Kapitel 8

 Mein Bruder habe ich nur noch einmal gesehen. Wir waren gerade auf der Flucht. Ich, mein Vater und mein Bruder, die Frau der anderen Familie so wie ihr Sohn hatten überlebt. Der Vater der anderen Familie war an Tiflis erkrankt und kurz davor gestorben. Gemeinsam flüchteten wir. Am nächsten Morgen sahen wir, dass alles in Schutt und Asche lag. Das gesamte Firmengelände. Mehrere riesige Krater klafften im Boden. Unser Auto war durch die Druckwellen durch die Scheiben gedrückt worden. Das Gebäude darüber war eingestürzt doch die Trümmerteile waren durch eine weitere Druckwelle zur Seite geworfen worden. Wir plünderten die Fabrik. Wir nahmen so viel mit, wie nur ging. Wir hatten kaum noch private Gegenstände. Unser Traktor und unser Anhänger packten wir voll mit allem möglichen. Wir nahmen sogar riesige Mengen an Benzin mit, damit wir möglichst lange flüchten können. Mein Vater organisierte alles. Außerdem nahmen wir alles an essbaren mit, was wir fanden. Jeder musste mithelfen. Ich hatte damals keine Gewissensbisse. Schließlich ging es ums Überleben. Doch später plagten mich die Gedanken, irgendjemanden auszurauben ohne zu schauen, ob es noch irgendwelche überlebenden gab. Wir nahmen an, dass alle tot seien. Mein Vater besprühte notdürftig den Traktor mit grüner Farbe, während ich mit dem anderen Jungen mehrere Stahlplatten heranschaffte, die wir dann an den Außenwänden befestigten. Aus der gläsernen Fahrerkabine wurde ein Dunkles etwas. Es gab nur einen kleinen Sehschlitz. Da der Traktor durch die Scheiben gedrückt worden war musste auch mein Vater den Motor und alles andere Reparieren. Zum Glück passte ein Motor, welcher er vorher Monate lang zusammengeschraubt hatte in den Motorraum. Erst hinterher habe ich gelesen, dass wir nun mit einem Panzermotor ausgerüstet waren. Nach drei Tagen harter Arbeit in den Trümmern verließen wir das Firmengelände. Richtung Wald. Dort wollten wir zum Meer um dann mit einem Schiff nach Schweden zu kommen. Doch plötzlich verschwand mein geliebter Bruder, als er Holtz holen sollte. Auch ich wurde geschnappt. Sie brachten uns in das Nahe Ausschwitz. Dort mussten wir arbeiten. Es war wieder Winter und ich suchte mit anderen Kindern im Krematorium die Wärme. Auch hier war ich anders als die anderen. Ich war nicht eingeschüchtert. Ich nahm alles auf. Jeden einzelnen Eindruck nahm ich in mich auf. Ich sah wie von den Wachtürmen scharf geschossen wurde. Ich sah wie die Menschen in die Bäder gegangen sind und dann mit dem Düngemittel Zyklon B ermordet wurde. Dass deren Lungen Verätzt wurden. Wie sie schrien und wie ruhig es nach zwanzig Minuten war. Ich sah wie die Wagen ankamen und die Menschen geplündert wurden. Ich sah wie die Menschen verbrannt wurden oder wie sie erschossen wurden und dann tot in ein Massengrab gekippt sind. Dann wurde mir angeboten eine Aufgabe zu übernehmen, wo keiner wusste was passieren würde oder ich sollte ins Gas gehen. Gemeinsam mit meinem Bruder. Zuerst wollte ich mit ihm sterben, doch er überredete mich und meinte, ich solle die Aufgabe machen. Dann könne ich vielleicht überleben und alles dokumentieren. Und somit habe ich meine eigene Waffe gefunden. Ich wurde auf die Aufgabe geschickt und ging mit mehreren verängstigten Jungen durch den Wald. Dann eines Nachts bin ich abgehauen. Ich schlich mich von hinten an einen Wärter und zog ihm einen schweren Knüppel über den Kopf, mit dem er andere zu Tode prügelte. Dann flohen ich und einige andere mit mir. Andere waren zu verängstig. Aus unserer Gruppe konnte ich ungefähr zehn zur Flucht verhelfen. Wir rannten durch den Wald. Leider wurde schnell unsere Flucht entdeckt. Und sie schossen auf uns. Es war das erste Mal. Die Kugeln pfiffen uns um die Ohren und schlugen splitternd in die Bäume in. Leider wurden vier bei der Flucht sofort getötet. Andere wurden gestellt und hingerichtet. Nach Tage langer Flucht durch den Wald fand ich den Traktor wieder. Die Wunden, welche zum Teil vereitert waren wurden von meinem Vater versorgt. Zum ersten Mal seit der Flucht überkam mich ein gutes Gefühl.

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