Es polterte auf dem Gang. Ein Lachen ertönte und darauffolgend das Geräusch sich entfernender Schritte.

Der Mann in der Butler-Livree seufzte und legte seine aktuelle Arbeit – das Polieren des Tafelsilbers – nieder, um nachzuschauen, was die beiden Trolle diesmal zu Bruch geschlagen hatten.

Sie hatten sich in einer der kleinen Kammern ausgetobt, in denen sein Master Hausrat aufbewahrte, für den es im restlichen Schloss keinen Platz gab. Alte Möbel, Truhen, Regale voller zerfledderter Papierstöße und Pergamentrollen, an Bügeln hängende und mottenzerfressene Kleidungsstücke längst vergangener Epochen. Da das Schloss keinen Dachboden per se hatte und es im Keller zu feucht dafür war, gab es im ganzen Anwesen verteilt diese Kammern, unterschiedlich groß, doch niemals verschlossen.

Und wie Magneten für die Trolle, die neugierig waren wie eine Horde Kinder und ebensolchen Schaden machten.

Der Butler überblickte das Chaos im Schein einer matten Funzel und seufzte.

Sie hatten einen Papierstoß zum Kippen gebracht, der beim Fallen mehrere Kisten mit angelaufenem Besteck mitgerissen hatte. Diese Kammern betrat sein Master im Grunde niemals und es könnte ihm, dem Butler, egal sein, wie es hier drin aussah, doch es widersprach seinem Wesen, diese Unordnung unbeachtet zu lassen.

Also schob er die Ärmel hoch und brachte wieder Ordnung in die Kammer, schüttelte sich dabei mehrere Spinnen aus den Haaren und wischte sich Wollmäuse und Staub vom Anzug.

Während er räumte, fragte er sich, warum er sich dies gefallen ließ. Die Trolle machten Unordnung und taten – bis auf die brachialen Arbeiten im Schloss, wie Holzhacken – nichts Nützliches, um ihm oder Alice Arbeit abzunehmen. Im Gegenteil machten sie ihnen sogar noch mehr, weil sie immer und überall Dinge umwarfen, zerbrachen, durcheinander brachten oder wegnahmen und sie nicht zurücklegten.

Ständig suchte sein Master irgendwelche Sachen, die er, der Butler, dann suchen musste, weil die Trolle diese verschlampt hatten.

Und Schuld an dieser Plage war Alice! Sie hatte diese beiden Nichtsnutze angeschleppt wie ausgesetzte Kätzchen, hatte sie im Wald gefunden und gefragt, ob sie bleiben könnten. Sein Master, der böse tat, war im Grunde ein ganz anderer und gestattete es ihnen.

Der Leidtragende war er, der Butler. Denn der Großteil der Arbeit und des Ärgers blieb an ihm kleben. Doch keinem war dies wirklich bewusst, denn er beschwerte sich nicht. Dumm von ihm, doch seine Loyalität galt einzig seinem Master. Und solange dieser die Trolle duldete, würde er nichts Gegenteiliges tun.

 

Vor sich hinbrummend, putzte er sich die Hände an einem Staubtuch ab und verließ die Kammer wieder.

Das Schlimmste war aber, dass er, seit die Trolle da waren, von Alice regelrecht links liegen gelassen wurde. Bevor diese Idioten da waren, hatte er geglaubt, er und sie hätten eine – vom Master inoffiziell geduldete – Beziehung oder dergleichen. Doch das schien nur er so zu sehen.

Was ihn maßlos ärgerte. Er hasste es, zu sehen, wie dieser Barbar, der sich selbst Aaron nannte, ihr schamlos an den Hintern fasste und den Rock ihrer Uniform hochzog. Er dachte stets, sie würde solches Verhalten hassen, doch was tat sie stattdessen? Kichern! Wie ein alberner Backfisch!

Und als er einmal dazwischen ging und den Troll zur Seite schob, bedankte sie sich nicht etwa bei ihm für die Hilfe – Nein, sie fauchte ihn an, er sollte Aaron doch in Ruhe lassen, der mache nur Spaß!

 

Seufzend kehrte er zu seiner Polierarbeit zurück.

Was auch immer er gedacht hatte, was da wäre... von Alices Seite hatte er sich dies offenbar nur eingebildet. Wann immer er in letzter Zeit versuchte, sie mal allein zu erwischen, hatte sie eine Ausrede, schob meist den Master vor und hing am Ende doch im Turmzimmer der Trolle ab.

Die Bilder, die sein eifersüchtiges Hirn in seinen Kopf projizierte, waren alles andere als löblich und ließen Alice nicht im besten Licht dastehen, doch er konnte es nicht abstellen. Er wollte nicht, dass sie allein war mit diesen Vollidioten, die vermutlich nicht mal wussten, wie man Toilettenpapier benutzte. Es war eine Sache, dass der Master sich mit den Trollen zu vergnügen pflegte, doch bei Alice fraß es ihn förmlich auf.

 

Es dauerte eine ganze Weile, bis er das Besteck blitzeblank in den Kästen verstaut hatte und es war bereits Zeit, das Abendessen vorzubereiten. Den Master überkamen oftmals sonderbare Gelüste, die für einen sterblichen Gaumen schwer nachzuvollziehen waren, doch er, der Butler, war auf alles vorbereitet. Er war schon Jahrhunderte in Diensten des Masters. Ihn überraschte kaum noch etwas.

Gemessenen Schrittes, durch und durch elegant wie immer, durchschritt er die Gänge auf dem Weg in die Küche. Sein Tagwerk war vollbracht, es war ordentlich und die bewohnten Räume des Schlosses sauber und nahezu staubfrei. Niemand würde ihm diese Meisterleistung nachmachen, das wusste er und deshalb schätzte ihn der Master.

Bereits im Gang hörte er, dass die Trolle in der Küche waren. Und Alice.

Den unangenehmen Knoten im Magen stur ignorierend, betrat er den weitläufigen Raum und sah alle drei am grobgeschlagenen Küchentisch sitzen, vor sich ein unverständliches Würfelspiel, das die Trolle zu spielen pflegten und das nur Alice begriffen hatte. Es war ein lautes Spiel, was häufiges Krachen von Fäusten auf der Tischplatte und unflätiges Grölen mit sich brachte, doch das Mädchen schien es lustig zu finden.

Anders als er und sein Master.

Sie ignorierten ihn, als er eintrat und seinen Frackmantel gegen eine weiße Schürze tauschte.

Es ärgerte ihn, dass zumindest Alice sich nicht einmal ein »Hallo, Sebastian« abringen konnte. Dass die Trolle ihn ignorierten und als Idioten, Lahmarsch und Frackpimmel bezeichneten, wusste er. Aber fing sie jetzt auch damit an? War er denn unsichtbar?

 

Stumm mit den Backenzähnen mahlend, begann er, die von Master heißgeliebten Kartoffeln zu schälen, während das Grölen hinter ihm immer lauter zu werden schien.

Oh wie fern waren die Tage, an denen nur er allein in seiner geliebten Küche war...

Routiniert bereitete er einen Topf vor. Abgelenkt vom unflätigen Gerede dieses Machos Aaron griff er beinahe nach dem Zucker statt dem Salz, um es in das Wasser zu geben. Sein Kiefer schmerzte schon spürbar und seine Hände zitterten.

»Wenn ich gewinne, weißt du, was Sache ist... dann ist Sense mit Miss Rührmichnichtan. Dann schläfst du in meinem Bett... aber du wirst nicht viel Schlaf kriegen, wenn du verstehst...«

»Hah, das will ich sehen. Eher landest du im Bett des Meisters. Und liegst unten!«, lachte Alice und das Klappern der Würfel ertönte erneut.

Unwilliges Brummen verriet Sebastian, der sich stur weigerte, der kleinen Runde auch nur einen Blick zu schenken, dass Aaron den Durchlauf verloren hatte. Der Ruhigere der Trolle, der blonde Kristian, lachte gehässig.

»Noch eine Runde, du Hexe!«, knurrte Aaron nur dunkel. »Deinen Rock kriege ich auch noch, das schwör‘ ich dir.«

»Och, meinen Rock kannst du haben, ich habe noch einen.«

»Steht dir bestimmt gut.«, lachte nun Kristian mit Alice um die Wette. Aaron knurrte und das Geklapper und Gehämmere auf der Tischplatte ging weiter.

Sebastian spürte, wie er Kopfschmerzen bekam. Etwas, das ihm unbekannt war, bis die Trolle kamen.

»Könnte einer von euch in den Weinkeller gehen und mir eine Flasche halbtrockenen Rotwein bringen?«, fragte er mit etwas erhöhter Stimme, um in dem Gebrüll überhaupt zu hören zu sein. Doch ebenso gut hätte er versuchen können, gegen eine Explosion anzubrüllen.

Aaron hatte sich so in das Ziel, Alice in dem Spiel als Betthäschen zu gewinnen, hineingesteigert, dass jedes Hämmern auf der Tischplatte noch bis in die Bibliothek zu hören sein musste, er brüllte herum, während die beiden anderen nur lachten.

Sebastian knüllte das Handtuch in seiner Hand zusammen und merkte, wie es zu kokeln begann.

Niemand hier nahm ihn ernst! Niemand hier war sich darüber bewusst, WER oder WAS er war! Zugegeben hatte es auch nie einen Grund gegeben, auf seine Herkunft zu pochen oder damit hausieren zu gehen, doch der Master war nicht die einzige nichtmenschliche Kreatur in diesem Schloss. Nicht der Einzige, der gefährlich werden konnte, wenn ihm etwas gegen den Strich ging.

Und gerade war der Wunsch, diese Vollidioten; die keinen Finger krumm machten, seine Nerven pulverisierten, ihm verdammte Kopfschmerzen bereiteten und die Frechheit besaßen, hier in seiner Küche zu sitzen und rumzubrüllen; in die Tiefen der Hölle, aus der er stammte, zu schicken, sehr stark. An einen möglichst heißen und schrecklichen Ort. Noch lieber würde er ihre Körper wie überreife Beeren einfach platzen lassen, doch erstens würde der Master nicht erfreut sein, seine Sexspielzeuge zerstört zu sehen und zweitens müsste er, Sebastian, den Dreck anschließend wegmachen. Und Alice würde auf den Schock vermutlich das Schloss für immer verlassen.

 

Fies wie ein kleines Messer bohrte sich der Kopfschmerz in Sebastians Gehirn, als er das braungekokelte Geschirrtuch weglegte.

Wie gern hätte er jetzt Stahlnägel auf einer Schiefertafel, um sich Gehör zu verschaffen. Doch stattdessen ergriff er eine metallene Suppenkelle, holte aus und schlug einmal mit aller Kraft auf einen der großen Töpfe. Das helle Dröhnen ging durch Mark und Bein und es dauerte lange, bis es verhallte. Doch danach war alles still – oder taub.

Alice, Kristian und Aaron blickten Sebastian an, als hätte dieser den Verstand verloren, so einen infernalen Krach zu machen, doch der Butler ließ sich nur zu einem schmallippigen Lächeln herab.

»Habe ich jetzt eure Aufmerksamkeit? Gut. Ich bat darum, dass mir einer einen halbtrockenen Rotwein aus dem Keller holt. Denn im Gegensatz zu euch drei Nichtsnutzen habe ich hier zu arbeiten! Wenn ihr essen wollt, bewegt eure Ärsche und macht euch nützlich. Sonst könnt ihr ebenso im Wald nach Beeren suchen. Das hier ist kein Asyl für Trolle, klar? Wer arbeitet, kann essen. Wer nicht, kann verschwinden!«

Die Trolle hatten ihre Fassung wie üblich sehr schnell wieder und Sebastian kam nicht drumherum, sie für diese immense Sorglosigkeit zu bewundern – und zu hassen.

Aaron grinste anzüglich. »Ich denke, der Herr ist durchaus zufrieden mit unserer “Arbeit”.« Kristian hatte eine rosa Färbung um die Nase, nickte aber.

Sebastian ballte die Finger so fest um die Kelle, dass seine Knöchel schneeweiß hervortraten.

»Du trägst dein Gehirn auch in deinem Schwanz, oder, du Schwachkopf?«

»Nun, dem Herrn scheint zu gefallen, was ich mit meinem Schwanz alles anstellen kann. Von anderen Pflichten hier hat er nie etwas gesagt...«

»Du...« Sebastian war weiß vor Wut und seine Stimme sagte nur zu deutlich, wie gern er Aaron töten wollen würde. Alice, die wusste, dass Sebastian ein Dämon war, der die Trolle problemlos einmal durchbraten konnte, versuchte, die Situation zu entschärfen. Sie sprang auf, richtete sich züchtig die Uniform und hob die Hände.

»Hey, beruhigt euch. Ich gehe deinen Wein holen, Sebastian. Und Jungs, wir waren wirklich echt laut... Vielleicht geht ihr in den Turm und wir lassen Sebastian in Ruhe...?«

Sie suchte den Blick des Butlers und lächelte, doch dessen Augen waren hart. Er knurrte und legte die Kelle beiseite.

»Wisst ihr was? Ich könnt mich alle mal gernhaben. Seht zu, wie ihr dem Master etwas Essbares zubereitet. Ich habe für heute die Schnauze gestrichen voll. Von euch allen. Fahrt zur Hölle!« Er warf Alice die Schürze ins Gesicht und verließ die Küche mit einem effektvollen und sehr lauten Türenknallen. Die Trolle zuckten mit den Schultern und setzten ihr Würfelspiel fort, während das Mädchen mit der Schürze in den Händen noch immer dastand und die Tür anstarrte.

 

~ ~ ~

 

Es war bereits Nacht und Sebastian lag noch immer in seiner Livree und Schuhen auf seinem Bett. Er hatte die Arme hinter dem Kopf verschränkt und starrte Löcher in den dunklen Stoff seines Betthimmels. Luxuriöses Zimmer für einen Butler, doch dafür hatte er keinen Blick.

Es war still, seit er sich zurückgezogen hatte. Und da es keine Standpauke seines Masters gab, musste Alice ihm das Abendessen gemacht haben. Ganz sicher, denn die Trolle hatten das sicher nicht getan. Wenn die beiden für den Master verantwortlich wären, würde dieser vermutlich verkümmern, weil er nichts gescheites zu essen bekäme. Die hatten wirklich nur Ficken im Kopf, 24 Stunden am Tag, jeden Tag! Intelligenz schien kein verbreitetes Gut in ihrem Volk zu sein. Dafür Potenz.

Nein, er würde mit diesen beiden Hausgästen sicherlich niemals warm werden und dass sie der Meinung waren, er hätte sie ebenso zu bedienen wie seinen Master, brachte ihn auf die Palme.

Oh, wenn er doch nur einmal so könnte, wie er wollte, er würde es ihnen zeigen, diesen arroganten Pinseln, die seinem Master das Hirn herauszuvögeln versuchten und dasselbe auch mit Alice vorhatten.

Seiner Alice!

Er schnaubte bei dem Gedanken. Das war sie ganz sicher nicht. Wenn, würde sie nicht zulassen, dass die Trolle ihn immer wieder so behandelten, sie würde nicht dabei mitmachen, sie würde ihm nicht das Gefühl geben, ein Niemand für sie zu sein...

»Scheiße«, knurrte er in die Finsternis. Er wusste schon, warum er und der Master über Jahrhunderte keine Frauen im Schloss hatten.

Kraft seiner Gedanken ließ er die Kerze auf seinem Nachttisch sich entzünden und erhob sich.

All das Grübeln brachte doch ohnehin nichts. Also konnte er ebenso gut einfach schlafen gehen und die Sache gutsein lassen. Vielleicht hatten die Vollidioten irgendwann von allein keinen Bock mehr auf das Schlossleben und wollten gehen. Er würde sie nicht aufhalten, nein, er würde sogar beim Gehen helfen. Mit seiner Stiefelspitze!

Er streifte sich die Schuhe ab und löste seine Krawatte, als es leise an der Türe klopfte. Es war zaghaft. So klopfte niemand hier. Andererseits, es war nach Mitternacht. Der Master arbeitete vermutlich noch an einem seiner Manuskripte, aber alle anderen schliefen für gewöhnlich um diese Zeit bereits.

»Ja?«

»Sebastian?«

»Nein, der Sandmann. Was willst du, Alice?«

Das Mädchen stand in der Tür und ihr Gesicht war ein einziges Fragezeichen.

»Bist du... sauer?«

Sebastian löste seine Krawatte und lachte schnaubend. »Warum sollte ich? Ich bin es doch gewöhnt, von allen wie Luft behandelt zu werden. Allen voran von dir...«

»Oh...«

»Ich wiederhole: Was willst du?«

»Du bist einfach so abgerauscht. Ich wollte mal nach dir sehen. Nachdem ich dem Meister das Essen gemacht und die Küche geputzt habe...«

»Wie gnädig.«

Alice schloss die Tür hinter sich und trat einige Schritte weiter in den Raum. Ihr Gesicht hatte den alten Kampfgeist schon längst wieder zurück. Sie mochte es nicht, wie ein Dummchen behandelt zu werden.

»Warum bist du so angepisst?«

Sebastian blickte sie mit hochgezogenen Brauen an. »Das fragst du ernsthaft?«

»Offenbar!«

»Vielleicht, weil du... du...« Der Butler wandte gereizt den Blick ab und knöpfte die Weste auf, die er üblicherweise unter dem Frackmantel trug.

»Weil ich?«

»Willst du nicht lieber nach deinen Trollen sehen? Ich komme zurecht, wie du siehst.« Dass er die Weste unsanft in die Sitzfläche eines Sessels feuerte, machte seine Äußerung nicht unbedingt glaubwürdiger, aber das kümmerte ihn nicht.

»Die... Trolle? Was haben die denn damit zu tun? Warum sollte ich nach denen sehen?«

»Keine Ahnung. Muss daran liegen, dass sich alles nur noch um diese Waldschraten bei dir dreht.«

Alice machte ein glucksendes Geräusch, ein verhaltenes Lachen, was Sebastian eigentlich niedlich fand. Eigentlich. Wenn es nicht gerade ihm galt.

»Du... du benimmst dich so, weil du... bist du eifersüchtig?«

Sebastian knurrte und starrte das Mädchen an, seine Augen nicht weniger rot als die seines Masters, wenn er sauer war.

»Du bist unvernünftig und viel zu leichtgläubig. Treibst dich allein rum mit diesen unzivilisierten Wilden, die den ganzen Tag nur fressen und ficken, und denkst keine Sekunde daran, was die dir antun könnten!«

Alice schnappte ungläubig nach Luft, doch Sebastian war noch nicht fertig.

»Meinst du, Aaron gibt sich noch lange mit Spielereien und Andeutungen zufrieden? Wenn er dich nicht freiwillig kriegt, nimmt er dich mit Gewalt.«

Das Mädchen stemmte die Hände in die Hüften und legte den Kopf schief, ihre Stirn krausgezogen, ihr ganzes Gesicht ein einziges Gegenargument.

»Das ist doch Unsinn. Das ist alles nur Mache von ihm. Er steht auf den Meister, auch wenn er es nicht zugeben will.«

»Ach und du meinst, nur weil er momentan am eigenen Ufer fischt, ist ein Ausflug ans andere nicht möglich? Du hast ja keine Ahnung, wie der dich manchmal ansieht!«

»Vermutlich wie du, was ist dein Problem?« Alices Stimme wurde lauter und schriller.

 

In der nächsten Sekunde krachte Alice mit dem Rücken an die Wand, festgeklemmt zwischen dieser und dem Körper Sebastians, dessen komplette Muskulatur angespannt war. Sie keuchte, weil es ihr die Luft aus den Lungen presste.

»Versuch doch, dich zu wehren.«, knurrte er und Alice tat wie geheißen. Der Erfolg war mäßig und sie begann zu schwitzen.

»Hör auf, das tut weh, Mann!«

»Stell dir vor, es wäre nicht ich, sondern er und du wüsstest genau, was er von dir will.« Sebastians Hand berührte ihre Haut dort, wo der Saum ihres Rockes endete und schob diesen langsam hoch.

»Du bist komplett bescheuert.«, fauchte das Mädchen und versuchte weiterhin, sich aus dieser misslichen und unbequemen Lage zu befreien.

»Bin ich das? Ich würde sagen, ich habe die Oberhand über dich, weil du so naiv warst, anzunehmen, ich würde dir nichts tun. Und stell dir vor, da gäbe es noch einen zweiten, der dich notfalls festhalten könnte, wenn du doch ausbüchsen könntest.«

»Das würden die beiden nicht tun, ok? Die tun gern dicke, aber die würden niemals jemanden vergewaltigen. Und du auch nicht. Lass mich los...«

Sebastian dachte nicht im Traum daran, sie jetzt gehen zu lassen. Doch er lockerte den harten Griff, der ihre Schultern an die Wand pinnte. Sie atmete etwas freier, doch versuchte noch immer, sich von ihm loszumachen.

Dies versetzte Sebastian einen Stich.

»Widere ich dich tatsächlich so sehr an, dass du es gar nicht erwarten kannst, von mir wegzukommen?«, flüsterte er und seine Augen waren schwarz im unzureichenden Licht der einzelnen Kerze auf dem Nachttisch.

Alice gab ihren Widerstand überrascht auf und starrte ihm ins Gesicht.

»Was?«

»Was hast du an meiner Frage nicht verstanden?«, knurrte der Butler dunkel und presste die Lippen zusammen.

»Ich... nichts... ich bin nur... wie kannst du das denken?«

»Seit Wochen schaust du mich nicht mehr an, was soll ich denn da bitte sonst denken?«

Alices Wangen röteten sich und sie unterbrach den Blickkontakt.

»Ich dachte... das wäre eine einmalige Sache gewesen und... du hast... danach nie wieder was versucht. Ich dachte, du würdest es als einen Fehler ansehen.«

Sebastian keuchte. Wochenlang hatte er kochend in seinem Bett gelegen und von der Erinnerung gezehrt und nun sagte sie ihm, er hätte ihr die falschen Signale gesandt?!

»Hätte ich mich so plump an dich ranschmeißen sollen wie dieser Neandertaler?«

»Nein! Aber... aber...« Mit einem Mal kamen Alice die ganzen Situationen in den Sinn, in denen sie und Sebastian allein hätten sein können. Ja, sogar der Meister, der für solche Ränkespiele eigentlich keinen Sinn hatte, hatte oft unter einem Vorwand das Zimmer verlassen. Hatte hier und da den Kuppler gespielt.

Und sie hatte es nicht begriffen, war peinlich berührt gewesen wegen der Erinnerung und der Scham, die sie empfand, weil sie sich so hatte gehen lassen.

»Oh!«, platzte es aus ihr heraus und sie lief rot an.

»Was machen wir jetzt?«, murmelte Sebastian und schnupperte an ihrem Haarzopf. Alice wand sich aus dem Griff und machte ein paar Schritte, um Abstand zwischen sich und den Butler zu bekommen.

»Ich... gar nichts. Ich kann nicht... das ist so peinlich. Ich will nur noch ins Bett.« Ihre Stimme war schriller als üblich und überschlug sich.

Sebastians Gesichtsausdruck wandelte sich von Überraschung zu Ärger zu Enttäuschung. Schließlich zuckte er mit den Schultern und wandte sich ab.

»Mehr als mich kann ich dir nicht geben. Wenn dir das nicht reicht, verzeih. Bitte mach‘ die Tür hinter dir zu.«

Alice floh förmlich und er nahm auf der Bettkante platz. Zurückweisung war kein sehr schönes Gefühl. Er seufzte und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare.

Minutenlang starrte er in die Flamme der einsamen Kerze, genau in die Mitte, da wo das Licht so grell war, dass es weiß erscheint. Es tat in den Augen weh und sie begannen zu tränen, da er auch nicht blinzelte, doch er hielt stand.

Er wollte den Schmerz, der das miese Gefühl verdrängte, abgewiesen worden zu sein. Hätte er doch nur die Klappe gehalten!

Jetzt stand er da wie dieser Hinterweltler-Macho, der nur ficken wollte.

 

Er hörte nicht, dass die Tür zwar geschlossen, das Mädchen aber noch da war. Sie stand draußen auf dem Gang, an die Tür gelehnt und den Kopf voller verwirrender Gedanken.

Sie hatte wirklich geglaubt, Sebastian hätte das kleine Intermezzo zwischen ihnen, entstanden durch zuviel Wein des Meisters, bereits vergessen oder verdrängt oder tat einfach so, als wäre es nicht passiert, weil es sich für Bedienstete einfach nicht gehörte. In den Phasen geringen Selbstvertrauens redete sie sich sogar ein, dass er es schlecht fand und sie eigentlich noch Glück hatte, dass er sie überhaupt mit ins Bett genommen hatte. Sie zweifelte in beinahe jeder Sekunde an irgendetwas, ohne auf die Idee zu kommen, dass er es eventuell gern wiederholen würde. Vielleicht sogar regelmäßig und exklusiv – quasi als Freund und Freundin.

Und nun stand er da und fragte allen Ernstes, ob sie sich vor ihm ekelte?

Hitze prickelte durch ihren ganzen Körper bei der Erinnerung daran, wie heiß er sich anfühlte, als er sie zwischen sich und der Wand eingeklemmt hatte. Wie stark und weich zugleich seine Finger auf der Haut ihres Oberschenkels waren. Wie hart seine Muskeln waren und wie verdammt gut er gerochen hatte.

Er dachte, er wäre ihr nicht genug, aber war es denn nicht genau andersrum? War sie gut genug für ihn?

Sie war nur ein Menschenmädchen, eine Ausreißerin ohne Familie, angewiesen auf die Gnade ihres Herrn und er war ein Dämon. Mächtig, schön, unsterblich...

Und doch wollte sie nur wieder rein zu ihm und ihm sagen, dass sie ihn wollte. Wie konnte er nur eifersüchtig auf die Trolle sein? Die beiden waren mehr wie ihre übereifrigen und ungeoutet schwulen Brüder. Niemals würde sie mit einem von ihnen im Bett landen wollen, das war... igitt.

Leise wischte sie sich über die Nase, die zu laufen begonnen hatte.

Sie war dumm. Sie war weggelaufen vor dem, was sie wollte. Er wollte sie, hatte ihr schon einen Rettungsring hingeworfen, der sie in sein Bett geführt hätte, doch sie hatte ihn nicht angenommen und stand nun in der Finsternis, ohne Land in Sicht und ganz allein.

Konnte sie erwarten, dass er sie nicht hinauswarf, wenn sie wieder reinging? Ihr Herz schlug so hart gegen ihren Brustkorb, dass sie glaubte, es müsse herausspringen und ihre Handflächen waren nass.

Als sie ihre Lungen mit Luft füllte, spürte sie, wie zittrig ihr ganzer Körper war. Sie presste eine Sekunde lang die Augen zusammen, wandte sich um und ergriff die kühle, gusseiserne Türklinke.

 

»Ich dachte, du wärst längst abgehauen.«, schnarrte ihr Sebastians leise Stimme entgegen. Alice blieb abrupt stehen und schüttelte den Kopf, auch wenn der Butler dies unmöglich sehen konnte. Er saß mit dem Gesicht der Kerze entgegen am Fußende des Bettes und ließ die Schultern hängen.

Wie müde er aussah.

»Nein...«

»Was vergessen?«

»Es tut mir leid. Ich hab mich kindisch benommen.«

»Oh ja.«

Alice seufzte leise. »Warum bist du jetzt so einsilbig? Können wir nicht... darüber reden?«

»Worüber?

»Das, was du gesagt hast... was du mir geben willst...«

Sebastian schnaubte.

»Das willst du doch gar nicht.«

»Sag mir doch, was du willst? Aus dir wird nämlich auch niemand schlau...«, spöttelte das Mädchen und fand sich im nächsten Moment im Klammergriff des Mannes, dessen große Hände ihre Oberarme umschlossen hielten. Sein Gesicht war verkniffen und seine Augen nass und wirkten wund. Hatte er geweint? Seiner Position nach könnte er auch ins Feuer gestarrt haben.

»Das habe ich deutlich gemacht. Ich habe mich dir angeboten. Mehr kann ich nicht tun, denn ich kann dich nicht zwingen, mich zu wollen. Weißt du eigentlich, wie schwer es ist, so lange Zeit allein zu sein? Wie erfrischend es war, als du hier aufgetaucht bist? Sowohl für den Master als auch für mich? Endlich gab es wieder sowas wie Leben hier. Doch mit den Trollen war es auf einmal zu viel Leben – und auf jeden Fall zuviel Konkurrenz für mich. Halt‘ mich für einen Macho, aber ich teile nicht.«

Alice hatte rote Wangen und spürte Sebastians Finger durch den feinen Stoff ihres Arbeitskleidchens. Dieses Verhalten, dieses Alpha-Getue, fand sie normalerweise echt schrecklich und peinlich, doch sie hatte das Gefühl, dass ihr Gehirn gerade einen Kurzschluss hatte und irgendein anderes Organ für sie dachte. Ein wesentlich primitiveres.

»Ich lasse nicht zu, dass dieser Hornochse dich zu seiner Hure macht und wenn ich dich dafür über’s Knie legen muss.«

Die Augen des Mädchens blitzten und sie hob die Hand, um Sebastian eine Ohrfeige zu geben.

»Ich bin keine Hure...«, fauchte sie, doch der Butler fing ihre Hand in der Luft ab und umklammerte das schmale Handgelenk mit seinen Fingern.

»Doch... aber meine! Mein Mädchen...«, knurrte er leise und berührte die Haut unterhalb des Handballens sanft mit den Lippen. Alice erschauderte vom Scheitel bis zu den Knöcheln und spürte, wie ihre Knie weich wurden.

Sie machte ein schwaches Geräusch, das ihr das Blut in die Wangen jagte und Sebastian kichern ließ. Seine Zähne knabberten weiter sanft an ihrem Handgelenk, während er sie an sich zog.

»Nicht eklig?«

»K-kein bisschen...«

Er küsste sich an ihrem Unterarm bis zum Ellenbogen empor, bevor er sich den Arm um die Schultern legte. Ihr Busen streifte über seine Brust und ließ sie verlegen kichern. Er zog sie eng an sich und presste seine Nase in die Kuhle an ihrem Hals.

»Das hat mir gefehlt.«, murmelte er und sein Atem kitzelte ihre erhitzte Haut. Sie nickte und vergrub ihre Hände in seinen Haaren.

Mit kleinen, saugenden Küssen krochen Sebastians Lippen an ihrem Hals entlang, bis sie ihren Mund erreichten. Wie eine Ertrinkende klammerte sich Alice an den Butler. Zu lange hatte sie darauf verzichten müssen, ihm nahe zu sein, ihn zu spüren. Wie ferngesteuert versuchte sie, ihn in Richtung des Bettes zu schieben, doch er stand fest wie ein Baum.

»Nichts da, mein Herz. Das Bett musst du dir verdienen.«

»Wie das?«, stieß sie atemlos hervor und blickte in ein grinsendes Gesicht. Sebastians Blick ging an sich runter. Er war noch komplett angezogen, es fehlten nur die Weste und die Krawatte.

»Lass dir was einfallen.«

Alice merkte selbst, dass ihre Hände zitterten, als sie die Knöpfe des Hemdes nacheinander öffnete. Es wollte ihr zeitweilig nicht gelingen und sie hätte den Stoff am liebsten einfach aufgerissen. Doch das hätte wiederum Sebastian sicher verärgert, der sehr pingelig mit seiner Arbeitskleidung war. So begnügte sie sich damit, jeden freigelegten Zentimeter seiner weichen, haarlosen Haut zu küssen. Er seufzte und genoß es seinerseits.

Das Mädchen atmete schwer, als sie das blütenweiße Hemd über seine Schultern streifte und er es schließlich auszog. Sie presste ihre Wange an seine Brust und fuhr mit den Fingerspitzen darüber.

»Du bist aber noch nicht fertig, oder?«, neckte er sie und kitzelte ihren Nacken mit seinen Lippen. Sie grinste und wanderte mit den Lippen an seinem Bauch hinab, mit der Hand an seinem Gürtel. Er keuchte leise, als ihre Zunge seinen Bauchnabel umkreiste und sie sanft die weiche Haut dort zwischen ihre Zähne saugte.

Das Keuchen wurde zu einem leisen Aufstöhnen, als die Hose fiel und Sebastian eine wohlige Wärme an seinem besten Stück spürte. Alices Hände massierten ihn sanft, während ihre Lippen ihn verwöhnten.

»Oh Gott, hör auf«, presste er hervor und zog sie zu sich hoch, um ihre Lippen in Besitz zu nehmen. Dabei schob er seine Finger über ihren Rücken und zog den Reißverschluss ihrer Uniform bis zu den Hüften runter. Ohne den Kuss auch nur im Geringsten zu unterbrechen, schob er das schwarze Seidenkleid über ihre Schultern nach unten und ließ es zu Boden gleiten.

Ein anerkennendes Brummen quittierte die Tatsache, dass sie darunter keineswegs nackt war oder einfache Unterwäsche trug. Stattdessen trug sie ein lachsfarbenes, im Kerzenschein verführerisch schimmerndes, seidenes Unterkleid mit Spitze am Saum, das sich wie eine zweite Haut um ihre Konturen schmiegte.

Das Drängen in seiner Leistengegend nur noch deutlicher spürend, ließ Sebastian seine Finger über den fließenden Stoff gleiten. Alice erschauderte wieder und presste sich gegen seine nackte Haut.

»Ich will nicht mehr warten...«, flüsterte sie, nachdem sie ihren Mund aus seinem alles verzehrenden Kuss befreit hatte. Doch Sebastian konnte und wollte dieses prickelnde Spiel nicht dadurch unterbrechen, dass er sie nahm und alles zerstörte. Er legte sich ihre Arme um die Schultern, hob sie an und sie umschlang seine Hüften mit ihren Beinen. Unter sanftem Einsatz seiner Zähne saugte er sich an ihrem Hals fest und stöhnte dumpf, als ihre Körper miteinander verschmolzen.

Sie klammerte sich an seine Schultern und schrie leise an seinem Hals, während ein erneuter Schauer sie schüttelte.

So standen sie, mitten im Raum, wie ein Baum, an dem eine winzige Kletterpflanze hing, ineinander geschlungen, vereint und dennoch bewegungslos bis auf ihre Lippen, die sich gegenseitig zarte Bissmale zufügten.

Es verging einige Zeit, bevor Sebastian begann, sich wie in einem Luftzug zu bewegen. Er wiegte sich vor und zurück, was auch Alice nicht verborgen blieb. Sie biss sich auf die Lippen und krallte ihre Nägel in die Haut seines Rücken, was ihn keuchen ließ.

»Bringst du mich jetzt ins Bett oder muss ich erst verrückt werden?«, fragte sie jammernd und er nickte nur. Sein Gesicht war leicht gerötet und feine Schweißperlen funkelten auf seiner Stirn.

Halb legte er sie ab, halb fiel sie auf die Matratze, was sie zum Lachen brachte. Sie streckte die Arme aus, damit er zu ihr kam, doch er schüttelte den Kopf, zog sich aus ihr zurück und legte sie richtig in das Bett.

»Was machst du denn?«

»Ich mache es richtig«, war die knappe Antwort des Butlers, bevor er ebenfalls auf die Matratze kletterte, zu ihren Füßen, und begann, diese sanft zu kneten. Er arbeitete sich massierend über ihre Waden zu den Oberschenkeln vor und folgte der Spur seiner Hände mit den Lippen.

Alice, die anfangs enttäuscht war, dass er sie nicht gleich nahm, wand sich bereits kurze Zeit später unter seiner Massage, genoss es, schnurrte und machte Geräusche wie eine zufriedene Taube.

Ein leiser, aber spitzer Schrei war ihre Antwort auf Sebastians Lippen an ihrer empfindlichsten Stelle. Sie schob die Hände in seine Haare und warf den Kopf hin und her, verkrampfte die Zehen im Stoff der Decke und jammerte.

»Ich kann nicht mehr...«, wimmerte sie, ihre Augen waren nass und ihre Wangen gerötet und schimmernd.

Sebastian richtete sich auf und sein Körper machte deutlich, dass es ihm genauso ging. Dennoch schüttelte er grinsend den Kopf und drehte die schwach protestierende Alice auf den Bauch, um auch ihren Rücken und ihr Gesäß zu massieren. Sie verkrampfte ihre Hände in seinen Kissen, als er ihr das feine Unterkleid über den Kopf zog und seine Lippen von ihrem Nacken bis zum Steißbein eine kribbelnde Bahn aus Küssen zeichneten.

Seine Hände zeichneten ihre Konturen nach und Gänsehautschauer über Gänsehautschauer schüttelte das Mädchen, die dumpf in das Kissen stöhnte.

»Jetzt nimm‘ mich, oder ich trete dir in das da!«, fauchte sie mit rotem Gesicht und den Augen voller Tränen. Sebastian beugte sich runter und küsste sie.

»Euer Wunsch ist mir Befehl, Herrin.«, schnurrte er und ehe Alice sich versah, hatte er ihr Becken etwas angehoben und war in sie eingedrungen. So unvermittelt, dass sie überrascht aufstöhnte und den Kopf in das Kissen fallen ließ.

 

Langsam und quälend trieb er sie dem Gipfel entgegen, der bei ihr ohnehin bereits in greifbarer Nähe war. Sie malträtierte die Kissen, um nicht zu schreien. Ihm hingegen blieb nichts anderes übrig, als sich etwas zurückzuhalten, sollte man ihn nicht hören.

Doch irgendwann war ihm “Langsam und Quälend” nicht mehr genug und er gab ihren gekeuchten Wünschen nach “mehr” nach. Er veränderte seine Position etwas und verstärkte Tempo und Druck, was ihn Sternchen sehen ließ.

Alice wand sich und schlug mit ihren kleinen Fäusten auf die Kissen ein, strampelte mit den Beinen und war alles in allem sehr lebhaft – und laut. Mit einem Lachen dachte Sebastian, dass es gut war, dass das meiste ihrer Lautstärke in den Kissen landete.

Als er nach ein paar letzten harten Stößen den Höhepunkt erreichte, konnte er deutlich hören, wie Alice spitz und laut in das Kissen schrie, während ihr ganzer Körper in einer Welle erzitterte und bebte. Erschöpft und schwer atmend blieb sie mit dem Kopf in den Daunen liegen. Sebastian zog sich zurück und legte sich neben sie, bevor er sie an sich zog. Sie holte tief Luft und strich sich die verschwitzten Haare aus dem puterroten Gesicht.

»Ich war...«, setzte sie an.

»... wunderbar.«

»... laut.«, korrigierte Alice verlegen.

»Das auch. Aber die Kissen haben sich ja nicht beschwert.«

Alice setzte sich auf und ordnete ihren Pferdeschwanz. Sie hatte sich wieder so schrecklich gehen lassen. Warum konnte sie nicht mal normal bleiben?

»Tut mir leid.«

»Für was?« Sebastian war überrascht.

»Für... das Lautsein, deine Kissen, das Rumschreien, die Ungeduld, dass ich dich treten wollte...«

Sebastian zog sie wieder zu sich in die Kissen und küsste sie mit einem lauten Schmatzer.

»So und nicht anders will ich es haben. Ich will keinen stummen Fisch und ich will auch keine Leiche im Bett. Bleib einfach so und wir werden noch eine Menge Spaß haben.«

»Wäre es nicht ein bisschen leiser besser? Damit der Meister das nicht mitbekommt?«, fragte Alice unsicher.

»Erstens, der Master weiß sowas eh, egal was wir unternehmen und zweitens will ich nicht weniger als dich. Also mach dich nicht leiser, größer oder dünner als du bist, sondern sei einfach du. Mehr als mich kann ich dir schließlich auch nicht bieten.«

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