Es war an einem Nachmittag, ein ganz gewöhnlicher Freitag im August. Die Luft in meinem Zimmer war schwül und stickig. Vorsorglich hatte ich die Jalousien heruntergelassen und den Lamellen eine halbschräge Position zugeordnet, um der Sonne ein wenig Einhalt zu gebieten. Mein Wohnzimmer verwandelte sich sogleich in ein schwarzweiß gestreiftes Schattenkabinett. Vor mir auf dem Tisch stand kalter Orangensaft, den ich mit Eis und einem Schuss Selters verdünnt hatte. Ich konnte diesem süßen, fruchtigen Geschlabber einfach nichts abgewinnen, obwohl gesund, aber zusammen mit Mineralwasser und ein paar Eiswürfel empfand ich den Saft als äußerst erfrischend. Während ich meine Aufmerksamkeit dem Fernseher schenkte, gönnte ich meinen geschwollenen Füßen eine Schüssel mit kaltem Wasser, die umgehend Freundschaft mit dem erfrischenden Nass schlossen. Kaum hatte ich mich bequem zurückgelehnt, wie sollte es auch anders sein, klingelte das Telefon. Eine dieser klassischen Situationen in der sich dieses nerv tötende Gerät außerhalb meiner Reichweite befand. Ich wollte einfach nur meine Ruhe haben und versuchte es zu ignorieren. Leider funktionierte meine Taktik nicht! Das von mir verwünschte Teil zerrte jedoch mit einer nicht zu beschreibenden Beharrlichkeit an meinem Geduldsfaden, dass ich mich letztlich doch dazu entschloss, meine nassen Füße dem frisch gesaugten Teppich anzuvertrauen, um über diesen, den ungeliebten Störenfried zu erreichen und ihm den Garaus zu machen.

Nach reichlichen zehn Minuten stand das Ergebnis meiner Gutmütigkeit fest. Ich hatte mich mal wieder breitschlagen lassen für meine Tochter Gesine am morgigen Samstag den Babysitter zu spielen.

Ach ja, übrigens mein Name ist Lind, Margarethe Lind.

Nun war Gesines Tochter Katrin mit 9 Jahren kein Baby mehr, meine eigene Tochter jedoch durch einen tragischen Unfall ihres Mannes zur Witwe geworden. Und das es einer alleinerziehenden Mutter nicht leicht gemacht wird im Leben, na das ist allgemein bekannt. Also gönnte ich ihr das Vergnügen, zum Geburtstag ihrer besten Freundin zu gehen.

Tags darauf trat ich gegen 18 Uhr meine Aufgabe als Nanny an. Es war nicht das erste Mal, dass ich meiner Tochter diesen Liebesdienst erwies und doch bemerkte ich gerade heute, dass ich mich als Omi vom Dienst eigentlich recht wohl fühlte. Katrin und ich, na ja wie sagt man so schön, wir waren ein Herz und eine Seele. Sie war ein liebes folgsames Kind, ja gut mit ein paar Eigenheiten, aber wer hat die nicht. Ich selbst hielt mich für eine verständnisvoll liebende Omi die ihrer Enkelin jeden nur erdenklichen Wunsch von den Augen ablas.

Nachdem ich es mir zum Abendprogramm vor dem Fernseher gemütlich gemacht hatte, dieses Mal mit Tee und ohne Fußbad, kam klein Katrin zur Wohnzimmertür hereingeschneit.  

»Omi, ich kann nicht schlafen. Bitte, bitte erzähl mir doch eine Geschichte«, bettelte das Kind.

»Katrin, bitte! Das Thema hatten wir doch letztes Mal schon. Du kennst doch alle Geschichten auswendig oder hast du ein neues Buch in dem neue Geschichten stehen?« fragte ich die Kleine.

»Das nicht, aber Mama hat neulich zu mir gesagt, dass du dir früher für sie einfach eine Geschichte ausgedacht hast. Das stimmt doch oder?« fragte Katrin.

Das Mädchen stellte mich vor ein Problem. Es stimmte wirklich! In den Jahren als Gesine noch klein war hatte ich mir, weil ich kein Geld für Bücher erübrigen konnte, immer wieder eine neue Geschichte für sie ausgedacht. Nur das war dreißig Jahre her und ich war mir nicht sicher, ob ich heute noch eine Geschichte zusammenbekommen würde. Trotz allem, ich ließ mich breitschlagen.

In ihrem Zimmer setzte ich mich an ihr Bett und dachte nach.

Ein, zwei Minuten war es Mucksmäuschen still im Raum! Auch Katrin sagte kein Wort, sah mich nur erwartungsvoll an. Plötzlich fühlte ich mich durch einen Gedankensprung um fünfzig Jahre zurückversetzt. Genau so eine Geschichte muss es sein, dachte ich. Und dann fing ich an zu erzählen:

Der Himmel war sternenklar, obwohl es noch vor einer halben Stunde kräftig gescheit hatte. Übrigens das erste Mal in diesem Jahr. Eigentlich viel zu früh für Anfang November, dachte Maggie. Sie hatte diesen winterlichen Einbruch mit großen traurigen Augen an der Panoramascheibe des Wohnzimmers verfolgt. Dicke weiße Flocken waren vom Wind getrieben, tanzend zur Erde geschwebt und hatten ihr Umfeld in ein märchenhaftes Zuckerwatteland verwandelt. Das Mädchen saß in ihrem Rollstuhl vor dem Fenster und blickte mit traurigen Augen hinauf zu den Sternen, die hell und rein am Firmament strahlten. Die meisten standen still und starr an ihrem Platz und sandten ihr weißes Licht zur Erde hinab. Einige, nur ein paar wenige, so glaubte sie, blinkten und funkelten als ob sie auf sich aufmerksam machen wollten.

Ob Sterne reden können? Und wenn ja, was sie uns wohl mitzuteilen hätten? fragte sich Maggie insgeheim. Ganz sicher wüssten sie die Schönesten Geschichten zu erzählen, schließlich haben sie da oben den besten Platz und können auf alles herunter schauen. Wie schade! Leider würde ich das nie erfahren, denn wer hat schon Sterne reden gehört. Außerdem, was würde es mir nutzen, die könnten mir auch nicht helfen, dachte das Mädchen betrübt. Enttäuscht schaute die Kleine hinaus in den elterlichen Garten der direkt an einer Schonung für junge Tannen endete. Die jetzt schneebedeckten Bäumchen wiegten leicht ihre Spitzen im Wind und bei jedem Hin und Her rieselte ein wenig pulverfeiner Schnee zu Boden.

 Plötzlich, Maggie traute ihren Augen nicht, tauchte unverhofft zwischen den Tannen ein kleines Männchen auf. Er sah sich um und in diesem Moment ergoss sich gerade wieder eine kleine Schneewolke über den Zwerg, die ihn wie Puderzucker einen Kuchen bestäubte. Er schüttelte sich, wie es kleine Hunde tun, wenn sie aus dem Wasser kommen, dann lief er eilends über den verschneiten Rasen und verschwand auf der anderen Seite des Gartens im Gebüsch. Äußerst geheimnisvoll erschien Maggie nur eins … der kleine Mann hinterließ überhaupt keine Spuren im Schnee. Maggie bewegte ihren Rollstuhl vom Fenster weg, hin zur Terrasse. Sie öffnete die gläserne Schiebetür und rollte, eine doppelte Reifenspur im Schnee hinterlassend, hinaus den schmalen Weg entlang auf das verschneite Tannenwäldchen zu.  

 »Aber Omi, hast du es denn nicht gemerkt, das ist eine Weihnachtsgeschichte. Wir haben doch August, draußen ist es warm und Schnee gibt es jetzt auch keinen«, bemerkte Katrin.

»Da hast Du vollkommen Recht, Prinzesschen. Aber diese Geschichte ist eine ganz besondere und es ist eine wahre Geschichte, also hör gut zu«, erwiderte ich.

 Minutenlang stand Maggie am Rande des Tannenwäldchens. Es war kalt und ihr Atem vernebelte sich in der frostig klaren Luft. Man konnte ihn immer noch riechen, den frisch gefallenen Schnee, aber das war für Maggie nicht von Bedeutung. Gebannt starrte die Kleine in die verschneite Schonung, darauf wartend … ja, worauf eigentlich? Dass jenes Männchen, welches sie glaubte gesehen zu haben, noch einmal erschien. Und überhaupt, war dieser Zwerg real oder nur ein Spiegelbild ihrer doch recht ausgeprägten Fantasie? Sie wusste es selbst nicht genau.

Ein frösteln schüttelte ihren jungen, zarten Körper und sie machte Anstalt umzukehren.

Im gleichen Moment hatte sie das Gefühl, von ihren eigenen Sinnen genarrt zu werden. Tatsächlich meinte sie, eine kleine grüne Zipfelmütze hinter einer der jungen Tannen entdeckt zu haben.

»Hallo, kleiner Mann!« rief sie zaghaft und kam sich dabei recht albern vor, doch zu ihrem größten Erstaunen bekam sie eine Antwort.

»Was willst Du von mir? Warum kannst Du mich überhaupt sehen? Menschen ist es nicht erlaubt uns zu sehen«, lautete die leicht mürrische Antwort.

Maggie zuckte erschrocken zusammen, der Anflug von Schroffheit bereitete dem Mädchen Angst. Das kleine Männchen, welches vor wenigen Minuten noch quer über den mit Schnee bedeckten Rasen gelaufen war, ohne die geringste Spur zu hinterlassen, hatte zwischenzeitlich den Schutz des Tannenstammes verlassen. Es maß nicht einmal eine Elle, trug einen grünem Rock, eine rote Hose, schwarze Stiefel mit goldenen Schnallen und eine grüne Zipfelmütze. Wangen und Hände waren rotgefroren und auf seiner kleinen Nase saß eine Brille mit dunklem Rand. 

»Ich, äh … ich weiß nicht woran es liegt, aber ich kann dich halt sehen. Ich hoffe es ist nicht schlimm und ich bringe dich damit nicht in Verlegenheit. Ursprünglich habe ich geglaubt, dass es Zwerge nur im Märchen gibt«, versuchte das Mädchen sich zu verteidigen.

»Papperlapapp, ich bin kein Zwerg. Ich bin ein Wichtel. Merk Dir das! Ich werde unsere Begegnung dem König melden, der entscheidet was mit Dir geschieht, also warte hier«, befahl das winzige Männchen und noch ehe Maggie etwas erwidern konnte, war er im angrenzenden Dickicht verschwunden.

Irritiert saß Maggie in ihrem Rollstuhl. Ihre Gedanken purzelten durcheinander, es war ihr einfach nicht klar, was sie von dieser Begegnung halten sollte. Immer noch schwankte sie zwischen wachen und träumen. Vielleicht spielt mir aber auch meine Fantasie einen Streich, dachte sie. Unentschlossen wartete sie ein, zwei, drei, vier Minuten. Sie fror. Gesicht und Arme waren kalt, ihre Körperhaare stellten sich auf, eine Gänsehaut bildete sich. Gerade wollte sie umdrehen, da stand, wie aus dem Nichts, plötzlich der Wichtel wieder vor ihr.

»Komm mit«, ordnete er an und seine Stimme hörte sich an, als würde sie keinen Widerspruch dulden.

»Was soll das, machst Du dich über mich lustig? Siehst Du nicht, ich sitze im Rollstuhl. Ich kann dir nicht folgen, ob ich will oder nicht«, versuchte sich das Mädchen leicht verbittert zu rechtfertigen.  

»Ach ja, Moment«, bekam sie zur Antwort. Der kleine Mann griff in sein Wams, holte einen goldenen Ring mit einem großen roten Stein hervor und streifte ihn über den Mittelfinger der linken Hand.

»Was soll das sein? So etwas wie ein Zauberring?« begann sie ironisch zu scherzen, doch, noch bevor es zu einer Antwort kam, drehte der Wichtel den Ring zweimal um den Finger, sagte etwas Unverständliches und ein seltsames Gefühl erfasste Maggie. Alles um sie herum wurde immer größer und größer aber das konnte unmöglich sein – ich muss doch träumen, dass alles kann nicht wirklich geschehen. Ganz bestimmt wache ich gleich auf und liege in meinem Bett, war Maggies nächster Gedanke.

Dem war aber nicht so.

Nachdem dieses seltsame Gefühl, welches sie anfangs erfasst hatte, von ihr abfiel, erschien ihr das kleine Männchen gar nicht mehr so klein. Das Gegenteil war der Fall, jetzt waren beide gleich groß. Der Wichtel marschierte los und ihr Rollstuhl schwebte mit ihr, wie auf einer unsichtbaren Wolke getragen, hintendrein. Ein, zwei Meter voraus, tat sich neben einer Tanne eine Erdspalte auf, die einen Einstieg in den Waldboden freigab. Eine hölzerne Treppe führte hinab in die Tiefe und endete in einem kleinen Vorraum, der von zwei weiteren Wichteln bewacht wurde. Hinter den beiden wurde ein Gang sichtbar seitlich von Fackeln beleuchtet, der immer tiefer ins Erdreich führte. Der Wichtel verschwand in dem Gang und Maggie schwebte, getragen von ihrem Rollstuhl hinterher. Bestand der Gang bei ihrem Eintritt aus verschiedenen Erdschichten, änderte sich das abrupt, je tiefer sie sich hinab bewegten. Erst wechselte das Erdmaterial über in Stein, dann wurde der tunnelähnliche Gang höher und breiter. Die Substanz an den Wänden veränderte sich rasch und wurde zu einem Meer aus glitzernden Steinen. Rot, grün, blau, gelb, bronzen und weiß strahlten die Steine, bei denen es sich um Rubine, Smaragde, Saphire, Zitrin, Topase und strahlend weiße Diamanten handelte. Fackeln gab es hier nur noch spärlich, da der natürliche Glanz der Edelsteine mehr als reichlich Licht wiederspiegelte. In unzähligen Windungen und an vielen Abzweigungen vorbei ging es tiefer und tiefer hinab, bis sie endlich auf eine Anhöhe hinaus ins Freie gelangten. Maggie kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.

»Das gibt es doch gar nicht«, sagte das Mädchen verblüfft.

Vor ihnen breitete sich ein grünes Tal aus, in dessen Mitte sich eine Miniaturstadt befand, bevölkert von unzähligen Wichteln. Gegenüber auf der anderen Seite des Tales thronte, umgeben von grünem Tann, hoch über allem ein zauberhaftes Schloss mit spitze Türme und goldglänzenden Dächern.

»Träum nicht, komm weiter«, sagte der Wichtel. Schnurstracks marschierte der kleine Kerl voran und hielt jetzt direkt auf das Schloss zu.

Keiner der Wichtel, an denen sie vorbei gingen und es waren viele, schien sich um Maggie und ihren vorauseilenden Führer zu kümmern. Jeder ging weiter seiner Beschäftigung nach, so als wäre ein vorbeischwebender Rollstuhl das natürlichste auf dieser Welt. Nachdem sie das Schloss erreicht hatten, das sich mächtig und imposant vor ihnen erhob, führte der Wichtel Maggie an den Palastwachen vorbei in das Innere des Prachtbaus. Hier durchquerten sie die unterschiedlichsten Räume und Hallen, in denen andere Wichtel mit den mannigfaltigsten Aufgaben beschäftigt waren. Und wieder, als wäre es das natürlichste auf dieser Welt, beachtete niemand ihren schwebenden Rollstuhl oder hielt sie gar auf. In einem prunkvoll ausgestatteten Saal machten sie halt. Die von feinsten Alabastersäulen getragene Decke zierten fantasievolle Fresken, die Wände waren mit prunkvollen Stoffen bespannt und den Fußboden schmückten die aufwendigsten Intarsien aus edelsten Hölzern. An der Stirnseite stand ein goldener Thron, umrahmt von einem rotsamtenen Baldachin mit Goldstickerei. Der Wichtel befahl ihr zu warten und verschwand selbst durch eine unauffällige Tür. Und Maggie tat wie ihr geheißen, sie wartete, immer noch beeindruckt von all dem Prunk und dem Glanz um ihr herum. Wenige Atemzüge später kündigten zwei ihr unbekannte Wichtel den König an. Flankiert von mehreren Wächtern, schritt der oberste Herrscher des Wichtelreiches durch den Saal. Stolz, in rotem Samt gekleidet, mit einem grüngoldenen Umhang über den Schultern setzte er sich auf den Thron. Rechts und links nahmen die Wächter ihre Posten ein.  

»Maggie mein Kind, komm her zu mir. Du brauchst keine Angst zu haben, wir wollen dir helfen«, sagte der König zu ihr und streckte seine Hand nach ihr aus.

Wie magnetisch angezogen setzte sich der Rollstuhl abermals in Bewegung und schwebte bis vor des Königs Thron

»Ihr wollt mir helfen, Majestät! Ja, wie denn? Was wisst Ihr schon von mir und meinem Unglück«, antwortete Maggie verwundert.  

»Du würdest staunen, was wir alles wissen. Es ist schließlich unsere Hauptaufgabe uns um Kinder zu kümmern, die unverschuldet in Not geraten sind. So wie Du, als dich im Sommer das Auto samt deinem Fahrrad angefahren hat. Wir wissen auch, dass du keinen körperlichen Schaden davon getragen hast und trotz allem nicht gehen kannst. Das du die letzten Monate immer trauriger und trübsinniger geworden bist. Und warum? Hast du dich selbst mal gefragt warum das so ist? Nein! Aber wir haben es getan und wir kennen auch die Antwort. Du hast Angst! Angst davor, nie wieder richtig Laufen zu können, aber das ist nicht wahr. Dein Leiden ist psychosomatisch, das heißt, nur deine Seele ist krank und nur du allein kannst deine Seele wieder heilen«, erläuterte der König.

»Der Wichtel, der mich herunter geführt hat, schien aber nicht so zu denken wie sie, Herr König. Der war ganz schön sauer, dass ich ihn sehen konnte«, berichtete das Mädchen und schaute den König ein wenig missverstehend an.

»Monk ist nur ein Arbeiter und diente in diesem Fall als Lockvogel, um dich hier herunterzubringen. Er hatte keine Ahnung. Ob jemand von uns auf der Erde sichtbar wird oder unsichtbar bleibt, das regeln wir hier unten in der Zentrale für Unsichtbarkeit. Den Empfänger dafür trägt jeder in seiner Gürtelschnalle«, erklärte der König lächelnd!

»Nun gut! Sie haben mir jetzt viel erklärt, aber wie ich gesund werde, weiß ich trotz allem noch nicht«, stellte Maggie ernster aber immer noch ungläubig fest.

»Also gut, hör zu und merke! Täglich 10 x lachen, eine Handvoll Fröhlichkeit und mehrmals in der Woche die – ich treffe mich mit meinen Freundinnen – Therapie. Weiterhin bekommst Du von mir eine Liste mit Übungen, die Du mehrmals täglich machen musst. Ein ganz besonderes Geschenk erhältst du von meiner Frau, der Königin. Hierbei handelt es sich um einen Zauberhandschuh, mit dem du morgens, mittags und abends kreisend deine Beine abreiben musst. Es besteht die Möglichkeit, dass die ganze Behandlung einige Nebenwirkungen hat, wie zum Beispiel das Verlangen nach lustigen Filmen und Büchern sowie Kuschelattacken mit Mama und Papa, die jedoch keine bedrohlichen Auswirkungen haben. Bei Strafe verboten ist an deine Krankheit zu denken oder darüber nachzugrübeln! Hast Du das alles verstanden?« fragte der König die kleine Maggie.

»Mein Gott, was ist das für eine eigenartige Medizin«, wunderte sich das Mädchen.

»Es ist genau die Art von Medizin, die man zum Heilen einer kranken Kinderseele braucht«, begründete der König seine Ausführungen lächelnd.

Während Maggie sich bedankte und wieder nach oben geführt wurde, fragte einer der Königswächter: »Sir ich bitte Sie, was an diesem Handschuh ist eigentlich Zauberei?«

»Sehr einfach. Er besteht aus einem besonderen Stoff, in dem abgestumpfte, flache Mineralkiesel eingewebt sind, welche durch ihre Reibung die Durchblutung der Kinderhaut fördern«, bekam der Wächter von einem lächelnden König zur Antwort.

Schon nach der zweiten Woche zeigte die Behandlung des Königs seine Wirkung. Maggie wirkte fröhlich und unbeschwert, und zum Weihnachtsfest erklärte der Hausarzt des Mädchens sie, wie durch ein Wunder, als geheilt.

 »Das war eine tolle Geschichte, Omi. Aber du hast doch gesagt, es wäre eine wahre Geschichte? Ich würde eher sagen es war ein Märchen«, sagte Katrin schmunzelnd.

»Du irrst dich, Liebes. Im Alter von 8 Jahren war mein Rufname Maggie. Den Unfall mit dem Fahrrad hat es ebenfalls gegeben, genauso wie die geheimnisvolle Begegnung mit dem König der Wichtel. Glaub mir, es gibt ihn wirklich!«, sagte ich mit einem mysteriösen Unterton. Ich beugte mich hinunter, gab dem Mädchen einen gute Nacht Kuss und mit einem geheimnisvollen Lächeln verließ ich das Zimmer.

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