Nothing to lose

Die letzten Stunden zogen sich quälend langsam dahin.
Ich habe geschlafen, gegessen, versucht, nicht an Ash zu denken, mich gestylt, ferngesehen, versucht, nicht an Ash zu denken, rumgehangen, wieder ferngesehen, wieder versucht, nicht an Ash zu denken usw...
Alles in Allem recht eintönig.

Jetzt sitze ich hier auf diesem billigen, roten Sofa und kann mich vor Nervosität kaum rühren.
In mir brodelt es.
Ich werde es tun.
Ich werde Ash gestehen, was ich für ihn empfinde und dabei Gefahr laufen, von allen gehasst zu werden.
Von den Fans.
Unserem Manager.
-Von Ash...

Nervös trommle ich mit meinen Fingern einen schnellen Rythmus auf meinen Oberschenkeln.
Auch heute stimmen Jeremy und Jake ihre Gitarren und CC klopft im Takt mit meinen Fingern mit seinen Sticks die Tischplatte weich- wie immer.

Doch etwas ist anders.
Jeremy weiß von meinen Gefühlen und er schweigt.
Allerdings spüre ich seine Blicke, die er mir verstohlen von der Seite zuwirft.
So, als wäre es ein Verbrechen mich anzusehen.

Ash sitzt mir schräg gegenüber auf einem Stuhl.
Er übt nicht.
Das braucht er auch nicht, das weiß ich.
Er kennt seine Gitarre.
Er kennt die Songs, die wir spielen werden.
Und er kennt uns.

Sam hat sich uns ebenfalls angeschlossen.
Sie sitzt da, wie eine Statue- anmutig und stocksteif- und schweigt.
Sie spürt die Stimmung.
Hat sie schon immer, seit ich sie kenne.
Sie weiß, wann es besser ist, zu schweigen.

Ihr knallpinkes Haar fällt ihr ins Gesichtals sie sich nach vorne beugt und den Verband um meinen Arm mustert.
So, als könne sie immer noch nicht glauben, was ich getan habe.

Sie betrachtet ihn, verzieht den Mund und schüttelt den Kopf,dann lehnt sie sich wieder zurück.

Ich lasse meinen Blick durch den Raum schweifen.
Wir treten heute in einer anderen Halle auf, als vor wenigen Tagen.
Weil New York groß ist.
Und weil unser Manager meinte, es wäre nicht gut für mich, an demselben Ort aufzutreten, an dem ich das letzte Mal beinahe abgekratzt wäre.
Das verstehe ich.
Ich würde es nicht ertragen, diesen Ort noch einmal zu sehen.
Ich bringe zu viel Schmerz mit ihm in Verbindung.

Vorsichtig sehe ich zu Ash.
Er sitzt da und starrt ins Nirgendwo.
Seine Augen haben dunkle Ringe, aber es fällt nicht auf, da er ohnehin geschminkt ist.
Niemand wird etwas merken.
Jedenfalls nicht, solange ich nichts sage.

Ich denke an Bill, an Ashs verletzten Gesichtsausdruck und das tut mir so wahnsinnig leid.

"Andy?"
Sam stupst mich leicht von der Seite an.
"Ihr müsst raus."
Wie sehr ich mich vor diesen drei Worten gefürchtet habe.
Jetzt sind sie Wirklichkeit.

Zitternd stehe ich auf.
Ich bin der Letzte hier drinnen.
Jinxx, Jake, CC, Ash- alle sind schon voraus gegangen.
Sind in die tosenden Freudenschreie der Fans eingetaucht.
Drei von meinen Freunden würden dieses Konzert genießen.

Drei.
Nicht so Ash und ich.
Das weiß ich.
Wenn es nur ein Konzert gäbe.
Aber heute will ich reinen Tisch machen.
Es muss endlich raus.
Ich kann meine Gefühle nicht länger verheimlichen, sonst erdrücken sie mich.

Als ich die Bühne betrete, brechen die Fans erneut in Jubelschreie aus.
Nur ich kann mich nicht freuen.

Ich warte, bis es ganz still wird.
Das ist etwas, das ich noch bei keinem Konzert zu Wege brachte.
Heute klappt es.
Unsere Fans scheinen gemerkt zu haben, dass etwas nicht stimmt, denn ich lächle nicht.
Ich habe mir nicht die Mühe gemacht.
Wozu auch?!

Dann ergreife ich das Mikrofon.
Aus den Augenwinkeln heraus sehe ich, dass sich meine Freunde überraschte Blicke zuwerfen.
Es war nicht geplant, dass ich vor dem Konzert Reden schwinge.

Ich räuspere mich kurz- auch etwas, das ich ansonsten nicht tue- und schließe die Augen.
Es gibt nichts zu verlieren.
Es gibt nichts zu verlieren.
Es gibt nichts zu verlieren.

Dann lege ich los.
Zaghaft kommen die ersten Worte über meine Lippen.
Die ersten Worte des Liedes, das ich heimlich geschrieben habe.
Nur für mich.
Und für Ash.
Ganz ohne Instrumentalbegleitung.

"In my head
My life has changed
I've been watching
What I've been getting up to for a long time

In my head
I hear the silence around me
I feel the love in my heart
And it hurts
It hurts so much

I hate myself for lovin' you
I hate myself for lovin' you

Only in my head
I can love you like I want
I'm so helpless
Without you

Please,
Let me forget
Let me forget the pain
That makes me feel like an empty layer

I hate myself for lovin' you
I hate myself for lovin' you

You know what I mean
I've already felt it to long
But now it's time to reveal myself to you

I hate myself for lovin' you
I hate myself for lovin' you

But now I 've to stand in front of you
Without the fear of rejection
And tell you a story
A lovestory
'Cause I love you
I love you, Ash

Forever"

Als ich ende und die Augen wieder öffne, starren mich alle an.
Keiner gibt einen Mucks von sich.
Vorsichtig, so als könnten mich Blicke erdrücken, drehe ich mich zu Ash um.
In seinen Augen funkeln Tränen.
Stumm laufen sie seine Wangen hinab.

"Oh Gott... Andy... ich... ich... es tut mir so leid... so unglaublich leid... ich war so blind... ich... ich..."
Ashs Stimme wird durch das Mikro neben seinem Mund so verstärkt, dass jeder in der Halle, alles mitbekommen hat, was er gesagt hat.

Kurz drehe ich mich zum Publikum.
Viele haben ihr Handy gezückt und filmen mit.
Dann werfe ich Ash einen letzten Blick zu, bevor ich fluchtartig die Bühne verlasse.
Ich weiß, was er jetzt denkt.
Er hasst mich.

Ich habe getan, was getan werden musste.
Die Sache ist erledigt.
Ich weiß, was ich jetzt tun werde...
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So.
Na? Hat's euch gefallen?
Würde mich total über Kommis freuen.

Zum Kapitel: Ich weiß, ich weiß, ich habe meinen Songtext nochmal eingebaut. Hoffentlich stört das keinen.
Nachdem dieser Songtext ja meinem Hirn entsprungen ist, gibt es folglich auch keine Melodie dazu, obwohl ich da so was im Kopf habe, was ich selbst entworfen habe.
Aber die Geschmäcker sind verschieden, deshalb finde ich, dass jeder seine eigene Melodie zu diesem Text wählen sollte.

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beta
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