Kapitel 7

„Gideon, nicht bummeln!“, rief Fay, die bereits am Waldrand stand. „Ich pflücke nur noch diese Beeren“, entgegnete ihr Zwillingsbruder und nahm eine Hand voller Beeren von einem Strauch. „An deiner Stelle würde ich sie lassen“, Aragon schob sich an dem Tokklin vorbei. „Warum diese violetten Beeren mit den Flecken sehen doch ganz geniessbar aus?“, Gideon wollte sich eine ins Maul schieben, aber Aragons schlug sie ihm aus der Hand. „Bloss nicht, das sind Wieringsbeeren, die verschaffen dir Blähungen und füllen deinen ganzen Magen mit Luft. Oder möchtest du welche haben?“ Gideon grunzte, tat so als würde er sie im nächsten Efeugewächs entsorgen, steckte sie sich jedoch aber in die Hosentaschen. Wer weiss, vielleicht brauch ich sie eines Tages für einen Streich!                                                                                                

„Wohin geht es eigentlich zum Düsterwald?“ Meleficent stand auf einem Felsen und erkundete die Landschaft. Weiter abwärts standen die Tannen dichter und ein rötliches Gras bedeckte den Boden. „Wir müssen einfach diesem Weg folgen“, Aragon schlug einen Pfad ein, der einen Abhang hinunter führte. Fay folgte ihm wie ein Hündchen und Gideon schloss sich ihnen an. „Warum bist du dir da so sicher? Bist du etwa hier aufgewachsen?“ Meleficent lief Aragon nach. „Nein, aber ich bin diesen Weg gekommen und ich weiss wo der Düsterwald liegt, also werde ich wohl den Weg wissen“, entgegnete er mit hocherhobenem Haupte. „Ja, Boss, fragen darf man ja noch stellen“, schnaubte sie und verschränkte die Arme vor der Brust. „Sie ist nicht besonders erfreut, wenn jemand etwas besser weiss als sie“, klärte Aragon Fay über ihr Verhalten auf. Meleficent, die alles gehört hatte, rempelte ihn mit der Schulter an und stakste an ihm vorbei. „Morobojab!“, fluchte sie auf Altwaldelfisch, was Scheisskerl bedeutete. Obwohl Meleficent eigentlich nicht Altwaldelfisch sprach, kannte sie einige Schimpfwörter. „Ich glaube, dies hat sie gehört!“, bemerkte Fay und verzog die Lippen. „Weisst du, was Morobojab bedeutet?“, Aragon kratzte sich am Kopf. „Ach, das ist jetzt nicht so wichtig“, meinte Fay, die das Schimpfwort verstanden hatte und eilte Meleficent nach.

„Dieses Ekel! Seinetwegen bin ich hier und ich werde andauernd vom ihm herumkommandiert! Dabei möchte ich doch einfach nur nachhause“, stöhnend überquerte Meleficent einen kleinen Bach, wo ein Felemerix Wasser trank. Das rote Tier mit der Hundeschnauze und einem Eichhörnchenschweif schreckte auf und ergriff die Flucht, als Meleficent im Selbstgespräch durch das Gebüsch stampfte. „Meleficent, warte“, Fay erschien mit Kletten im Zopf aus dem Unterholz. Meleficent hatte eigentlich nicht Lust mir ihr zu reden, wollte aber auch nicht weglaufen. „Das hat Aragon vorher doch nicht so gemeint“, Fay legte ihr die Hand auf die Schulter. Meleficent blieb stehen und schnaubte: „Was weisst du schon von Aragon! Was weisst du schon von Schattenelfen! Du kennst ihn und seine Sippe nicht einmal!“ „Das stimmt“, verteidigte sich Fay. „Aber wir unternehmen doch zusammen eine Reise um Yjades zu besiegen und deshalb sollten wir uns alle gut vertragen.“ „Weisst du was, ich überlege mir gerade, ob ich alleine weiter reisen sollte. Aragon wird sich bestimmt freuen“, knurrte Meleficent. Fay schüttelte den Kopf und sprach: „Ich weiss, dass Schattenelfen manchmal unhöflich sind aber sie brechen auch nicht ihr Verspechen. Er weiss, dass er Schuld an der Entführung des Einhornes ist und er wird sie begleichen müssen.“ Meleficent seufzte und vergrub die Hände im Gesicht. Sie wusste, dass Fay alles versuchen würde, Frieden in dieser Reisegruppe zu schaffen, damit sie ein unvergessliches Abenteuer mit ihrem Bruder erleben konnte. „Fay, du hast einfach ein gutes Herz und möchtest immer aus allem das Beste machen“, Meleficent beugte sich vor und umarmte sie. Ich glaube, ich habe eine erste Freundin gefunden, die nicht elfisch ist!                                                                                                                                     „So bin ich eben“, zwinkerte das Tokklinmädchen. „Bringst du mir Bogenschiessen bei?“, fragte sie dann. Meleficent war überfordert von diesem Wirbelwind und schüttelte den Kopf. „Dafür bräuchtest du einen Bogen.“ „Aber wenigsten Dolchschiessen“, bettelte sie weiter. „Meinetwegen, wenn wir Zeit haben“, willigte Meleficent ein. Als sie Gideon und Aragon bei Flussufer entdeckte, verfinsterte sich ihre Mine wieder und sie knetete vor Wut ihre Finger in der Handfläche. „Jetzt komm schon, sei freundlich“, wisperte ihr Fay zu. Meleficent seufzte und gesellte sich zu ihren Reisegefährten, die eben den Fluss überquert hatten. „Ich denke, wir müssen geradeaus, nicht wahr Aragon?“, fragte sie, als ob Aragon ihr bester Freund wäre. Aragon nickte und zog die Brauen hoch. Eigentlich hätte er eine Standpauke von ihr erwartet.

„Möchtest du noch ein bisschen vom  Knallbohneneintopf?“, fragte Gideon Meleficent. „Ein bisschen“, Meleficent erhob sich von dem Baumstamm und reichte Gideon den Teller. Der Tokklin schöpfte aus dem Kessel, den er mitgenommen hatte, den Eintopf auf Meleficents Teller. „Schmeckt es dir Fay?“, fragte Meleficent, als sie zum Baumstamm zurückkehrte und sich neben ihr niederliess. „Na ja, Gideon ist nicht der beste Koch, doch ich liebe Knallbohnen!“ Sie schob sich einen Löffel Bohnen ins Maul und vergnügte sich über die Explosion auf ihrer Zunge. „Da muss ich dir zustimmen. Seine Kochkunst könnte ihr noch verbessern“, kicherte Meleficent mit gedämpfter Stimme. Gideon verdrehte die Augen und ignorierte das Getratsche. „Bringst du mir eigentlich jetzt Dolchschiessen bei, bis die Sonne untergegangen ist?“ Fay setzte den Teller auf die Erde. Meleficent nickte und nahm ihren Bogen in die Hand. „Wohin geht ihr, wenn ich fragen darf?“, wollte Aragon wissen, der seine Schwertklinge mit einem Stein schlief. „Wir gehen üben“, informierte sie den Schattenelf, wartete aber nicht auf einen Einverständnis und verschwand mit Fay hinter den Buchen.

„Diese Männer denken schon immer, dass sie uns alles verbieten können. Wir sind doch keine Kinder mehr“, murmelte Meleficent, während sie ins Holz einer Erle ein Trefffeld mit Fays Dolch hineinschnitzte. Fay zuckte mit den Schultern. „Also ich werde immer so behandelt.“ Meleficent rutschte vor Empörung mit dem Dolch aus. „Also, wenn ich dich wäre, hätte ich mich schon längst durchgesetzt!“, konterte Meleficent. „Du bist aber auch eine Elfe. Elfen leben oft alleine und sind deswegen eigensinniger als Tokklins“, meinte Fay. „Das musst du selber wissen aber niemals würde ich mich von Aragon unterdrücken lassen“, Meleficent reichte ihr den Dolch. „Du und Aragon, mir scheint, ihr habt einige Probleme miteinander“, bemerkte Fay mit einem Lächeln. „Ja, einige und jetzt pass auf.“ Meleficent nahm einen Pfeil und spannte ihn in den Bogen. Sie richtete den Arm in den Abschusswinkel und zielte auf den innersten Kreis im Zielfeld. „Aber was ist denn so schlimm an seinem Charakter?“, bohrte Fay nach, die sich gar nicht mehr auf den Unterricht konzentrierte. Meleficent verengte die Augen. Sie mochte es gar nicht, wenn sie mit diesen Fragen durchlöchert wurde. „Er ist ein Kotzbrocken mit einem schwerstörenden herrischen Verhalten!“ Sie schoss den Pfeil ab und traf  genau in die Mitte, dass Fay sprachlos wurde und das Thema vergass.

„Du und Meleficent, habt ihr  irgendein Problem miteinander?“, fragte Gideon und wusch den Topf bei einem Bach aus. Aragon, der seine Schwertklinge nach dem Schleifen putze, schnaubte: „Sie ist eben eine Waldelfe.“ „Und wie sind Waldelfen?“, Gideon entfernte mit seinem Finger die Essresten, die sich nicht von dem Topf trennen wollten. „Sie sind total eingebildet und eitel, aber Meleficent ist ausserdem eine Elfe mit einem schwerstörenden Zickigkeitsproblem!“ „Aber Meleficent ist eine gute Schützin“, bemerkte Gideon und verstaute den Topf in seinem Reisebeutel. Aragon nickte: „Ja, Waldelfen sind mit ihrem Pfeilbogen unglaublich geschickt in der Jagd und im Kampf.“ „Und sie sehen auch gut aus“, ergänzte Gideon und schürte den Beutel mit einer Schnur zu. Aragon knuffte ihm in die Rippen. „Die ist doch etwas zu alt für dich. Wie alt bist du eigentlich?“ „Neunundzwanzig“, sagte Gideon. „Und deine Schwester, ist sie älter?“, fragte Aragon und setzte sich auf den Baumstamm neben dem Lagerfeuer, wo noch Rauch aus der Asche stieg.  „Wir sind doch Zwillinge“, erinnerte ihn Gideon. „Oh, das habe ich vergessen“, entschuldigte sich Aragon. „Und wie ist euer Verhältnis zueinander?“, stellte der Schattenelf die nächste Frage. Gideon kräuselte seine Lippen. „Manchmal sind wir ein Herz und eine Seele und manchmal sind wir zwei Streithähne, die sich gegenseitig den Hals umdrehen wollen.“

„Klemme den Dolch immer zwischen zwei Fingern und ziele mit ihm etwa bei Ohrenhöhe nach deinem Gegner“, riet Meleficent dem Tokklinmädchen. Fay nahm einer ihrer Dolche und zielte bei Ohrenhöhe auf das Zielfeld. Kraftvoll warf sie den Dolch in Richtung Baum. Der Dolche flog durch die Luft und traf den zweitinnersten Ring des Feldes. „Nicht übel“, Meleficent huschte zur Buche und zog den Dolch aus der Borke. „Ich habe gehört, dass sich diese Dolche immer der Wärme orientieren, also wirst du wohl kaum ein Ziel verfehlen, ausser du zielst einige Meter daneben.“ „Oder mein Opfer ist ein kalthäutiger Vampir“, scherzte Fay.

Nach einer Nacht unter dem Sternenhimmel reisten die vier bei Morgengrauen weiter und kamen in eine Gegend, wo Bäume bereits in Vergessenheit geraten waren. „Das ist ja eine öde Landschaft. Es gibt nicht einmal einen einzigen Baum“, bemerkte Meleficent und betrachtete die verkümmerten Pflanzen. „Du vermiest bestimmt schon jeden einzelnen Baum in deinem Wald“, flötete Aragon. Meleficent schnaubte: „Möchtest du mich wieder beleidigen?“ Aragon öffnete das Maul, aber ein Heulen hallte über die Steppe und raubte ihm die Worte. „Was hast du?“, fragte Gideon, als Aragon keinen Ton mehr über die Lippen brachte. „Habt ihr denn dieses Heulen nicht gehört?“, wollte Meleficent wissen. „Nein“, Fay schüttelte den Kopf. „Elfenohren sind bekanntlich schärfer.“ Das Jaulen rollte erneut aus irgendeiner Kehle und dieses Mal hörten es auch die Tokklins. „Waaas ist das?“, stotterte Fay. „Ich ahne schlechtes. Haltet eure Waffen bereit“, Aragon zückte sein Schwert. Angst schnürte Meleficents Kehle zu, bei dem Gedanke, was hinter dem nächsten Hügel lauern würde und spannte mit zitternder Hand einen Pfeil in den Bogen. „Wir könnten doch auf die nächsten Bäume“, schlug Gideon vor. Dabei ging es ihm am meisten darum einem Kampf aus dem Weg zu gehen. „Die nächsten Bäume sind Meilen von uns entfernt, Dummkopf!“, bemerkte seine Schwester. „Ich wollte nur einen unblutigen Ausweg finden“, zischte er zurück. „Indem du zeigen möchtest, wie erwachsen du bist, bist du aber nicht. Du bist ein Angsthase!“ „Hört auf zu streiten! Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt für Machtspiele!“, schrie Meleficent, zog Fay den Dolch aus dem Gürtel und drückte ihn ihr in die Handfläche. „Oh nein!“, kreischte Aragon voller Angst auf und krampfte seine Brust zusammen. „Es sind die weissen Wölfe der Hexe!“ Meleficent wirbelte zu Aragon hinüber und entdeckte auf dem nächsten Hügelkamm die Gestalten von Wölfen. Alle hatten die gleiche Pelzfarbe und die gleiche gelbe Augenfarbe. „Das sind tatsächlich verbündete von Yjades an ihrer Brust haben sie ein das Totenkopfzeichen der Hexe“, hauchte Gideon, hielt den Atem an und wartete bis die Aufmerksamkeit der Wölfe auf sie gelenkt wurde. Der Alpha des Rudels entdeckte die Elfen und die Tokklins und verzog sein Maul zu einem Knurren. Seine Gefährten stiessen ebenfalls ein Knurren aus, sträubte ihr Nackenfell und fletschten ihre Zähne. „Die haben es auf uns abgesehen!“, kreischte Fay. „Lauft oder wir werden zerfetzt!“ Die Gefährten drehten um und rannten in die entgegengesetzte Richtung der Wölfe um ihr Leben davon. Meleficent konnte bereits das Hecheln der Wölfe hinter ihrem Rücken hören, als sie nur wenige Schritte gerannt waren und es schien ihr, als ob sie den Atem der Wölfe ihre Nackenhaaren kräuselten. Aragon bekam Panik und stolperte dabei über seine eigenen Füsse. Meleficent hörte den Aufprall und bremste ab. „Lauf Meleficent!“, schrie Aragon, denn er wusste, bis er wieder auf den Beinen stand, hatten ihn die Wölfe eingeholt. Der erste Wolf erreichte Aragon und stürzte sich mit aufgerissen Maul auf ihn. Da schoss Meleficent ihren Pfeil ab und durchbohrte dem Wolf sein Herz, bevor er Aragon mit seinen Reisszähnen zerfetzten konnte. „Geh, es kommen noch mehr!“, flehte er ein zweites Mal. „Nein!“, konterte sie und eilte an seine Seite. Sie half ihm auf die Beine. Der Schattenelf wollte Meleficent erneut zum Gehen zwängen, doch dann war es zu spät für einen Fluchtversuch. Die Wölfe kreisten die Elfen ein und zeigten ihre Zähne. „Meleficent und Aragon, die beiden grossen Elfen“, höhnte der Leitwolf. „Halt deine Zunge im Zaun Arazog!“, richtete sein Schwert auf den Alpha. „Du möchtest es wirklich mit meinem ganzen Rudel aufnehmen, ihr seid nur zu zweit“, Arazog legte die Ohren an. „Oh nein, wir sind zu viert!“, Gideon und Fay rammten einen Wolf beiseite und warfen sich an die Seite ihrer Freunde. „Wohl eher zu dritt!“, spottete Arazog. „Tokklins kann man ja nicht als vollwertige Kämpfer zählen!“ „Wieso seid ihr wieder zurückgekommen, ihr hättet euer ganzes Leben noch vor euch gehabt!“, zischte Meleficent den Zwillingen zu, die ihren Rücken gegen Aragons drückte. „Wir sind doch keine Feiglinge“, erwiderte Fay und umklammerte ihre Dolche. „Das ist im Moment nicht wichtig“, knurrte Aragon. „Ich habe nämlich einen Plan ausgearbeitet und der heisst: alles töten was dir in den Weg kommt-schwächste Stelle durchdrängen-um dein Leben laufen!“ Die Wölfe ahnten von der Verschwörung und griffen ohne Nachzudenken an. Meleficent blieb dicht bei ihren Gefährten und warf vor allem einen Auge auf Fay. Das Tokklinmädchen schlug sich aber ziemlich gut. Sie schleuderte ihre Dolche nur so aus der Hand, dass es den Angreifer die Schnurrhaare kürzte und erstach einen Wolf nach dem anderen. Die braucht keine Hilfe! , dachte Meleficent und konzentrierte sich auf ihren Bogen.                                                                   „Na Waldelfe!“, ein Wolf baute sich vor Meleficent auf. Ehe sie den Pfeilbogen spannen konnte, gab der Wolf ihren einen Prankenhieb und sie wurde durch die Luft geschleudert. Sie fing sich aber wieder auf allen vieren und schnappte sich den Pfeilbogen. „Grüss die Höhle von mir!“, rief Meleficent und schoss den Pfeil auf den Wolf. Er traf sein Ziel und das Tier sank regungslos vor ihren Füssen zusammen.

Aragon leistete unterdessen einen Kampf gegen Arazog. Der Wolf schnappte mit seinen Zähnen nach seinem Kopf, erwischte ihn aber nicht, weil der Elf sich bückte. Daraufhin stach Aragon nach seinem Hals, erwischte allerdings mit seiner Schwertklinge nur sein Ohr. Der Wolf heulte vor Schmerz auf, gab sich aber nicht geschlagen und kämpfte weiter gegen den Gegner. Er Aragon mit seinen Pfoten von den Füssen zu werfen und schnappte nach seinem Umhang. Aragon machte einen Rückwärtssprung und rettete seinen Stofffetzten von den Zähnen des Wolfes.

Gideon hatte da schon mehr Probleme im Kampf. Mit seinem Säbel stach er nach seinen Gegner, doch seine Hiebe trafen nur die Luft. Die zwei Angreifer machten sich über seine Kampfart lustig und beschlossen ein bisschen mit ihm zu spielen, bevor sie ihn töten. Der eine Wolf schnappte seine Kapuze und schleuderte ihn mit einer Kopfbewegung dem Rudelgefährte zu, der den Tokklin abfing und gleich wieder durch die Luft zurückschickte. „Aufhören!“, Meleficent schoss einen Pfeil auf den Grösseren, der aber daneben traf und in der Erde stecken blieb. „Ich kümmere mich um sie“, hechelte der Grösser und überreichte Gideon an seinen Freund weiter. Meleficent spannte den nächsten Pfeil in den Bogen aber der Wolf war schneller. Entriss Meleficent den Pfeilbogen, warf sich mit seinem Sabbermaul auf die Elfe und drückte sie mit einer Pfote ins Gras. Das Gewicht lagerte auf ihrem Brustkorb. Es raubte ihr den Atem und die zwei Augen funkelten ihr entgegen. Ein Dolch schwirrte durch die Luft, erstach den Angreifer und rettete der Elfe das Leben. Meleficent rollte sich gerade noch rechtzeitig auf die Seite, bevor sein Körpergewicht sie erdrücken konnte. „Der hat, was er verdient hat“, Fay zog den Dolch aus seiner Flanke, wo das Blut in Strömen die Erde trank. „Du hast mich gerettet Fay, danke!“ Keuchend kam Meleficent auf die Beine. „Gern geschehen und jetzt müssen wir schleunigst Gideon helfen“, fuhr sie fort. „Das übernehme ich.“ Meleficent nahm ihren Pfeilbogen, spannte ihn und schoss dem Wolf, der Gideon wie ein Stück Fleisch hin und her geschüttelte einen Pfeil in den Bauch. Das Tier erlag sofort an dem Schuss und Gideon wurde unter seinem Kopf begraben. „Alles in Ordnung“, Fay schob die Schnauze von ihrem Bruder weg. „Ich wäre beinahe unter diesem Schädel erstickt“, stöhnte Gideon. „Gegen so viel schaffen wir das nie!“ Aragon eilte an ihre Seite. Sein Umhang war zerfetzt und seine Schulter blutete. Als Aragons Worte verstummten, wurden sie wieder von den Wölfen eingekreist, denen der Verlust der einzelnen Tiere nicht schadete. „Ich habe einen Plan!“, rief Gideon und griff in seine Hosentasche. Er zog eine Wieringbeere hinaus. „Was bitte so dass werden, Winzling?“, knurrte der Alpha. Bevor aber auch nur ein Wolf einen weiteren Schritt auf die Eingekreisten zu machte, schleuderte Gideon die Beere mit einem Grinsen auf den Grund. Ein Nebel umschloss die Elfen und die Wölfe konnten nichts mehr erkennen. Als sich der Nebel lichtete, wagten sich die Wölfe in den Nebelschleier zu stürzten. Jedoch erwischten sie kein Lebewesen zwischen den Zähnen und fanden noch Blutspritzer von Aragon am Boden vor.

„Diese Beeren sind unsere Helden. Sie erschaffen nicht nur eine Blähungen im Inneren des Körper, sondern auch ein Nebelgasdruckwelle im Äussern!“, rief Gideon und rannte mit der Faust in der Luft durch die Wiese. „Folgen die uns nicht?“, Fay warf einen Blick über die Schultern. „Wohl kaum. Sie werden noch viel zu lange über unser Verschwinden verwirrt sein“, entgegnete Aragon und rannte den Hügel hinunter. „Du hast gut gekämpft“, fügte Fay hinzu. Aragon legte bei einer Arve, einer der ersten Bäume in diesem Umfeld, eine Pause ein und zuckte mit den Schultern. „Ich hatte fünfzehn Jahre Schwertkampfunterricht.“ „Wie lang hattest du denn Bogenschiessenunterricht Meleficent?“, wollte Gideon wissen. „Ich habe mir das Bogenschiessen selbstbeigebracht. Dazu brauchte ich keinen Lehrer“, während sie antwortete, warf sie Aragon einen scharfen Blick zu.  Doch Aragon füllte sich von diesem Blick nicht gehänselt, im Gegenteil, er grinste Meleficentins Gesicht, als wären ihre Wort ein Lob für ihn gewesen.  Meleficent verdrehte die Augen. Wieso kann Aragon mit so einer Anspielung immer so ruhig blieben! Ich raste gleich bei einem falschen Wort aus?                                                                                                                              „Lasst uns weiterreisen“, Gideons Stimme zog Meleficent aus den Gedanken. Sie stolperten zusammen einen Abhang hinunter.  Bevor sich der Abhang aber wieder richtig senkte, hielt Aragon Meleficent am Ärmel zurück. „Hör zu Meleficent. Ich weiss, dass du mir eines auswischen möchtest aber trotzdem wollte ich mich bei dir bedanken.“ Meleficent blinzelte mit den Augen. „Und wofür?“ „Ohne dich wäre ich jetzt Hackfleisch“, Aragon schob sich an ihr vorbei und kletterte den Abhang weiter hinunter. Er drehte noch einmal den Kopf. „Und dafür wollte ich mich bei dir bedanken.“                                                                                        

 

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