Kapitel 19 Jamaika oder Eine Insel aus Träumen geboren

Die Heilbronn glitt durch die tintenschwarze See, der Mond ließ seine silbrig glänzenden Lichtreflexe elfengleich über das Wasser tanzen und von Horizont zu Horizont dekorierten Milliarden und aber Milliarden Sterne den Himmel. Mutter Natur zeigte uns mal wieder was sie drauf hatte. Diese Nacht erschien mir wie geschaffen, um buchstäblich in den Mond zu schauen. Das Nonplusultra was ich je in meinem Leben sehen sollte, war dieser von Sterne übersäte Himmel. Die Nacht war klar, kein Wölkchen trübte den Himmel, kein künstlicher Lichteinfluss störte meinen Blick, nur der Horizont gab dem Himmel eine Grenze.

Ich hatte das Gefühl mit meinem Fernglas bis tief ins Weltall blicken zu können. Kleiner Wagen, großer Wagen, großer Bär, kleiner Bär, der Polarstern und natürlich die Milchstraße. Und genau dort, in dieser sternenreichen Region befand sich die Kassiopeia. Hoch oben am nördlichen Sternenhimmel mit seinen fünf Hauptsternen welche ein markantes W am Himmel bildeten. Sternenreich, weil sich die Milchstraße durch das Sternbild zog. Und irgendwo in der Nähe des östlichsten Sterns dieser Kassiopeia verlief der Nullmeridian. Der Nullmeridian der senkrecht zum Äquator verläuft und die Erde in eine östliche und westliche geographische Länge unterteilte. Er führt direkt durch den Londoner Stadtteil Greenwich. Mehr Sternenbilder waren mir leider nicht bekannt. Sie wurden, so hatte ich den Eindruck, von der Leuchtkraft des Mondes aktiviert, was natürlich nicht der Wahrheit entsprach. Im Focus meines Fernglases sah ich, wie einige Sterne flackerten, andere blickten starr auf uns herab.

Es war schon nach Mitternacht, unser Bordthermometer zeigte 21°C, Fazit: es war eine laue Sommernacht. Ich saß mit Felix auf der Achterdeckluke. Wir konnten beide nicht schlafen und so träumten wir gemeinsam davon, wo wir noch überall hinfahren wollten und welche Ziele für uns von Bedeutung waren. Morgens gegen zwei krochen wir schließlich doch noch in unsere Kojen.

Nach knapp zwei Tagen hatten wir unser nächstes Ziel erreicht: Jamaika. Eine Insel aus Träumen geboren oder sollte es jemanden geben, der von diesem im karibischen Meer gelegenen Fleckchen Erde noch nicht geträumt hat? Höchst unwahrscheinlich!

Das sonnenverwöhnte, rund elftausend Quadratkilometer große Eiland ist die drittgrößte der Westindischen Inseln und seit dem 6. August 1962 unabhängiger Staat sowie freies Mitglied innerhalb des Commonwealth of Nation. Der kleine Inselstaat ist eine parlamentarische Monarchie mit der englischen Königin als Oberhaupt.

Jamaika erhebt sich südlich von Kuba und westlich von Haiti aus den königsblauen Wassern der Karibik, als oberster Zipfel eines umfangreichen Unterwassergebirges. Ein Tauch - und Schnorchel Paradies mit einsam gelegenen Buchten, Puderzuckerstränden, Palmen, azurblauer See, aber auch wilden Flüssen, Wasserfällen und einem Regenwald. Die immerwährende Meeresbriese, die jeden sonnenhungrigen Körper sanft umschmeichelt, trägt wesentlich dazu bei, die vor Ort herrschende Hitze besser zu ertragen. Ohne Frage würde sie jeden noch so anspruchsvollen Urlaubsprospekt aufwerten. Diese Insel ist ein garantierter Geheimtipp vom lieben Gott, auf die er sich nach der Erschaffung der Erde sicherlich ausgeruht hatte.

Unser Zielhafen war Kingston, die Stadt am Fuße der Blue Mountains die gleichzeitig Hauptstadt und Hochburg von Armut und Kriminalität ist. Kingston, ist aber auch die Stadt der fliegenden Händler, der Musik, des Mythos Bob Marley und des Präsidenten Michel Manley der die Insel in die Unabhängigkeit geführt hat. Je mehr wir uns der Insel näherten, je eindrucksvoller erhob sich die im Osten der Insel gelegene legendäre Bergkette der Blue Mountains. Einem Sahnehäubchen gleich thronten meist dicke Wolkenberge über dem mehr als 2200 m hoch gelegenen Regenwaldgebiet. Nur hier und in einer Höhe von zirka 1000 m, wird der Original Blue Mountain Coffee angebaut. Bedingt durch die besonderen klimatischen Verhältnisse reifen die Kaffeekirschen langsamer, erhalten eine härtere Schale und bekommen ein edel süßes Aroma.

Leckerer Essensduft kroch uns aus dem Topf in die Nase, wir hatten Szegediner Gulasch, also eine Gulaschvariante mit Sauerkraut, zum Mittag herausgegeben. Die Kombination von pikanter Säure und feuriger Schärfe passte wie die Faust aufs Auge und wurde von keinem verschmäht. Selbstredend fand auch der süße Schokopudding, den wir zum Nachtisch reichten, reißenden Absatz. Nachdem wir den letzten Fettfleck aus der Kombüse entfernt hatten, machten wir, das waren Herbert, Jochen, Felix, Tom und ich uns auf, die Hauptstadt Jamaikas zu erobern.

Mit viel Unternehmungsgeist zogen wir los. In verschiedenen Teilen der Stadt herrschten marktähnliche Zustände. Die Geschäfte befanden sich größtenteils geschützt unter Arkaden Gänge, was besonders in der Regenzeit seine Vorteile hatte. Die angebotenen Waren wurden in Kisten und Körben, auf Holztischen oder einfach nur auf Bastmatten am Boden liegend vor diesen überdachten Gängen, also mitten auf der Straße präsentiert. Hier machte sich Niemand Gedanken über Sauberkeit oder Hygiene, das waren hier bedeutungslose Worte. Staub und Schmutz gehörten zur Tagesordnung und niemand würde auf die Idee kommen, es könnten sich Krankheitserreger darunter befinden. Hier hatte man von Geburt an einen robusten Magen.

Uns war das egal, denn wir desinfizierten unsere inneren Organe nach dem Stadtbummel in einer Bar mit Black Label, Gold Label und White Label, man kann auch Rum dazu sagen. Der Bekannteste und natürlich auch der Beliebteste Rum dieser Insel aber ist Appelton Rum. In der alten Destillieranlage wird nunmehr seit 250 Jahren nach dem gleichen Prinzip der Alkohol vom Wasser getrennt. Appelton ist die älteste Rumfabrik auf Jamaika, genauso alt wie die weitläufigen Zuckerrohrfelder die sich ringsherum um die Anlage erstrecken.

Aus einer Laune heraus machte Tom den Vorschlag einer gemeinsamen Inselrundfahrt, was uns fast allen gefiel. Nur unser Koch schien andere Pläne zu haben, denn mitten im schönsten Umtrunk beschloss Herbert sich abzusetzen ... der hat halt überall eine Braut. Ihn zog es eher zu einer alten Flamme, als in die wunderschöne jamaikanische Natur.

Zurück an Bord wollten Felix, Tom, Jochen und ich unter Einbeziehung unseres II. Offs einen Plan für unsere Tour schmieden.

Bernhard der OA lief uns über den Weg und ließ uns wissen, dass die Reederei für übermorgen einen Inselausflug nach Ocho Rios geplant hatte. Wir waren begeistert! Ocho Rios, das hieß für mich ich würde die berühmten Dunns River Falls zu sehen bekommen! Die Wasserfälle, die dem aller ersten James Bond Film, Titel „James Bond jagt Dr. No“, eine gewisse Popularität verlieh. Der Film in dem Ursula Andress in einem sexy weißen Bikini in Ocho Rios die männlichen Zuschauer zum Schwitzen brachte und der britische Geheimagent Bond, alias Sean Connery auf der Jagd nach dem wahnsinnigen Chinesen Dr. No sein Publikum fesselte.

Es gibt einen Ort auf der Insel der nennt sich Golden Eye, auch ein bekannter Titel eines Bond Films, und dort in einer Villa mit Blick auf die karibische See, lebte der britische Schriftsteller Ian Fleming. Fleming schrieb auf Jamaika einen Agenten Thriller nach dem anderen, die alle Bestseller wurden. Kein Mensch hat zu damaliger Zeit daran gedacht, dass der Brite mit der Bond Figur eine Legende schafft. Später nach Connery, übernahm Roger Moore die Rolle des Geheimagenten auf Jamaika in der Folge Leben und Sterben lassen.

Trotzdem waren wir uns einig, schon am nächsten Tag eine Spritztour über die Insel zu unternehmen.

Über die Schiffsagentur mieteten wir einen klimatisierten Straßenkreuzer. Im Nachherein wussten wir, dass ein Jeep oder ein anderer Geländewagen vorteilhafter gewesen wäre.

Wir bewegten uns auf holprigen Straßen und löchrigen Wegen mitten hinein in eine Bilderbuch Landschaft, welche das Wort Paradies allemal verdient hatte. Vorbei an Pflanzen die am Rande des Weges wie auf kunstvollen Gemälden gemalt erschienen, wieder verschwanden und an anderer Stelle erneut auftauchten. Ein Urwald der blüht! Die Straßen, wenn man sie so bezeichnen wollte, waren schmal und eng. Zur Sicherheit musste man vor jeder Kurve hupen um von entgegenkommenden Fahrzeugen frühzeitig erkannt, beziehungsweise bemerkt zu werden. Schließlich näherten wir uns dem Gebiet in dem die Kaffeesträucher des Blue Mountain Kaffee angebaut wurden.

Der frische Morgennebel der Berge, ausreichender Niederschlag und mineralreicher Boden sorgen für das besondere Aroma. Hauptfaktoren für ein besonderes Klima, wodurch die Kaffeekirschen wesentlich langsamer wachsen. Durch diese lange Reifezeit entsteht ein spezielles Aroma mit Wiedererkennungswert. Das außergewöhnliche Aroma, geringe Ertragsmengen, sowie das Pflücken per Hand, eine Spezialabfüllung in Holzfässern und aufwendiges Marketing machen den „Jamaica Blue Mountain“ zu einer der teuersten Kaffeesorten weltweit.

Seit rund 300 Jahren wird hier Kaffee angebaut. Zweimal im Jahr werden die Plantagen abgeerntet. Die Kaffeesträucher brauchen immerhin 6 Jahre um in Bestform zu kommen, dann jedoch ist der Ertrag bis zu 8 Pfund Beeren je Strauch und Ernte.

Wir durften einer kleinen Familie, seit Generationen Rastafaris, bei der Verarbeitung zuschauen. Die Kaffeekirschen wurden geschält, getrocknet, und schlechte Bohnen von Hand ausgelesen. In einer Schale hat man sie vorgeröstet und schließlich in einer großen Trommel bei 180 C vor Ort geröstet.

Alle sitzen herum rauchen – vorwiegend Zigarren – schauen und warten bis der Moment gekommen ist an dem die Trommel geleert wird. Im heißen Dampf der Röstung verschwindet alles drum herum für Sekunden, dann lag es vor uns, das schwarze Gold!

Der Geruch der in diesem Augenblick die Luft erfüllt ist schier unbeschreiblich. Ein Röstaroma der Güteklasse A +++ ließ uns das Wasser im Mund zusammen laufen (auch einem Nicht-Kaffee-Trinker, wie mir). Die Tasse Kaffee, die uns die Dame des Hauses natürlich von Hand gemahlen anschließend servierte schmeckte einfach Sensationell. Für mich hatte er einen leicht süßlichen, um nicht zu sagen einen schokoladenen Geschmack – obwohl er mir viel zu stark war und über etwas mehr Zucker hätte ich auch nicht gemeckert. Na gut, ich bin halt ein Teetrinker (noch lieber Bier oder Whisky – grins). Unter Gourmets allerdings ist der Ruf dieses Kaffees legendär.                                                        

Endlich hast du dich auch mal fotografieren lassen, bekam ich später daheim von meinen Eltern, Freunden und Bekannten zu hören. Je länger ich darüber nachdachte, je wahrscheinlicher erschien es mir, dass sie Recht hatten.

Gebäude, Plätze, Sehenswürdigkeiten, fremde Personen und andere für mich wichtige Ereignisse lichtete ich immer und immer wieder auf meinen Fotos ab. Ich dagegen war nur ganz selten auf einem dieser Bilder zu sehen. Wie viel sind Erinnerungen wert, wenn man nicht selbst darauf in Erscheinung tritt?

Animiert hatte mich Jochen, der mir ständig in den Ohren lag und sagte: »Stell dich doch mal da hin. Lass mich mal ein Bild an der Stelle machen. Schau mal ein tolles Motiv, da passt du gut rein.« So war zur Abwechslung mal nur ich auf den Bildern zu sehen und nicht die anderen. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar! So entstanden herrliche Erinnerungen auf dem Weg zu den Blue Mountains, unter der Baumwurzel eines umgestürzten Urwaldriesen, während eines einstündigen Badeaufenthaltes in einer einsamen Bucht und mit dem handgeflochtenem Bananenblatthut, der Stunden später schon wieder dunkelbraun und verwelkt war.

Leider habe ich an Hand der Fotos auch feststellen müssen, dass sich meine Figur langsam aber sicher in die Breite bewegte. Ich hatte sage und schreibe, so wie ich es am Anfang der ersten Fahrt schon vermutete, in einem halben Jahr fast 6 kg zugelegt. Nun gut, ich konnte damit leben.

Es wurde ein eindrucksvoller Tag. Von den Blue Mountains fuhren wir geradewegs nach Spanisch Town, der ehemaligen alten Inselhauptstadt, mit der ältesten auf den Westindischen Inseln zu findenden spanische Kirche, der St. Jago de la Vega.

Anschließend ging es nach Mandeville. Wie in Gottes Garten Eden lag die Stadt eingebettet inmitten von Zitrus Plantagen. Weiter südlich bei Milk River Bath sprudeln seit mehr als 250 Jahren, 32° C warme Mineralquellen aus dem Boden. Nicht weit entfernt stößt man auf den Lover’ Leap, ein 180 m hohen Steilhang in den Santa Cruz Mountains, sowie dem Treasure Beach, dem kleinen Fischerdorf mit seinem aus schwarzem Lava Sand bestehender Strand.

Bei so viel Natur ist es nicht verwunderlich, dass Jamaika auch ein ornithologisches Kleinod ist. Mit über 250 Vogelarten, davon sind 10% Endemiten, also Arten die nur auf dieser Insel vorkommen, ist die kleine Insel reich bestückt. Hier trifft man den Mango – Kolibri, den Orange – Ouit und natürlich Jamaikas Nationalvogel den „Doktorvogel“. Ein kleiner schwarzgrün schillernder Kolibri, der nicht scheu, ja mitunter sogar Hand zahm ist.

 In dem kleinen Örtchen Bluefields stärkten wir uns mit einem echten karibischen Cocktail, einem Jamaika-Rum-Punch, der selbstverständlich aus Rum, Caruba Dark, Orangensaft, viel gestoßenem Eis, Ananas- und Limonensaft bestand. Obendrein reichte man uns dazu Jerk Fleisch. Auf Jamaika ist das Jerk Fleisch (Dschörk) das, was hierzulande die Currywurst ist. In einer extrem scharfen Soße mit Zwiebeln, Ingwer, Chilischoten, Thymian, Zimt, Nelken, Piment, Sojasoße, Öl und Limettensaft (Gewürzmischungen können variieren),  mariniert das auf Holzstäbchen gespießte Hühner-, Schweine- oder Fischfleisch, bis es schließlich mittels Holzkohle gegrillt wird. Das geschieht meist auf handgefertigten Grillrosten die, um die Hitze zu halten mit Wellblechen abgedeckt werden oder über alte teils schon vom Rost zerfressene Ölfässer die von den Jamaikanern zu Grillfässern umgearbeitet wurden. An vielen Straßenecken oder einfach nur am Straßenrand findet man immer wieder diese qualmenden, rauchenden Fässer über denen die Einheimischen das Jerkfleisch zubereiten. Bei den Beilagen handelt es sich zumeist um Brotfrucht oder Süßkartoffeln und natürlich diese extrem scharfen Soßen.

Nach dieser erlebnisreichen Stärkung wollten wir zurück zum Auto. Noch bevor wir es erreichten, sprach uns ein Schwarzer mit einem Wust von verfilzten Dreadlocks auf dem Kopf an. Das erinnerte mich unweigerlich an das schlangenumwobene Haupt der Medusa.

Er  sprach uns an und sagte: »Hallo Joe, do you bye some Ganja?« Das hieß so viel wie, »Hallo Joe«, in Jamaika wird jeder einfach mit irgendeinem Vornamen angesprochen. Das kann Joe, Jack oder Jim sein, ganz egal. »Wollt ihr nicht ein bisschen Stoff kaufen?« Ganja ist die Landestypische Bezeichnung für die dort wachsende Cannabispflanze.

Erst hielt ich das Ganze für einen Scherz! Erst später klärten mich Tom und die anderen auf, dass Cannabis und ähnliche Drogen ganz normal sind auf Jamaika. Mit Ganja macht sich der Jamaikaner gedanklich frei als Hilfe zur Meditation.

 Die Behörden sind zwar immer auf der Suche nach Anbaugebiete, doch haben sie eines vernichtet, wird auf dem abgefackelten Feld sofort wieder neu ausgesät. Asche ist der beste Dünger und sich ein neues Gebiet zu suchen wäre viel zu aufwendig.

Von Bluefields aus fuhren wir über eine Straße bis nach Savanna la Mar, ein Ort den die Einheimischen nur Sav nennen. Wir entdeckten dort einen ortsansässigen Markt den überwiegend die Einheimischen nutzten. An einfachen Ständen und Buden konnte man Obst, Gemüse, Gewürze und die üblichen Dinge die Mann oder Frau so im Haushalt benötigten, erstehen.

Durch die Negril Hills ging es weiter in Richtung West End Negril, sozusagen in den äußersten Westen der Insel. Wir lenkten den Wagen vorbei an dem im Jahre 1894 erbauten Leuchtturm, dem Nergil Lighthouse.

In dessen Bucht hatten sich einst Piraten und Flibustier wohl gefühlt. Einer der bekanntesten Seeräuber war ohne Frage Henry Morgan, dem es um 1690 in Port Royal, der damaligen Hauptstadt am besten gefiel. Im Juni 1692 fiel Port Royal einem Erdbeben zum Opfer und wurde total zerstört. Auch ein Teil von Jules Vernes Roman „20 000 Meilen unter dem Meer“, wurde in dieser Bucht gefilmt.

Wir fuhren weiter die Küstenstraße entlang bis nach Negril. Der Ort, der als einziger auf dieser Insel mit einem sagenhaften 11 km langen weißen Sandstrand aufwarten konnte. Negril war zu diesem Zeitpunkt Mittelpunkt der alternativen Inselkultur, eine echte Künstlerkolonie. Hippies, Aussteiger, Maler, Bildhauer, Kunsthandwerker und alles was sich sonst noch Künstler nannte, machten diesen Ort in den sechziger und siebziger Jahren populär.

Das war lange bevor Hotels, Discos und Nightclubs hier das Zepter zu schwingen begannen und diesen Standort zu dem machten, was Negril heute ist, eine touristische Hochburg der gehobenen Preisklasse. Wer hier an der Bar sitzt lässt die Blicke schweifen, trinkt gemächlich seinen Cocktail oder Longdrink und wartet geduldig auf den nächsten romantischen Sonnenuntergang, denn hier findet der Urlauber echtes karibisches Flair.

Hier gibt es den längsten Strand. Hier erlebt man die schönsten Sonnenuntergänge. Hier kann man von den schroffsten Klippen auf das azurblaue Wasser der Karibik schauen und dabei liegen einem die schärfsten Bräute zu Füßen. Nur eine Kleinigkeit benötigt man noch dazu ... das ist Geld. Viel Geld! Hier gibt es nämlich auch die teuersten Übernachtungen, die nicht selten bei 500 € liegen, die Nacht versteht sich.

Unweit von Negril, die Küstenstraße entlang nur zirka 80 km entfernt liegt ein weiterer berühmter Ort, Montego Bay. Sie ist die drittgrößte Stadt auf dieser Insel und zu heutiger Zeit ist MoBay ein Bummel- und Einkaufsparadies. Leider reichte unsere Zeit nicht mehr aus, es wurde schon schummerig und wir mussten unseren Wagen wieder Richtung Kingston lenken.

Die erlebte Vielfalt ließ mich nicht schlafen. Immer wieder dachte ich an die traumhaften Fleckchen, die ich in den letzten Tagen, Wochen und Monaten zu sehen bekommen hatte und an denen es sich bestimmt wunderbar leben lässt, wenn man das nötige Kleingeld besaß.

Kein Geld dagegen brauchten die Arawaks, denn die waren nicht mehr am Leben. Die Arawaks waren die Ureinwohner von chaymaka, was so viel bedeutet, wie „wohl bewässert“. Später nannten die Briten diese Insel Jamaika. Nachdem die Arawaks ausgerottet waren und die Insel 1670 von den Spaniern nach langjährigem Krieg den Briten übergeben wurde, holten die sich im Tausch gegen Waffen, Alkohol und Perlen Sklaven vom afrikanischen und von anderen Kontinenten. Man zwang sie mit Peitsche und anderen Foltermethoden zu der schweren Arbeit auf den riesigen Zuckerrohrplantagen. Die daraus resultierenden Erträge wurden per Schiff nach England geschafft.

Aus dieser sehr bald entstehenden ethnischen Vielfalt erwuchs der jamaikanische Wahlspruch „Out of many one People“, was übersetzt bedeutet „aus vielen Völkern ein Volk“. Nach dem letzten großen Sklavenaufstand, wurde 1831 die Sklaverei abgeschafft.

Ist sie aber wirklich abgeschafft? Vielmehr besteht sie im geistigen Sinne noch heute! So sang einer der größten Vertreter der kreolisch nationalen Musikkultur, in einem seiner Songs „befreie dich von der geistigen Abhängigkeit“. Bei seinen Liedern handelte es sich weitgehendste um die Rhythmen des Reggaes, nicht minderbeeinflusst von den sklavischen burru und den religiösen Rasta Trommeln, welche Taktgeber für die Feldarbeit waren. Reggae ist die Musik der Ghettos von Kingston und wurde zum musikalischen Ausdruck der Rastafari Religion.

Reggae kommt von den Straßen Jamaikas und trägt die Vibes der Menschen in sich vereint, sozusagen den spirituellen Kampf, die der Gefühle, Ängste und Hoffnungen. Der Mann, der diesen Satz mit in seinen Redemption Song verarbeitete, war niemand anderer als Bob Marley. Lieder wie Simmer Down, I Shot The Sheriff und No Woman No Cry machten den Rastafari Anhänger, dessen Religionsbegründer Heile Selassie war, unvergesslich.

Die Rastafari Sekte wurde in den 30iger Jahren geboren als Haile Selassie zum letzten Kaiser von Äthiopien (1930–1936; 1941–1974 gekrönt wurde. Sein Herrschertitel war Neguse Negest („König der Könige“), und unter dem Ehrentitel „Löwe von Juda“ findet er unter einigen Rastafaris gottgleiche Verehrung. Selassie wurde unter dem Namen (Ras) Tafari Makonnen in der äthiopischen Provinz Hara als Sohn des dortigen Gouverneurs (Ras) geboren. Haile Selassie starb am 27. August 1975 in Addis Abeba. Äthiopien gilt seitdem als das gelobte Land in dem der schwarze Erlöser herrschte.                                                                                                                                                                  Marley war die weltweit größte jamaikanische Musiklegende und Mitbegründer des Reggaes. Als Robert Nesta Marley wurde er am 6. Februar 1945 in St. Ann auf Jamaika geboren. Aufgewachsen ist Marley zum großen Teil in Trench Town, einem Stadtteil und gleichsam eines der vielen Slum Viertel in Kingston, außerdem eine Hochburg der Reggae Musik. Er verstarb am 11. Mai 1981 im Alter von nur 36 Jahren in Florida. Diagnose Krebs! Er hinterließ Millionen trauernder Fans, 9 Kinder, geschätzte 30 Millionen Dollar und natürlich sein musikalisches Vermächtnis … den Reggae.

Bob Marley zählte mit Nelson Mandela und Martin Luther King zu den größten Streitern für die globale Bekämpfung der Schwarzen Unterdrückung.

Das sollte jedoch nicht unser Thema sein. Vielmehr bereiteten wir uns auf unseren Ocho Rios Ausflug vor. Badekleidung, Sonnencreme, Fotoapparat, ein selbstgebauter Grill aus einem alten Ölfass, also ganz Traditionell. Unsere  leibliche Verpflegung, wie Grillwürste, Nackensteaks und Fleischspieße verstauten wir in mehreren Kühltaschen, die uns neben Brot, Bier, Selters, Limonade und guter Laune dorthin begleiten sollten.

Der Fluss des Dunns, der zum Meer hin über mehrere Felsentrassen kaskadiert, wird in Wahrheit von nur drei Flüssen gespeist und nicht, wie es der spanische Name des nahegelegenen Ortes Ocho Rios, was acht Flüsse bedeutet, erahnen lässt.

Die Besteigung des 200m hohen Wasserfalls, über die zirka 1m bis 1,5m tiefen Kaskadenbecken ist nicht nur ein Vergnügen. Bei satten 35°C erschien mir das klare, kalte Flusswasser als wahrhaft willkommene Erfrischung. Ein Heidenspaß, den wir ohne Ausnahme genossen!

Mit reichlich Appetit ging es anschließend ans Grillen und später, wir mieteten uns eine einheimische Strand – Combo, legten wir zur körperlichen Ertüchtigung und unter sachkundiger Führung einen heißen Tanz in den noch heißeren Sand.

Jochen unser Backmann, holte sich einen karibischen Sonnenbrand und der Bootsmann, begann unter den Augen seiner Frau, die ihn auf dieser Fahrt begleitete, eine Affäre mit der 25 jährigen Jurastudentin unseres Feudel Geschwaders. Schlappi unser Obersteward, war voll wie zehntausend Haubitzen und Kalahari holte sich vom vielen Grillfleisch eine Magenverstimmung. Aber sonst war alles spitze.

Es wurde schon dunkel, als wir die Rückfahrt antraten und prompt hatten wir zweimal eine falsche Abfahrt genommen. Leider kann man eine so vielfältige Insel in der kurzen Zeit nicht vollständig erkunden.

Der nächste Tag brachte wieder Ruhe in den Alltag. Wir gingen unserer Arbeit nach und unser Auslauftermin war auf den späten Abend festgelegt. Mittags sollte es Fisch geben und unser Chefkoch zog eine seiner üblichen Überraschungen aus dem Ärmel. Soviel Wasser es hier gibt, so viele Fische gibt es hier. Das Meer war voll von dem Meeresgetier, ob Königsfisch, Yellowtail, Wahoo oder auch Krustentiere, wie die Languste. Manch einer fuhr sogar weit hinaus aufs karibische Meer, zum Hochseefischen und brachte sich einen prächtigen Blue Marlin mit.

Herbert hatte von einheimischen Fischern einen ganzen Korb voll Tiefseekrabben erstanden und die sollten wir heute Mittag servieren. Die Tiefseekrabben, man nennt sie auch Riesengarnelen, waren wirklich riesig, um die 80g wogen die Burschen. Sie wurden einfach in Olivenöl gebraten, auf Gemüsereis mit einer Sauce Aioli (eine pikante Knoblauchsoße) und einer Salatbeilage serviert. Zum Nachtisch gab es gemischtes Eis mit Sahne. Sollte das so weiter gehen, dann habe ich am Ende dieser Fahrt noch mal 6 Kilo zugenommen.

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beta
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