Eines Tages wurde der kleine Stern krank. Er war ganz blaß und ließ die Zacken hängen. Neolani machte sich große Sorgen um ihn.
"Soll ich dir einen Kamillentee hexen?", fragte sie ihn. Aber der kleine Stern wollte keinen Kamillentee.
"Oder vielleicht ein Hühnersüppchen?"
Nein, Hühnersüppchen wollte er auch nicht.
"Na, dann vielleicht einen bunten Regenwurm mit Schafsohren und Spinnenbeinen?"
Aber der kleine Stern schüttelte nur stumm den Kopf.
"Ja, aber, was kann ich denn sonst tun, um dir zu helfen? Irgendwas muß ich doch machen. Wir sind doch Freunde. Soll ich vielleicht einen Doktor holen?", fragte Neolani besorgt.
"Danke, aber der kann mir auch nicht helfen", meinte der kleine Stern.
"Ja, aber was hast du denn?"
Der kleine Stern seufzte. Ganz lange. Und dann sagte er:
"Weißt du, Neolani, ich hab dich wirklich sehr lieb. Und ich bin auch gerne bei dir. Aber ich vermisse die anderen Sterne so sehr. Ich glaube, ich habe Heimweh."
"Ja", sagte Neolani, "wenn das so ist, dann muß ich dich wohl wieder nach Hause bringen. Aber du mußt mir versprechen, daß wir immer Freunde bleiben und daß du mich ab und zu besuchen kommst!"
Das versprach der kleine Stern ihr von Herzen gerne.

"Aber wie willst du mich denn nach Hause bringen? Das hast du doch schon mal versucht und es hat nicht geklappt."
"Damals war ich ja auch noch eine kleine Hexe. Aber jetzt bin ich groß, jetzt kann ich das bestimmt!"
Sie holte ihr Hexenbuch für große Hexen, setzte sich damit aufs Sofa und fing an zu blättern. Der kleine Stern sah ihr zu und bekam vor lauter Aufregung schon rote Bäckchen. Aber Neolani schüttelte immer wieder den Kopf und brummelte Unverständliches vor sich hin. Dem kleinen Stern klopfte das Herzchen ganz heftig. Hoffentlich fand Neolani den richtigen Hexspruch.
Nach drei Stunden endlich sprang Neolani plötzlich auf und rief:
"Ich hab´s! Jetzt weiß ich, wie du wieder nach Hause kommst!"

Die beiden gingen nach draußen und warteten, bis sich der erste Stern am Abendhimmel zeigte. Dann hob Neolani die Hände zum Himmel, drehte sich dreimal um sich selber, machte einen Luftsprung und knickste dann artig (uäääh!). Sie breitete die Arme weit auseinander, sah hoch zum Himmel und rief:

                                "Iesel, wiesel, Rattenschwanz,
                              komm herbei nun, Sternenglanz!"

Der kleine Stern und Neolani sahen zum Himmel auf. Eine ganze Weile tat sich nichts und der kleine Stern wurde schon wieder ganz traurig, als auf einmal...

"Neolani, guck mal, da kommen ja ganz viele Sterne vom Himmel. Du, so war das aber nicht gedacht, daß du die alle runterhext. Ich wollte doch wieder rauf..."
Aber Neolani schmunzelt nur.
"Warte nur ab, Sternchen!"

Die Sterne kamen immer näher und näher. Sie funkelten so hell, daß Neolani und sogar der kleine Stern die Augen schließen mußten. Da hörten sie eine sanfte Stimme, die sagte:
"Ihr könnt die Augen jetzt wieder aufmachen."

Die beiden blinzelten vorsichtig und rissen dann ihre Augen ganz weit auf. Vor ihnen stand, nein, schwebte, eine wunderschöne junge Frau in einem Umhang aus abermillionen kleinen Sternen. Auf ihren Kopf trug sie ein Diadem, an dessen Spitze ebenfalls ein Stern blitzte. Es war die Sternenfee.

"Warum hast du mich gerufen?", fragte sie Neolani.
Neolani erzählte ihr, daß der kleine Stern vor langer Zeit vom Himmel heruntergefallen war und sie es damals nicht geschafft hatte, ihn zurück zu hexen, weil sie ja noch eine kleine Hexe gewesen war, und daß sie und der kleine Stern Freunde geworden waren und er jetzt Heimweh hatte und nach Hause wollte.
Die Sternenfee sah Neolani ernst an.
"Und du? Willst du wirklich, daß er an den Himmel zurückkehrt? Dann ist er doch ganz weit weg von dir."
"Das macht nichts", sagte Neolani, "Hauptsache, daß er wieder glücklich ist. Dann bin ich auch glücklich. Und außerdem können wir uns ja jeden Abend sehen."
"Du bist wirklich eine sehr nette Hexe!", sagte die Sternenfee.
"Och", machte Neolani und scharrte verlegen mit der Fußspitze auf dem Boden. Sie hoffte nur, daß die anderen Hexen das gerade nicht gehört hatten. Das würde sonst Mecker geben!

Die Sternenfee nahm den kleinen Stern auf ihren Arm und sagte:
"Komm, kleiner Stern, ich bringe dich nach Hause. Neolani, weil du dich so lieb um ihn gekümmert hast und weil ihr euch so lieb habt, darf der kleine Sterne jeden Monat für drei Tage hinunter zur Erde und bei dir sein.
So, bist du bereit, kleiner Stern?"
"Ja, liebe Sternenfee. Neolani, ich danke dir, daß du immer so lieb zu mir warst. Du bist die beste Freundin, die ein kleiner Stern sich wünschen kann. Ich komm dich bald besuchen, dann hexen wir wieder zusammen, ja?!"
"Klar, das machen wir. Also, bis bald und grüß mir die anderen Sterne."

Mit dem kleinen Stern im Arm schwebte die Sternenfee hoch zum Himmel, immer höher und höher, bis sie nicht mehr zu sehen war. Über Neolanis Hexenhäuschen aber ging ein kleiner Stern auf und blitzte so, als wolle er Neolani zuzwinkern. Und das tat er wohl auch...
Neolani winkte dem kleinen Stern zu und ging zurück in ihr Häuschen. Sie nahm ihr Hexenbuch und setzte sich damit vor den Kamin. Sie mußte ja noch so viel lernen, damit sie tolle neue Hexsprüche konnte, wenn der kleine Stern sie besuchte.
Irgendwann wurde sie müde und ging ins Bett. Es dauerte nicht lange, bis sie eingeschlafen war, und im Traum war der kleine Stern  da und sie hexten.

Gute Nacht, Neolani. Bald ist dein kleiner Stern wieder bei dir!




Kommentare

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    einfach schön...

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    Schön war's mit euch beiden, Neolani und kleiner Stern! Ihr werdet mir fehlen! * flüstert Neolani ins Ohr: Vielleicht hilfst du Phantasia ein Buch herauszugeben mit deinen Geschichten? Du bist ja jetzt eine grosse Hexe... ;-) *

  • Author Portrait

    Ohhhh...... schön.

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Feenstaub

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