Macs Sonntag

 

Ich weiß nicht wie lange ich schon unterwegs bin, als der Schatten eines Drachens über mich hinweg fliegt. Im ersten Moment achte ich gar nicht darauf. Ein Drache am Himmel ist an sich nichts Ungewöhnliches.

Hey Kleines. Es ist, als würde mir jemand etwas zuflüstern. Mein Herz setzt einen Schlag aus und ich bleibe abrupt stehen. Ich kenne die Stimme. Ich habe sie schon lange nicht mehr gehört.

Gabriel?, frage ich vorsichtig.

Ja. Er ist noch da! Ich kann es nicht fassen. Endlich.

Ich kann dich nicht mehr spüren. Leichte Panik steigt in mir auf. Ich will nicht, dass er wieder verschwindet und versuche die Verbindung aufrecht zu erhalten.

Ich spüre dich auch nicht mehr, sagt er.

Warum? Was soll das?, will ich von ihm wissen.

Ich weiß nicht, was hier los ist. Ich finde es heraus. Versprochen.

Es macht mich wahnsinnig. Und ich kann auch mit niemanden darüber sprechen.

Ich weiß. Ich auch nicht. Sie halten mich sowieso schon für verrückt. Ich muss lachen. Das kommt mir bekannt vor.

Gabriel?, frage ich. Keine Antwort. Stille. Er ist wieder weg. Gabriel. Ich öffne meine Augen und sehe den blauen Himmel über mir und die weiterziehenden Wolken. Ich muss eingeschlafen sein. Von Gabriel habe ich schon lange nicht mehr geträumt. Zumindest sagen immer alles, es wären Träume. Immer sagen mir die Leute, dass es eine geistige Verbindung unmöglich ist. Gabriel ist mein Drache. Seit unserer Geburt sind wir füreinander bestimmt. Eigentlich weiß keine Gefährtin für welchen Drachen sie bestimmt ist. Bei mir ist allerdings nichts so wie es sein sollte. Und das liegt nicht nur daran, dass Gabriel angeblich seit vierzehn Jahren tot sein soll und ich trotzdem eine innere Verbundenheit zu ihm spüre. Nein, er ist der goldene Drache. Meine Cousine Katie meint, ich würde mir das alles nur einbilden. Meine Psychologin lobt mich immer wieder für meine blühende Fantasie. Wäre ich ein normaldenkender Mensch würde ich vermutlich auch denken, dass ich verrückt bin. Aber ich weiß es besser. Ich kann Gabriel spüren.

In mir ist es ruhig. So ruhig wie noch nie. Heute ist Sonntag. Heute kann ich den Dingen nachgehen, die mir Spaß machen. Also habe ich beschlossen nichts zu machen. Einfach an den See gehen, mich auf den Rücken zu legen und die Wolken beobachten. Gabriel. Ich atme tief durch und versuche entspannt zu bleiben. Dem Wirrwarr der Gefühle, die mich in den letzten Wochen begleitet haben, aus dem Weg zu gehen. Die Tatsache, dass ich Gabriels Anwesenheit nicht mehr spüre versetzt mich ziemlich in Stress.

Durch meine einzelnen Fähigkeiten bin ich nie alleine, ich kann die Gedanken anderer lesen wie ein Buch, allerdings nicht freiwillig. Ich höre sie einfach. Eigentlich habe ich diese Fähigkeit gut im Griff. In Stresssituationen entgleitet mir gerne mal die Kontrolle und hunderte von Stimmen stürmen auf mich ein. Darum höre ich meistens Musik. Am besten so laut wie möglich. Damit kann ich auch die Gefühle anderer weitgehend ausblenden. Die Gefühle anderer beeinflussen mich oft so stark, dass sie starke Stimmungsschwankungen auslösen. Die Empathie lässt sich jedoch nicht einfach ausknipsen wie eine Lampe, weshalb ich die verschiedensten Musikrichtungen höre. Je nach dem in welcher Stimmung ich mich befinde und auch bleiben möchte.

Gerade höre ich klassische Musik, das hilft ein wenig. Aber auf meinem MP3-Player ist so ein Mischmasch, dass ich keine Ahnung habe was als nächstes kommt. Neben mir vibriert mein Handy und zeigt mir eine neue Nachricht an.

 

Kommst du heute auch mal wieder zurück?

 

Charlie. Hat sie nicht mitbekommen, dass es Sonntag ist? Charlie ist eine meiner Freundinnen mit denen ich seit unserer Kindheit zusammenlebe. Seit wir unsere Familien verloren haben.

 

Warum?

 

Schreibe ich und drücke auf Senden. Wenn sie meint, ich springe nur weil sie es will, hat sie sich getäuscht. Eigentlich weiß sie das auch.

 

DU wolltest etwas von mir. Schon vergessen????

 

Oh, vier Fragezeichen. Mein Handy kündigt eine zweite Nachricht an. Allerdings nicht von Charlie, sondern von Jules.

 

Mac, beweg deinen Arsch hierher

oder ich bringe den blonden Feldwebel um.

 

Ich antworte beiden das ich unterwegs bin. Wenn so etwas von Jules kommt hat das etwas zu bedeuten. Widerwillig erhebe ich mich und gehe zurück zum Quartier in dem wir untergebracht sind.

„Also, was gibt es so dringendes?“, frage ich. Als ich unseren Wohnbereich betrete, sitzt Charlie mit überkreuzten Beinen auf der Couch, mit dem Laptop auf dem Schoß. Ihrem Blick kann ich entnehmen, dass sie alles andere als gut gelaunt ist. Charlie ist das Gehirn von uns vieren. Mit ihrem fotografischen Gedächtnis erleichtert sie oft unsere Arbeit. Am liebsten liest sie alte Bücher in denen von alten Zeiten, Mythen und Prophezeiungen der Drachen gesprochen wird. Ihr Ordnungsfimmel treibt uns zeitweise in den Wahnsinn, aber wir lieben sie und würden sie für nichts in der Welt eintauschen.

„Was es gibt?“, faucht sie.

„Ja, Goldlöckchen“, sage ich gelassen während ich mich in einen der beiden Sessel fallen lasse. Die kurze Begegnung mit Gabriel spuckt mir immer noch im Kopf herum. Daher fällt es mir schwer, mich auf Charlie zu konzentrieren.

„Nenn mich nicht so! Du weißt, wie sehr ich das hasse.“ Sie stellt den Laptop auf den Couchtisch und holt sich aus der offenen Wohnküche etwas zu trinken. „Also?“ Sie bleibt vor mir stehen und streckt mir die offene Hand hin.

„Also?“ Ich sehe auf ihre ausgestreckte Hand und dann wieder nach oben zu ihrem Gesicht.

„Dein MP3-Player!“ Charlie seufzt und setzt sich wieder hin.

„Mein MP3-Player?“

„Sag mal Mac, willst du mich auf den Arm nehmen?“

„Nein.“ Ich schüttle den Kopf. Was sie will, weiß ich immer noch nicht. „Wo sind Katie und Jules?“

„Mac!“

„Himmel Charlie, was zum Geier willst du denn?“ Jetzt fängt sie aber an mich richtig zu nerven.

„Was werde ich wohl mit deinem MP3-Player wollen?“, schnauzt sie. „Gestern hast du mich den ganzen Abend damit genervt als ich meinen Film anschauen wollte.“

„Ach ja, stimmt. Wie ist der Film denn ausgegangen? Ist das Schiff untergegangen?“ Während ich sie mit ihrem Lieblingsfilm aufziehe stöpsle ich meine Kopfhörer aus und gebe ihr meinen MP3-Player.

„Erst nervst du mich, dass du neue Musik brauchst und dann vergisst du es einfach.“

„Sorry. Ich hatte heute Morgen andere Dinge im Kopf.“ Ich beobachte Charlie wie sie auf dem Laptop herumtippt. Ich habe von dem Ding keine Ahnung, dafür habe ich ja sie. Ich spüre wie ihre Stimmung in Neugierde übergeht.

„Und welche?“

„Ich will nicht darüber reden … Hast du meine neuen CDs schon auf dem Laptop?“ Ich hoffe, dass das sie ablenken wird. Ich sehe sie an, sie durchbohrt mich förmlich mit ihren blauen Augen.

„Deine CDs sind wieder in deinem Zimmer. Du musst dir auch keine mehr kaufen, wir machen das in Zukunft anders. Im Übrigen merke ich, dass du mich ablenken willst. Was ist los?“ Viel Hoffnung, dass es klappen würde sie abzulenken, hatte ich ja sowieso nicht.

„Ich will nicht darüber reden.“ Mein Kopf fällt auf die Lehne zurück und ich starre an die Decke.

„Gabe?“, höre ich Charlie fragen.

„Ich sag doch, ich will nicht darüber reden.“

„Mac.“ Ihre sanfte Stimme bringt mich dazu, sie wieder anzusehen. „Schluck nicht alles immer runter. Du musst darüber reden, wenn dich etwas bedrückt.“ Ich muss auflachen, werde aber schnell wieder ernst.

„Nein, muss ich nicht.“

„Du bist auch nur ein Mensch.“

„Nein Charlie“, diese Unterhaltung zerstört meine gute Laune. Wäre ich doch bloß am See geblieben. „Nicht nur ein Mensch, sondern die Wächterin. Das darfst du nicht vergessen.“

„Du hast dir in den letzten Jahren diesbezüglich so viel anhören müssen.“

„Bezüglich?“, unterbreche ich sie. „So ein Wort kannst auch nur du benutzen.“

„Genau, es wurde explizit nur für mich …“

„Oh Gott Charlie, hör auf!“ Ich kann nicht anders und muss lachen. Sie schnalzt mit der Zunge.

„Du lenkst schon wieder ab.“

„Charlie, wenn ich dir sage, dass es um Gabriel geht, dann regst du dich nur auf und ich kann mir eine Predigt von dir anhören. Darauf habe ich keine Lust. Also können wir es dabei belassen, dass ich nicht darüber reden möchte.“

„Für deinen Seelenfrieden wäre es aber besser“, erwidert sie.

„Für meine Nerven allerdings nicht … Also, wo stecken Katie und Jules jetzt?“ Wie es scheint habe ich gewonnen. Sie konzentriert sich wieder auf ihren Laptop und gibt endlich Ruhe. Vorerst zumindest.

„Ich bitte dich, wo sollen die zwei wohl stecken? Katie ist in der Garage und Jules im Fitnessraum. Die sind süchtig, sag ich dir.“

„So wie du mit der Bibliothek?“ Bei meinen Worten sieht sie kurz hoch und zieht die Braue nach oben. Eine Geste von der sie nie genug bekommt und mich immer wieder zum Grinsen bringt.

„Das ist nicht das gleiche.“ Sie schaut wieder auf den Bildschirm. „Vom Lesen wird man schlau. Katie macht sich schmutzig und Jules ist danach total verschwitzt.“

„Dagegen hat der liebe Gott das Wasser erfunden“, entgegne ich.

„Mac? Weißt du, dass du einem tierisch auf den Geist gehen kannst?“

„Wer ich? Ich bin doch harmlos … Total lieb“, sage ich unschuldig.

„Du lügst ohne rot zu werden.“

„Jap, ich bin eben cool. Neidisch?“

„Wenn du meinst“, sie zuckt gelangweilt mit den Schultern.

„Wie du gibst schon auf?“ Ich bin enttäuscht. „Wir fangen doch erst an.“

„Keine Lust.“

„Wieso?“

„Keine Ahnung.“

„Und wieso weißt du das nicht? Du weißt doch sonst immer alles.“ Sie trennt die Verbindung von meine MP3-Player und ihrem Laptop und zuckt mit den Schultern.

„Ich bin müde.“

„Das bist du schon die ganze Woche“, gebe ich nachdenklich von mir. „Bist du krank?“

„Nein … Mac, wir werden nicht krank. Uns dreien kann man im Gegensatz zu dir zwar die Knochen brechen, aber krank werden wir nicht.“

„Also brechen kann man mir die Knochen schon … sie heilen nur schnell wieder. Und ich weiß, dass ihr nicht krank werdet. Darum wundert es mich ja auch, dass du dich schon die ganze Woche müde fühlst.“ Sie erhebt sich und gibt mir meinen MP3-Player zurück.

„Hier hast du deinen besten Freund wieder. Ich lege mich noch einmal hin. Vielleicht bringt es ja was.“

„Ok. Schlaf gut, Goldlöckchen.“ Ich höre sie nur genervt brummen, als sie in ihrem Zimmer verschwindet. Ich stöpsle meine Kopfhörer wieder ein und scrolle durch meine Musik-Bibliothek. Innerlich freue ich mich wie ein Kleinkind über meine neue Musikauswahl. Ich drücke auf Play und schließe meine Augen. Dass ich eingeschlafen bin, merke ich erst als ich von Wassertropfen geweckt werde. Ich öffne die Augen und sehe Jules über mir. Ihre kurzen schwarzen Haare stehen vom Duschen noch vom Kopf ab. Und die grünen Augen blitzen belustigt auf. Jules steht mir von den dreien am nächsten, da wir uns ziemlich ähnlich sind. Weder perfekt noch chaotisch, irgendwas dazwischen. Sie hat den gleichen Hitzkopf wie ich und ist so stur wie ein Esel.

„Sag bloß, du schläfst auch?“ Höre ich sie sagen nachdem ich die Musik gestoppt habe.

„Warum auch?“

„Charlie schläft wie ein Bär im Winterschlaf.“ Sie geht zur Küchenzeile und gießt sich Kaffee ein. Mit dem Kopf nickt sie fragend Richtung Kaffeekanne.

„Hast du schon einmal erlebt, dass ich keinen Kaffee möchte?“

„Nein Zwerg, noch nie“, grinst sie. Mit zwei Tassen Kaffee kommt sie wieder zu mir und streckt sich auf der Couch aus. Zwerg?! Ich mag es nicht, wenn man mich so nennt. Gut ich bin die Kleinste von uns. Ständig auf die Nase binden muss man mir es aber trotzdem nicht.

„Wegen Charlie ...“ Ich nippe kurz an meinem Kaffee und versuche zum Thema zurück zu kommen. „Es ist nicht normal, dass sie so müde ist.“

„Ja, ich weiß. Katie macht sich auch Sorgen. Sie beobachtet sie schon ein paar Tage.“

„Sie soll sie weiterhin im Auge behalten.“ Jules nickt mir zu.

„Ich werde es ihr sagen, wenn ich sie sehe. Was machst du heute noch?“, fragt sie.

„Nicht viel. Mein Ausflug zum See wurde ja sabotiert.“

„Sorry, ich habe sie echt nicht mehr ertragen. Ich mache noch eine Spritztour mit dem Motorrad. Ich würde das Auto nehmen, wenn du mitkommen willst.“

„Nein, ist lieb von dir. Ich werde ein bisschen herumzappen. Du hast heute Abend noch ein Date oder?“ Am Mittwoch wurde sie eingeladen.

„Ja.“ Mehr sagt sie nicht.

„Du klingst nicht sehr begeistert.“

„Naja, schauen wir mal was das wird. Ein gutes Gefühl habe ich ja nicht. Und Lust habe ich auch nicht.“ Dass sie keinen Bock hatte, konnte man ihr ansehen. Sie sieht auch ein bisschen müde aus. Vielleicht haben sie sich einen Virus eingefangen. Aber das geht ja nicht. Wir werden ja nicht krank.

„Das mit der Lust ändert sich bestimmt noch.“ Ich versuche sie aufzuheiternd.

„Hey, ihr Süßen!“ Katie kommt hinter mir zur Tür herein.

„Na? Genug vom Motorenöl?“, frage ich. Sie lässt sich neben Jules auf die Couch fallen, die gerade noch rechtzeitig die Beine wegziehen kann.

„Ja, für heute reicht es. Und außerdem werde ich müde. Ich habe wohl zu lange an Sullivans BMW gebastelt. Ich habe Stew eine Nachricht geschickt, dass wir morgen weitermachen.“

„Müde, ja?“, fragt Jules.

„Ja, aus Solidarität zu Charlie.“

„Das glaube ich dir sogar direkt“, sage ich.

„Glaubt ihr das bloß nicht!“ Charlie kommt langsam aus ihrem Zimmer getrottet und setzt sich in den Sessel der mir gegenübersteht.

 „Eigentlich sollte sie heute ihr Zimmer aufräumen. Hast du das denn getan, liebste Kate?“, fragt Charlie. Katie ist das Chaos in Person, aber das macht sie aus. Charlie ist das genaue Gegenteil, sie ist die Perfektion. Als ich genauer hinsehe, entdecke ich Dreck in Katies Gesicht. Motorenöl.

„Scheiße!“, flucht Katie.

„Was?“, hake ich nach. „Scheiße, ich habe es vergessen oder scheiße, sie hat es nicht vergessen?“ Sie schaut mich schuldbewusst an.

„Das zweite.“ Sie flüstert, Charlie kann sie dennoch hören.

„Ich könnte mich jetzt aufregen oder dir eine Predigt halten. Aber ich habe überhaupt keine Lust.“ Sie zieht die Beine an und kuschelt sich in den Sessel. Keiner von uns sagt etwas. Sie weiß auch, dass diese Müdigkeit nicht normal ist. „Und du da drüben!“ Ohje, was habe ich denn gemacht? „Dich werde ich auch nicht daran erinnern, dass auf dem Esstisch deine Handbücher liegen. Räum sie weg!“

„Welche Bücher?“ Frage ich so, als hätte ich keine Ahnung wovon sie spricht.

„Och, nicht doch. Fängst du schon wieder an?“, fragt Charlie mich.

„Nein. Ich lass es gut sein. Ich will deine Nerven nicht mehr strapazieren, wie sie es sowieso schon sind.“

„So!“ Sagt Jules, schlägt sich dabei mit beiden Händen auf die Schenkel und steht auf. „Ich geh dann mal spazieren fahren.“ Sie geht in ihr Zimmer und holt ihre Motorradjacke. Als sie wieder zu uns kommt, sitzt Charlie kerzengerade im Sessel.

„Motorradfahren willst du? …“ Weiter kommt sie jedoch nicht. Jules hebt abwehrend die Hände.

„Nicht aufregen. Ich fahr vorsichtig. Ich verspreche es dir?“

„OK“, sagt Charlie nur. Jules schaut mich verdattert an. Ich zucke nur mit den Schultern. So schnell gibt sich Charlie normalerweise nicht geschlagen. Bevor sie aber doch noch loslegen kann verschwindet Jules. Den restlichen Tag gammeln wir auf der Couch herum und schauen irgendwelche Sendungen an, deren Sinn mir schleierhaft ist.

Zwischendurch gehe ich duschen und betrachte mein Drachenmal. Als Gefährtin ist das nichts Ungewöhnliches. Alle Gefährtinnen tragen ein Mal, das einen Bezug zu ihrem Drachen darstellt. Drachenmale können verschiedene Formen oder Farben haben und suchen sich die unterschiedlichsten Körperteile aus. Normalerweise zeigen sich die Male erst, nach der Prägung zwischen dem Drachen und seiner Gefährtin.

Mein Mal bekam ich mit fünf Jahren und es wuchs mit mir. Es fing mit einem kleinen Drachen auf dem Rücken an. Er speit Feuer in Richtung meines rechten Schulterblatts und zieht sich über die Schulter. Den Hals hoch in mein Gesicht, bis über die Nase und den kompletten rechten Arm hinunter bis zu meinen Fingern. Der Schwanz des Drachen schlängelt sich um meinen linken Oberschenkel als würde er sein Territorium markieren. Meine Hand kann ich meistens mit Handschuhen verstecken, aber mein Gesicht stellt da ein Problem da. Ich muss die rechte Seite meines Gesichtes mit einem, speziell für mich hergestellten, Pflaster abkleben. Ich trage es zum einen, weil ich angestarrt werde wie ein Freak, zum anderen wird es mir befohlen. Auch meine Augen haben sich verändert. Als ich klein war hatte ich die braunen Augen meines Vaters, sie haben mich immer an ihn erinnert, wenn ich in den Spiegel gesehen habe. Jetzt haben sie die gleiche Farbe wie die Schuppen des Drachen, mit dem bis zum Ende meines Lebens verbunden bin. In dieser Farbe schimmert auch meine Haut, so wie sie sich in Strähnen meiner braunen Haare wiederfindet. Ich kann also nicht einfach mal einen Einkaufsbummel machen. Ich muss mich verhüllen. Langärmelig und mit Sonnenbrille und Mützen, die meistens ziemlich tief ins Gesicht gezogen sind. Man kann sagen, ich bin ein richtiger Blickfang.

Ich gehe wieder zu den anderen. Jules geht nach ihrer Spazierfahrt direkt zu ihrem Date. Einer nach dem anderen gehen wir ins Bett und bekommen gar nicht mit, wann Jules nach Hause kommt. Aber sie kommt nach Hause. Und das ist das wichtigste.

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