Kapitel 8

Wie versteinert saß ich auf dem Bett. Die Tochter eines Alphas? Kann es wirklich stimmen? Nein, das kann nicht sein. Sie müssen sich irren. Der Name Clifford ist hier in England doch nicht selten.

„Wir sind uns sicher, Skyler," beantwortete Duncan ruhig meine Gedanken.

„Aber... Wie könnt ihr euch bloß so sicher sein? Es gibt bestimmt noch sehr viele Hybriden da draußen die von ihrer Mutter versteckt werden. Nachdem was ihr mir von der Elite erzählt habt, würde es mich nicht wundern Woher wollt ihr euch sicher sein, dass gerade ich die Tochter eures Anführers bin?" sprudelten meine Gedanken aus mir heraus. Verdutzt starrten mich die beiden Männer an, bevor sich auf beiden Gesichtern ein breites Grinsen ausbreitete.

„Du bist ihm sehr ähnlich," lachte Duncan belustigt.

„Das kann man wohl sagen," stimmte ihm Damon zu.

„In welcher Hinsicht?" fragte ich ohne auf die Witzeleien der beiden Jungs einzugehen.

„Charakterlich," bestätigte Damon.

Ich seufzte. „Das dachte ich mir. Alles sagen immer ich sei ein Klon meiner Mutter."

Damon drehte sich verblüfft zu Duncan. „Ronan hatte Recht."

„Wer ist Ronan?" fragte ich verwundert.

„Ich bin Ronan," antwortete eine sanfte Stimme.

Erschrocken hob ich den Kopf. An der Zimmertür erschien ein großer muskulöser Mann, den ich auf Mitte Dreißig schätzte, von der stattlichen Größe von geschätzten 1,90 m. Er hatte schwarzes schütteres Haar, einen Dreitage Bart und leicht gebräunte Haut.

Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen und einem Stapel Klamotten in den Händen trat er an das Bett. Seine Haselnussbraunen Augen trafen auf meine und er zwinkerte mir zu.

„Hallo. Du bist also unser Dornröschen. Ich hoffe du hast gut geschlafen? Wir haben extra für dich Damon aus seinem großen Bett geworfen," scherzte er.

„Ich finde das nicht witzig, Ronan."

„Dich hat niemand gefragt, Damon."

„Gerade das finde ich nicht fair. Wie sollen wir ein demokratisches Rudel sein, wenn du immer alles entscheidest?"

„Erstens: Ich bin der Rudelführer. Zweitens: Unser Gast brauchte ein Bett. Drittens: Habe ich schon erwähnt das ich der Rudelführer bin?" stellte Ronan amüsiert klar. Kurz sah es aus als würde sich Damon beschweren wollen, aber dann überlegte er es sich anders und schloss beleidigt seinen Mund.

„So geht es hier immer zu. An das wirst du dich gewöhnen müssen," klärte mich Duncan belustigt mit den Augen rollend auf.

„Was bedeutet das, du bist Rudelführer? Heißt das du bist..." begann ich stockend.

„Nein, er ist nicht der Alphawolf."

„Zum Glück, sonst müsste ich wahrscheinlich in einer Hundehütte pennen," knurrte Damon.

„Wir können es gerne ausprobieren, wenn du möchtest," drohte Ronan an Damon gewandt. Dieser warf seinem Rudelführer nur einen sauren Blick zu, wagte es aber nicht mehr zu erwidern.

„Dachte ich mir. Nein, ich bin nicht der Alphawolf. Remus, unser Alphawolf, ist mein großer Bruder. Er ist der König unseres Clans und der oberste Rudelführer. Das große Rudel teilt sich dann nochmal in drei Teile. Ich und meine Brüder Angus und Maximus sind die Rudelführer dieser drei Parteien," erklärte Ronan.

Mir schwirrte der Kopf.

„Duncan und Damon haben mir gesagt... Sie behaupten ich sei seine Tochter," nuschelte ich.

Ronan nickte und legte denn Stapel Klamotten vor mir auf das Bett.

„Ich denke du hast es schon öfter gehört, aber du siehst aus wie deine Mutter."

Überrascht sah ich von dem Stapel Klamotten auf. „Du kennst sie? Du kennst meine Mutter?" stammelte ich verwundert.

„Ja ich kenne Charlie. Aber jetzt würde ich sagen es wird Zeit das du dir mal was Ordentliches anziehst und dann zeigen wir dir alles."

„Charlie? Hast du meine Mum gerade Charlie genannt?" fassungslos schaute ich zu den Männern.

„Ich würde vorschlagen, du ziehst dir was an und dann erzähle ich dir alles während du etwas isst. Wie klingt das?" schlug er grinsend vor.

„Ich habe keinen Hunger," widersprach ich ihm und versuchte dabei das verräterische knurren meines Magens zu übertönen.

„Dein Magen widerspricht dir aber sehr deutlich," schmunzelte Duncan.

Ich rügte mich innerlich selbst. „Aber..." begann ich mich zu verteidigen. „Jetzt beginnt doch erst der spannende Teil," schmollte ich schließlich als ich sah wie alle drei Jungs amüsiert den Kopf schüttelten.

„Das hat Zeit. Wichtiger ist das du was zum Futtern bekommst," wehrte Duncan ab.

„Sonst frisst du noch uns auf," fügte Damon scherzend hinzu worauf ich ihn mit einem wütenden Blick straffte.

„Nur ein Scherz Sky," ruderte er sofort zurück.

„Das hoffe ich doch," knurrte ich drohend.

„Kinder, hört auf zu streiten," seufzte Ronan.

„Nur, wenn du aufhörst mich ein Kind zu nennen," murrte Damon sofort.

„Nur, wenn du aufhörst dich wie ein Kind zu benehmen."

„Ich benehme mich nicht wie ein Kind," rechtfertigte sich Damon schmollend.

„Oh doch," wiedersprachen ihm die zwei Männer lachend.

Trotzig erhob sich Damon von seinem Stuhl und stand nun Ronan von Angesicht zu Angesicht. Beeindruckt stellte ich fest das der Jüngeren den Älteren um fast zehn Zentimeter überragte. „Pass auf was du sagst, Ronan. Es könnte sein das du es irgendwann bereuen könntest," drohte Damon ihm knurrend.

„Was willst du dann tun, Damon? Dich mit mir Prügeln? Wir sind hier nicht ihm Kindergarten. Vergiss nicht mit wem du sprichst. Ich bin immer noch dein Rudelführer. Und du weißt was mit dem passiert der einen Rudelführer herausfordert und verliert: Er wird verstoßen. So lautet das Gesetz des Rudels," entgegnete ihm Ronan ungerührt. Mit angehaltenem Atem beobachtete ich die Szene. Die Zeit schien stehen zu bleiben. Angespannt standen sich die beiden Männer gegenüber bis nach einer gefüllten Ewigkeit Damon sich abwand und stampfend das Zimmer verlies.

Zischend verlies die Luft die ich bis angehalten hatte meinen Körper.

„Alles in Ordnung?" fragte mich eine sorgenvolle Stimme. Ich hob meinen Blick. Meine Augen begegneten denen von Duncan der mich besorgt musterte.

„Du brauchst keine Angst vor Damon haben. Er ist nur ein temperamentvoller Kindskopf. Er sieht nur gefährlich aus mit den ganzen Muskeln, aber in Wahrheit ist er ein richtiges Schoßhündchen," beruhigte er mich mit einem leichten Lächeln, ohne auf meine Antwort zu warten. Doch sein lächeln erreichte nicht seine Augen. In ihnen sah ich Angst. Die Angst das Damon etwas Dummes tun könnte.

„Hat sich aber gerade nicht so angehört," flüsterte ich immer noch eingeschüchtert.

„Duncan hat recht. Damon hat nur eine große Klappe, aber dahinter verbirgt sich ein gutmütiger Kerl. Er könnte keiner Fliege was zuleide tun," fügte Ronan hinzu während er immer noch auf die Stelle starrte wo Damon gerade eben noch stand. Er machte sich Sorgen um ihn, das erkannte ich an seiner Haltung. Als wäre er gerade eben aus einem tiefen Traum erwacht schüttelte er den Kopf und wandte sich schließlich mit einem Lächeln an mich. „Jetzt wird es aber Zeit. Zieh dich an wir sehen uns – sagen wir in zwanzig Minuten? – in der Küche. Das wäre die Tür am Ende des Flurs wenn du hier aus der Tür gehst. Okay?"

„Okay." Stimmte ich zu.

„Na los. Steh auf. Ich habe so riesengroßen Hunger das ich Damon verdrücken könnte," scheuchte Ronan augenzwinkernd Duncan auf, der sich nur widerwillig vom Bett erhob. „Skyler braucht keinen Zuschauer beim Anziehen. Bis später," rief er mir das letzte zu während er den protestierenden Duncan vor sich her aus dem Zimmer schob und die Tür schließlich hinter sich schloss. Ich lauschte auf die leiser werdende Stimme von Duncan und die Schritte der beiden Männer. Als ich sie nicht mehr hörte schwang ich die Decke beiseite und stand langsam auf. Auf zitternden Beinen ging ich mit dem Klamottenstapel auf dem Arm in das angrenzende Bad. Dort wusch ich mir zuerst mit kaltem Wasser das Gesicht.

Ich hob meinen Blick und erschrak: Aus dem Spiegel sah mir eine veränderte Sky entgegen: Es war immer noch mein Gesicht mit den zarten Zügen, meine lockigen Haare die sich nicht bändigen ließen und meine breite Nase. Doch die Augen waren nicht meine: Das dunkle braun das manchmal eher schwarz war, war verschwunden. Nun leuchteten mir karamellfarbene Augen entgegen die hohe Ähnlichkeit mit denen von Duncan aufwiesen.

„Alles in Ordnung, Süße?" drang eine warme weibliche Stimme durch die Tür.

„J...j....ja," stotterte ich zerstreut.

„Bist du dir sicher?" fragte mich die unbekannte Frau ein zweites Mal hinter der Tür.

Ein paarmal tief durchatmend bekämpfte ich die Panikattacke.

„Ich bin sicher. Es ist alles in Ordnung," antwortete ich nun wahrheitsgemäß.

„Gut. Ich bin hier falls du es dir anders überlegst."

Mutig hob ich wieder den Kopf und betrachtete mein Spiegelbild: Meine Augen waren nicht das einzige was sich verändert hatte stellte ich beim zweiten Blick fest. Meine Haare, die immer in wirren widerspenstigen Locken von meinem Kopf abgestanden waren, waren nun seiden und hingen mir in eleganten Locken über den Schultern. Mein Gesicht mit den weichen Zügen war nun definierter und schmaler. Genauso wie meine Nase. Mir sah eine vollkommen andere Sky entgegen. Eine Sky ohne Hautproblemen wie ich mit genauerem Blick feststellte. Meine Haut war makellos. Hatte das mit dem erwachen meiner Macht zu tun? Schnell schlüpfte ich in die graue Jogginghose die mir viel zu lang war, in das schwarze Tanktop das an mir wie ein Kleid aussah und schließlich in die Turnschuhe die verwunderlicher weiße passten. Dabei stellte ich fest das sich nicht nur mein Gesicht, sondern auch mein Körper verändert hatte. Plötzlich hatte ich Muskeln an Beinen und Armen und mein Bauch war auch flacher und muskulöser. Okay!, dachte ich belustigt. Die Bikinisaison konnte kommen. Ich bin bereit! Nach einem letzten prüfenden Blick in den Spiegel, dass ich das wirklich nicht geträumt hatte, öffnete ich die Tür. Vor mir stand eine Frau mit unverkennbar asiatischen Wurzeln obwohl sie mindestens 1,75 m groß war. Sie lächelte mich freundlich an.


„Guten Morgen, Sky. Ich bin Tiara, Ronans Frau. Komm lass uns zu den Jungs gehen. Du hast bestimmt Hunger," stellte sie sich mir vor. „Wir müssen uns beeilen vor sie alles wegessen." Scherzte sie augenzwinkernd. Lachend folgte ich ihr in die Küche.



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