Massachusetts

Michael schaffte es tatsächlich, mehrere Stunden zu schlafen. Die Blondine an seiner Seite, die nach seinem Aufwachen etwas beleidigt getan hatte, begann nun, ihn ein Wenig zu bezirzen. Nun, da er ausgeschlafen war, tat er ihr den Gefallen und unterhielt sich eine Zeit lang mit ihr. Sie war aus Salzburg und hatte eine Schwester in Boston, die sie auf dem Flughafen erwarten würde. Sie interessierte sich sehr für Michaels Beruf und stellte Fragen, die Michael auffielen. Irgendwie lenkte sie das Gespräch auf Energie und deren Gewinnung und Michael, der ansonsten sehr offen war, was seine Erfindungen betraf, wurde mißtraurisch. Andererseits fragte er sich, ob er denn schon unter Verfolgungswahn litt. Es war völlig normal, in einer Unterhaltung auch seinen Beruf preiszugeben. Diese Frau aber hatte das Gespräch in eine Richtung gelenkt, die sehr spezifisch auf seine Errungenschaft abzielte. Ob man sich nicht Abends treffen wolle, meinte sie noch, nachdem sie ihm angeboten hatte, ihn von ihrer Schwester in sein Hotel fahren zu lassen. Auch sie selbst sei öfter in Massachusetts und könne ihm Einiges zeigen. Michael lehnte dankend ab. Sein Auftraggeber würde ihn abholen lassen, log er. Er hatte langsam wirklich das Gefühl, diese Person sei auf ihn angesetzt.

Als er schon mit dem Gedanken spielte, ihr ein falsches Hotel zu nennen falls sie fragen sollte, wurde sie ein Wenig zurückhaltender. Sie hatte wohl gemerkt, dass Michael den Braten gerochen hatte. Ein paar interessante Gedanken hatte sie aber in ihre Unterhaltung einfließen lassen. Beispielsweise, dass billige Energie nicht nur begrüsst werden würde auf der Welt. Nicht nur Bedürftige würden danach greifen wollen, die Weltwirtschaft könnte zusammenbrechen, wenn die großen Erdölliferanten ihre Abnehmer verlieren würden, Die Kohlebergwerke, Die Atomkraftwerke nichts mehr liefern müssten. Dann könnte der Entwickler und Anbieter der preiswerten Energie unter die Räder der Weltwirtschaft kommen. Einem preiswert agierenden Konkurrenten würde man es mit Sicherheit nicht leicht machen... Michael fragte sich langsam, ob er nicht ein wenig zu naiv gewesen war, mit seiner Vorstellung den Menschen Etwas Gutes zu bringen. Er nahm sich vor, sofort nach seiner Heimkehr Kontakt mit Bertl, seinem Anwalt aufzunehmen. Seine Erfindung sollte der Menschheit umweltfreundliche, saubere, erschwingliche Energie bringen und nicht etwa Angestellten der Energiewirtschaft den Arbeitsplatz kosten. Es passiert sehr leicht, immer nur das Eine ohne das Andere zu sehen. Allerdings sollte man auch nicht jeder Verschwörungstheorie auf den Leim gehen. Auf jeden Fall ließ die geführte Unterhaltung Michaels Lebenswerk plötzlich ganz anders dastehen, als er es immer gesehen hatte. Jemand der seine Arbeit verloren hatte, würde sich beispielsweise auch die günstigste Variante von Michaels Hauskraftwerk nicht leisten können. Michael, der immer geglaubt hatte, etwas von der Wirtschaft zu verstehen, da er mit seinen Entwicklungen immer erfolgreich gewesen war, begann zu begreifen, dass man so etwas Weltbewegendes  wie seine Erfindung nur langsam und behutsam auf den Markt bringen können würde.  Dazu kam das Gefühl, dass sich offenbar schon gewisse Kreise kritisch mit seiner Existenz auseinandergesetzt haben mussten.  

Die Blonde, die sich als Natalie vorgestellt hatte, musste erkannt haben, dass Michael Verdacht geschöpft hatte, da sie nun versuchte, die Unterhaltung mehr ins Private zu ziehen. Ihre neue Taktik ging dahin, auf Teufel komm raus mit ihm zu flirten, um den Kontakt zu ihm nicht zu verlieren. Sie konnte nicht wissen, dass Silvie ihn letzte Nacht dagegen "immunisiert" hatte. Sie hatte noch jeden Mann "bei der Stange gehalten".  Pech für sie...                                  

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