Mutters neues Leben...

Da noch Ferienzeit war und Tom ja auch noch nicht ganz wiederhergestellt, bot er uns am Montagmorgen an, zu Hause zu bleiben und mit seiner Oma Maria und Georg, sowie nebenbei Melina zu betreuen. Selina und ich mussten einfach wiedermal in der Klinik nach dem Rechten sehen. Immer wieder hatten wir uns nach unserem Kurzurlaub irgendwelchen, zugegeben extremen Ablenkungen widmen müssen. Dabei ist natürlich Vieles liegen geblieben, was sich aber nicht wegdiskutieren ließ. Wir mussten endlich ein Wenig aufarbeiten. Auch die Tatsache, dass ich mich um Horsts Verabschiedung kümmern musste, änderte nichts daran, dass ich erst mal das Tagesgeschäft erledigen musste.

Da der Porsche gerade vor der Haustür stand und die Sonne schien, machte ich das Dach auf und wir fuhren "offen" in die Klinik, wo uns meine Mutter aus dem Fenster zuwinkte. Es schien ihr zu gefallen, wenn Selina und ich gemeinsam kamen. Überhaupt hatte Mutter an ihrer Schwiegertochter einen Narren gefressen. "Liebling, du solltest dir dringend die Finanzen deiner Mutter ansehen." Der Blick, den ich meiner Frau schenkte, lässt sich wohl am Besten mit der Bezeichnung "süss-sauer" beschreiben, denn sie musste lachen. "Ach Michael, du bist ein reicher Mann! Es tut dir nicht weh, sie aus den roten Zahlen zu holen und sie bereut doch, wie sie war! Du tust es ja am Ende doch, also wehr dich nicht so dagegen. Du machst dir nur selbst das Leben schwer, Schatz! Du hast ihr doch vergeben!" - "Hab ich das?" - "Selina klopfte mir mit der flachen Hand auf den Hintern. "Ich sags dir, ich schlage dich!" Lächelte sie und nicht nur sie, denn ein paar Leute vom Personal hatten es gesehen und taten sich schwer damit, ein Grinsen zu verstecken... "Ups...!" Meinte Sel scheinheilig." - "Du bist schon ein Original, Kleines!" sagte ich, gab ihr ein Küsschen und wir gingen jeder für sich in sein Büro.

Ines hatte mir bereits die Post hingelegt und mir kam neuerlich der Gedanke, mir eine Sekretärin zuzulegen, da klingelte mein Telefon. Selina hatte gerade den selben Gedanken gehabt. "Schatz, soll ich dir eine Anzeige schalten, wegen einer Sekretärin?" - "Ich glaube, es geht nicht mehr anders! Sie könnte mir den ganzen Kleinkram vom Hals halten." - "Gut ich schreib mal was zusammen. Ich zeig sie dir, bevor ich sie aufgebe." - "Ist gut! Danke, Schatz!"

Nachdem ich Post und Unterschriftenmappe hinter mir hatte, ging ich zu meiner Mutter. Es war das erste Mal seit dreiundzwanzig Jahren, dass ich alleine freiwillig zu meiner Mutter ging... Ich klopfte und betrat anschließend das Zimmer. "Guten Morgen, Mutter! Wie geht es dir heute?" Es war wirklich sonderbar, wie Mutter sich verändert hatte. Während sie mich früher nie beachtet hatte, schien nun die Sonne für sie aufzugehen, wenn ich das Wort an sie richtete. Glücklich kam sie her zu mir und umarmte mich kurz. "Ach Michael, ich bin so glücklich, dass du wieder mit mir redest. Was hab ich dummer Mensch mein ganzes Leben lang versäumt und jetzt verdanke ich auch noch dir, das ich noch weiterleben darf! Und deine Frau ist hinreißend. Ihr seid so ein tolles Paar! Ihr solltet euch selbst sehen können! Das muß eine unglaubliche Liebe sein, die euch beide verbindet! Schade, dass ich  nie dazu fähig war!" - "Immerhin hast du dich sehr zu deinem Vorteil verändert, Mutter." - "Es ist lieb, dass du das sagst, Michael, aber was ich an dir versäumt habe, werd ich nie mehr gut machen können!" - "Aber du bist auf einem guten Weg, Mutter!" - "Weißt du, Michael, mir wurde erst durch die Krankheit bewusst, dass ich leben möchte und auch lieben möchte." - "Dann hatte sie auch ihren Sinn! Ich muss dich etwas fragen, Mutter. Wie sieht es mit deinen Finanzen aus?" - "Ich habe nichts, Michael, außer unserem mittlerweile sehr maroden Haus und auch das wird mir die Bank bald nehmen, weil ich meine Schulden nicht bezahlen kann. Und die Behandlung kann ich auch nicht bezahlen..." Mutter war errötet und sah kleinlaut zu Boden. "Hast du eine ungefähre Ahnung, wie hoch deine Schulden sind?" - "Nicht wirklich, ehrlich gesagt." - "Erinnerst du dich an meinen Freund Bertie?" - "Der Anwaltsjunge?" - "Ja. Genau der. Er ist jetzt mit Schwester Ines zusammen und nach wie vor mein bester Freund. Ich werde ihn zu dir schicken. Wenn du ihm eine Vollmacht unterschreibst, werde ich ihn beauftragen, deinen Schuldenstand zu eruieren." - "Und dann?" - "Dann werden wir gemeinsam deine weitere Zukunft planen Mutter. Ich bin ein reicher Mann. Deine Schulden zu bezahlen wird für mich kein Problem sein. Aber du hast noch ein Leben vor dir Mutter und du darfst nicht wieder in das alte Loch fallen. Du bist erst achtundfünfzig Jahre alt und wir haben gerade den Sensenmann verjagt! Jetzt musst du noch lernen, zu leben und vielleicht auch zu lieben, dann hast du noch ein schönes Leben vor dir. Selina und ich werden dir dabei helfen. Bist du damit einverstanden?" Wie zu erwarten war, fiel Mutter mir um den Hals und begann heftig zu weinen. "Ich habe dich gar nicht verdient Michael!" schluchzte sie. Und einen ganz kurzen, schwachen Moment lang, gab ich ihr im Geiste Recht...

       

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