Ein  verregneter Tag

Als Neolani eines Morgens erwacht, hört sie von draußen ein Rauschen. Während sie noch überlegt, was das wohl sein könnte, fällt plötzlich ein großer Wassertropfen direkt auf ihre Nase. Und noch einer. Und noch einer. Neolani sieht hoch zur Decke und springt dann mit einem lauten "Iiiiiieeh!" aus dem Bett. Jetzt weiß sie, was das für ein Rauschen ist. Es regnet, ach was, es schüttet wie aus Eimern. Leider ist das Dach ihres Hexenhäuschens ziemlich undicht, wie die kleine, pardon, große Hexe, gerade feststellt, so daß es direkt über ihrem Bett hereinregnet. Und nicht nur über ihrem Bett. Überall im Haus tropft es munter von der Decke. Der Fußboden ist schon ganz nass. Neolani platscht durch ihr Schlafzimmer in die Küche. Auf dem Küchentisch liegt nämlich das Hexenbuch und das braucht Neolani jetzt. Leider tropft es auch auf das Hexenbuch. Es ist völlig durchweicht.

"Och nö,", stöhnt Neolani, "so ein Mist. Was mache ich denn jetzt? Ich brauche doch den Dach-Reparier-Spruch. Aber der steht ganz hinten im Hexenbuch. Und wenn ich die Seiten jetzt umblättere, dann geht das ganze Buch kaputt. Au weia!"
Neolani überlegt. Ja, wenn der kleine Stern jetzt bei ihr wäre. Der hätte bestimmt eine Idee. Zum Beispiel würde er sagen:
"Neolani, ruf doch einfach eine andere Hexe an und frag sie nach dem Spruch."
Tja, der kleine Stern ist aber nicht da, der kommt erst nächsten Dienstag wieder zu Besuch, also geht das ja nicht. - Augenblick mal! Neolani schlägt sich mit der flachen Hand gegen die Stirn. Was ist sie doch für eine dumme Hexe. Natürlich geht das!
Sie nimmt ihr Hexenhandy und ruft ihre Freundin Griselda an. Als diese nach dem neunten Klingeln endlich abnimmt, sagt Neolani:
"Hallo, Griselda. Ich bin`s, Neolani. Du, ich hab hier ein ganz großes Problem: es regnet in mein Haus rein."
"Dann reparier das Dach", brummt Griselda. Morgens hat sie selten gute Laune.
"Das würde ich ja gerne, aber ich weiß nicht mehr, wie der Spruch geht."
"Kuck ins Hexenbuch und lass mich schlafen!"
"Geht nicht, mein Hexenbuch ist total aufgeweicht. Kannst du mir nicht schnell sagen, wie der Spruch geht?", bittet Neolani.
Aber Griselda brummt nur etwas sehr Unfreundliches in den Hörer und legt dann einfach auf. Frechheit!

Tja, da steht Neolani nun und weiß nicht weiter. Schließlich versucht sie einfach, auf gut Glück zu hexen.

                                                        "Iesel, wiesel, Zauberkrach,
                                                          reparier das blöde Dach!"

PUFF!
Neolani kreischt laut auf und bedeckt ihren Kopf mit den Händen. Denn das Dach ist keineswegs repariert, sondern - weg! Komplett weg, total futsch! Neolani steht da, zwischen ihren vier Wänden, und der Regen prasselt fröhlich auf sie und ihre Möbel nieder. Au weia! Schnell hext Neolani weiter.

                                                       "Iesel, wiesel, Rattenschar,
                                                        Hexendach, sei wieder da!"

PUFF!
Puh, so ein Glück, der Spruch hat funktioniert, das Dach ist wieder da. Leider ist es aber immer noch kaputt und so regnet es weiter ins Haus hinein. Verflixt noch mal! Neolani überlegt ganz angestrengt. Wie ging denn dieser Spruch nur??? Aber so sehr sie auch nachdenkt, er will ihr einfach nicht einfallen. Einen Versuch will sie noch machen, und so hext sie:

                                                         "Iesel, wiesel, grünes Schwein,
                                                          mein Dach soll endlich heile sein!"

Aber auch das klappt nicht. Im Gegenteil, das Dach hat jetzt noch viel mehr Löcher, durch die es ins Haus herein regnet.
Neolani setzt sich niedergeschlagen auf den nassen Fußboden. Wenn der kleine Stern doch nur bei ihr wäre! Moment mal... Plötzlich fällt Neolani etwas ein. Als der kleine Stern sie mal gebeten hatte, ein bißchen aufzuräumen, hat sie das Haus immer dreckiger gehext, obwohl sie das gar nicht wollte. Die Oberhexe hat ihr dann mal gesagt, daß bei Hexen vieles eben einfach andersherum geht. Da ist dreckig sauber und heile ist - kaputt. Und dann hat die Oberhexe Neolani eine Strafe aufgebrummt, weil sie aufräumen wollte...

"Hurra, jetzt hab ich`s! Ich muß mein Dach einfach kaputt hexen, damit es heile wird. Mannomann, ist das verrückt, da tut einem ja der Kopf weh! Also los:

                                                           Iesel, wiesel, Eulenschutt,
                                                           mein Dach ist ganz und gar kaputt!"

PUFF!
Ja, es hat tatsächlich geklappt! Das Dach ist wieder heil. Und weil sie gerade dabei ist, hext Neolani ihr Haus auch gleich ganz nass, damit es trocken wird.

Später sitzt sie am Küchentisch und frühstückt. Sie freut sich schon auf das Gesicht vom kleinen Stern, wenn sie ihm am Dienstag von diesem Abenteuer erzählen wird. Der wird bestimmt verrückt werden, bei so viel Kuddelmuddel!



Kommentare

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    Schön! Ich hoffe, dass immer wieder mal die kleine Neolanie durch die Belle-Bibliothek schleichen wird. Man müsste ihr das natürlich strengstens verbieten!!! Vielleicht klappts...

  • Author Portrait

    Juhuu, Neolani ist zurück! XD Oder sollte ich besser schreiben: "weg"? ;-)

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