Palais Bücker

Selina hatte, nach mehreren Fehlversuchen, endlich Maria erreichen können. Sie erklärte ihr so gut es ihr möglich war die Situation. Maria hatte schon im Fernsehen und auch ein Wenig aus den Telefongesprächen mitgekriegt, das etwas nicht in Ordnung war. Aber dass sie und ihr Mann in Gefahr sein sollten, glaubte sie nicht. Selina gab mir den Höhrer. "Hallo?" - "Hallo Maria! Es ist ihnen doch recht, wenn ich sie Maria nenne?" - "Aber ja, natürlich Herr Montar!" - "Maria, es ist vielleicht übertrieben, aber wie sie wissen, ist auf Selina und mich ein Attentat verübt worden, das heißt, eigentlich mehrere. Das Problem ist, dass der Attentäter frei herumläuft und sehr gefährlich ist. Ich möchte einfach ganz sicher sein und auch Selina natürlich, dass ihnen keine Gefahr droht." - " Aber was soll der Mörder von uns wollen?" - "Vermutlich nichts! Aber er hat keine Bleibe und ist auf der Flucht. Zumindest besteht die Gefahr, dass er bei ihnen die Möglichkeit sieht, einzudringen um nicht draußen übernachten zu müssen. Und wenn diesem Mann jemand im Wege steht, tötet er ihn. Ohne Rücksicht auf Verluste. Deshalb werden wir sie entweder aus dem Palais holen, oder aber wir bleiben bei ihnen und nehmen sechs Polizisten und unseren Sicherheitschef mit." - "Herr Montar, jetzt krieg ich aber schon ein Bisschen Angst."  - "Wie dem auch sei, Maria. Bitte bereiten sie sich darauf vor, dass wir sie abholen und sehen sie zu, dass auch ihr Mann bereit ist. Möglicherweise bleiben wir auch. Das entscheiden wir vor Ort. Mir ist nur wichtig, dass sie gewarnt sind und bereit, wenn wir kommen. Kann ich mich auf sie verlassen Maria?" - "Aber natürlich, Herr Montar. Darf ich noch einmal mit Frau Doktor sprechen?" Ich bejahte und gab Selina den Hörer. Sie sprach noch ein paar Minuten mit Maria und kam dann auf mich zu. "Du weißt immer was du sagen musst und was zu tun ist..." Sie lehnte sich an mich und ich hielt sie ein Wenig im Arm. "Du kannst gut mit Menschen umgehen, weißt du das?" - "Nein Selina. Ich sage nur, was ich denke und manchmal, wenn ich glaube, dass es jemandem Angst einflößen könnte, dann versuche ich es behutsam zu formulieren." - "Maria ist eine liebe gütige Frau, aber sie ist normalerweise eher mißtraurisch. Bei dir seltsamerweise nicht!" - "Selina, sie kennt DICH! Sie kann sich denken, dass du nicht mit irgendeinem Idioten fusionieren wirst!" Sie lachte laut auf. "Meinst du mit Fusion die Art, wie du dir heute Morgen den Kaffee ergaunert hast?" Es läutete. Max war da. Hinter ihm erschien Josef Brandmayr in der Tür. "Herr Montar ich hab heute frei und würde sie bei ihrem Ausflug gerne begleiten." - "Ich bitte darum, Herr Brandmayr. Hat Herr Schmeisser ihnen von unserem Personalwunsch erzählt?" - "Ja, aber ich kann noch nichts dazu sagen. Interessieren tät's mich schon. Aber ich begleite sie freiwillig, unabhängig davon, ob ich ihr Angebot wahrnehmen kann oder nicht." - "Das ist sehr anständig von ihnen. Es soll ihr Schaden nicht sein, Herr Brandmayr." Max war von seinem Chef gerügt worden, weil er in Walthers Landkreis zwar als ranghöherer Offizier, aber gegen ihn, meinen Hubschraubertransport befohlen hatte. Als er feststellte, dass ich sonst nicht überlebt hätte, erhielt er zur Antwort, dass das nicht bewiesen wäre.  Warum Walther Schmeissers  Entscheidung, mit den Handschellen ungestraft negieren durfte, wurde damit begründet, dass so weitreichende Folgen nicht   absehbar gewesen wären, ebensowenig durch die Änderung der Wachzeiten der beiden Beamten, die getötet worden waren. Das Fass zum Überlaufen aber, brachte  die Meldung, dass Walthers Entscheidung, den Hubschrauber bei der bevorstehenden Festnahme des Flüchtigen beim Seehaus einzusetzen, völlig korrekt gewesen sei!  Er wäre daraufhin ausgerastet, meinte Max, was sonst nicht seinem Naturell entspräche. Er habe sich daraufhin mit ein paar verbalen Nettigkeiten selbst abgeschossen. Ich wies Max an, seine Erinnerung an die letzten zwei Stunden genau zu notieren. Ich würde dafür sorgen, dass gegen die beiden und den Staatsanwalt ermittelt werden würde. Mein Fall war mittlerweile so Medienpräsent, das sich bereits das Innenministerium damit beschäftigte. Eine Untersuchung würde diesen Idioten nicht mehr ausbleiben, Bertl war darüber bereits informiert und  Gerd würde ich noch bitten, all diese Blödheiten in den Medien breitzutreten ." Wenn wir das geschickt einfädeln, und Bertl ist gut in solchen Dingen, dann müssen dir diese Dilletanten noch was dafür zahlen, das sie dich "entfernt" haben, Max. Ich freu mich, dass du mein Angebot angenommen hast!" - "Da ist noch was, Michael: Die Bodygards werden abgezogen. Das ist vermutlich mein Fehler, weil ich gestern noch um zwei Beamte aufgestockt habe. Damit habe ich meine Befugnisse überschritten. Weiterer Personenschutz sei nicht mehr vorgesehen... " Selina und ich schauten uns an. Ich streckte eine Hand nach ihr aus und sie kam an meine Seite. "Ich versprech dir, dass wir Maria und ihren Mann trotzdem schützen werden, Kleines. Womit  fahrt ihr?" -  "Wir sind mit meinem Privatwagen hier." meldete sich Brandmayr zu Wort. "Über Ihren Einsatz freuen wir uns jetzt noch mehr! Selina und ich fahren mit dem Range Rover, ihr beide macht auf Geleitschutz. Was ist besser? Vor oder hinter uns?"  Max trat zu mir. Er hielt mir eine kleine Pistole her. "Ich nehme an, du kannst damit umgehen. Es ist eine meiner Privatwaffen. Nur für den Fall... Wir bleiben hinter euch." Max hatte mir eine Walter PPK in die Hand gedrückt. Ich hatte mit so Einer schon mal geschossen und es war ein gutes Gefühl, sie zu haben. So brauchte ich auch die tschechische Pistole nicht zu erwähnen. An Selinas Gesichtsausdruck erkannte ich, dass sie gerade genau dasselbe gedacht hatte. Sie hielt mir den Schlüssel des Rover her. Ich muss wohl ein wenig gelächelt haben, denn sie murmelte: "Da freut sich der kleine Rallyfahrer."  Wir gingen in die Garage. ich nahm eine Fernbedienung aus dem Cabrio und nahm sie mit in den Rover. Das Tor öffnete sich und wir fuhren raus. Wachtmeister Schmied kam zu uns. "Herr Montar, es tut mir sehr leid und ich kann es auch nicht verstehen, aber ich muss mit meinen Leuten leider abziehen." - "Ich Weiß! Sagen sie bitte ihren Leuten, dass wir ihnen sehr dankbar sind für ihren Einsatz. Wenn das alles vorbei ist, werden wir ein Fest geben, für alle, die uns in dieser schweren Zeit zur Seite gestanden haben." Ich reichte ihm die Hand. "Vielen Dank! Wünschen sie uns Glück!" - "Das tun wir Herr Montar, von ganzem Herzen!" Ich beschleunigte den Rover die Auffahrt hinunter, gefolgt von Brandmayrs Golf. Selina sah mich von der Seite her an. Ich lächelte, "Ich hab am Freitag auch bemerkt, dass du mich angesehen hast. Heute brauchst du deinen Blick nicht mehr abzuwenden, ich weiß jetzt, dass du dich in mich verliebt hast." - "Na dann ist ja alles gut!" Lächelte sie. Im Nachhinein weiß ich, dass wir uns auf diese Art Mut machten. Mut, für unseren Besuch im Palais Bücker...                           

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