Katerstimmung

Die Sonne war bereits einige Stunden aufgegangen und tauchte das Wohnzimmer des kleinen Hauses in ein diffuses Licht. Staubkörnchen tanzten durch die Luft, vor allem dort zu sehen wo die Vorhänge nur halb zugezogen waren. Der Geruch der im Raum hing, war eine Mischung aus abgestandener Luft, dem Rest des Essens von gestern und den Hinterlassenschaften einer ereignisreichen Nacht.

Killian war, nachdem er auf der Bank wieder zu sich gekommen war noch richtig feiern gegangen und lag nun halb ausgezogen auf dem Vorleger kurz hinter der Eingangstür. Seine Haare waren mehr ein Nest für Vögel, als alles andere und irgendwann schien ihm ein Schuh verloren gegangen zu sein.
Jaroth lag seinerseits in einem ähnlichen Zustand nur völlig unbekleidet auf dem Fell vor dem Kamin. Wäre der Gestank und der Anblick von Erbrochenem nicht gewesen, wäre es ein sehr malerischer Anblick gewesen. Weiße Haut auf einem Tierfell vor einem verloschenen Feuer. Aus dieser Richtung kamen auch die ersten Lebenszeichen in Form eines lauten Würgen, erst dann kam Bewegung in den Körper. Mit viel Mühe schaffte es der weißhaarige in eine aufrechte Position nur um dann wieder die Hände vors Gesicht zu legen. Nach weiteren Minuten stellte er endlich fest, dass er zu Hause war und sich die Welt nicht wirklich um ihn drehte. Blinzelt sah er sich um. Mit Ekel sah er die Schweinerei die er selbst angestellt hatte, doch noch war er nicht in der Lage sich mehr zu bewegen. Das er nackt war und seine Sachen auch nirgendwo um ihn herum langen, beunruhigte ihn weit weniger als er erwartet hatte. Nur langsam sickerte dann aber die Erkenntnis durch, dass es möglich war, dass er schon länger nackt herumlief als ihm lieb sein konnte.
„Was ist nur passiert… nachdem ich aus dem Wald zurück war?“ murmelte er leise. An die Frau konnte er sich noch erinnern. Es war eine Halbelfe gewesen, die ihn verführt hatte, auch wenn der Name nicht mehr ganz so viel Raum in seinem Gedächtnis einnahm. Aber was danach geschehen war, lag in einem Nebel aus selbst gebranntem Rum und irgendeinen Kraut welches herumgegangen war. Vorsichtig tastete Jaroth über seinen Körper, nur um sicher zu gehen, dass alles an seinem Platz war. Phil, der Sohn des Schmieds hatte sich einmal mit einer heißen Zange im völlig besoffenen Zustand ein Brandzeichen verpasst, nur um es am nächsten Tag zu finden und sich wie eine Kuh zu fühlen. Soweit war es bei Jaroth nicht gekommen, zum Glück. Auch sonst schien er unverletzt zu sein, bis auf einen Brummschädel. Blinzelt nahm er das Haus in Augenschein und fand den Haufen aus Mensch und Kleidung hinter der Eingangstür liegen. „Immerhin bin ich nicht der Einzige der abgestürzt ist.“ Kopfschüttelnd rappelte er sich auf, schnappte sich eine Decke und wickelte sie sich provisorisch um die Hüfte.

Sein erster Weg führte ihn in die Küche um sich den schlechten Geschmack aus dem Mund zu spülen, danach nahm er den Weg zu seinem Freund auf sich, ließ sich auf den Boden sinken. „Killian… lebst du noch?“ mit einem sanften Stupsen an der Schulter versuchte er auf sich aufmerksam zu machen. Ein Brummen war die Antwort und etwas das entfernt wie ihre Sprache klang. „Killian… lebst du noch?“ fragte er nochmal. Diesmal bekam er sogar das Gesicht zu sehen, auch wenn es verquollen und faltig aussah. Die Abdrücke des Vorlegers hatten sich auf seine Wange gebrannt. „Ich glaube nicht“, gab Killian mit kratziger Stimme zurück. „Was ist passiert und was stinkt hier so eklig?“ schnüffelnd rollte er sich auf den Rücken und bereute die Bewegung schnell. „Ich fürchte ich bin es der so stinkt," gab Jaroth kleinlaut zu, "nicht nur du hattest einen aufregenden Abend. Wir haben es wohl beide übertrieben.“

Es dauerte mehrere Stunden bis sie nicht nur sich selbst, sondern auch das Haus wieder in einen normalen Zustand gebracht hatten. Nach draußen waren sie nur zum Wasser holen gegangen. Das ganze Dorf schien noch in Katerstimmung zu sein und kaum jemand war auf den Straßen unterwegs. Nichts Ungewöhnliches am Tag nach den Feierlichkeiten. Es würde noch Tage dauern, bis alles wieder in normalen Bahnen funktionierte.
Die Fenster standen weit offen um zu Lüften und die beiden jungen Männer saßen am Tisch und aßen langsam etwas Brei. Nur leichte Kost für ihre geschundenen Mägen. Zwischen ihnen herrschte betretenes Schweigen. Sie hatten sich nicht mit den besten Worten getrennt und nun war es schwer unverfängliche Themen anzuschneiden. Killian hatte das Bedürfnis von Malik zu erzählen. Er wusste nicht mehr genau was alles geschehen war, doch seine Erinnerungen kamen langsam zurück. An die Worte die er gesprochen hatte, den komischen Zweig den er benutzt hatte. All das ergab keinen Sinn. 
"Ich habe gestern Malik getroffen, in der Gasse hinter der Bäckerei." Jaroth sah von seinem Brei auf. "Und jetzt bist du deine Jungfräulichkeit los oder was?" Seine Stimme war sofort dunkler geworden. "Ich habe dir immer wieder gesagt, dass dieser Kerl großen Ärger bedeutet, aber du willst es mir nicht glauben." Killian blinzelte und warf mit einem Stück Brot nach seinem Gegenüber. "Jungfräulichkeit ja? Du solltest besser als jeder andere hier wissen, dass es damit schon lange vorbei ist! Aber er hat was anderes komisches mit mir gemacht... ich kann es nicht richtig erklären ehrlich gesagt." In seinem noch leicht nebligen Kopf versuchte er die Geschehnisse zu rekonstruieren.
„Er hat mich aufgehalten und ich glaube ich hab ihn angepöbelt, dann haben wir uns Beleidigungen an den Kopf geworfen. Er war sehr merkwürdig, aber das ist er ja eigentlich immer. Plötzlich hat er so einen kleinen Stock aus der Tasche gezogen, irgendwas gemurmelt und ich bin ohnmächtig geworden." Jaroth lies klappernd den Löffel in die Schüssel fallen und stand auf. "Was hat er gesagt und bist du verletzt?" Egal wie sehr sie sich gestritten hatten, Malik würde den Tag nicht überleben an dem er ihm irgendwas antat. Vorsichtig untersuchte er den Kopf des Dunkelhaarigen nach einer Wunde, doch seine Hände wurden zur Seite geschlagen. "Nein ich bin auf einer Bank auf dem Markt wieder aufgewacht... aber ich habe geträumt. Von dem Tag als ich fast im See ertrunken wäre." Killian seufzte leise und sein Freund ließ sich vor ihm auf dem Boden nieder. Auch er erinnerte sich daran, es war damals wirklich knapp gewesen. "Außerdem habe ich noch so etwas wie ein Dorf gesehen, in einem roten Nebel... ich weiß wirklich nicht was er damit bezwecken wollte." Jaroth rieb sich über das müde Gesicht. "Weißt du noch was er gesagt hat? Es könnte uns helfen." Killian schüttelte den Kopf. "Es war eine fremde Sprache. Aber erzähl mir was du gemacht hast?"

Langsam, sehr langsam stand Jaroth auf und ging ans offene Fenster. So richtig wollte er nicht mit der Sprache raus. Eigentlich war es dumm sich dafür zu schämen. Der Sex mit der Halbelfe war toll gewesen und er war seinem Kindheitsfreund keine Rechenschaft schuldig. Trotzdem versuchte er so belanglos wie möglich zu klingen. "Ich war im Wald und habe mich von einer jungen Halbelfe verführen lassen... und bevor du fragst. Ich weiß nicht wer sie ist und ihren Namen hab ich vergessen."

                      

Kommentare

beta
Feenstaub

Navigation

Sprachen

Social Media