Part 11

 Sams lachen fuhr mir durch meine Adern und ein kalter Schauer lief mir über meinen Rücken
„Schön, dass du deinem Auftrag gleich nachgekommen bist!“
„Was soll das hier?“, fragte ich und war über meine feste Stimme sehr überrascht.
Natürlich war diese Frage überflüssig.
„Wir gehen ebenfalls unserer Arbeit nach!“; sagte Vassago dazu. Er hatte immer eine sehr ruhige Stimme gehabt. Soweit ich weiß, hatte er noch nie seine Beherrschung verloren. Ich wollte auch nie dabei sein, wenn es mal soweit kommen sollte.
„Ich dachte ich sollte diesen Dämon ranschaffen!“
Ich fragte mich selbst, ob ich mich nur dumm stellte, oder ob ich die Wahrheit einfach verdrängen wollte.
Sam schüttelte den Kopf. „Du enttäuschst mich, Süße. Als ob wir uns auf dieses Niveau herunter lassen und einfache Dämonen suchen würden. Nein, wir sind heute hier um mit dir das selbe zu tun, wie mit Soi zuvor!“
„Tyron hat nicht den geringsten Grund dazu. Ich habe alles gemacht was er verlangte!“, sagte ich aufgebracht.

Ich hätte besser auf meine Tonlage achten sollen, aber dafür war es jetzt zu spät. Sams Augen verdunkelten sich langsam, ein Zeichen dafür, dass er wütend wurde. Dennoch grinste er widerlich.
„Wie kommst du darauf, dass Tyron dem hier zugestimmt hätte?“
Mehr, als Sam anzustarren, brachte ich nicht zustande. Tyron hatte das hier nicht veranlasst? Aber warum taten sie es dann?
„Als würde er zustimmen, dass wir seine letzte Dämonensucherin töten!“, lachte Sam.
Also würden sie mich ein wenig quälen, ob das so viel besser war, glaubte ich kaum.
„Und da dachtet Ihr euch, zumindest etwas Foltern muss drin sein oder was?“
Sicher, mach´ sie noch wütender das wird helfen, fuhr ich mich an.
„Ich mach´ mir doch nicht die Mühe, hierher zu kommen, nur um dich etwas zu Foltern. Mit Sicherheit nicht, heute wirst du sterben, Süße!“
Sam lachte schon wieder, wenn ich es nicht besser wüsste hätte ich gedacht er hatte ein Witz von sich gegeben.
„Aber Tyron...“, begann ich, wurde allerdings von Vassago unterbrochen.
„Er wird alles erfahren; wie du davon laufen wolltest, wie du versucht hast, dich gegen uns zu behaupten und natürlich deine tragische Niederlage!“
Auch Vassago kicherte kurz.
Es sollte also tatsächlich hier enden. Wird nicht jeder irgendwann mal sterben? Ich wusste noch, als ich klein war fragte ich einst meine Mutter wie es wäre zu sterben. Nach kurzem Nachdenken antwortete sie: „Ich glaube es ist als würdest du ganz tief einschlafen und du hast einen wunderschönen Traum der nie enden wird!“
Ich mochte diese Vorstellung des Todes, aber das mein Tod mit solchen Schmerzen, die ich ganz sicher haben werde, verbunden sein würde, hätte ich niemals für möglich gehalten.

Gab es eine Möglichkeit zu entkommen? Mein Blick schweifte von den Beiden vor mir ab und ich sah eine doppelte Tür und die Treppe. Sollte ich es wagen und nach oben rennen?
Ich atmete schwer aus und rannte schließlich los, die Treppe nach oben. Ich hörte, wie einige Stufen knarrten und andere zusammenbrachen.
„Hör auf, Vass. Wie sollen wir sonst da hoch kommen!“, hörte ich Sam meckern.
Ich lief den Flur entlang und sprang ins nächste Zimmer und war erleichtert, dass sich die Tür ohne weiteres schließen und verriegeln ließ.
Schnell drehte ich mich um und machte mir ein Bild von meinem Fluchtort. In dem Zimmer befand sich ein kaputter Kleiderschrank, ein zerfallenes Bett und ein defektes Fenster.
„Verdammt!“, fluchte ich.
Wohin? Noch einmal sah ich mich um; natürlich war ich mir den Schritten bewusst, die immer näher kamen. Jetzt erst fiel mir die Tür auf, die sich direkt neben dem Schrank befand. So leise und schnell ich konnte lief ich in den nächsten Raum. Zu meinem Pech ließ sich diese Tür nicht verriegeln. Ich drehte mich um und stellte fest, dass dieses Zimmer genauso eingerichtet war wie das von eben.
Das einzige, was sich von den beiden Räumen unterschied, war, dass ein großes weißes Laken über dem gesamten Bett lag. Es sah ziemlich neu aus. Langsam lief ich auf das Bett zu, am Fußende nahm ich das Laken in meine Rechte, aber ich stockte. Warum, das wusste ich nicht, aber ein eigenartiges Gefühl überkam mich und ich wollte nicht wirklich wissen, was darunter war. Dennoch spürte ich einen Drang in mir, der das Laken wegziehen und nachsehen wollte.
Ich hatte nicht mit bekommen, wie ich die Luft angehalten hatte, bis meine Lungen nach Sauerstoff schrien. Nachdem ich tief eingeatmet hatte, zog ich das Laken vom Bett und erstarrte.

Ich konnte spüren wie sich ein Schrei meine Kehle hoch Arbeitete, ruckartig legte ich meine Hand auf den Mund und erstickte diesen. Langsam sackte ich zu Boden und Tränen bildeten sich in meinen Augen. Meine Verzweiflung nahm unglaubliche Ausmaße an.
Da Lag sie, Soi. Kaltblütig ermordet und hier zurückgelassen. Würden sie das Selbe mit mir tun? Würden sie mich neben Soi legen?
Ich sah sie nicht genau an, ich wollte nicht sehen wie weit sie schon Verwest war oder von was sie da zerfressen wurde.
Nur schwer kam ich wieder auf die Beine, warf das Laken über das Bett und verließ taumelnd das Zimmer. Zu spät erinnerte ich mich daran, warum ich überhaupt in diesen Raum gegangen war. Denn ich spürte schon einen scherzhaften Druck an meiner Wange, ich schmeckte das Blut und fiel zu Boden.
„Zu einfach!“, hörte ich Sam sagen.
Ich spukte das Blut aus und stand wackelig auf. Er packte mich am Arm und warf mich nach vorn in Richtung Treppe.
Unten angekommen, nahm Sam mir die Waffe aus meinem Hosenbund und lachte wieder. „Was willst du denn damit erreichen?“, fragte Sam und sah mich amüsiert an.
Ich wusste nicht, ob er es mit Absicht zuließ, oder ob ich einfach Glück hatte, aber ich schlug mit meiner Hand gegen Seine, er verlor die Waffe, schnell bekam ich sie zu fassen, entsicherte und schoß auf ihn.
Zu meiner Überraschung traf ich seine Schulter, jeder andere hätte ihm natürlich in den Kopf geschossen, aber im selben Moment, während ich zielte und schoss, traf mich ein Schlag von Vassago.
In dem Moment war ich froh, ihn überhaupt getroffen zu haben, auch wenn es nicht wirklich etwas brachte.
Durch Vassagos Schlag, der natürlich von seiner Fähigkeit ausging, war ich gezwungen, zu Boden zu gehen und tief durchzuatmen.
Sam stand vor mir und betastete die Stelle, an der ich ihn mit der Kugel verletzt hatte. Langsam drehte sich sein Kopf wieder zu mir und sein Blick durchbohrte mich. Seine Augen schienen jetzt schwarz zu sein und sein Gesicht war zu einer schlecklichen Maske verzogen.
„Du kleine Schlampe, wie kannst du es wagen, auf mich zu schießen und mein Hemd zu ruinieren!“
Natürlich erwartete er keine Antwort und ich bemerkte, dass er sich noch stark zurückhielt, denn noch war seine Stimme menschlich.
Er gab mir einen starken Tritt und ich knallte gegen die Wand hinter mir.
„Das wirst du noch bereuen!“, sagte er nun. Und da war sie auch schon, ich hasste die Dämonenstimmen. Die Stimme des Dämons hörte man doppelt, wie eine Art Echo, und mit einem unmenschlichen Vibrieren dahinter.

Sam hatte es noch nie bei Drohungen belassen, er war jemand, der sein Wort hielt. Bis auf seine Versprechen versteht sich.
Und so begann er, seiner Wut freien Lauf zu lassen, indem er mich verprügelte. Immer, wenn ich meine Kraft zusammennahm, um mich zu wehren, setzte Sam seine Fähigkeit ein. Ich konnte mich nicht mehr rühren und er ohne weiteres zuschlagen. Er hatte selbstverständlich viel Spaß daran. Ich wusste nicht, wie lange er das durchhielt, aber irgendwann nach einigen geprellten oder sogar gebrochenen Rippen, nach zahlreichen Blutergüssen, Kratzern und blauen Flecken hörte er auf und gesellte sich zu Vassago, der es sich auf der Treppe bequem gemacht hatte, um und genüsslich zu beobachten.
Wirklich darauf achten, was die beiden jetzt redeten, konnte ich nicht, ich kämpfte jetzt gegen die Ohnmacht. Ich schmeckte das Blut in meinem Mund und war mir sicher, dass auch meine Nase blutete.
„Leg los!“, hörte ich jetzt Sams Stimme. Was kam jetzt? Eine weitere Runde? Oder sollte ich jetzt schon zu Soi gebracht werden? Das hätte ich dem, was jetzt passierte, sogar noch vorgezogen.
Vassago war an der Reihe, auch er trat und schlug auf mich ein. Was die Sache noch schlimmer machte, war, dass auch er seine Fähigkeiten einsetzte. Ich hatte keine wirkliche Kraft mehr um meine Schreie zurückzuhalten, natürlich gefiel das Sam und Vassago besonders und anscheinend motivierte es Vassago stärker und öfter zuzuschlagen.

Auch bei Vassago vernahm ich keine Zeit. Erst, als er von mir abließ und wieder zu Sam ging, getraute ich mir, meine Augen zu öffnen, und kontrollierte mehr oder weniger, was jetzt noch alles gebrochen war. Aber soweit ich feststellen konnte, fand ich nichts Neues, allerdings war ich mir sicher dass die Rippen jetzt gebrochen sein mussten.
Am Rand bemerkte ich, dass beide das Haus verließen. Was war denn jetzt? Die bessere Frage war, was interessierte das jetzt. Ich musste meinen Hintern hoch bekommen und abhauen.
Leichter gesagt, als getan, denn es war nicht leicht, auf die Beine zu kommen und dann auch noch zu laufen. Mit unglaublichen Schmerzen schleppte ich mich erneut die Treppe nach oben. Sicher war das der sinnloseste Fluchtweg, den es gab, aber ich hatte keine Zeit nach der Hintertür zu suchen und ich glaubte kaum, dass Sam oder Vassago mir da weiter helfen würden.
Als ich oben ankam, lief ich zur letzten Tür des Flures und öffnete diese, noch eine Treppe.
Ich betrat sie und wollte eben die Tür schließen, als ich Sam unten Brüllen hörte: „Du miese Schlampe, wo bist du?“
Er war sicher nicht die schlauste Idee gewesen, die Treppe nach oben zu laufen um zu flüchten, aber hielt er mich wirklich für so dumm, als dass ich ihm das zurufen würde?
Ich schloss die Tür und quälte mich weiter die Treppe nach oben. Meine Lungen brannten und mein Körper wies mich sehr extrem darauf hin, dass er etwas dagegen hatte, sich zu bewegen.
Endlich oben angekommen sah ich mich um. Der Dachboden.
Hier oben war nichts an Möbeln, das Dach war kaputt und hing hier und da noch an einigen Dachbalken.
Ich zuckte zusammen, als ich hörte wie die Tür aus den Angeln gerissen wurde und zwei paar Füße wütend nach oben gestampft kamen.
Ich wich zurück, wissend, dass es mich nicht retten würde.
Beide kamen oben an und blickten mich aus wütenden Augen an.
Wie schon mal erwähnt, war Sam keiner, der nur drohte und auch jetzt fackelte er nicht lange und schoss zwei mal mit meiner Waffe. Beide trafen ihr Ziel, die eine meine rechte Schulter und die andere schlug in meine Magengegend ein. Ich spürte wie beide Kugeln mein Fleisch durchbohrten, aber es schmerzte nicht sehr viel mehr, wie die Prügel, die ich vorher bezogen hatte.

Rücklinks fiel ich zu Boden, diese Schmerzen ließen sich schon etwas schwerer verdrängen. Beide Männer, oder besser Dämonen, stellten sich neben mir auf.
„Du solltest das nächste Mal besser auf deine Blutspuren achten!“, riet mir Vassago.
„Das nächste Mal achte ich darauf, danke!“, stammelte ich grinsend.
Natürlich machte es beide wütend, aber was kümmerte mich das jetzt noch? Ich war mich sicher, dass Sam sich mehr über mein Grinsen aufregte, als über den Spruch. Denn er nahm kurzer Hand mein Bein und brach es mir mit Leichtigkeit, indem er dagegen trat.
Schmerzerfüllt schrie ich ein letztes Mal auf. Die Schwärze überkam mich. Nur weit entfernt hörte ich wie Vassago noch fragte: „Bringen wir sie gleich runter?“
„Nein“, antwortete Sam, „Wir machen das Morgen oder erst Übermorgen, erst mal müssen wir zu Tyron!“
Das Sam der letzte sein würde, den ich in meinem Leben sprechen hörte, hätte ich auch nie für möglich gehalten.
 

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