Erfahrung sprechen. Das ist wohl einer der Vorteile, wenn man ein Alpha ist. Alle Mädchen lagen mir zu Füßen und ich habe mich sicherlich nicht zurückgehalten. Doch seitdem ich hinter Marius her bin, ist es nicht mehr so locker wie früher. Ich muss mein Rudel beschützen. All die bedeutungslosen Nächte, in denen ich irgendwelche namenlose Frauen gefickt habe, sind vorbei.
Meine ganze Kraft habe ich einsetzen müssen, um mich von ihr fernzuhalten. Bei jedem Blick in ihre Augen, machte mein Körper Dinge, die ich nicht kontrollieren konnte. Verdammt. Ich will nicht so enden wie meine Eltern. Doch genau in dieser Situation befinde ich mich jetzt. Meine Eltern waren auch verliebt und dachten, nichts auf der Welt könnte ihnen etwas anhaben, doch das Leben hat sie eines Besseren belehrt. Spätestens an dem Tag an dem mein Vater meine Mutter getötet hat. Auch wenn ich durch meinen kindlichen Verstand nicht kapiert habe, was passiert ist, wusste ich, dass mein Vater daran Schuld war. Aber jedes Einzelne Mal, wo ich ihn nach den Geschehnissen dieser Nacht gefragt habe, wurde er wütend und hat mich von sich gestoßen.
Bis ich stärker und erwachsener wurde und einen anderen Weg gefunden hatte. Also stellte ich die Rudelmitglieder zur Rede. Sie sagten alle, dass es während eines Blutmondes passiert sei und der Blutrausch ihn kontrolliert hätte. Bis heute glaube ich nicht an diese Verdammte Lüge. Denn, wenn er sie wirklich geliebt hätte, dann hätte seine Liebe zu ihr, ihn zurückhalten müssen. Aber eines weiß ich, ich werde meinem Vater niemals verzeihen. Erst als ich älter und stärker wurde, habe ich ihm die Stirn geboten. Ich habe ihn besiegt und habe seinen Platz als Alpha eingenommen. Doch ich konnte es nicht übers Herz bringen ihn zu töten. Also habe ich ihn verbannt. Die ganzen Jahre habe ich nichts mehr von ihm gehört und bin froh darüber.
Diese Erinnerungen lassen meinen, von Anna`s Duft benebelten Verstand, wieder klarer werden. Ich werde nicht den selben Fehler wie meine Eltern machen. Ich muss mich von ihr fernhalten. Ich will sie nicht verletzten. Ich darf diese Liebe nicht zulassen.
Schon merke ich, wie ich meine Hand von ihrer weichen Haut löse und mich langsam aus dem Bett schleiche. An ihrem Herzschlag spüre ich, dass sie tief und fest schläft und gerade als ich nach der Türklinge greifen will, höre ich einen Seufzer. Ich spüre wie sich ihr Herzschlag wieder erhöht und ich kann nicht anders als mich umzudrehen und wieder zu ihr zu gehen.
Sie schläft zwar noch immer, doch ich weiß, dass sie wieder diese Träume hat. Ich weiß es, weil ich so oft an ihrem Fenster gestanden habe und sie beobachtet habe. Wie ein verdammter Stalker. Ich habe über sie gewacht. Ich wollte nicht, dass ihr etwas passiert und ich konnte mich auch nicht von ihr fern halten. Sie hat eine Anziehungskraft auf mich, die ich mir nicht erklären kann.
Fast so, als wäre meine Seele mit ihrer verknüpft.
Noch bevor ich meinem Verstand befehlen kann zu stoppen, legen sich meine Finger auf ihre leicht gerötete Wange.
Ich kann mich nicht erinnern, jemals etwas Schöneres gesehen zu haben. Ich bin froh meine Nachtaktiven Augen zu haben und sie auch im Dunkeln beobachten zu können. Ihre Augen sind geschlossen und ihre weichen fülligen Lippen leicht geöffnet. Ihre langen dunkelbraunen Haare verteilen sich fast über den ganzen Kopfpolster und glänzen als wären sie aus Seide.
Als sie sich wieder etwas beruhigt hat, ziehe ich meine Hand langsam wieder zurück und löse mich von ihrem Anblick. Noch einen Moment länger, und ich hätte mich wieder zu ihr in das Bett gelegt und mich an diesen warmen wunderschönen Körper geschmiegt.
Also zwinge ich meinen Körper, sich von ihr zu lösen und gehe mich entschlossenen Schritten aus dem Zimmer. Ich lasse sie zurück. Alleine. Dieses Mal muss ich mich von ihr fernhalten. Ich darf diese Gefühle nicht zulassen. Früher oder später würde unser Schicksal so enden, wie dass meiner Eltern. Und ich will nicht einmal daran denken, für ihren Tod verantwortlich zu sein.
Um sie nicht aus ihrem Schlaf zu wecken und meinen feigen Fluchtversuch somit offensichtlich zu machen, schließe ich die Tür mit größter Sorgfalt. Mein Atem ist so schnell, dass man meinen könnte ich sei einen Marathon gelaufen.
Hätte ich noch einmal zurückgeblickt auf die schlafende Gestalt, hätte ich meine Kontrolle wieder verloren. So wie vorhin, als ich einfach an ihrer Zimmertür stand und mich nicht mehr von ihr fernhalten konnte. Ich konnte nicht schlafen und habe mich die ganze Zeit über hin und her gewälzt. Ich hatte nur ihren Anblick in meinen Kopf. Dieses verlegene Grinsen und ihr traumhaftes, ansteckendes Lachen.
Doch jetzt bin ich wieder der Alte. Hoffe ich. Ich muss wieder der Alte werden. Denn mein Rudel ist das Wichtigste und ich als ihr Alpha muss alles dafür tun um Marius aufzuhalten und es zu beschützen.
Meine Gefühle treiben mich in den Wahnsinn und verdängen damit den Gedanken an Schlaf. Ich habe eine bessere Lösung. Ich muss laufen. Ich muss einfach wieder einmal die ganze Energie loslassen und mir eine Bar suchen. Ja genau, eine verdammte Bar. Ich brauche einen Drink oder zwei um mich wieder konzentrieren zu können. Also gehe ich in mein Zimmer und ziehe mir etwas „Bar-taugliches“ an. Meine alte ausgewaschene Jeans, das weiße Shirt und meine Chucks müssen reichen. Auf dem Weg nach draussen, stoppe ich vor der Tür, die mich davor beschützt, wieder rückfällig zu werden. Doch auch wenn ich mich ihr nicht nähern sollte, lasse ich dennoch meinen Hörsinn spielen um gleich darauf den gleichmäßigen Herzschlag zu hören, der es schafft, meine Gedanken verrückt spielen zu lassen.
Auch wenn ich meine ganze Kraft aufwende um nur mit meinem Verstand zu denken, möchte mein Herz und mein Körper diese Tür eintreten und sich sofort wieder in ihr verlieren. Doch genau deswegen, muss ich hier weg. Ich brauche Abstand von ihr. IAuf keinen Fall, darf ich meinem Herzen nachgeben, auch wenn ich mir darüber im Klaren bin, dass sie mich dafür noch mehr hassen wird als vorher.

Die Zeit vergeht wie im Flug. Ich genieße den Wald und die kühle Nachtluft in meinen Lungen. Der Sternenhimmel zeigt sich heute Klarer als sonst und lässt mich meinen Lauf noch mehr genießen. Ein Mensch oder ein anderes Wesen würde es nicht verstehen, wie befreiend und außergewöhnlich es ist in der Form eines Wolfes zu laufen.
Erst als ich denke, dass mein Körper nun nicht mehr ständig den Drang hat, zu Anna zurückzulaufen, halte ich vor der kleinen, etwas abgelegenen Bar und verwandle mich im Gebüsch wieder in meine Menschengestalt zurück.
Mittlerweile spüre ich nicht einmal mehr die Schmerzen bei meiner Verwandlung. In meinem Körper bricht zwar jeder Einzelne Knochen, aber als Alpha ist es von Vorteil, dass du deine Verwandlung besser kontrollieren kannst.

Das kleine, etwas abgefuckte Pub, liegt etwas weiter weg von Driftwood. Die Barhocker sind schon so ranzig und bei einem Blick auf die gefleckten Dielen des Bodens, möchte ich nicht meinen Geruchssinn einschalten, da ich mit Sicherheit, alle möglichen Rückstände von Körperflüssigekeiten wahrnehmen würde.
Aber trotz allem, brauche ich jetzt einen Drink. Also lasse ich mich neben einem alten bärtigen Typen auf einen der hässlichen Barhocker nieder.
Die Bartussi, die meiner Meinung nach schon ziemlich verbraucht aussieht, fragt mich nach meiner Bestellung. Um meinen Gedanken schnellstmöglich zum verstummen zu bringen, bestelle ich mir gleich einen doppelten Whisey.
Es dauert nicht lange, als die Wasserstoffblondine meinen Drink auf dem Tresen zu mir schiebt. Die Eiswürfel klimpern im Glas hin und her. Ich rieche nicht einmal an dem Whiskey, wie ich es normalerweise mache, sondern schütte ihn einfach in mich hinein uns stelle das leere Glas wieder auf dem Tresen ab. „Es tut mal wieder gut abzuschalten“ sage ich zu mir selbst und bestelle nochmals einen Doppelten. Plötzlich spüre ich eine Hand auf meiner Schulter. Mein erster Gedanke ist Freude darüber, dass irgendein betrunkener Wichser den Mut gefunden hat und sich mit mir anlegen möchte. Wie gerne möchte ich jetzt meine Fäuste dazu benutzen, den restlichen Frust abzubauen.
Die Enttäschung darüber, dass es kein abgefülltes Arschloch ist, sondern ein vertrautes Gesicht,
verschwindet schneller als ich dachte.

„Brauchst du etwa auch einen Drink?“

Das Lächeln auf Peter`s Gesicht, scheint nicht mehr ganz nüchtern zu sein. Er packt mich an der Schulter und lässt sich auf den nächsten freien Barhocker nieder. Er überrascht mich immer wieder. Peter ist ebenfalls ein Werwolf. Doch nicht genauso wie ich. Er wurde gebissen. Was in unserer Welt vollkommen verpöhnt ist. Kein anständiger Werwolf würde einen Menschen verwandeln. Gottseidank ist es nicht weit verbreitet und es gibt nur wenige gebissene Werwölfe. Vorallem auch deswegen, weil nur ein Alpha einen Menschen verwandeln könnte.
Vor gut drei Jahren bin ich in einer Vollmondnacht auf einen verwirrten Peter gestoßen, der im Wald umhergeiirt war. Dieser Scheiß Wichser der ihn gebissen hat, war nicht mehr auffindbar und hat ihn einfach auf sich gestellt zurückgelassen. Also habe ich mich um ihn gekümmert. Habe ihm all mein Wissen über diese, für ihn neue Welt, gelehrt.

Er ist noch immer Anna's Bester Freund und als ich ihm von dieser Idee mit Anna erzählt habe, hätte er mich fast umgebracht. Ich dachte zuerst nicht, dass er so stark ist. Aber wenn es um Anna geht, dann will er nur das Beste für sie. Und jetzt wo ich sie besser kenne, kann ich ihn mehr als nur verstehen. Irgendwie habe ich ihn dann doch dazu überreden können, mich in ihre Nähe zu lassen. Ich habe ihm so oft versprechen müssen, dass ihr nichts zustößt. Ich konnte ihn nur davon überzeugen, als ich ihm erklärt habe, dass ich sie vor Marius beschützen würde. Doch so ganz konnte ich ihn nicht überzeugen. Doch er musste sich unterordnen und hat es, wenn auch etwas widerwillig zugelassen.

„Ich brauche noch mindestens zehn Drinks um auf dein Level zu kommen.“

Ich klopfe ihm auf die Schulter und hebe meine Hand um noch einen Drink für Peter zu bestellen.

„Geht es Anna gut?“

Er sieht besorgt aus und ich kann nachvollziehen was er fühlen muss. Doch ich kann ihm auch nicht sagen dass sie sich für den großen Tag vorbereitet. Wenn ich ihm das sagen würde, dann dreht er bestimmt komplett durch.

„Es geht ihr gut Peter. Mach dir keine Sorgen, ich passe auf sie auf.“

Sein strenger Blick legt sich erst nach einem kurzen Moment in dem er überlegen zu scheint, ob er meinen Worten Glauben schenken kann. Doch dann legt sich ein Lächeln auf seine Lippen, bevor wir mit unseren Gläsern anstoßen und die brennende Flüssigkeit meine Kehle hinabläuft.
Genau dass brauche ich jetzt. Ablenkung von Anna. Von diesem wunderschönen, faszinierenden Wesen, dass mir den Kopf verdreht und ich ihre Nähe nicht zulassen darf. Auch wenn ich es nicht wahrhaben will, weiß ich, dass das Ganze noch eine Menge Ärger bringen wird.

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