Kennen Sie Innere Leere?

Aber ich kehre hier lieber zur eigentlichen Geschichte zurück. Jetzt saß ich also in einem 'Untersuchungszimmer' mit der Assistenzärztin und einem Pfleger. Ich war noch immer ganz benommen, völlig durcheinander und konnte kaum das Formular lesen, das mir der Pfleger gab, auf dem eigentlich nur stand, dass ich mit dem Handy keine Videoaufnahmen machen durfte. Denn jetzt stand fest: Ich kam auf die geschlossene Station. Weil ich mich nach wie vor nicht ausdrücklich von Suizidgedanken distanzieren konnte.
Sie stellten mir ein paar Fragen, ob ich Stimmen hörte oder Halluzinationen hatte. Alles Quatsch! Sowas hatte ich noch nie.
Aber auch Fragen zu meinem Körperproblem, meinen Depressionen, der Anorexie, meinen Eltern...

Wer hat schon einfache Fragen parat, wenn er sich geschworen hat, niemals nur an sich selbst zu denken? Denn um die Fragen zu beantworten, musste ich mich gegen drei Menschen ganz besonders stellen. Und wer war das wohl, wenn nicht Mama und Papa und zu guter Letzt, ich selbst?
Wenn ich früher versucht habe Antworten auf meine Fragen zu finden, Lösungen für meine Probleme, Verständnis für meine Lethargie, dann kratzte ich an der Oberfläche. Ich habe mich noch nie getraut eigenständig an das heranzugehen, was unter der Oberfläche schlummert. Das heißt, ich habe nie über mein Körperproblem nachgedacht oder über das Verhältnis zu meinen Eltern. Selbstverständlich waren das aber meine Hauptprobleme und es war irgendwie witzig über Problemchen nachzudenken, die gar nicht hauptsächlich verantwortlich waren für mein gestörtes Verhalten. Denn wenn ich über die tatsächlichen Probleme nachdenke, dann tut das weh. Und wer will schon, dass es wehtut? Wer will schon, dass es so wehtut, dass die Suizidgedanken zurück kommen, wenn man alleine in seinem Zimmer sitzt, das Fenster öffnen könnte, sich Schmerztabletten aus dem Küchenschrank holen könnte oder viele spitze Gegenstände griffbereit hat? Wer ist so kurzsichtig und bringt sich selbst in Gefahr? Und dann heißt es Fliehen... wie eine feige Sau! Oder in diesem Fall: Verdrängen. Verdrängen... wie eine sehr feige Sau.

Schließlich untersuchte mich die Ärztin noch körperlich. Sie hörte mein Herz ab, testete meine Reflexe und maß meinen Blutdruck. Dabei fielen ihr auch die Narben an meinem Unterarm auf. Sie stellte daraufhin die Frage: 'Haben Sie manchmal das Gefühl ganz laut schreien zu wollen und Sachen durch die Gegend zu werfen?' Ich nickte, heftig, sehr. Konnte sie meine Gedanken lesen? Und eine weitere Frage: 'Kennen Sie Gefühle von innerer Leere?' Nun. Um ehrlich zu sein, war dies eines meiner Hauptprobleme. Wie fühlt man sich in einem goldenen Käfig, wenn nicht absolut leer, ja beinahe tot?

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