Lumnia- Menschenpriesterin (3/5)

Es gab niemanden sonst, der sie begleitete, doch Lumnia fühlte sich sehr sicher mit Dadga an ihrer Seite. Seine ruhige Gegenwart tat ihr gut.

Die beiden ritten auf edlen Pferden. Lumnia auf einem Schimmel, mit wehender Mähne. Er war geschmückt mit Zaumzeug aus Silber. Blaue, blumenförmige Beschläge zierten es. Lumnias langer Reiseumhang aus blauer Seide, fiel wie Wellen über die Kruppe des Pferdes hinab. Auch Dadga trug einen Umhang, aber aus dunkelrotem Wollstoff. Dieser passte zu seiner silbernen Rüstung mit den roten Drachenschuppen. In Azeroth gab es an manchen Orten Drachen. Diese hatten aber nichts mit den „Grossen Drachen“ zu tun, die einst den göttlichen Auftrag erhielten, über diese Welt hier zu wachen. Es waren ganz normale Drachen, die meist ziemlich angriffslustig waren. Es gab deshalb besondere Drachenjäger in Azeroth und dann auch jene, die die harten, aber dennoch erstaunlich beweglichen Schuppen der mächtigen Echsen zu edlen Rüstungen verarbeiteten. Dadga trug so eine Rüstung, was ihn sehr eindrucksvoll erscheinen liess. Ausserdem passte er zu Lumnia mit ihrer roten Robe. War das wohl Absicht gewesen? Dadgas Pferd war ein stämmiger Fuchs. Sein Zaumzeug war etwas schlichter, als das von Lumnias Reittier,dafür waren seine Flanken und der edle Kopf noch zusätzlich mit glänzenden Platten geschützt. Ein richtiges Streitross eben.

Sie waren zwei Tage unterwegs, bis sie schliesslich die schneeverwehten Gipfel von Dun Morogh erreichten. Dort fanden sie Unterschlupf bei einer Zwergen Freundin von Dadga. Ihr Name war Apollia. Sie lebte in Eisenschmiede- der gewaltigen Hauptstadt der Zwerge, die in einen Berg hinein gebaut war. Apollonia war sehr freundlich. Sie hatte rotes, halblanges Haar, von welchem ein Teil zu Zöpfen geflochten war. Sie reichte Lumnia nur bis zur Brust, war aber umso resoluter und selbstsicherer in ihrer Art. Die Priesterin mochte sie auf Anhieb. Apollia war schon ziemlich kriegserfahren und eine ausgezeichnete Schützin. Es gab nur wenige, die so geschickt mir ihrer Muskete umgehen konnten, wie sie. Ausserdem war sie sehr naturverbunden. Sie besass eine besondere Begabung mit Tieren umzugehen und wünschte sich insgeheim, einst ein wildes Tier zu zähmen, dass sie dann begleiten konnte, wie es bei den Nachtelfen häufig vorkam.  

Lumnia und Dadga verbrachten eine Nacht in Eisenschmiede und waren sehr beeindruckt. Besonders die gewaltige Schmiede im Zentrum der Stadt war einzigartig. Goldglänzendes Metall, gewonnen aus der Lava, die tief unter der Stadt dahinfloss, stürzte leuchtenden Wasserfällen gleich, aus Öffnungen, im hoch gewölbten Felsdach herab. In riesigen Behältern wurde es dann aufgefangen und zu verschiedensten Waffen und Rüstungsgegenständen verarbeitet. Die Zwerge arbeiteten rund um die Uhr, um ihrem Ruf als einzigartige Schmiede gerecht zu werden.

Leider konnten Lumnia und Dadga nicht lange bleiben, denn sie mussten weiter. Schliesslich durchquerten sie das steinerne, mit zwei goldroten Hämmern und Rautenmustern verzierte Südtor, das sie in einen von Feuern erleuchteten Felstunnel führte. „Solche Tore und Tunnels werden wir noch öfters durchqueren, bis wir im Sumpfland sind,“ erklärte ihr Dadga. „ Ist eine sehr gebirgige Gegend hier. Das „Tal der Könige“ wird dir besonders gefallen, denn dort gibt es zwei eindrückliche, aus Fels gehauene Zwergenstatuen.“

Nach dem ersten Tor, gingen die beiden einen gewundenen Weg herab und dann sah Lumnia die eindrücklichen Statuen die den Weg nach Loch Modan, rechts und links flankierten! Es waren zwei Männer. Der eine trug ein Beil und der andere einen Hammer. Sie stützten ihren Waffenarm auf die grossen, breiten Säulen, die ihren Schatten über den groben Steinpfad warfen. Die beiden Reisenden wendeten sich nach Norden, wo sie das tiefgrüne Land „Loch Modan“ empfing. Dieser Ort war nach dem grossen Bergsee, in seinem Zentrum benannt. Auch hier fanden sie Unterschlupf bei einem Freund von Dadga, der in einer kleinen Siedlung, genannt Thelsamar lebte. Sein Name war Morhan und er hatte langes, schwarzes Haar das zu einem Zopf geflochten war. Wie alle Zwergenmänner trug er einen dichten Bart. Er war sehr nett, wenn auch etwas raubeinig, wie die meisten seines Volkes.

Weiter ging dann die Reise ins Sumpfland. Dies war ein aus gewaltigen Mooren bestehender Landstrich. Die dunklen, unheimlichen Moorseen, waren umgeben mit dichtem Buschwerk. Hohe Bäume mit gewaltigen, flachen Kronen erhoben sich in die, meist von einem leichten Dunst durchdrungene, stickige Luft. Der Himmel hatte hier ein trübes Blau und es fiel einem zeitweise schwer zu atmen. Lumnia war noch nie so weit gereist. Sie konnte sich kaum sattsehen an all den Wundern der Welt Azeroth. Dadga stellte sich nicht nur als sehr hilfsbereiter, liebenswürdiger Begleiter heraus, sondern auch als angenehm geistreich und unterhaltsam. Er war zwar grundsätzlich ruhig in seiner Art, aber er besass einen trockenen Humor, der Lumnia sehr oft zum Lachen brachte. Sie lernte Dadga nun erst so richtig kennen und sie mochte ihn wirklich sehr. Dennoch Gefühle wie Liebe, konnte sie noch nicht für ihn entwickeln, zu sehr dachte sie noch an Dabog. Dadga versuchte alles, um ihr die Reise angenehm zu gestalten und er zeigte mehr Gefühl als bisher. So eine Reise verband einen ja auch.

Im Hafen von Menethil, einem Stützpunkt der Allianz, machten sie erneut Halt. Sie quartierten sich dort im Gasthaus „Tiefenwassertaverne, einem Riegelhaus mir blauem Ziegeldach ein. Dadga zeigte Lumnia die gewaltigen Anlegestellen. „Von hier aus fahren grosse Schiffe, in alle Allianzgebiete. Man kann ins Nachtelfen- Reich, auf die Insel Theramore, wo sich die Düstermarschen- ein anderes Sumpfgebiet befinden und auch auf die Azurmythosinsel, wo die Draenei leben.“ „Die Draenei? Hast du solche schon mal gesehen?“ „Ja man muss sich hier nur etwas umschauen. Die Draenei fallen einem sofort ins Auge. Sie sind grösser und eindrucksvoller, als alle andern Völker Azeroths. Sie lassen sich von Lichtwesen, genannt Naruu leiten und sind um ein friedliches Miteinander aller Völker sehr bemüht.“ „Wie wir auch...“ sinnierte Lumnia. „Ja wie wir auch. Wir werden alles versuchen, um wenigsten einen Beitrag zur Vereinigung der Völker zu leisten.“ Lumnia sah ihn an, irgendwie empfand sie ein seltsames Gefühl in der Gegend ihres Herzens. Dadga war immer vollkommen aufrichtig in allem was er sagte und sie merkte immer mehr, wieviel sie eigentlich gemeinsam hatten. Ihm lagen dieselben Dinge am Herzen, wie ihr. Er war derselbe Idealist wie sie... „Doch das...war Dabog auch...“ korrigierte sie sich sofort. „Er und ich hatten etwas, das nie zu ersetzen sein wird, so sehr ich Dadga auch ins Herz geschlossen habe. Zwischen ihm und mir kann nie mehr als Freundschaft sein.“

Etwas abrupt wandte sich die Priesterin ab und meinte: „Ich bin jetzt sehr müde, gehen wir ins Gasthaus?“ Dadga nickte und führte sie zur Gaststätte zurück. Dort legten sie sich dann, jeder in seinem eigenen, kleinen Zimmer, mit naturweissen Laken schlafen.  

Am nächsten Tag, machten sie sich wieder früh auf den Weg. Die Sonne ging gerade auf und warf ihr rosa Licht durch den morgendlichen Dunst der Sümpfe. Überall hörte man Vogelrufe und die tellerförmigen Baumkronen raschelten sanft ihm Wind.

„Wir müssen bei Dun Modr über den Thandolübergang,“ erkärte ihr Dadga. „Ein kleines Stück müssen wir dann noch durch das Arathihochland, dann sind wir bald im Hügelland.“ Sie waren jetzt bald fünf Tage unterwegs und immer wieder gab es für Lumnia neue, erstaunliche Dinge zu entdecken. Sie war sehr dankbar dass sie der Paladin begleitet. Er kannte sich überall sehr gut aus „Bald wird das Gebiet gefährlicher,“ meinte er. „Im Arathihochland treiben sich oft Räuber des Syndikats herum und auch Untote patrouillieren oft auf den Strassen. Das Arathihochland und besonders das Hügelland, sind umkämpftes Gebiet. In Arathi gibt es im Osten einen Hordenstützpunkt, der sich Hammerfall nennt. Der Stützpunkt der Allianz ist im Westen. Wir werden daran vorbei kommen und vielleicht nochmals eine Rast einlegen. Dann geht es weiter Richtung Hügelland. Dort befindet sich im Süden an der Küste, Süderstade- der Stützpunkt der Allianz und nicht weit weg davon, mehr im Norden, Tarrens Mühle. Ich hoffe wirklich wir sind erfolgreich.“

„Wir müssen einfach darauf vertrauen, dass das Licht uns führt,“ gab Lumnia zurück. „Es sieht aus, als hättest du das Vertrauen und deinen Glauben wieder gefunden?“ meinte Dadga erfreut. „Ja und daran bist du nicht unschuldig“, Lumnia lächelte ihn an. Er wurde etwas verlegen und es kam ihr vor, als hätten sich seine Wangen etwas gerötet. „Wie meinst du das?“ „Während alle andern mir mein Vorhaben ausreden wollten, hast du mich immer verstanden und unterstützt. Ich bin wirklich sehr froh, dass du bei mir bist.“ „Es ist mir eine Ehre dich zu begleiten“, erwiderte er bescheiden. Dann lächelte er wieder sein strahlendes Lächeln, welches seine schönen, weissen Zähne sichtbar machte. Er war wirklich ein gutaussehender Mann! Seine Gesichtszüge waren edel, seine Lippen voll und die dichten, blonden Wimpern überschatteten sein aquamarinblauen Augen, aus denen ein wunderschönes Licht zu strahlen schien.

Lumnia wurde auf einmal verlegen, denn sie glaubte ihn zu lange angeschaut zu haben. Nicht dass er das noch missverstand. Auch er wandte etwas verlegen den Kopf ab und sprach: „Nun...es wird nicht sehr lange dauern bis wir an Dun Modr vorbeikommen. Dort haben sich die Dunkeleisenzwerge eingenistet. Die Dunkeleisenzwerge sind einst dem Bösen anheim gefallen. Ja, ich habe schon mal von diesem Krieg der Drei Hämmer gehört,“ sprach Lumnia „und du sagst, die Dunkeleisenzwerge leben noch in Dun Mordr?“ „Ja, doch keine Angst, befreundete Zwerge achten darauf, dass sie sich nicht ausbreiten können. Wir werden auch nicht so nahe an Dun Mordr vorbeikommen. Danach schlängelt sich eine gewundene Strasse, hinauf zum Thandolübergang. Dieser wird dir gefallen. Dort führt eine eindrucksvolle Brücke über eine tiefe Schlucht, wo ein Fluss hindurchfliesst. Das Arathihochland ist sowieso eine sehr schöne Gegend, mit hohen Bergen und grünen Hügeln. Es gibt dort viele wunderschöne Wasserfälle, glasklare Bäche und Flüsse.“ Lumnia lauschte den Erzählungen von Dadga sehr gerne, er schaffte es irgendwie in ihr Bilder voller Romantik und Schönheit entstehen zu lassen. Dies war seine ganz besondere Qualität.

Der Paladin hatte nicht zuviel versprochen, denn als sie Dun Modr, eine Stadt bestehend aus runden Gebäuden, die man direkt in den Fels gebaut hatte, hinter sich gelassen hatten, ragten vor ihnen die ersten Gipfel des Arathihochlandes empor! Mächtige Berge mit schroff abfallenden Felshängen einerseits und sanften, grünen Almen andererseits.

Schliesslich erreichten sie eine gewaltige, steinerne Brücke mit hohen, eckigen Pfeilern. Sie sah etwas aus wie eine Zugbrücke, denn dicke Ketten sicherten sie seitlich zusätzlich, auf beiden Seiten der Schlucht. In der Mitte befand sich noch ein Bauelement, bestehend aus zwei Türmen. Der erste gerade Brückenbogen, unter dem sie nun ehrfurchtsvoll hindurch ritten, war verziert mit einem breiten, Rauten- Relief. Lumnia war tief beeinduckt und starrte seitlich hinunter in die bodenlos scheinende Tiefe, wo sich das glitzernde Band des Flusses gespeist von einem mächtigen Wasserfall dahinschlängelte…

Als sie aber zwischen den mittleren Türmen hinduchgehen wollten, geschah etwas völliug Unerwartetes! Drei seltsame Zwerge mit grauer Haut, rotglühenden Augen und pechschwarzen Haaren und Bärten stellten sich ihnen in den Weg! Sie trugen dunkle Lederrüstungen und zückten sogleich ihre Waffen! Der kalte Stahl blitzte in der Sonne auf und mit wildem Geschrei, stürzten sie sich auf die beiden Reisenden. „Wegelagerer der Dunkeleisenzwerge!“ schrie Dadga völlig überrascht. Alles geschah so schnell, dass Lumnias noch unerfahrenes Pferd „Lightfire“ sich ängstlich wiehernd aufbäumte und sie abwarf. Dumpf schlug sie auf der steinernen Brücke auf. Durch den harten Sturz, war sie einen kurzen Moment lang besinnungslos. Doch dann raffte sie sich wieder auf.

Dadga wob gerade einen seiner Flächenzauber. Es war als würde der Boden um ihn herum dabei Wellen schlagen. Die zwei ihm nahestehenden Zwerge wurden zurückgeschleudert, doch sie erholten sich schnell wieder und alle drei griffen den Paladin nun gleichzeitig an. Dieser entfesselte mit seinem mächtigen, heiligen Hammer einen weiteren Zauber, der den einen Feind mit einem gleissenden, goldenen Licht traf. Bevor dieser sich wieder erheben konnte, traf ihn auch noch ein weisslicher Lichtblitz und er blieb reglos liegen. Dadga befand sich noch immer auf seinem Pferd, das sich aufbäumte und nach einem der andern Wegelagerer trat. Doch dieser wich geschickt aus. Die Zwerge, drängten den Paladin näher und näher an den Rand der Brücke. Dadga liess immer wieder seinen Hammer niedersausen und verstärkte seine Angriffe mit goldenen, silbernen und weissen Zaubern. Einige dienten auch dazu sich selbst zu heilen, wenn ihm eine der Waffen der Gegner, eine blutige Wunde schlug. Noch war auf seinem Pferd im Vorteil, jedenfalls... machte es den Anschein. Doch die Feinde drängten ihn immer näher an den Brückerand. Lumnia erhob sich und versuchte den pochenden Schmerz in ihrem Kopf und ihrem Körper zu vergessen. Ihr Pferd war verschwunden, doch darum konnte sie sich jetzt nicht kümmern. Sie musste Dadga helfen. Sie hob ihre Arme und wirkte auf den Paladin einen Zauber, der ihn vor Verletzungen schützte, dann schleuderte sie einen hellen Lichtblitz auf den einen Wegelagerer. Dieser heulte auf und griff nun sie an. Dadga war jetzt wieder in einer besseren Position und sie würde problemlos selbst mit einem dieser Verbrecher fertig werden. Priester konnten gewaltige Zauber wirken und es auch gegen mehr als einen Gegner aufnehmen. Sie besassen die Möglichkeit einen Schutzschild um sich selbst oder andere zu errichten, hatten die Fähigkeit andere und sich selbst zu heilen. Es gab auch wenige sehr begabte Priester (zu denen Lumnia gehörte), welche jemanden, der gerade erst gestorben war, sogar ins Leben zurückholen konnten! Leider war sie nicht dort gewesen, als man Dabog getötet hatte, denn sonst hätte sie ihn retten können...Die Priester besassen auch sehr starke Offensivzauber. Lumnia wirkte einen davon und dieser traf den Feind mitten in die Brust und hinterliess eine klaffende, blutige Wunde. Der Verbrecher brach zusammen und blieb reglos liegen. Lumnia's Blick suchte Dadga, der noch immer dicht am Rand der Brücke kämpfte.

Als sie schon glaubten den Kampf gewonnen zu haben aber, durchdrang ein seltsam zischendes Geräusch die Luft und... plötzlich brach Dadgas Pferd „Red Flame“ zusammen! Mit Entsetzen sah Lumnia, wie sich ein Seil mit drei Kugeln daran, um die Vorderbeine des Tieres geschlungen hatte. Es war eine heimtückischen Waffe, um die Pferde auf den Schlachtfeldern zu Fall zu bringen und damit ihre Reiter. Ein Entsetzensschrei entrang sich ihrer Brust, als ihr Begleiter den Halt verlor und über die Brüstung der Brücke stürzte. „Nein! Dadga!“ Sie wollte dorthin laufen, wo er verschwunden war, aber der verletzte Wegelagerer, der gerade gegen Dadga gekämpft hatte, wandte sich ihr jetzt mit gezückter Waffe zu. Doch er war nicht wie vermutet der letzte, denn ein weiterer Mann gesellte sich zu ihm, den sie bisher nicht gesehen hatte. Er musste das Pferd zu Fall gebracht haben und...damit Dadga! Auf einmal brodelte wilder Zorn in Lumnia auf. Diese Verbrecher hatten Dadga umgebracht, ihretwegen war er in die Schlucht gestürzt und...nun bestimmt tot. So ein Sturz konnte niemand überleben. Erfüllt von Rachedurst, wirkte die Priesterin zwei mächtige Offensivzauber kurz nacheinander. Der eine traf den bereits verletzten Zwerg tödlich, der andere durchzuckte jenen, der gerade hinzugekommen war, als bläulicher Blitz. Es war ein besonders starker, vernichtender Zauber „Gedankenschinder“, den Lumnia eigentlich selten anwandte, denn er war ausserordentlich schmerzhaft. Ihre Magie schleuderte den Verbrecher ein paar Meter weit Richtung Brückenrand, wo Dadgas Pferd noch immer in Panik versuchte, das Seil um seine Läufe loszuwerden. Seine Hufe wirbelten herum und trafen den letzten Wegelagerer mit solcher Wucht am Kopf, dass er tödlich getroffen liegen blieb. Lumnia näherte sich dem aufgeregten Tier und redete beruhigend auf es ein. „Nur keine Angst Red Flame,“ sprach sie. „Ich werde dich befreien, ganz ruhig...“ Das Tier reagierte auf ihre Stimme und liess sich etwas beruhigen. Die Priesterin strich ihm über die schweissnassen, bebenden Flanken und machte sich an dem Seil mit den drei Kugeln zu schaffen. Es war ein einfaches Werkzeug, wenn auch sehr effektiv. Das dicke Lederseil, spaltete sich in drei Stränge auf, an dem je ein, in Rohhaut eingefasster Stein, befestigt war. Man konnte dies auch zur Jagd benutzen. Lumnia löste es und warf es mit einem plötzlichen Aufschluchzen von sich. Sie ging mit tränengetrübtem Blick zur Mauer, von der Dadga gestürzt war und schaute hinunter. In der schrecklichen Tiefe unter ihr floss der Fluss. Zu sehen war nichts. Sie suchte die Felsen am Rand der Schlucht und auch die gewaltigen Brückenpfeiler nach Spuren von Dadga ab, aber nichts war zu entdecken. Sein Körper war vermutlich in die Fluten des Flusses gestürzt. Ein schrecklicher Schmerz zog auf einmal ihr Herz zusammen, wie damals als sie vom Tode ihres geliebten Dabog erfuhr. Wieder hatte sie einen Menschen verlohren, der ihr die letzten Tage so sehr ans Herz gewachsen war. Für den sie innige Gefühle empfand, nicht nur...Freundschaft, es war schon mehr, auch wenn sie das immer wieder versuchte aus ihrem Bewusstsein zu drängen. Dadga war immer so gut und so liebenswert gewesen, er hatte sich rührend um sie gekümmert, ihr alles erklärt und ihr Welten gezeigt, die sie noch nie kennengelernt hatte. Und nun...war auch er tot, noch bevor sie das Hügelland erreicht hatten. Lumnia schluchzte laut und hämmerte mit ihren Fäusten auf den harten Stein der Brückenbrüstung. Sie merkte in ihrer Trauer und ihrem Zorn nicht mal, das Red Flame mit wehendem Schweif und Mähne davongaloppierte. Er suchte wohl seinen Meister, doch... er würde ihn nicht finden. Bestimmt wurde dessen Leichnahm bis hinunter ins Meer gespült, um dort für immer in den tiefsten Fluten zu versinken. Es war aussichtslos ihn zu suchen, denn zuviel Zeit war schon verstrichen und er konnte diesen Sturz nicht überlebt haben...

Kommentare

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    spannend! freu mich auf mehr!

beta
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