Kurz und schmerzlos

Ab dem Zeitpunkt ihrer Zustimmung verflog die Zeit wieder wie im Flug. Leonora fuhr sie mit einem schicken, schwarzen Porsche. Kelsey wollt unbedingt mitkommen, aber ihre Mutter meinte es wäre besser, wenn nur sie mitkomme.

Während der Fahrt unterhielten sie sich über das, was sie ihren Entern erzählen wollten. "Ich würde ihnen erzählen, dass sie mich auf eine Schule für gestörte Kinder schicken wollen." Avery musste doch tatsächlich lachen als sie das sagte.

Verdammt nochmal, in nicht mal einem Tag hat diese Familie es geschaft, ihr ganzes Leben umzuwerfen. Sie fühlte sich merkwürdig frei und froh. Seit Jahren schon hatte sie nicht mehr richtig gelacht.

"Ich denke nicht, dass das eine gute Idee ist," auch Leonora musste über ihren Einfall offenbar schmunzeln, "aber ich werde sagen, dass du besonders gefördert gehörst. Was ja auch stimmt."

Avery zuckte mit den Schultern. "Sie wissen es bestimmt am besten."

Leonora nickte. "Du wirst sofort deine Sachen packen müssen, damit wir gleich los können. Ich kümmere mich um deine Familie!"

"Was? Das ganze soll sofort starten? Aber..."

"Glaube mir, es ist besser, wenn es schnell geht. Im Übrigen wirst du nicht oft nach Hause können. Du kannst mit deinen Eltern telefonieren. Darüber hinaus, gibt es an deiner neuen Schule nicht viel Technik."

Seufzend lies sie sich ihnen Sitz sinken. "Dann werden wir da also auch wohnen... Was ist mit meinem Bruder? Ich möchte nicht, dass Sie... Naja... In seinem Kopf rumpfuschen."

Auch wenn sie nie etwas mit ihm machte, war Xenian doch der einzige in der Familie, der sie irgendwo verstand. Er respektierte sie so wie sie war und wusste instinktiv, wann sie alleine sein wollte und wann er kommen konnte, um sie ein wenig zu nerven.

"Mach dir keine Sorgen. Es wird ein notweniges Übel sein, um dich in Sicherheit zu wiegen. In den Sommerferien kannst du sie besuchen!" Ihre Stimme war beschwichtigend. "Ich werde dich dann wieder bei uns zu Hause absetzen. Danach fahre ich zu deiner Schule und kläre alles dort!"

Mittlerweile waren sie in der Straße angelangt, in der Avery wohnte. Leonora parkte das Auto vor ihrem Haus und stieg aus. Avery tat es ihr gleich, sprintete zur Tür und schloss auf. Bevor sie rein gingen flüsterte ihr Leonora noch zu: "Lass all deine Schulsachen hier! Du bekommst alles gestellt!"

Avery flitze in ihr Zimmer, während Leonora sich in ihr Wohnzimmer begab, wo ihre Eltern saßen und lasen. Xenian war offensichtlich auch gerade erst gekommen, denn sie sah, wie er seine Schultasche auf seinen Schreibtischstuhl knallen lies. Er hatte sie gehört. "Hey Kleine, wo kommst du den her?"

Avery schaute sich hilfesuchend um, aber natürlich war niemand da. "Ich war bei einer Beraterin, die gerade unten bei Mom und Dad sind." Langsam bewegte sie sich auf ihre Zimmertür zu. Jetzt musste es schnell gehen. Xenian kam ihr hinterher getappt und lehnte sich dann lässig an ihren Türrahmen.

Etwas frustriert darüber, dass er sie beobachtete, marschierte sie zum Fenster und schob das Rollo ein gutes Stück nach oben. Ein kurzer Blick zu ihrem Bruder, zeigte ihr, dass er ziemlich verdattert drein blickte. Avery war über sich selbst überrascht. Ein kurzer Lichtstrahl durchflutete ihr Zimmer. Sie trat sofort zurück, um nicht im Lichtpegel zu stehen.

Unter ihrem Schrank zog sie ihre Reisetasche hervor und schmiss so schnell es ging ihre Klamotten hinein.

In dem Moment piepste ihr Handy. Das war komisch. Sie hatte noch nie eine SMS bekommen.

>Pack nur wenige eigene Kleidung ein! Wir haben da Schuluniformen! Lass alles an Technik zu Hause, auch das Handy, es wird dir sowieso abgenommen.

Bis gleich

Nate<

Mit einem "Mhpf" packte sie ihre Sachen wieder in den Schrank und schnappte sich stattdessen ein paar Bücher, Kosmetiktasche und ihr Notizheft. Der Koffer war jetzt immer noch halb leer. Suchend sah sie sich um.

"Sag mal, was soll das eigentlich werden?"

Avery hatte ganz vergessen, dass Xenian noch immer in der Tür stand und alles mit ansah.

"Ich werde auf eine Art Internat gehen. Wenn du ins Wohnzimmer gehst, weist du auch um was es geht!"

"Hmm..." Er nickte und verduftete.

Erleichtert darüber, nicht weiter beobachtet zu werden, überlegte sie was sie noch einpacken könnte. Ihr Blick landete auf ihrem Bett. Mit einem kurzen Zögern nahm sie ihre große Kuscheltierkatze und stopfte sie in den Koffer. Nun sah er wenigstens etwas voller aus.


Als sie in der Stube ankam, stand Leonora gerade auf und verabschiedete sich. "Es hat mich gefreut sie kennenzulernen!" sagte sie, als sie die Hand von ihrem Vater schüttelte.

"Ah, da ist sie ja." Sie nickte ihr zu.

Ihre Eltern kamen auf sie zu, umarmten sie und schmatzen sie von allen Seiten ab. Avery lies diese ungewohnte Geste steif über sich ergehen. Wäre es gestern gewesen, hätte sie nicht mal hier gestanden. Avery wusste, dass es für ihre Eltern in dem Moment eigentlich komisch sein müsste, aber dank der noch frischen Manipulation, führten sie auch auf, wie normale Eltern.

"Tschüss, hab euch lieb." murmelte sie in den Nacken ihrer Mutter.

Xenian saß nur da und beobachtete das ganze, während Leonora sich bereits an der Tür befand.

Endlich ließen ihre Eltern von ihr ab, und ihr Bruder erhob sich. "Lass dich nicht unterkriegen! Und ruf an wenn was ist! Ich bin für dich da." Er drückte sie kurz mit einem traurigen Ausdruck im Gesicht. Er war überhaupt der einzige, der irgendwie müde und erschöpft wirkte. Ihre Eltern standen grinsend daneben und sahen so aus, als hätten sie gerade im Lotto gewonnen.

Ob das an der Manipulation lag?

Sie kam nicht mehr dazu, über diese Frage zu philosophieren, den Leonora zog sie sanft nach draußen. Sie nahm ihren Koffer, verfrachtete diesen im Kofferraum und schob Avery dann auf den Beifahrersitz.

Avery schauet noch einmal zu dem Haus, wo sie 10 Jahre gewohnt hatte.

Hoffentlich hatte sie die Gelegenheit nochmal hier her zu kommen.

Im Türrahmen stand ihre Familie. Mom und Dad winkten, doch Xenian stand nur leicht zusammengesackt daneben und schaute traurig aus der Wäsche. Avery winkte speziell ihm zu und ein Lächeln zuckte über seine Lippen.

Dann fuhr der Wagen los und das Haus, sowie alles was dazugehörte, versschwanden aus ihrem Blickfeld.

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