Lisa

Liebe.

Sie tut weh. Vor allem, wenn man den anderen gehen lassen muss. Wenn man ihn nicht einengen möche. Nicht einschränken und schon gar nicht an ihm klammern.

Vertrauen.

Liebe braucht Vertrauen. Dass ich nicht habe. Aber ich kämpfe mit mir. Ringe mit mir. Um Per das zu geben, was er braucht. Was er möchte. Nur, um ihm nicht im Weg zu sein. Manchmal geht meine Eifersucht mit mir durch. Mein direktes Wesen. Es lässt sich nur schwer im Zaum halten. Und wenn Per mit Daniel sich die Nacht um die Ohren geschlagen hat... Will ich eigentlich gar nicht wissen, wie lange oder besser kurz sie allein gewesen sind. Bis sich ein, zwei oder gar eine ganze Gruppe Hühner zu ihnen gesellt haben.

Loslassen...

sollte ich Per. Sonst verkümmert er. Verwelkt wie eine Blume, die zwar gegossen wird, aber im Haus steht. Obwohl sie in den Garten gehört. Er ist kein Kind von Traurigkeit. Nein. Er ist fröhlich, unternehmungslustig. Lebensfroh. An keinem Ort zu Hause. Und ich will ihm das nicht nehmen. Doch es gelingt mir nicht immer. Eigentlich immer seltener. Mit jedem Mal, in dem ich ihm Freiheiten zugestehe, ihn gehen lasse, allein, ohne mich, wird es schlimmer. Kommt die Angst schneller. Dauert länger.

Daniel.

Er zieht die Mädels an wie der Honig die Fliegen. Und Per ist auch kein Kind von Traurigkeit. Wenn ich ihm doch nur vertrauen würde. Könnte. Dabei ist es gar nicht seine Schuld. Er kann am wenigsten dafür. Verkorkst bin ich. Meine Gedanken sind verquer und bilden sich Gespenster und sonstigen Blödsinn ein. Und ich stehe ihnen machtlos gegenüber. Lass mich von ihnen einlullen, überfluten und verwirren. Bis ich selbst nicht mehr weiß, an was ich glauben soll. Wem ich glauben kann.

Und das Allerschlimmste...

Niemand weiß davon. Ich kann, nein, ich will mit niemandem darüber reden. Nicht mit Kristine, nicht mit Kathy, und als allerletztes mit Per. Schlimm genug, dass Kathy und Kristine immer schon blöde Fragen stellen und mich argwöhnisch mustern, wenn Per mal wieder mit den Jungs um die Häuser zieht, zu einem Konzert fährt, oder einfach nur zum Proben. Spätestens, wenn er sich zur vereinbarten Zeit nicht meldet, dreh ich am Rad und spinne mir Sachen zusammen. Die so viel wahrscheinlicher zu sein scheinen, als die Möglichkeit, dass Per mich einfach liebt um meiner selbst willen und mir einfach treu ist. Das der Umgang mit den Mädels zu seinem Leben als Bandmitglied einfach dazugehört. Und da sie auch wirklich gut sind, immer dazugehören wird, solange er bei den 32 Shots mitspielt.

Wenn er doch einfach sein Studium beenden würde und mit einem ganz normalen Job sein Geld verdienen würde... würde ich trotzdem hinter jeder Sekretärin, Klientin oder Mandantin wieder jemanden vermuten, der mehr Interesse an ihm hat.


Ich bin, wie ich bin und kann nicht aus meiner Haut. Per ist alles, was ich habe. Seit meine Eltern ums Leben gekommen sind, habe ich allein dagestanden und mich nur um mich kümmern müssen. Doch dann, als Per in mein Leben gestolpert ist... nein, besser ich in seines, hat sich alles geändert. Seit dem sind meine Verlustängste dermaßen dominant, hervorgekrochen aus dem allerletzten Eck, in dass ich sie verbannt hatte, dass es mich selbst erschreckt und mich mit kaltem Horror erfüllt. Vermutlich wäre ich eines der Paradebeispiele jedes Psychologen, aber ich bin meinen Problemen gegenüber einfach schwach und hilflos. Obwohl ich sie benennen kann, erkennen kann, und in der Theorie auch weiß, dass da nichts daran ist. Doch was soll ich tun? Jedes Mal, wenn ich dagegen ankämpfe, bekomme ich schwitzige Hände, Schweißausbrüche, Herzrasen und male den Teufel an die Wand. In bin gefangen in der Umklammerung dieser Gefühle, die jeden rationalen Gedanken im Keim ersticken. Nein. Erwürgen.

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