Manchmal will ich einfach nur weg. Meinen Schlüssel nehmen, meine Geldbörse, und einfach gehen. Irgendwohin, nur weg von hier. Alles hinter mir lassen, niemandem mehr verpflichtet sein, mich um niemanden kümmern müssen. Was gehen mich denn die Probleme anderer eigentlich an? Ich hab doch schließlich auch genug Sorgen, aber um die kümmert sich keiner. Mit denen muss ich alleine fertig werden. Sollen die anderen das doch auch so machen. Ja, das ist egoistisch, ich weiß, aber habe ich denn kein Recht, manchmal nur an mich zu denken? Ist das denn nicht sogar meine Pflicht? Damit ich wieder Kraft tanken kann? Was nützt es denn, wenn ich mir immer und immer wieder die Lasten anderer noch zusätzlich zu meinen eigenen aufbürde und mehr und mehr daran zerbreche? Wem nütze ich damit? Niemandem, am allerwenigsten mir selbst. Manchmal brauche ich eben Zeit für mich. Dann bin ich genervt von anderen Menschen, von der Familie, von guten Freunden, dann will ich einfach nur schreien: "Lasst mich in Ruhe, ihr kotzt mich an! Lasst mich endlich in Ruhe! Seht zu, wie ihr ohne mich zurecht kommt!"

Normalerweise bin ich nicht so. Meistens macht es mir große Freude, anderen helfen zu können, für sie da zu sein. Ich mach das aus reiner Herzensgüte und verlange niemals eine Gegenleistung. Meine schönste Belohnung ist es, wenn es jemandem durch meinen Beistand ein bisschen besser geht. Leider verstehen das viele Menschen nicht. Die glauben, mir irgendetwas zurück geben zu müssen. Die jammern rum, wenn ich sie, weil es ihnen schlecht ging, angerufen und mein Handyguthaben vertelefoniert hab. Mein Gott, das ist doch meine Sache! Was sind schon ein paar Euro, wenn es darum geht, für einen Freund in Not da zu sein?  Sowas ärgert mich immer total. 
Helfersyndrom? Nein. Ich kann mich sehr gut zurück nehmen und helfe auch nicht jedem. Ich setzte da durchaus Grenzen, zu meinem eigenen Wohlbefinden. Wenn ich merke, dass mich jemand mit seinen Problemen überfordern würde, dann sage ich klar und deutlich: "So, bis hierher und nicht weiter, ich bin raus!" Aber die, denen ich mich annehme, sind es immer wert. 
Vielleicht liegt es an der verrohten Gesellschaft, dass so viele sich nicht vorstellen können, dass es Menschen gibt, die selbstlos handeln, mit keinem anderen Wunsch, das Leid der Welt ein ganz kleines bisschen zu lindern und zu zeigen, dass es das Gute noch immer gibt. Warum fällt es vielen Menschen so schwer, es zu glauben, wenn jemand zu ihnen sagt" Ich hab dich lieb!"? Warum glauben sie, es nicht wert zu sein, dass man nachts aufbleibt, um ihnen zuzuhören, mit ihnen zu reden? Warum schlagen sie Hilfsangebote, die wirklich von Herzen kommen und nichts verlangen, so oft aus? Das ist ermüdend und frustrierend. Da möchte man Menschen, die man lieb hat, die einem so viel bedeuten, einfach nur ein Freund sein und für sie da sein, und dann wird das so grausam boykottiert. Das tut weh...

Und dennoch, aufgeben kommt für mich nicht infrage. Dafür hab ich diese Menschen viel zu lieb. Und ich weiß ja, dass es oft nur an ihrem mangelndem Selbstwertgefühl liegt, dass sie meine Fürsorge nicht so gut annehmen können. Dass sie befürchten, mir anschließend zur Dankbarkeit verpflichtet zu sein. Dankbarkeit! Wie ich dieses Wort hasse! Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Dankesschulden die schlimmsten Schulden sind. Dankbarkeit ist das letzte, was ich will. Was ich will, ist ein kleines Lächeln, ich will nützlich sein, zu etwas taugen, und wenn auch nur, indem ich andere mit Hilfe meiner Lebenserfahrung ein ganz klein bisschen unterstütze. Außerdem ist es für mich selbstverständlich, für Freunde da zu sein, komme was wolle. Ich schätze, Menschen wie mich gibt es heutzutage zu wenige, darum kommt es vielen ungewohnt vor, wenn sie plötzlich merken, dass es uns gibt. Menschen, deren Herzen und Seelen so groß sind, die so viel Liebe zu geben haben, denen Freundestreue und Herzenswärme keine unbekannten Begriffe sind. Die ihre eigene Kraft aus jedem kleinen Fortschritt ihrer Freunde und Schützlinge ziehen. Für die es nichts schöneres gibt, als ein Lächeln auf einem Gesicht, das noch vor kurzem von Verzweiflung geprägt war. Die Freudentränen in den Augen haben, wenn Hoffnungslose plötzlich wieder etwas Hoffnung haben. Die noch an den Spruch glauben, dass es nichts Schöneres, nichts Wunderbareres, nicht Wertvolleres und Kostbareres gibt, als gebraucht zu werden.
So wie ich. Und trotzdem...

Manchmal will ich einfach nur weg.

Kommentare

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    Kommt mir sehr bekannt vor, aber vergiss niemals, dass du zuerst dich lieben sollst, um andere lieben zu können und du zuerst Hilfe brauchst bevor du die weitergeben kannst. Und Menschen die dir gerne helfen oder Menschen die deine Hilfe in Anspruch nehmen, dann sollte niemals eine zwanghafte Dankbarkeit dahinter stehen. So nach dem Motto, wenn du mir hilfst, helfe ich dir auch oder weil ich dir geholfen habe, musst du jetzt mir helfen. Quatsch. Wahre Hilfe braucht keine Dankbarkeit, denn wahre Hilfe kommt von Innen heraus. Und ja, wenn du eine Auszeit brauchst um deine Batterien wieder aufzuladen dann nimm dir Auszeit. Denn in erster Linie solltest du dir wichtig sein. Das wünsche ich dir. :-)

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