Kapitel 6

»Warte, was bitte? Meinst du das gerade ernst? Du forderst uns auf, Heinemännchen, das Prinzchen, in Ruhe zu lassen?«

Karsten blickte in die Runde seiner Freunde. Die anderen sahen ebenso überrascht aus, als Marius mit der Bitte um die Ecke kam. Sie hatten gerade Mittagspause und lungerten an ihrem üblichen Treffpunkt auf dem Schulhof herum. Ralf und Dennis rauchten heimlich und kamen sich cool dabei vor, obwohl die Lehrer das Qualmen duldeten, solange man mindestens sechzehn war, und den Jungen deswegen gar keinen Stress machen würden. Franziska und Jessica knabberten desinteressiert an ihren Lunchpaketen und Marius kam sich wie der Trottel vom Dienst vor, weil ihn seine Freunde so ansahen.

»Ja, das ist mein Ernst. Das ist langsam nur noch langweilig, ständig irgendwelche dämlichen Streiche zu spielen. Aus dem Alter sind wir raus. Außerdem ...«

»Außerdem was?«

Marius seufzte. »Ich hab ihm gesagt, dass ihr, wir, wie auch immer, ihn in Ruhe lassen. Dafür geht er nicht zum Direx und kackt euch wegen der Klamottensache an. Ihr wisst, dass ihr dann alle einen Freiflug bekommt ... und vielleicht ne Anzeige. Ihr kennt doch den alten Friedrich. Der fackelt nicht lange, wenn der das rausbekommt und dann setzt es für uns alle mehr als nur Hausarrest.«

Ralf zog verrotzt und eklig die Nase hoch, bevor er auf den Boden spuckte, um den Kippenqualm loszuwerden, der sich im Hals festgesetzt hatte. »Dann bekommt Heinemännchen eins drauf, wenn er uns anscheißt. Der versteht auch keinen Spaß mehr. Und du auch nicht, Alter. Ich hätte gedacht, du findest das geil.«

Unwirsch den Kopf schüttelnd erwiderte Marius: »Es ist nichts komisch daran, jemanden nackt irgendwo zurückzulassen und wenn du mal nachdenkst, wirst du mir zustimmen. Hättest du das lustig gefunden, wenn du so hättest rumrennen müssen, ständig Schiss davor, dass jemand deinen krummen Schwanz zu Gesicht bekommt? Das grenzt an Körperverletzung, das ist kein Spaß mehr, Mann. Und Daniel eine zu verpassen, ist das erst Recht. Auf so was lasse ich mich nicht ein.«

Einmal mehr sein wieherndes Lachen lachend, guckte Ralf zu den anderen. Marius konnte sehen, dass eine Spur Unsicherheit auf seinem Gesicht war, die sich sicher auf die Aussage mit dem ‚krummen Schwanz’ bezog. Sein Kumpel hoffte sicher, dass die Mädels das nicht gehört hatten. Aber so etwas bekam man eben nach dem Sportunterricht zu sehen, wenn man unter der Dusche stand.

»Mit mir macht ja so was auch keiner, ich bin ja kein Opfer ... Daniel«, flötete Ralf sarkastisch, »allerdings ist eins. Und wenn er meint, dass Papi ihm da hilft, dann erst Recht.«

Dennis und Karsten pflichteten ihm bei, während die Mädchen eher aussahen, als hielten sie sie alle für bescheuert. Marius seufzte innerlich. Vielleicht waren Weiber in ihrem Alter tatsächlich vernünftiger.

Halb schnaubend, halb seufzend wandte sich der dunkelblonde Junge schließlich ab, setzte sich auf die Tischtennisplatte und zuckte mit den Schultern. »Ich hab’s dir nur gesagt, Alter. Mich kannst du künftig aus solchen kindischen Aktionen raushalten.«

»Seit wann rennst du rum und puderst dem Prinzen den Hintern, Marius?« Karsten, der auf einem Strohhalm herumkaute, guckte skeptisch, während Ralf sich eine neue Zigarette ansteckte.

»Ich pudere niemandem irgendwas. Ich sehe nur kein Problem in ihm und ich will keiner dieser Intelligenzkrüppel sein, die andere niedermachen müssen, um sich selbst groß zu fühlen. Ich lebe mit einem solchen Menschen zusammen und ich brauche das bei meinen Freunden nicht auch noch!«

Die Jungen, auch Ralf, sahen für einen Moment betreten aus. Marius hatte Recht, oder nicht? Sie alle hatten mehr oder weniger schwierige Verhältnisse zu den eigenen Eltern oder wenigstens einmal in ihrem Leben bereits die Erfahrung gemacht, von jemandem geschlagen oder gemein behandelt worden zu sein. Sie alle wussten, wie klein und machtlos man sich dann fühlte. Aber andererseits ... Daniel sah doch auf sie alle herab, weil er sich selbst so toll vorkam ... da hatte er es doch verdient, dass man ihm zeigte, dass das nicht so war.

Dennis, der immer eher ruhig war, sprach genau das aus, was Marius dazu brachte, genervt die Augen zu schließen und dagegen zu halten.

»Nein, Mann ... nicht im Geringsten. Wie sollte er sich so vorkommen, wenn er von allen Seiten nur fertig gemacht wird? Er hat ja nicht mal jemanden, der ihn verteidigt. Seine angeblichen Freunde schweigen wie die Fische, wann immer etwas passiert. Ach, ihr checkt es nicht. Lasst es einfach. Das ist scheiße und ich bin kein Mobber. Ich will damit nichts zu tun haben.«

»Findet ihr nicht, dass Marius wie jemand klingt, der seine Freundin verteidigen will?« Franziska, die zu sehr anzüglichem Humor neigte und außerdem eine exhibitionistische Ader hatte, was sich in unangemessenen Outfits zeigte, grinste frech und alle wandten sich zu ihr um. »Er klingt, als wäre er in Heinemännchen verknallt! Wie er ihn in Schutz nehmen will ...« Sie lachte, die Jungen schauten irritiert und der dunkelblonde Jugendliche fühlte eine schmerzhafte Hitze in seinem Bauch und seiner Brust, die ihn zu versengen drohte. Er hoffte, dass sich diese nicht als Röte auf seinem Gesicht zeigte.

»Alter ... Marius ist doch keine Tunte, Mann«, protestierte Ralf.

»Genau ... ihhhh«, pflichtete Dennis bei und Karsten nickte. Jessica lächelte irgendwie versonnen und betrachtete Marius’ Gesicht, als würde ihr der Gedanke gefallen.

»Ja ... er war immerhin mit Janine zusammen ...«, warf Karsten ein.

»Das war vor über zwei Jahren«, argumentierte Franziska. »Seitdem hatte er keine Freundin mehr ... und auch sonst nichts.«

Marius starrte das hellblonde Mädchen an und zog die Stirn kraus. »Nur weil ich Nein gesagt habe, als du beim letzten Zelten mit mir vögeln wolltest, muss ich noch nicht schwul sein ...«

Die anderen Jungen jaulten los, Jessica machte ein überraschtes Gesicht und Franziska sah sehr böse aus. »Danke, du Penner. Schrei’ es über den ganzen Schulhof! Schwuchtel!«

»Schlampe. Du siehst, ich kann das auch.«

»Ihr könnt mich doch mal, ihr Idioten«, fauchte Franzi, schnappte sich das andere Mädchen in der Gruppe und zog unter einem »Na einer wollte schon mal nicht!« von Ralf wutschnaubend ab. Die Jungs lachten noch immer und scharrten sich um ihren Kumpel.

»Wollte sie echt mit dir bumsen?«

Der dunkelblonde Jugendliche nickte. Unter normalen Umständen hätte er Franziskas Anmachversuch für sich behalten, denn es war sicher blöd gewesen, einen Korb zu kriegen. Doch er stand nicht drauf, wenn man ihm irgendwas unterstellte, nur weil er vielleicht nicht das tat, was andere hormongesteuerte Teenager machen würden. Hätte sie einen der anderen Jungs angemacht, hätte sie ihr Abenteuer in dieser Nacht bestimmt bekommen. Ralf, Karsten und Dennis schienen nur aus Geilheit zu bestehen und sabberten jedem Mädchen hinterher, das sichtbare Brüste hatte und einigermaßen gut aussah. Die würden jede mit ins Bett nehmen, die ihnen Sex anbieten würde. Marius fand das oberflächlich, aber es würde nichts bringen, den Jungs das zu sagen. Die wollten keine Liebe, die wollten Druck abbauen.

Und doch ließen ihn Franziskas Worte nachdenken. Er verteidigte Daniel, damit hatte sie Recht. Und er wollte nicht, dass seine Freunde diesen weiter beleidigten, dumm anmachten oder ihm gemeine Streiche spielten. Das hatte sicher damit zu tun, dass er, Daniel, sie alle in der Hand hatte mit der Klamottenaktion. Andererseits hatte er keine Zeugen außer Marius und seinen Freunden, also würde Aussage gegen Aussage stehen. Daniel hatte eigentlich nichts gegen sie vorzuweisen. Es könnte ihm, Marius, egal sein.

Doch das war es nicht. Lag es daran, dass er gesehen hatte, was diese Streiche mit Daniel machten? Dass er einen Nervenzusammenbruch erlitten und fürchterlich geheult hatte wegen den ganzen Gemeinheiten? Zuvor war sich Marius nie bewusst gewesen, dass diese Dinge etwas sein könnten, was Daniel verletzte. Sie hatten einfach nicht daran gedacht. Konnte er tatsächlich so dämlich gewesen sein, das zu vergessen? Er, der sein Leben lang unter seinem alten Herrn gelitten hatte, der keine Gelegenheit ausgelassen hatte, um ihn zu erniedrigen, ihm Kummer zu machen, Träume und Hoffnungen zu zerstören und sein Ego kleinhalten zu wollen?

Marius wurde kalt. Er war, ohne sich dessen bewusst zu sein, die ganze Zeit genau wie sein Scheißkerl von Vater gewesen. Der Teenager hatte, wenn auch nicht selbst verbrochen, immer zugelassen, dass seine Freunde Daniel schikanierten, der sich vermutlich die ganzen Jahre genauso gefühlt haben musste wie Marius seinem Alten gegenüber. Die Erkenntnis traf ihn hart.

»Warum hast du sie nicht genommen? Angst, dir was einzufangen? Weiß ja keiner, wer an ihr schon dran war«, riss die Stimme von Ralf den Jugendlichen aus seinen Gedanken.

»Wie? ... Äh ... ich hatte keinen Bock«, stotterte er und schüttelte leicht den Kopf.

»Aber du bist nicht schwul, oder?« Dennis sah aus wie jemand, der kurz davor stand, sich gegen einen Dämon zu bekreuzigen.

»Neee ...«, murmelte Marius und war noch nie so froh gewesen, die Klingel zu hören, die das Ende der Pause anzeigte. Er hatte keinen Bock mehr, darüber zu reden und sich Spekulationen und Bekundungen des Ekels anzuhören über etwas, das er mit sich selbst ausmachen musste.

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»Ich hab’s mir überlegt ...« Ralf stoppte nach der Stunde vor Marius.

»Was?«

»Na quasi als dein Stellvertreter muss ich auf deiner Seite sein und deine Entscheidungen unterstützen. Was Heinemännchen angeht ... und wenn du meinst, er ist in Ordnung, denke ich, geben wir ihm halt eine Chance. Wenn er ein Penner ist, können wir ihm immer noch eins auswischen ...«

Der dunkelblonde Teenager schmunzelte. Sein bester Kumpel betrachtete ihre Gruppe von Freunden noch immer als eine Bande, weil sie sich in der Grundschule als eine bezeichnet hatten, um den Buchhelden ihrer Kindheit nachzueifern, Freunde fürs Leben zu bleiben und zusammen Abenteuer zu erleben. In dieser Bande war Marius stillschweigend zum Anführer auserkoren worden, obwohl der sich das nie ausgesucht hätte und nie verstanden hatte, warum sie ihn dafür wollten. Und da Ralf schon immer sein bester Freund gewesen war, war er eben der zweite Mann hinter ihm.

»Danke ...«

Der Junge mit dem auffallenden Überbiss lehnte sich an den Spind, in dem Marius seine Bücher verstaute. »Ich versteh’s zwar nicht, warum, aber du wolltest ihn schon früher immer mitmachen lassen. Hat das einen Grund? Ich dachte, dein Alter kann Friedrich nicht leiden?«

Der Jugendliche nickte. »Das kann er auch nicht. Aber deswegen muss ich Daniel nicht automatisch auch hassen. Keiner von uns muss das.«

»Daniel ... seit wann nennst du ihn so?«

»Seit er mich daran erinnert hat, dass er auch einen richtigen Namen hat. Ist eine Frage des Respekts.«

»Plötzlicher Sinneswandel ... sicher, dass du nicht am anderen Ufer gestrandet bist?«

Marius warf seinen besten Kumpel einen genervten Blick zu. »Alter ... es ist nicht alles immer irgendwas anderes. Manchmal ist Respekt nur Respekt und Rücksicht nur Rücksicht. Dafür muss ich nicht verknallt sein in irgendwen. Franziska war doch nur angepisst, dass ich ihren Flop ausgeplaudert habe.«

»Ziemlich wirksam sogar ... Ich hab immer noch Kopfkino. Ich wünschte, sie hätte mich gefragt, ich hätte sie durchgebügelt, das glaub mal ...«

Ein Grinsen breitete sich in dem Gesicht des Förster-Jungen aus. Sein Kumpel spuckte große Töne, aber in Wahrheit war er genauso noch Jungfrau wie Marius und hätte vermutlich alles eingesaut, bevor es überhaupt richtig losgegangen wäre.

»Dann such dir ne Freundin.«

»Pfff ... hier gibt es keine ...«

»Nope ... weil alle Mädels zwischen Lengwede und Nussdorf auf wundersame Weise verschwunden sind«, lachte Marius, stoppte, fokussierte eine Schülerin zwei Meter vor ihnen, zeigte mit dem Finger auf sie und pfiff. »Oh, ich habe mich getäuscht. Da schau, eins der letzten Exemplare. Fang sie, Indie!«

Das Mädchen hob irritiert den Blick und sah zwischen den beiden Jungen hin und her. Marius grinste sie entschuldigend an und schob seinen besten Kumpel an ihr vorbei. »Keine Sorge, der hat nur noch nie ein echtes Mädchen gesehen«, flachste er zu ihr. Sie lächelte und der dunkelblonde Junge schob Ralf aus dem Gebäude.

»Mal daran gedacht, dass du entweder zu hohe Ansprüche hast oder Tomaten auf den Augen?«

»Das sagst du? Janine ist megaheiß, heute noch mehr, und du hast sie abgeschossen.«

»Weil sie genervt hat. Keine Minute hatte man Ruhe, die wollte ständig knutschen«, murrte Marius und rollte mit den Augen.

»Na und? Dann hättest du bestimmt auch bald ran gedurft!«

»Mann, es geht doch nicht nur darum, ey. Ich bleib doch nicht mit jemandem zusammen, der mir auf den Sack geht und der mir so egal ist wie ein Fliegenschiss. Eigentlich mag ich sie nicht mal. Sie ist eine Tussi. Ich glaub, ich hab aus Neugier Ja gesagt damals. So was brauch ich nicht. Und dann ständig diese SMS, wenn man mal eine Weile nicht zusammen war ...«

»Okay, das klingt scheiße«, stimmte Ralf schließlich zu. »Fährst du heute mit dem Bus oder willst du wieder mit Heinemännchen nach Hause laufen?«

»Danke, einmal die Woche so ein Fußmarsch reicht vollkommen. Außerdem wäre ich dann heute dran mit Wasser und ich hab keins mehr ...« Er musste lächeln, während sein Kumpel verständnislos guckte, aber vergeblich auf eine Erklärung wartete, denn Marius schwieg.

Ralf war klar, dass ihm da ein Insider entgangen war. Einer, über den sich sein Freund offenbar ziemlich zu freuen schien. Das war schon echt komisch. Am Ende war Marius echt ne Tunte und würde bald Hand in Hand mit dem Heini durch die Gegend hüpfen. Na das konnte ja noch lustig werden. Aber Ralf hatte seinem Kumpel versprochen, Daniel künftig nicht mehr zu schikanieren und wenn er etwas sagte, dann tat er das auch.

Karsten und Dennis warteten bereits beim Busstopp und hatten sich auf einem guten Stück der hölzernen Balken ausgebreitet. Die jüngeren Schüler hielten eingeschüchtert Abstand, denn sie hatten irgendwie Angst vor den »Großen«, wie man die Schüler ab der zehnten Klasse nannte. Jessica und Franziska waren auch da, doch das hellblonde Mädchen hielt demonstrativ Distanz zu den Jungs, die eigentlich ihre besten Freunde waren. Offenbar zogen die sie ganz schön mit dem unmoralischen Angebot auf, das sie Marius gemacht hatte. Auf einem anderen Balken saßen weitere Mitschüler aus dem elften Jahrgang. Es berührte den dunkelblonden Jugendlichen sonderbar, Daniel dort sitzen zu sehen, seinen Rucksack zu Füßen, die Nase in einem Harry Potter-Buch, den Krach der Kinder um sich herum komplett ignorierend. Alles in Marius schrie sonderbar und er hoffte, dass der dunkelhaarige Junge aufblicken und ihn ansehen würde. Daniel musste es einfach tun, sonst würde er, Marius, sich gezwungen sehen, irgendeine Aktion zu starten, um dessen Blick auf sich zu ziehen.

Doch als würde dieser das stumme Schreien wahrnehmen können, hob er tatsächlich den Kopf und seine smaragdgrünen Augen trafen auf die nussbraunen von Marius. Diesem wurde warm und etwas, einem Stromschlag gleich, pulsierte durch seinen Körper und ließ sein Herz hüpfen. Er musste lächeln, folgte einem uralten und nicht steuerbaren Reflex und ein ungekanntes, leises, aber sehr erfüllendes Glücksgefühl durchströmte ihn, als er sah, dass auch Daniel lächeln musste. In diesem Moment war alles still und es fühlte sich an, als gäbe es nur sie beide. Doch jäh und schnell verging er wieder, als Ralf Marius zu den anderen zog und der Blickkontakt zu dem Dunkelhaarigen unterbrochen wurde.

»Na Franzi? Immer noch sauer?«, frotzelte der Junge mit dem Überbiss und setzte sich zu den anderen, während sein bester Freund unschlüssig und irgendwie benebelt stehen blieb.

»Pfff ... er hätte vermutlich eh keinen hochbekommen, weil ich kein Kerl bin«, schnappte Franziska und funkelte abwechselnd Ralf und Marius an. Dem war zwar unterschwellig bewusst, dass er gerade beleidigt worden war, aber das war ihm egal. Er war noch immer vollkommen paralysiert von diesem Moment, diesem Gefühl in ihm, dieser eiskalten und knallharten Erkenntnis, die ihn mit der Wucht eines Hammers getroffen zu haben schien, die er nicht fassen und noch weniger glauben konnte. Es konnte, es durfte nicht wahr sein. Warum jetzt? Was war jetzt anders als die ganzen letzten Jahre?

»Alter?« Ralf riss ihn aus den Gedanken und Marius sah sich desorientiert um.

»Hm, was? Äh ...« Der dunkelblonde Jugendliche sah Franziska an, ließ seinen Blick über ihren drallen, kurvigen Körper wandern, der Rundungen an den richtigen Stellen hatte, sofern man das denn mochte, und räusperte sich, um den Hals freizubekommen.

»Hoch bekommen vielleicht. Aber ich steh nicht so auf Fast Food und du bist mir ein bisschen zu leicht zu haben, sorry.«

Die Jungs grölten wieder einmal so, dass die Pausenaufsicht dazwischen brüllen musste und einige der jüngeren Schüler erschraken sichtbar. Marius hockte sich neben Ralf auf den Balken, seufzte und stützte seinen Kopf auf den Handballen. Er war plötzlich fürchterlich müde und ausgebrannt.

Daniels verstohlenen Blick, der auf ihm lag, spürte er dennoch. Und es fühlte sich gut an.



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