Kapitel 3

Ich stecke mein Etui in meine blau-weiß-schwarz karierte Schultasche. Der Unterricht ist endlich vorbei. Eigentlich bin ich total gerne in der Schule und liebe den Unterricht, doch heute war irgendwie ein merkwürdiger Tag. Erst kommt der Junge, von dem ich nicht einmal gedacht hätte, dass es ihm wirklich gibt, in meine Klasse und dann rettet er mich vor Jason, der mich verprügeln wollte. Es ist ein komisches Gefühl zu wissen, dass er wirklich existiert. Ich stelle mir schon den ganzen Tag die Frage, ob er wohl weiß, dass ich von ihm Träume und ob er sich auch an meine Träume erinnert. Vielleicht ist er irgendwie in meinen Traum gelangt und hat mich dann gerettet, als ich in Schwierigkeiten gesteckt habe. Merkwürdigerweise stecke ich jedes Mal in Schwierigkeiten, wenn er auftaucht. Ein bisschen wie Superman oder Batman.

Schnell ziehe ich den Reißverschluss zu und ziehe meine Jacke an. Ich bin die letzte Person in der Klasse. Alle Anderen sind sobald die Schulklingel ertönte nach draußen gerannt, um so schnell wie möglich von diesem Ort des Lernens wegzukommen. Meine Schwester und ich waren nie so. Wir schlenderten immer langsam nach draußen und unterhielten uns dabei. Ich vermisse das. Ich vermisse meine Schwester. Wenn ich an sie danke, überkommt schreckliche Trauer mich. Es ist zwar schon etwas besser geworden, doch wirklich verschwinden wird der Schmerz nie. Auch meinem Dad geht es so, doch er kommt damit noch lange nicht so gut klar wie ich. Er besucht jedes Wochenende ihr Grab. Wir haben ein Familiengrab, in dem auch meine Mutter und meine Großeltern begraben liegen. Ich besuche es jedoch nur gelegentlich an besonderen Tagen, die uns beiden einmal viel bedeutet haben.

Als ich meine Jacke angezogen habe, setze ich meine Schultasche auf den Rücken und verlasse das Gebäude. Draußen liegt Schnee. Ich liebe den Winter. Er ist zwar kalt, aber wenn es draußen schneit, kann man sich aufs Sofa setzen, sich mit einer Decke zu decken und einen warmen Kakao mit Marshmallows trinken. Oder man geht raus, macht Schneeballschlachten und Schneeengel. Auch den Baum schmücke ich liebend gern. Es gehört für mich einfach zu Weihnachten dazu. Den meisten Menschen geht es an Weihnachten nur um die Geschenke. Das war bei mir als ich klein war auch so, doch nun ist es mit viel wichtiger mit den Menschen, die ich liebe zusammen zu sein. Vielleicht sollte ich Dean einladen. Nein, ich liebe ihn schließlich nicht und wir kennen uns nicht. Na ja nicht richtig, sondern nur aus meinen Träumen.

Ich trete auf die Straße hinaus. Draußen ist es kalt und der Wind zerzaust mein Haar. Ich höre die Autos, die über die Straße sausen und die Schritte der Menschen, die bereits die ersten Weihnachtsgeschenke kaufen. Wieso sind alle in dieser Zeit des Jahres nur immer so gestresst? Ich beobachte meine Fußstapfen im Schnee. Wenn ich durch den Schnee laufe, ist ein leises Knacken zu hören. Das erinnert mich daran wie ich mit meiner Schwester früher im Wald immer fangen gespielt habe. Ich habe so viele schöne Erinnerungen mit ihr.

Ein Auto hält plötzlich an der Straße. Ich hebe den Blick und erkenne das Auto sofort. Das Licht spiegelt sich im schwarzen Lack und der Fahrer richtet seinen Blick auf mich. Ich lächele. Das ist das Auto von meinem Vater. Er fährt das Fenster herunter und begrüßt mich grinsend:"Hallo Schatz. Wie war es in der Schule?" Ich öffne die Tür und steige ein:"Ganz gut!" Mein Dad nimmt mir die Schultasche ab und wirft sie auf die Rückwand. "Und? Was ist heute so passiert?", fragt er interessiert und startet den Motor wieder. Ich zucke mit den Schultern und schnalle mich an:"Nichts sonderlich interessantes. Heute ist ein neuer Schüler in unsere Klasse gekommen." Er runzelt die Stirn und fährt los:"Und das ist für dich "Nichts Spannendes"? Was wäre für dich denn etwas "Spannendes"?" Ich grinse:"Ich weiß es nicht. Ein Erdbeben oder ein Einstufungstest für die Uni." Er schaut mich fragend an:"Ein Einstufungstest für die Uni?" Ich nicke sofort. Dass, der neue Schüler mich vor Jason beschützt hat, erzähle ich meinem Vater lieber nicht. Er muss ja nicht Alles wissen.

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