Kapitel 4

Ich bleibe noch ein bisschen im Materialraum, bis ich mich dann erhebe und wieder heraus komme. Ich ziehe mein Handy aus der rechten Tasche meiner dunklen Strickjacke und schaue wie spät es ist. Die Digitaluhr zeigt 17.45 Uhr. Ich schlurfe langsam den Flur entlang. Der Aufzug macht "Kling" und drei Ärzte kommen heraus. Jeder von ihnen hat einen dampfenden Kaffeebecher in der Hand. Sie unterhalten sich angeregt und bemerken mich gar nicht. Als ich den Kaffee sehe, bemerke ich, dass ich heute noch gar nichts gegessen geschweige denn getrunken habe.

Vielleicht sollte ich in die Cafeteria gehen. Ja, das ist eine super Idee. Ich will gerade in den Aufzug steigen, da erklingt mein Nachrichtenton. Ich ziehe mein Handy wieder aus der Tasche und lese die Nachricht. Sie ist von meiner Mutter. "Hallo mein Schatz. Ich muss los. Die Kinder müssen gefüttert werden", lese ich laut vor und verdrehe die Augen. Toll, jetzt muss ich auch noch los gehen und die Kinder holen. Nicht mal essen kann ich alleine.

Ich trotte zurück zu meinem Zimmer. Wieso kommt mein Vater mich eigentlich kein einziges Mal besuchen? Ich weiß, dass er arbeiten muss, aber wenigstens einmal hätte er ja kommen können. Diana und Cara sind schließlich seine Enkelkinder. Ich öffne die Tür meines Zimmers. Meine liebe Cara schläft, während Diana weinend in ihrem Bett liegt. Wieso kann sie nicht auch einfach schlafen oder wenigstens ihre Klappe halten? Ich verdrehe mal wieder die Augen. Leider ist das eine Angewohnheit von mir. Ich hole sie genervt aus dem Bettchen und mache mich frei, um sie zu füttern. Ich hasse das.

Einige Jungen laufen an meinem Zimmer vorbei. Als ich das Lachen der Personen höre, schaue ich auf. Einige von ihnen mustern mich mit abschätzigen, missbilligend und belustigt an. Ich werde rot und bedecke schnell meine Brüste mit meiner Jacke. Die Jungen gehen lachend weiter. Das ganze Blut strömt in meinen Kopf und ich werde sofort rot. Es ist so peinlich, doch irgendwann wäre das sowieso passiert. Ich bin wütend auf mich, auf meine Eltern, auf den blöden Typen, der mich geschwängert hat und auf diese doofen Kinder.

Diana schreit immer noch, doch ich ignoriere sie einfach und ziehe mich wieder an. Dann sinke ich auf dem Boden neben dem Bett zusammen und trete so fest ich kann gegen das blöde Kinderbett. Diana schreit nur noch lauter, doch ich höre sie gar nicht mehr richtig.

Eine Schwester, von ihrem Schreien aufgeschreckt, kommt in mein Zimmer. Ich bemerke sie jedoch gar nicht richtig. Sie wedelt mit der Hand vor meinen Augen herum:"Skye? Deine Kinder schreien. Du musst sie füttern." Ich schüttele den Kopf:"Nein." Sie zieht mich hoch:"Doch, Skye. Sonst muss ich sie dir weg nehmen." Mir rollt eine Träne die Wange hinunter und fällt auf den Boden:"Nein." Sie bemerkt, dass es mir nicht gut geht und nimmt mich in den Arm:"Schon gut. Was ist los?" "Er hat mein Leben zerstört", schluchzte ich. Sie streichelt meinen Hinterkopf, wenn ich mich recht erinnere, war sie unter den Schwestern, die meine Kinder auf die Welt gebracht haben:"Wer?" "Liam", seufzte ich bei dem Gedanken an den Jungen. Sie löst sich von mir und wischt meine Tränen weg:"Der hat dich nicht verdient, Skye. Ihr habt einen Fehler gemacht, aber das kannst du jetzt auch nicht mehr ändern. Du hast nun Verantwortung und wenn du diese Kinder nicht mehr nur als Fehler siehst wirst du erkennen, dass sie auch eine Chance sein können." Ich nicke traurig. Sie nickt nun auch und sieht schon deutlicher zufrieden aus:"Und jetzt kümmern wir uns um Diana und Cara." Ich schaue auf sie hinab. Diana weint nach wie vor bitterlich und die Matratze unter ihr ist schon ganz nass. Da fällt mir auf, dass nun auch Cara wach ist und mich mit ihren lieben Augen ansieht. Die Schwester nimmt Diana aus dem Bett und schaut sie wehleidig an. Die Kleine scheint ihr leid zu tun. Sie streckt mir das Kind entgegen und versucht sie an eine meiner Brüste zu halten. Diana streckt ihre Hand nach meiner Brust aus und kneift ihn ein, aber ich drücke sie weg. Die Schwester sieht mich fragend an:"Was ist? Du musst sie füttern?" Ich schüttele wieder den Kopf:"Nein. Das möchte ich nicht mehr." Sie sieht mich fragend an:"Wieso?" "Als ich sie gerade füttern wollte, kam ein paar Jungen und haben mir dabei zugesehen und mich ausgelacht. Das will ich nicht nochmal. Es war sie schrecklich", ich weine wieder. Sie sieht mich traurig an:"Da musst du drüber stehen. Du kannst deine Kinder zwar auch mit der Flasche füttern, aber Muttermilch ist viel besser für sie." Ich werde wütend:"Nein, da kann ich nicht drüber stehen. Das ist unfair. Wieso muss ich immer zurückstecken? Ich werde sie ab jetzt mit der Flasche füttern und basta." Die Schwester, deren Schild besagt, dass sie Schwester Miriam heißt, seufzt, gibt mir das kleine Mädchen und sagt dann:"Na gut. Dann geh runter in die Cafeteria. Dort wirst du genug Milch für den restlichen Tag und auch für die Nacht bekommen." Dann verschwindet sie. Ich seufzte und lege das Kind aufs Bett ohne es eines Blickes zu würdigen. Dann nehme ich auch Cara aus dem Bett und lege sie auch auf das Bett. Der kleine Kinderwagen, den meine Mutter mir gebracht hat, kommt mir nun zu gute. Ich hebe Diana wieder hoch und schnalle sie im kleinen Gefährt fest. Cara nehme ich auf den Arm.

Sie kuschelt sich an mich und schaut mich lieb an. Ich schaue sie kalt an. Heute würde keine der Beiden ein Lächeln mehr von mir sehen. Ich schiebe den Einkaufswagen mit Cara im Arm über den Gang. Von links und rechts werde ich von manchen Patienten merkwürdig angesehen. Wieso müssen alle mich so ansehen? Das ist so unfair? Ich hab mir das doch auch nicht ausgesucht oder was denken die? Ich drücke auf den Knopf des Aufzugs und warte. Als der Aufzug in meinem Stockwerk ankommt, steige ich hinein. Diana plärrt immer noch. Cara drückt ihren Mund an meine Brust. Sie scheint auch hungrig zu sein. Erst ignoriere ich den kleinen Wiederstand, doch dann beginnt es mich zu nerven und ich halte sie von mir weg. Nun beginnt auch sie zu weinen. Oh man, ich kriege gleich einen Nervenzusammenbruch.


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