Kapitel 6

Verwirrt saß ich mit angezogenen Beinen im Bett und schlang meine Arme um meine Knie. In meinem Kopf herrschte reines Chaos. Alles was Duncan mir erzählte machte auf der einen Seite Sinn und auf der anderen trotzdem nicht. Was für ein Durcheinander! dachte ich und fuhr mir Müde mit den Händen durch meine wirren Haare.

„Ich weiß es ist schwer zu verstehen," drang Duncans sanfte Stimme an mein Ohr. Ich hob verwirrt meinen Kopf. War er nicht eben gegangen? Und warum gab er mir immer eine Antwort auf meine Gedanken? Sein Blick ruhte nachdenklich auf mir während er am Türpfosten lehnte. Müde schob ich den Gedanken beiseite.

„Es klingt einfach alles zu unwirklich," krächzte ich heiser.

Er nickte verständnisvoll. „Aber es ist Wirklichkeit und du bist in großer Gefahr solange wir nicht wissen warum die Vampire hinter dir her sind."

„Ich bin kein,- wie nanntest du es? -, Hybrid. Ich bin ein ganz normaler Mensch, Duncan. Vielleicht hatten sie einfach nur Lust auf mein Blut," murmelte ich gereizt.

„Erstens dürfen Vampire keine Menschen angreifen. Der Pakt besagt das sie sich nur von Spenderblut ernähren dürfen. Brechen sie diese Vereinbarung herrscht Krieg," erklärte mir Duncan lässig. „Zweitens rieche ich dich."

„Soll das heißen ich stinke?" schelte ich Duncan und zog ungläubig meine Augenbrauen hoch.

„Nein, ich... das wollte ich damit nicht sagen," ruderte er verzweifelt zurück.

„Was wolltest du mir damit dann sagen?"

„Das soll heißen das wir deinen Wolfsduft wahrnehmen," stellte eine dunkle Stimme im Hintergrund fest. Damon kam lässig durch die offene Tür und warf einen Blick auf mich. Ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Unser Dornröschen ist endlich wach."

„Dornröschen?" fragte ich verwirrt.

„Du hast fünf Tage geschlafen." Erklärte mir Duncan.

„Fünf Tage?"

„Ja und zwar in meinem Bett. Das heißt ich durfte fünf Tage lang auf dem Sofa schlafen. Danke nochmal dafür," knurrte Damon beleidigt.

„Tut mir leid," murmelte ich beschämt.

„Muss es nicht. Hulk ist einfach nur zu empfindlich," schnaubte Duncan belustigt.

„Ich habe die Rückenschmerzen, nicht du. Das nächste Mal schläfst du auf dem unbequemen Sofa, Zwerg," murrte Damon und funkelte Duncan wütend an. Der öffnete den Mund um zu protestieren.

„Warum habt ihr nicht mich auf das Sofa gelegt?" warf ich schnell ein um einen Streit zu verhindern. Fassungslos drehten sich die Beiden zu mir.

„Du warst verletzt. Wir konnten doch nicht eine verletzte Frau auf dem Sofa schlafen lassen," erwiderte mir Duncan und Damon nickte zustimmend.

„Das hätte ich nie mit meinem Gewissen vereinbaren können," fügte Damon hinzu.

„Was heißt ‚verletzt'? Ich war verletzt?" fragte ich ungläubig.

„Du hattest ziemlich schwere innere Verletzungen. Ein paar gebrochene Rippen, eine geprellte Wirbelsäule, dazu kam eine schwere Gehirnerschütterung," berichtete mir Damon kleinlaut.

Verdutzt saß ich auf dem Bett und starrte die beiden Männer an. In meinem Kopf drehte es sich. Zu viele Neuigkeiten waren auf mich eingeprasselt und mussten nun verarbeitet werden. Es fühlte sich an als würde ich gleich platzen, als wäre meine Haut mir zu klein. In mir kochte es. Hitze floss durch meine Ader und schien mich von innen heraus zu verbrennen.

Duncan beobachtete mich sorgenvoll während mich Damon mit neugieriger Miene betrachtete.

„Sie platzt gleich," stellte Duncan besorgt fest.

„Lass sie. Das soll sie auch, denn das bedeutet der Bann ist gebrochen," brummte Damon unbeeindruckt.

„Soll sie das ganze Haus abfackeln?"

„Der Bann muss brechen," antwortete er ruhig und trat langsam auf mich zu und setzte sich auf die rechte Seite des Bettes. „Skyler, richtig? Gib mir deine Hand."

Zitternd legte ich meine Hand in seine. Einige Sekunden herrschte völlige stille im Zimmer während Damon mit geschlossenen Augen meine Hand hielt als würde er in mir lesen. Dann öffnete er seine Augen wieder.

„Es ist so weit," murmelte er und seine grünen Augen brannten sich in meine. „Wir hatten Recht, Duncan: Sie besitzt die Macht des Feuerbändigens. Sie brennt förmlich innerlich, ich kann es spüren."

„Damon, wir können sie nicht hier im Haus lassen, wenn das Feuer aus ihr herausbricht."

„Wo willst du sie hinbringen, Duncan? Sie trägt nichts als ein altes T-Shirt von mir am Leib. Willst du sie so durch das Dorf scheuchen?"

„Aber...," begann Duncan seine Erklärung brach aber schnell wieder ab als er Damons desinteressiertes Gesicht sah. „Wie willst du das Ronan erklären?"

„Lass Ronan meine Sorge sein." Er wandte sich wieder an mich. „Nun, Skyler. Hör mir gut zu: Du musst dich entspannen. Das was du spürst ist die Macht die du in dir trägst, dass Feuer das in dir brennt und aus dir herauswill. Diese Kraft ist ungefährlich für dich, aber gefährlich für uns. Darum ist es besser du hörst auf mich und Duncan. Verstanden? Keine Angst, wir lassen dich nicht allein." Flüsterte er mir beruhigend zu und drückte dabei zärtlich meine kalte Hand. Ich nickte und versuchte mich zu entspannen in dem ich ruhig ein und aus atmete und meine Augen schloss.

„Was hast du vor?" hörte ich Duncan raunen.

„Nimm ihre andere Hand und hör auf blöde Fragen zu stellen," brummte Damon nur als Antwort.

Ich spürte wie sich das Bett auf meiner linken Seite senkte und eine warme Hand meine kalte umschloss. Ich spürte wie sich der Druck in meinem inneren langsam minderte und ich hatte nicht mehr das Gefühl als würde ich aus allen Nähten platzen. Die Hitze floss durch alle meine Gliedmaßen und ich fühlte mich als würde ich aus Feuer bestehen. Vor meinen geschlossenen Augen flackerten rote und orange Sprenkel. Überwältigt öffnete ich meine Augen. Zwei besorgte Gesichter betrachteten mich.

„Damon, lass sie los," warnte ihn Duncan besorgt.

„Es ist noch zu früh," widersprach dieser.

„Willst du wie ein Hähnchen gegrillt werden?"

Damon brummte missmutig und ließ zaghaft meine Hand los. Langsam stand er auf und entfernte sich von dem Bett verlies aber nicht das Zimmer.

„Okay, Sky. Keine Sorge. Wir bekommen das hin ohne das du das ganze Dorf abfackelst," beruhigte er mich und wandte sich schließlich wieder an Damon. „Damon, hol schnell eine große Kerze."

„Woher soll ich jetzt eine große Kerze bekommen?" erkundigte sich Damon verdutzt.

„Bei so viel Frauenbesuch wie du immer hast, dachte ich eine wird schon auf Romantik stehen," witzelte Duncan.

„Sehr lustig, Duncan. Was für ein Scherzbold du doch bist," fauchte Damon und verlies verärgert das Zimmer.

„Habe mich wohl geirrt," stellte Duncan ironisch fest.

„Hulk steht nicht auf Kuscheln. Gecheckt," hauchte ich heiser und konnte mir kein Grinsen mehr verkneifen. Er erwiderte mein Lachen.

„Bring der Kleinen keinen Scheiß bei, Duncan," fluchte Damon verärgert als er mit einer großen weißen Stumpfkerze das Zimmer betrat. „Am Ende hat sie noch ein vollkommen falsches Bild von mir." Mit einem ärgerlichen Seitenblick auf seinen Freund reichte er mir die Kerze und zog sich wieder wachsam zurück in eine der hinteren Ecken des rechteckigen Zimmers. Seine dichten schwarzen Augenbrauen hatte er sorgenvoll zusammengezogen und er kaute nachdenklich auf seiner Unterlippe. Meine Augen wanderten zu Duncans die mich genauso nervös betrachteten. Er atmete tief durch und nickte mir auffordernd zu.

„Bereit?"

„Habt ihr das schon mal gemacht?" entfuhr es mir besorgt.

„Nein," antworteten mir beide wie aus einem Mund.

„Aaber... Was ist, wenn etwas passiert?" geschockt blickte ich von einem zum anderen. Innerlich verkrampfte ich mich. Ich spürte wieder wie sich der Druck aufbaute und mir wurde schwindelig.

„Nein. Hör mir zu, Kleine." Damon eilte zum Bett und packte meine Hand in der ich immer noch die Kerze hielt. Sanft hob er mit der anderen Hand mein Kinn so, dass ich gezwungen war in seine leuchtend Grünen Augen zu schauen. „Schau mich an. Wir werden nicht zulassen, dass irgendjemanden was passiert. Wir sind die Hüter. So nennt man uns in der magischen Welt. Und du bist eine von uns. Ein Teil unseres Rudels, genau wie Duncan. Wir halten zusammen. Wir sind eine Familie. Also hab keine Angst und vertrau uns. Lass los. Entspann dich, und hör auf Duncan." Langsam ließ er meine Hand los und trat einen Schritt zurück.

Ich nickte zaghaft und entspannte mich wieder. Hitze floss durch meine Adern in die letzten Winkel meines Körpers und füllte mich innerlich aus. Ein Roter Schein flackerte vor meinen Augen. Mein Blick wanderte von den leuchtend Grünen Augen zu den leuchtend karamellfarbenen von Duncan.

„Hat das Feuer dich ausgefüllt? Spürst du es in jedem Winkel deines Körpers?" fragte er mich. Ich nickte wahrheitsgemäß.

„Dann nimm jetzt die Kerze und halte sie mit gestrecktem Arm gerade vor dich. Konzentrier dich auf den Docht. Sie ihn vor dir wie er brennt. Kannst du die Flamme sehen? Kannst du es dir vorstellen?"

Ich konzentrierte mich auf den weißen Docht der Kerze, stellte mir vor wie ihn die Flamme entzündete und dann flackernd brannte.

„Gut. Jetzt lass es Wirklichkeit werden. Lass das Feuer los."

Schlagartig entspannte ich mich und öffnete meinen Mund. Ein Hauch heißer Luft verließ meinen Rachen und ließ den Docht der Kerze zitternd entflammen. Der Druck und die Hitze in meinem inneren verschwanden mit einem Schlag.

Verblüfft sah ich auf mein Werk. Die Kerze brannte. Heiß leckte die Flamme an dem Wachs der Kerze und färbte den einst schneeweißen Docht kohlschwarz.

„Du hast es geschafft. Ich bin stolz auf dich." Lobte mich Duncan lächelnd und zwinkerte mir aufmunternd zu. Damon grinste nur und nickte anerkennend.

„Eine weitere Feuerbändigerin in unserem Rudel. In den Zeiten die auf uns zukommen werden wir es nicht bereuen." Knurrte er anerkennend. Duncan seufzte als Antwort. Fasziniert beobachtete ich wie ein Wachstropfen über die glatte Seite der Kerze hinunter floss und fragte mich, wo mein Weg mich jetzt wohl hinführte.


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