Kapitel 5

„Ich werde jetzt gleich das erste Team verlesen. Der Rest von euch wartet hier in diesem Raum bis ihr aufgerufen werdet. Eure Aufgabe wird euch kurz vor Beginn eurer Prüfung übermittelt,“ erklärte uns Direktor Weston und bat uns mit einem Wink herein.

Langsam trotteten alle in den Raum. Taylor und Ich waren die letzten. Als ich an ihm vorbei ging begrüßte mich der Direktor mit einem Zwinkern.

In dem großen rechteckigen Raum standen geschätzte fünfzig Holzstühle. Am anderen Ende des Raumes war eine große schwarze Holztür mit goldener Türklinke. Ansonsten war der Raum vollkommen leer. Die Wände waren weiß und vollkommen schmucklos. Der Raum wirkte steril und kalt.

Nervös ließ ich mich in einer der hintersten Ecken auf einen Stuhl fallen. Taylor und Marvin folgten meinem Beispiel und setzten sich links und rechts von mir. Alle anderen zogen ihre Stühle weiter weg von uns und warfen uns dreien nur verstohlene Blicke zu.

„Bitte lass mich mit einem von euch in der Gruppe sein. Nicht schon wieder mit einer Doofen Nuss wie Angela,“ bettelte Marvin rechts von mir. Er tat mir wirklich leid, doch leider hatte Marvin das Glück immer mit Menschen in einer Gruppe zu landen die nicht alle Tassen im Schrank hatten wie Angela.

„Darauf wirst du keinen Einfluss haben, Kumpel. Nicht das ich nicht mit dir in einer Gruppe sein wollen würde, aber das entscheiden leider nicht wir,“ erklärte Taylor im Ernüchternden Ton.

Marvin wandte beleidigt seinen Kopf zu Taylor. „Danke Tay. Du baust einen wirklich auf. Möchte mal sehen was du davon hältst mit einer Niete wie Angela zusammenzuarbeiten. Du hattest Glück mit Raven. Sie weiß wenigstens wie man einen Bogen hält,“ fuhr er ihn an.

Ein breites Grinsen erschien auf Taylors Gesicht. „Wenn sie nicht gerade vor sich hin Träumt,“ stichelte er grinsend. Hitze stieg in meine Wangen. Dass er nur immer darauf herumreiten musste.

„Das ist doch gar nicht wahr. Halt gefälligst die Klappe, Tay,“ zischte ich wütend als sich der Direktor räusperte und gab ihm einen Tritt ans Schienbein. Ich hörte wie er zischend die Luft zwischen die Zähne einzog. Zufrieden grinsend setzte ich mich in meinem Stuhl auf.

„Nun da alle einen Platz gefunden haben werde ich euch die Mitglieder der einzelnen Teams vorlesen. Aber bevor ich das mache, noch ein wichtiger Hinweis: Nur, wenn alle aus eurem Team es bis zum Schluss der Prüfung schaffen, besteht ihr die Prüfung. Teamarbeit ist im Leben eines Kriegers wichtig. Egoisten sind hier fehl am Platz.“

Ein Raunen ging durch den Raum. Ich sah wie sich viele verstohlene Blicke zu warfen und sich einige Köpfe in unsere Richtung drehten. Vernichtende Blicke trafen mich und Taylor. Ich wusste warum: An Taylor und mir haftete das Gerücht egoistisch und selbstverliebt zu sein. Vorurteile von Leuten die mich nicht kannten, geschweige denn Taylor.

„Das erste Team bilden: Gavin Dwight, Destiny Blake und Miles Edison.“ las der Direktor laut vor. Ein blondes Mädchen, das ich als beste Freundin von Angela kannte, stand mit zitternden Knien auf. Genau wie Angela war sie zu nett und zu sanft für dieses Leben. Sie tat mir leid.

Weiter rechts erhob sich Gavin, ein großer hagerer Junge mit schwarzen kurz geschorenen Haaren. Ich kannte ihn nicht wirklich. Er war ein stiller und wenig gesprächiger Mensch. Allerdings war er ein talentierter Bogenschütze.

Ein paar Meter von uns entfernt stand ein sichtlich Mürrischer Miles auf. Er schien über seine Team Mitglieder nicht sonderlich begeistert zu sein. Ich kannte den kleinen braunhaarigen Jungen mit den Rehaugen sehr gut. Ich hatte schon einige Kämpfe gegen ihn ausgefochten. Er war gut und ich hatte Respekt vor ihm. Ich verstand seinen Unmut: Es würde schwierig werden mit diesen Zweien, was auch immer die Aufgabe wäre. Allerdings verstand ich nicht wieso er und Gavin nicht in einem der höheren Teams waren. Waren sie beim letzten Training gescheitert? Gegen wem hatten sie gekämpft?

Die drei erhoben sich zitternd und traten vor. Direktor Weston zeigte auf die schwere schwarze Holztür mit der goldenen Türklinke.

„Wenn ihr bitte durch die Tür geht, ich komme gleich nach und erkläre euch eure Aufgabe.“

Zitternd trat die blonde Destiny auf die Tür zu und öffnete sie schwerfällig. Gavin und Miles trotteten mit gesenktem Kopf hinter ihr her. Als die Tür hinter den dreien ins Schloss fiel hob der Direktor wieder den Zettel und verlass die nächsten Gruppen. Eine nach der anderen. Ich fiel in eine Art Trance und nahm alles nur noch in einem Stummfilm war. Es vergingen einige Minuten in denen ich zusah wie meine Kollegen sich freuten, aus Verzweiflung heulten oder schrien. Oder alles zusammen. Es war wie in einem verrückten Theaterstück.

Alles schien vollkommen surreal und ich fragte mich schon was ich eigentlich hier machte, als Taylor seine Hand auf meine legte und sich zu mir beugte. Träge hob ich meinen Kopf und sah wie sich seine Lippen bewegten. Besorgt sah er mich an. Doch ich hörte nichts. Kein Wort drang an meine Ohren. Taylors Blick wurde immer besorgter. Er packte mich an meinen Schultern und schüttelte mich.

„Raven?“ drang langsam an meine Ohren wie durch tiefes Wasser. „Alles in Ordnung? Hörst du mich? Raven?“

Langsam erwachte ich aus meiner Trance, schüttelte den Kopf und riss die Augen auf. Laute Stimmen und knarzende Stühle drangen an meine Ohren. Die plötzlichen lauten Geräusche schmerzten in meinen Ohren.

„Alles in Ordnung?“ ertönte leise wieder Taylors besorgte Stimme links von mir.

„Ja. Ja, ich denke schon,“ keuchte ich atemlos. Verstört sah ich auf meine Hände die unkontrolliert zitterten. Was war nur passiert? Verzweifelt ballte ich meine Hände zu Fäusten und lies sie langsam wieder los. Das Zittern lies nach. Zufrieden atmete ich tief durch.

„Bist du sicher? Du hast ein wenig... abgedreht... gewirkt,“ flüsterte Taylor besorgt während er mich immer noch festhielt. Ich spürte wie sich einige zu uns umdrehten und verstohlen tuschelten. Hatten diese Leute keine eigenen Probleme?

„Mir geht’s gut, Taylor. Was meinst du mit abgedreht?“ fragte ich leise und schaute ihn verwundert an.

Nach einer Antwort suchend wich er meinem Blick aus und kratzte sich am Hinterkopf.

„Naja... Du wurdest plötzlich ganz blass, ... hast am ganzen Körper gezittert... und dein Blick war vollkommen glasig... So als wärst du gar nicht hier,“ erklärte er stockend und besorgt.

Nachdenklich ließ ich mich in meinen Stuhl zurückfallen und hörte nur mit halben Ohr zu wie die nächste Gruppe vorgelesen wurden. Ich spürte Taylors und Marvins besorgten Blicke auf mir ruhen. Sie machten sich Sorgen um mich. Erstaunt stellte ich fest, dass mir das gefiel. Es beruhigte mich zu wissen das die beiden sich um mich sorgten. Was für ein verrückter Gedanke! schoss es mir durch den Kopf.

Das Zittern hatte aufgehört stellte ich zufrieden mit einem Blick auf meine Hände fest.

„Die vorletzte Gruppe bilden: Marvin Dale, Audrey Colten und Edwin Kacey.“ drang die Stimme des Direktors an meinen Ohren.

Marvin seufzte auf. „Nicht mit Edwin.“

Mit bangem Blick sah er zu einem braunhaarigen Typen der schneeweiß um die Nase war. Ich wusste warum: Edwin war ein Riesen Feigling der sogar vor einer Spinne Angst hatte.

Audrey dagegen war eine knallharte Mordmaschine. Doch diese wirkte irgendwie Teilnahmslos. Hatte die schwarzhaarige überhaupt mitbekommen das sie aufgerufen wurde? Nachdenklich sah ich zu Audrey. Ihr Blick wirkte gelangweilt und ihre gesamte Körperhaltung wirkte abweisend. Als würde sie die Prüfung gar nicht interessieren. Schulter zuckend wandte ich mich wieder zu meinen Freund.

Tröstend legte ich meine Hand auf seine und drückte sie leicht.

„Du schaffst das Marvin. Vergiss nicht, du bist einer der Besten hier,“ munterte ich meinen Freund auf.

Ein dankbares Grinsen erschien auf Marvins Gesicht.

„Nun kommen wir zu unserem letzten Team.“ erklang die sanfte aber bestimmte Stimme von Direktor Weston.

Schlagartig fiel mir ein, dass ich noch nicht aufgerufen wurde. Oder hatte ich es verpasst? Ein Schauer lief mir über den Rücken und meine Hände begannen wieder zu zittern.

Ich hatte keine Ahnung wer noch übrig war. War Taylors Name schon gefallen? In welcher Gruppe war er?

Nervös überschlug ich meine Beine und wippte ich mit meinem Fuß auf und ab. Aufgeregt knetete ich meine eiskalten schwitzenden Hände in meinem Schoß als eine warme Hand sich darauflegte.

„Hör auf damit, Raven,“ fauchte Taylor leise.

„Mit was?“ zischte ich zurück.

„Mit dem ganzen Stuhl zu wackeln. Das nervt,“ stieß er leise hervor.

„Ich kann nichts dafür. Ich bin eben nervös,“ verteidigte ich mich mürrisch, hörte aber auf zu wippen und setzte mich gerade hin.

„Warum? Es bleiben doch nur noch drei übrig,“ erwiderte Taylor nüchtern.

Beschämt biss ich mir auf die Unterlippe.

„Du weißt nicht wer die drei sind, weil du nicht aufgepasst hast,“ stellte Taylor ohne einen Blick zu mir fest.

Verstört ließ ich den Kopf hängen.

„Du bist der Wahnsinn weißt du das?“ grinste Taylor.

Ich seufzte. „Sag schon: Wer sind die letzte drei? Mit wem bin ich in der Gruppe?“

„Hättest halt aufpassen sollen und nicht schlafen,“ neckte mich Taylor leise.

„Ich habe nicht geschlafen,“ zischte ich wütend.

„Hat aber so ausgesehen.“

„Mit offenen Augen oder wie?“

„Weiß ich doch nicht was du für Schlafgewohnheiten hast, kleiner Rabe. Ich schlafe normalerweise mit geschlossenen Augen,“ zog er mich auf.

„Stell dir mal vor, ich auch. Was für ein Wunder, Tay.“

„Na dann hast du doch alles gehört.“ plänkelte Taylor weiter.

„Du bist unmöglich, Taylor. Ja ich gebe es zu, ich war abgelenkt. Keine Ahnung warum. Also würdest du mir bitte verraten wer übriggeblieben ist?“

Taylor grinste breit.

„Nein.“

Eine Sicherung brannte bei mir durch und ich sah Rot. Vor meinem inneren Auge sah ich wie ich aufsprang und unkontrolliert auf Taylor einschlug.

„Taylor an Raven. Taylor an Raven. In welchem Universum schwebst du jetzt wieder? Muss ich dich vom Mond holen?“ stichelte wieder Taylor.

Verärgert schüttelte ich meinen Kopf. „Du bist ein Arsch,“ fauchte ich.

„Psst. Seit mal still. Ihr verpasst die letzte Gruppen Einteilung,“ unterbrach uns Marvin.

Mit einem letzten wütenden Seitenblick wandte ich meinen Blick wieder nach vorne. Überrascht stellte ich fest das Direktor Weston in unsere Richtung sah und grinste.

„So nun da ich wieder von allen die volle Aufmerksamkeit habe, kommen wir zu der letzten Gruppe. Diese drei haben uns am meisten beeindruckt in ihrem letzten Training: Sie haben Mut, Verstand und vor allem Kreativität bewiesen.“

Ein flaues Gefühl breitete sich in meinem Bauch aus. Wie auf Nadeln saß ich auf meinem Stuhl. Ich war mir sicher das dies meine Gruppe war. Nicht weil ich mich für so talentiert hielt, ganz im Gegenteil. Doch da Marvin nichts gesagt hatte – und ja, auf Marvin konnte ich mich immer verlassen, im Gegensatz zu Mister-Pass-halt-selbst-auf! - blieb nur noch diese Gruppe. Angestrengt versuchte ich still zu halten und ja nicht zu wippen, da sonst Mister Perfect wieder durchdrehen könnte.

„Warum bist du so nervös, Raven?“ ertönte Taylors leise Stimme.

Erst jetzt bemerkte ich das er immer noch meine Hand festhielt. Erstaunt hob ich meinen Blick. Seine Augen glitzerten belustigt und er grinste.

„Es wird alles Gut, kleiner Rabe. Wir schaffen das,“ murmelte er bestimmt.

„In der Letzten Gruppe sind: Taylor Maddison, Andrew Parker und...“

Mir rutschte das Herz in die Hose als die Stimme des Direktors wieder ertönte.

„...Raven Darnell.

Kommentare

beta
Feenstaub

Navigation

Sprachen

Social Media