Papi?

Sie verließen Miras Privaträume und schlenderten hinuter zum Meer. Mira wollte bald schlafen gehen, damit sie morgen fit war, wenn die Gäste zum Frühstücksbuffet kamen. Es dauerte immer eine ganze Weile, das Buffett zu arrangieren, weshalb sie immer sehr früh aufstand.
Am Steg angekommen, zeigte er ihnen Mirkos Boot. Es war ein sieben Meter langes offenes Motorboot mit einer starken Achtzylindermaschine. Stark aber durstig. Natürlich war eine blaue Persenning darüber, die einige "Visitenkarten der fäkalen Art" von den Möwen aufwies. "Wenn mein Patent durch ist, werd ich Mirkos Boot eine von meinen Maschinen verpassen. Dann braucht er nicht mehr zu tanken und die beiden haben sichs echt verdient. Ein Hauskraftwerk werd ich ihnen auch verpassen. Ich vergesse nie, wenn jemand gut zu mir war. Und ich gebe das zurück, auch wenn es lange dauert."
"Du bist sehr großzügig, Michael, auch zu uns!" - "Wenn man hat, kann man leicht geben. Aber vielen Reichen fällt es schwer, etwas von sich abzugeben. In Wirklichkeit sind das arme Menschen, die jeden Wert am Geld festmachen. Sie verkaufen ihre Seele. Sollte ich einmal reich werden, bin ich nicht so dumm. Ich möchte Mensch sein, bis ich einmal sterbe." - "Musst du sterben Michael?" fragte Tommy entsetzt. Nein mein Junge, ich bin ganz gesund. Irgendwann ist für jeden Menschen das Leben einmal vorbei, aber ich hoffe, dass ich ich noch lange, lange für euch da bin.
"Michael? Ich habe keinen Papi! Möchtest du nicht mein Papi sein?" Michael kämpfte mit den Tränen. "Das wäre mein größter Wunsch, Tom! Mein Allergrößter!" presste er sichtlich berührt hervor, "Aber das hängt natürlich auch von deiner Mami ab." Er wandte sich zu Silvia, die ebenfalls feuchte Augen hatte. "Meiner auch, Tommy! Und Michael wird der liebste Papa sein, den es gibt." - "Dann müsst ihr bald heiraten. Dann kann ich Papi zu dir sagen, Michael."
Alles schien sich endlich in die richtige Richtung zu entwickeln. Drei restlos glückliche Menschen gingen nun nach oben. Michael brachte Tommy ins Bett. Er gefiel sich sehr in dieser Rolle. Mira hatte ihnen vor dem Schlafengehen noch zwei Flaschen Wein und Gläser auf den Terrassentisch gestellt. Diesmal war es Silvia, die am Geländer stand und auf die Bucht sah. Es war angenehm warm und eine ganz leichte Brise kühlte angenehm die Tageshitze ab. Michael ging zu seiner geliebten Grazie. Im schwachen Licht am Geländer wirkte sie einfach märchenhaft schön! Sie hatte bei all ihrer Herzlichkeit etwas anmutiges, vornehmes an sich. Diese Frau hatte mitsamt ihrem Sohn Michaels Herz in Beschlag genommen. Er war den beiden mit Haut und Haaren verfallen und er genoss es in vollen Zügen. Er hatte nun endlich bekommen, was er sich sein ganzes Leben lang ersehnt hatte: Eine kleine aber feine Familie...

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