Kapitel 7: Erste Begegnung mit Atropos

Atropos! Die älteste, oder besser, der älteste der drei Moiren, zuständig dafür, die Lebensfäden der Sterblichen zu zerschneiden, die von Klothos gesponnen und von Lachesis bemessen wurden. Atropos bestimmte, auf welche Art und Weise die Menschen starben. 
Luzifer fühlte sich in seiner Gegenwart ziemlich unwohl. Atropos schien das zu bemerken, denn er sagte:
"Keine Sorge, ich bin nicht deinetwegen hier. Noch nicht. Jedenfalls nicht für das, was du befürchtest. Deine himmlischen Kräfte magst du für einige Zeit eingebüßt haben, aber unsterblich bist du noch immer. Aber bilde dir nur nicht zuviel darauf ein, es gibt Schlimmeres als den Tod!" 
"Was willst du von mir?", fragte Luzifer misstrauisch. Atropos sah ihn an.
"Ich will dir ein Geschäft vorschlagen."
"Ein Geschäft? Und was für eins wäre das?"
"Es ist eigentlich ganz einfach. Lass mich in Ruhe, dann lasse ich dich in Ruhe. Pfusch mir nicht in meine Arbeit und ich lasse dich die deine machen."
"Ich hab überhaupt nicht vor, dir in deine Arbeit zu pfuschen", entgegnete Luzifer verwundert.
"Dann ist es ja gut. Vergiss es nicht, hörst du?! Vergiss es niemals, Kleines Licht, Kleines Feuer."
Atropos drehte sich um und begann, die Düne herabzusteigen. Dann blieb er noch einmal stehen, drehte den Kopf zu Luzifer und sagte:
"Kleiner Tipp noch: drei Stunden Richtung Westen liegt ein kleines Dorf. Dort wirst du wohl Aufnahme finden."
"Danke", murmelte Luzifer, doch Atropos war bereits verschwunden.

Nach drei Stunden Richtung Westen tauchte vor Luzifer tatsächlich ein Dorf auf. Todmüde und halb verdurstet schleppte der Engel sich zum Brunnen. Mehrere Frauen standen dort und schwatzten miteinander. Als sie Luzifer näher kommen sahen, holte eine Wasser aus dem Brunnen und eine andere lief fort, und kam bald darauf mit einer Schüssel voller Essen zurück. Dankbar nahm Luzifer beides an. Nachdem er Hunger und Durst gestillt hatte, fiel er einfach neben dem Brunnen in den Sand und schlief ein. Er merkte nicht, dass eine Decke über ihn gelegt wurde. Und ebenso entging es ihm, dass Atropos mitten in der Nacht zurück kam, eine Weile neben ihm stand und ihn beobachtete. Sein Gesicht drückte puren Hass aus...

Als Luzifer am nächsten Morgen erwachte, taten ihm sämtliche Muskeln weh. Er setzte sich vorsichtig auf und stöhnte leise vor Schmerzen. Wie ertrugen die Sterblichen das nur?
"Na, ausgeschlafen, Engel?"
Luzifer drehte den Kopf in die Richtung, aus der die Stimme kam und stöhnte erneut.
"Ja, so ein Muskelkater ist was gemeines. Aber das wird schon wieder."
Asmodeus hockte neben Luzifer. Der Engel spürte, dass er schon wieder errötete. Aber die Dämonin beachtete es diesmal nicht. Sie legte den Kopf schief und fragte:
"Sag mal, hattest du gestern eigentlich eine besondere Begegnung?"
Luzifer nickte vorsichtig.
"Ja, Atropos ist plötzlich aufgetaucht und hat mir, ja, ich glaube, er hat mir gedroht."
"Das sieht ihm ähnlich. Pass auf, Engel, halt dich besser von ihm fern, der Typ ist gefährlich."
"Gefährlicher als ein Höllendämon?", fragte Luzifer. Asmodeus schenkte ihm einen mitleidigen Blick.
"Du hast ja keine Ahnung, Engel."

Schritte näherten sich und Asmodeus stand schnell auf.
"Ich muss los, wäre nicht so gut, wenn die Sterblichen mich jetzt wahrnehmen würden. Aber wir sehen uns bald wieder."
Asmodeus verschwand und Luzifer wandte sich den Leuten zu, die sich ihm zögernd näherten. Er lächelte ihnen entgegen und die Menschen lächelten zurück. 

Während er etwas später mit den Menschen frühstückte und versuchte, ihre Fragen so unverfänglich wie möglich zu beantworten, ohne direkt zu lügen, wanderten seine Gedanken zurück zu Atropos und Asmodeus. Und er fragte  sich, wo er da nur hinein geraten war...


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