Kapitel 3

  Der Wind wehte günstig, und so kamen die drei Druiden auf der Yseras Zorn schnell voran. Fast genau einen Tag vorher waren sie in See gestochen, nachdem das Gepäck verstaut worden war. Malfurion, Tyrande und Broll hatten die am Hafen von Ruth’eran verabschiedet und noch den Segen von Elune gegeben. Laut Kapitän würde die Überfahrt noch knapp zwei Tage dauern, dann würden sie in Ratschet ankommen. Dort würde sie Ramuul Runentotem in Empfang nehmen, um ihnen sicheres Geleit bis ins Brachland geben zu können. Der Tag hatte gerade erst begonnen, die Sonne hatte ihren Weg aus dem Wasser heraus bereits getan. Der Himmel war fast wolkenlos und eine leichte, warme Brise versprach einen angenehmen Seetag. Raelynn hatte sich mit ein paar Wurzeln und Beeren und einem Schlauch voll Quellwasser an Deck begeben, um den Himmel ein wenig zu beobachten, aber auch um Gal’Alani aus dem Weg zu gehen. Naralex versuchte zwar, zwischen den beiden zu schlichten, aber Gal’Alani konnte es nicht unterlassen, Raelynn bei jeder Gelegenheit schlecht zu machen. Gleichzeitig umwarb er Naralex auch mindestens bei jedem Abendessen. Er schien es darauf angelegt zu haben, seinen Rang auf jeden Fall noch zu erhöhen. Naralex ließ sich davon offenbar bisher nicht beeinflussen, aber die Reise war ja noch lang. Davon frustriert schob sich Raelynn ein paar der süßen Beeren in den Mund und dazu eine Bitterwurzel. Dabei ließ sie ihren Blick über den Horizont schweifen. In weiter Ferne meinte sie, etwas zu erkennen. Um genau zu sagen, was es war, war die Entfernung noch zu groß. Angestrengt kniff Raelynn ihre Augen zusammen. Nach logischer Erklärung konnte sie dort auf dem Wasser wohl nur ein Schiff vermuten. Je näher es kam, desto sicher war sie sich, und es kam ungewöhnlich schnell näher. Bald erkannte Raelynn ein schwarzes Segel mit einem roten Streifen. Das kannte sie weder von Sturmwind, noch von Darnassus oder einem anderen Volk und sie runzelte die Stirn. Sie beschloss, Meldung zu geben und begab sich auf die Kommandobrücke, wo der junge Kapitän am Steuer steht. Der Nachtelf würdigt sie nur eines kurzen Blickes, selbst als sie neben ihm steht. ”Ich habe auf der anderen Seite ein Schiff entdeckt. Sein Segel ist schwarz und hat einen roten Streifen, zu wem gehört es?”. Die Mundwinkel des anderen Nachtelfen zuckten. ”Das ist das Segel der Blutsegelbukaniere. Aber ich bin mir sicher, du hast es verwechselt, denn hier fahren sie nie. Geh wieder unter Deck, da bist du besser aufgehoben.” Zornig wegen der Abweisung wollte Raelynn was erwidern, sie entschied sich dann aber, Naralex und Gal’Alani zu informieren. Denn den Blutsegelbukanieren war sie zwar noch nie begegnet, aber sie hatte genug Geschichten über sie gehört. Wenn sie es wirklich waren, müssten sie sich vermutlich auf einen Angriff gefasst machen. Naralex und Gal’Alani saßen unter Deck an ihrem schon am ersten Tag auserkorenen Frühstückstisch. Sie hatten gesprochen, verstummten aber, als Raelynn zu ihnen kam. Sie war zu aufgewühlt, um deshalb sauer zu sein. ”Am Horizont ist ein Schiff aufgetaucht mit schwarzroten Segeln. Mishya sagt, dass das Blutsegelbukaniere sind, aber er meint auch, dass sie nicht so weit herausfahren. Aber ich bin mir sicher, dass es welche sind”, gab sie zu Protokoll. Während Naralex skeptisch wirkte, hob Gal’Alani spöttisch eine Augenbraue. ”Blutsegelbukaniere? Die kommen wirklich nicht hier her, du hast bestimmt wieder nur geträumt. Geh wieder nach oben.” ”Ich lasse mich nicht rumkommandieren”, fauchte Raelynn und wandte sich dann an Naralex. ”Naralex, bitte kommt und schaut selbst. Ich bin mir sicher.” Weil Naralex die Gefahr zu groß war, stand er schließlich auf und ließ einen verblüfften Gal’Alani zurück. An Deck führte Raelynn Naralex zum Bug des Schiffes. Das besagte Schiff war nun viel näher gekommen und Raelynn hatte keine Zweifel mehr, dass das Blutsegelbukaniere waren. Auch Naralex war beunruhigt. Entweder war das Schiff gekapert worden, oder Blutsegelbukaniere trieben hier draußen tatsächlich ihr Unwesen. Naralex ging schnellen Schrittes zu Mishya. ”Wir müssen weichen. Das Schiff am Horizont gehört den Blutsegelbukanieren, das Segel ist eindeutig.” ”Die sind nicht so weit draußen”, erwiderte Mishya in gleichgültigem Ton und brachte damit Naralex’ Blut zum Kochen. ”Wenn es nur gekapert ist, dann ist es so, aber ich kenne das Segel. Ich sage, wir drehen ab, und zwar bevor sie uns erreichen, denn ich möchte nicht gefangen werden. Wir riskieren einen Angriff!”. Mishya rührte keinen Finger, deshalb entbrannte zwischen ihm und Naralex eine Rangelei um das Steuer. Inzwischen war Gal’Alani nach oben gekommen und gesellte sich zu Raelynn, die mit besorgter Miene beobachtete, wie das Schiff der Blutsegelbukaniere immer näher kam. Gal’Alani erkannte das Segel und schluckte hörbar. Er hatte nicht daran geglaubt und die Segel versetzten ihn in leichte Panik. „Meinst du, das sind sie wirklich?“, flüsterte Raelynn heiser. Auch sie wollte eine Konfrontation auf jeden Fall vermeiden, fühlte sich bei weitem noch nicht stark genug für einen Kampf. „Die Segel gehören auf jeden Fall zu ihnen. Hoffen wir, dass es ein gekapertes Schiff ist.“ Raelynn war erstaunt, dass selbst Gal‘Alani nicht mehr so großmäulig erschien wie sonst. Immer noch steuerten sie auf das Schiff zu und mittlerweile konnte man sogar Gestalten erkennen, die sich auf dem anderen Schiff an Deck bewegten. Bis das Piratenschiff nahe genug war, um sie anzugreifen, würde es nicht mehr lange dauern. Gal‘Alani warf einen Blick zurück zu Naralex. Er diskutierte immer noch, aber dann wandte er sich mit eisiger Miene ab und kam zu seinen Begleitern. „Ich werde mich in eine Sturmkrähe verwandeln und fliegen. Vielleicht schaffe ich es, die Piraten alleine auszuschalten. Sie sind zu nah, als dass wir noch fliehen könnten.“ „Alleine ist das viel zu gefährlich“, protestierte Raelynn und Gal‘Alani war mit ihr ausnahmsweise mal einer Meinung. „Wenn wir warten, bis sie nahe genug sind, kann ich auch als Katze auf das Schiff springen. Zu zweit sind wir sicherer.“ Raelynn war verzweifelt. Wie gerne hätte sie auch geholfen, aber sie konnte sich in gar nichts verwandeln. Sie konte nur zusehen, wie die anderen die Arbeit machten. „Gal, das wäre hilfreich. Wenn ich es richtig sehe, sind es nicht allzu viele Piraten. Raelynn kann hier bleiben und die Stellung halten, oder etwas ähnliches.“ Raelynn stampfte mit dem Fuß auf. „Ich werde helfen! Und ich will helfen! Ich kann mit meinem Bo genau so gut kämpfen wie ihr als Bär!“. „Klar, ein Holzstock“, bemerkte Gal‘Alani abfällig, „Kriege sind noch nicht mit Ästen gewonnen worden. Überlasse den Männern das Kämpfen und bereite in der Zeit doch schon einmal das Essen vor.“ Bevor Raelynn wieder protestieren konnte, hob Naralex die Hand. „Raelynn, bleib da. Falls wir nicht überleben, bist du die Einzige, die diesen Auftrag noch ausführen kann. Bei Elunes Namen, bleib.“ Widerwillig presste Raelynn die Lippen aufeinander. Sie wusste nicht, ob der Einwand ernst gemeint war, denn sie traute sich die Mission auf keinen Fall alleine zu. Dennoch war es ein Einwand, gegen den sich nichts vorbringen ließ. Sie nickte und trat einen Schritt zurück. Naralex nickte zufrieden, dann fasste er das Schiff wieder ins Auge. Die Piraten waren mittlerweile gut zu erkennen und die Lautstärke, die sogar bis zu ihnen herüber wehte, ließ keine Zweifel an einem Angriff. Sie deuteten mit ihren Säbeln zu Naralex. Sie würden angreifen. Mit grimmiger Miene spannte Naralex seine Muskeln an und machte sich bereit zur Verwandlung. „Gal, noch etwa drei Minuten, dann sollte das Schiff nahe genug sein, wenn deine Sprungkraft gut ist. Verwandle dich und dann machen wir mit den Piraten kurzen Prozess.“ Gal‘Alani nickte und konzentrierte all seine Gedanken auf die Verwandlung zur Katze. Da sie neu für ihn war, musste er noch viele Gedanken dafür aufwenden. Naralex hingegen war in wenigen Sekunden zur Sturmkrähe geworden. Sie setzte sich auf die Planken und als das Schiff der Blutsegelbukaniere nah genug war, flog sie los und krächzte. Gal‘Alani, bereits zur Katze geworden, machte einen kräftigen Satz, dann landete er direkt zwischen zwei Feinden. Raelynn beobachtete die Szene traurig von ihrem Schiff aus. Sie stand am der Brüstung und hatte sich nach vorne gebeugt, um nichts zu verpassen. Lediglich Mishya störte. „Wenn wir jetzt fliehen, haben wir eine reele Chance zu entkommen“, gab er zu bedenken. Mit wutverzerrter Miene wandte sich Raelynn ihm zu. „Denk nicht ein mal daran! Wir werden kämpfen, und nur weil du uns nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht hast, werden wir Naralex und Gal‘Alani nicht im Stich lassen!“. „Immer noch lenke ich das Schiff, Lady. Also gehen wir.“ Raelynn war mit wenigen Schritten bei ihm und riss an seinem Arm mit einer Kraft, die sie sich gar nicht zugtraut hätte. „Wir bleiben da“, presste sie unter Anstrengung hervor, aber Mishya hatte nicht viel Mühe, ihren Kräften etwas entgegen zu setzen. Lässig schüttelte er ihre Hände ab und schubste sie gegen die Schiffswand. Dann widmete er sich wieder dem Umkehrmaneuver. Raelynn schmerzte der Rücken von dem harten Aufprall, aber in ihr loderte die Wut so wild, dass sie es kaum wahrnahm. In ihren Ohren klang ein lautes Brüllen, das ihrem Zorn Luft machte. Sie fühlte sich damit so viel freier, mit jedem Schrei, der ihrem Zorn Ausdruck verlieh. Das Brüllen und ihr Schrei vermischten sich langsam zu einem Laut, ihre Sinne wurden schärfer, sie roch das Salz des Meeres viel intensiver. Langsam erhob sie sich auf ihre vier Tatzen und fixierte Mishya mit wachsamem Blick. Aus der Nachtelfe war ein stattlicher, grauer Bär geworden.

Kommentare

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    Okay, jetzt habe auch ich begriffen, dass es sich um WoW handelt. Mhm, naja gut. Ich behandle den Text dennoch konstruktiv und blende das Thema aus. Was mich irgendwie Verständnislos dastehen lässt, ist die penetrante Art des Kapitäns. Ich als alter Seebär, frage mich, ob es keine Besatzung gibt. Klar, der Kapitän hat seinen Part zu leisten, aber dennoch solltest Du versuchen seine Überheblichkeit wie Gleichgültigkeit mehr zum Ausdruck zu bringen. Die Druiden würden doch sicherlich nicht so mit sich umgehen lassen.

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    Schreibtechnisch wirklich gut. Die Szene mit der Verwandlung und wie es dazu kam hätte man unter Umständen noch impulsiver beschreiben können - ist jedoch Geschmackssache. Unlogisch erschien mir der Aspekt mit einem gekaperten Piratenschiff - die werden grundsätzlich nicht gekaperten, da die Piraten es sind die kapern. Und sollte es trotzdem so sein, würde man doch nicht provokant unter fremden Segel fahren. Auch die Reaktion des Kapitäns erschien suspekt und grob Fahrlässig Selbst wenn er nur Geschichten über die Piraten kennt, man ignoriert derartiges nicht einfach so. -- Man muss die Handlung deswegen nicht ändern, doch ein anderer Vorwand wäre plausibler. :")

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    Cool! Hat sie es also geschafft! Gut gemacht! :-)

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    Geil, ey :D Richtig spannend und toll geschrieben. Kann's kaum erwarten, bis es weitergeht.

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