Kapitel 6

Hier stand ich. Vor dem Gebäude meiner Schule. Der Wind verstrubbelte meine kurzen Schokoladen braunen Haare. Meine braunen Augen suchte die Gegend ab nach etwas das mir sagen konnte, dass das was mir grade passiert war nicht real war sondern nur ein Traum. Aber ich wachte nicht auf.

Ich stand immer noch vor den Gebäude meiner Schule. Und wartete...ja auf was wartete ich eigentlich?

Hinter mir viel auf einmal die Tür meiner Schule zu, durch die ich vorhin gestürmt war. Ruckartig drehte ich mich um. Dort stand Lion, der mich aus seinen grauen Augen anstarrte. Er sah grauenvoll aus. Aber ich blendete seine Wunden einfach ganz aus und sah ihm nur in die Augen. Langsam bewegte er sich auf mich zu, fast so als hätte er Angst ich würde mich umdrehen und weg rennen. Aber er hatte mich gerettet und für mich war er kein Feind sondern eher sowas wie ein Held.

Er ist der erste der mich gerettet hatte. Er ist zwar noch nicht so lange hier aber ich weiß, dass er mir nichts tun wird. Woher ich das weiß. Ich hab Jahre langes Menschenkenntnis. Und er benimmt sich nicht grade so als würde er mich genau so scheußlich wie alle anderen finden. Sonst hätte er mich auch nicht gerettet sondern wie jeder andere ignoriert.

Lion blieb vor mir stehen und sah mich einfach nur an. Genau wie ich ihn.

"Willst du noch in Unterricht," fragte er mich nach einer Weile.

Doch ich antwortete kopfschüttelnd:" Nein, außerdem musst du versorgt werden."

"Ich glaube das schaffe ich gerade noch selber."

Ich schüttelte wieder meinem Kopf:" Du hast mich gerettet also darf ich doch verarzten, schließlich bin ich dran schuld."

"Nein du bist nicht dran schuld."

"Doch bin ich. Lass es mich wieder gut machen," als Lion mir gerade widersprechen wollte sagte ich," kein Widerspruch."

"Na schön. Ich komme mit"

Ich führte ihn zur Bushaltestelle, zu der wir schweigend neben einander her gingen. Als wir angekommen waren setzten wir uns auf die Bank, die in dem Häuschen stand und schwiegen. Nach einer Weile des schweigens fragte mich Lion:" Warum hasst Shawn dich eigentlich?"

Er hatte seinen Kopf zu mir gedreht und sah mich an. Ich wollte und konnte aber nicht darüber reden da ich Lion kaum kannte, deshalb schüttelte ich einfach nur den Kopf und sah auf den Boden. Dieser war gerade spannender als in Lion's mitleidige Augen zu sehen. Mitleid ist garde das einzige was ich nicht gebrauchen kann.

Also Lion merkt, dass ich nicht antworten werde redet er einfach weiter "Wie auch immer, ich schätze mal wir gehen heute zu mir ?"

Ich schüttelte den Kopf und sagte zu Lion:" Kommt gar nicht in Frage wir gehen zu mir du hast schon genug gutes heute getan."

Lion schnaubte ergeben und folgte mir in den Bus, der in der Zwischenzeit angekommen war. Wir setzten uns auf einen zweier Platz.Die Fahrt zu mir nach hause saßen wir schweigend nebeneinander. Jeder hing in seinen Gedanken. An der Haltestelle angekommen, bei der wir auf der Hinfahrt eingestiegen sind, stiegen wir aus. Lion sah mich kurz prüfend an und folgte mir dann als ich den Weg zu mir nach hause anstrebte. Ich hoffe bloß dass meine Mutter nicht da ist. Wäre sie da dürfte ich Lion nicht zu mir nach hause nehmen. Still vor mich hin betend kamen wir dem Haus, in dem ich momentan lebte näher. Ich hielt die Luft an.

"Bitte lass den silbernen Golf nicht da sein," betete ich in meinem Kopf immer und immer wieder. Als wir die Einfahrt hoch liefen sah ich dass die Garage offen war und meine Mutter somit noch nicht zu Hause war. Ich merkte wie sich mein Körper entspannte. Wenn sie nicht da war konnte sie mein Leben nicht ruinieren und meinen neuen, der auch einer der ersten Freunde ist, verscheuchen.

Gemeinsam liefen wir auf die Haustür zu,die ich mit dem Haustürschüssel öffnete. Lion blieb in der Tür stehen und mustert das Haus skeptisch.

"Komm doch rein," sagte ich zu ihm als er sich nach einer weile immer noch nicht bewegte. Irgendetwas scheint ihm hier nicht zu gefallen. Während er seine Jacke und Schuhe auszog sah ich mich selber um. Was ich sah war Alltag für mich. Der Alkohol der rumstand und getrunken werden wollte, die Chipstüten, die sich im Wohnzimmerschrank tummelten, die alten schäbigen Möbel, die meine Mutter einfach nicht erneuern will und die große Wanduhr. Eigentlich nichts ungewöhnliches. Lion schien das anders zu sehen. Auch als er fertig war mit Sachen ausziehen bewegte er sich kein Millimeteter.

"Ist etwas komisch an dem Wohnzimmer oder warum starrst du es die ganze Zeit so komisch an?" fragte ich Lion, der kurz zusammen zuckte und mich dann an sah.

" Es liegt nicht an dem Wohnzimmer... Ich war nur gerade in Gedanken," meinte Lion, woraufhin ich verstehend nickte.

"Darf ich fragen über was du nachgedacht hast?

Lion seufzte und meinte dann:" Das ist jetzt nicht so wichtig."

Ich versuchte mir nicht an merken zulassen wie enttäuscht ich war, wobei ich aber kläglich scheiterte. Ich gab Lion zu verstehen mir in mein Zimmer zu folgen wo sich einiges an Verbandszeug befand, dass ich im laufe der Jahre dort gebunkert hatte.


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