Als ich mich umdrehte und ging, spürte ich, wie alles zurückkam. Ich sah Seine markante Nase, die sinnlichen Lippen, das sanfte Kinn. Die dunklen Brauen über den schmalen, blauen Augen, das blonde Haar, welches lasziv in seine Stirne hing und dessen volle Strähnen an den harten Wangenknochen hafteten, klebrig von Schweiß. Ich spürte den starken Atem, der stoßweise aus den vollen, leicht geöffneten Lippen drang. Ich roch seinen Körper, den beißenden Geruch nach Körperausdünstungen ebenso wie den unverkennbaren Hauch von Oregano. Seine Brust hob und senkte sich in einem gleichmäßigen, ruhigen Rhythmus.

Ich erkannte das Schimmern in seinen Augen, erkannte die Geste, wie er sich mit der Hand über den Unterarm rieb. Was bleibt uns, wenn alles verloren ist? Ich liebte ihn, und auch er liebte mich. Er wirkte gehetzt und dennoch gefasst; unentschlossen. Ich sah, dass er mich bitten wollte, mich anflehen wollte, ihn aufzuhalten. Und ich wäre sofort zu ihm geeilt, hätte er es getan. Denn er ist es, was ich liebe. Was ich geliebt habe und immer lieben werde. Doch er blieb stumm. Nur sah er mich an, mit diesem unglaublichen Blick. Er wirkte hoffnungslos. Und voller Liebe. Ich begann zu weinen, denn ich hielt es nicht aus, ihn so zu sehen wie er dort stand und zu mir blickte. Aber er hatte sich bereits entschieden. Die Fingerknöchel seiner Hände traten weiß aus den geballten Fäusten hervor und ich konnte erkennen, wie sich sein Kiefer anspannte.

Er sprang und ich tat nichts dagegen. Ich ließ ihn, wie er war. Meine Liebe. Mein Leben.

Er sprang und ich ging, verließ diesen Ort.

Er sprang und verließ mich. Denn er konnte es nicht ertragen, er hielt es nicht aus mich zu lieben.

Mich. Einen Jungen, einen Mann.

Er fand es widerwärtig, ekelhaft.

Er sprang, und ich habe ihn gelassen.

Kommentare

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    unglaublich schmerzhaft. wahnsinnig gut geschrieben

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    Ein wirklich interessanter Text, hoffe nur das es nicht ganz so dramatisch bei dir verläuft. Ich schließe mich Alexandra an, du wirst jemand finden, der dich liebt wie du bist. Verlier also nicht die Zuversicht und bleib dir selbst treu, du bist perferkt so, wie du bist. :) Zum Text selbst, er hat mir sehr gefallen und es schien mir als ob die Nebel der Unkenntnis langsam, aber stättig gelöst wurden. Hier und da war eine Wortwiederholung in dichterem Kreise oder Mal eine Formulierung, die ich persönlich anders gesetzt hätte, aber das sind Kleinigkeiten die nichts am Lesegenuss geändert haben. ^-^ Liebe Grüße, Felix

  • Author Portrait

    Liebe ist so ein tolles Gefühl, es lässt dich schweben, lässt dich lachen macht dich einfach glücklich und dennoch mit so viel Schmerz behaftet. Auch du wirst dem Partner fürs Leben eines Tages begegnen. Lg

beta
Feenstaub

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